Reisebericht
Zwischen Seen und Stadtrausch: So habe ich meinen finnischen Sommer in Karelien und Helsinki erlebt
Ich war noch nie in Finnland, als mich im Frühjahr 2026 eine Einladung erreichte, die man als Mitarbeiter bei HolidayCheck nicht ausschlägt: eine Woche Finnland, organisiert von Finnland und Finnair, um das Land für künftige Kampagnen besser kennenzulernen. Beruflich reise ich oft in Gruppen mit anderen internationalen Handelspartnern, nicht privat und nicht allein. Genau das gibt mir aber einen Blick auf ein Land, den ErstbesucherInnen selten haben. Ich sehe nicht nur die Fotomotive, sondern auch, wie ein Ort funktioniert, wenn er sich selbst zeigen will.
Folge unserem WhatsApp Kanal!Gutscheine, Gewinnspiele, relevante News & Updates zum Thema Reisen!Zum KanalWo der See den Tag entschleunigt
Mein erster Tag beginnt im Vanha Kaivos, der alten Kupfermine von Outokumpu, ein Stück finnische Industriegeschichte mit unterirdischen Gängen und einem kleinen Bergbaumuseum. Danach wird es deutlich ruhiger: am Kolmikanta Camping and Wilderness & Nature Center am Ufer des Särkiselkä-Sees gehen wir als Gruppe Kajak fahren, ruhig übers Wasser, mit Blick auf die Waldkulisse am Ufer. Zum Mittagessen gibt es Fisch, den die Eigentümer selbst gefangen und über einem traditionellen Ofen geräuchert haben, dazu selbstgebackenen Kuchen.
Was mir an diesem Ort auffällt, ist das Tempo. Wild Karelia, wie das Unternehmen hinter Kolmikanta Camping heißt, betreibt neben dem Café auch Hütten, Stellplätze für Wohnmobile und Zelte, eine Sauna direkt am See und organisiert Kanufahrten, Wander- und Radrouten. Alles wirkt bewusst klein gehalten, keine große Anlage, sondern ein Zwischenstopp, an dem man auch einfach nur am Steg sitzen und dem Wasser zusehen kann.

Lizas Tipp
Wer Fisch nicht mag, sollte wissen: gerade in den ländlicheren Gegenden Nordkareliens ist die Küche fischlastig. In der Stadt ist die Auswahl größer. Und wer alkoholische Getränke einplant, sollte die Preise in Finnland generell etwas höher ansetzen als in Deutschland, dafür sind viele Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Radfahren oder Saunieren kostengünstig oder sogar kostenlos.
Die Sauna ohne Handtuch
Am Nachmittag checken wir im Break Sokos Hotel Bomba ein, direkt am Ufer des Pielinen-Sees in Nurmes. Bevor es in die hoteleigene Sauna geht, frage ich meine Gruppenleitung, eine Finnin, sicherheitshalber, ob man dort mit oder ohne Badekleidung sitzt. Was mich dann trotzdem überrascht: Man nimmt selbst keine Handtücher mit zum draufsetzen, sondern es gibt dünne Papier-Tücher vor den Saunen zur einmaligen Nutzung, ganz anders als ich es aus Deutschland kenne. Kleine Details wie dieses zeigen mir, wie viele ungeschriebene Regeln die finnische Saunakultur hat.
Am Abend geht es zur Kalevala Movie Village auf dem Bomba-Gelände, den Original-Kulissen des Films über das finnische Nationalepos Kalevala, bevor wir im Bomba House karelisch essen. Gegessen wird in einer traditionellen Hütte, in der das Essen direkt über offenem Feuer zubereitet wird. Statt an einem Tisch sitzen wir auf Sitzbänken an der Seite der Hütte, jede und jeder mit einem kleinen Holzbrett auf dem Schoß, das als Tisch dient. Karelische Küche bedeutet vor allem deftige, herzhafte Gerichte, gut und stärkend nach einem langen Tag draußen.

Lizas Tipp
In Finnland wird ganz grundsätzlich mit Badekleidung sauniert, und statt auf dem eigenen Handtuch setzt man sich auf ein dünnes Tuch. Das ist keine Ausnahme, sondern überall im Land so üblich, anders als in Deutschland, wo das von Sauna zu Sauna unterschiedlich gehandhabt wird.
Der schönste Ausblick, den ich in Finnland gesehen habe
Am nächsten Morgen geht es mit einem elektrischen Coopop-Gefährt entlang des Ufers ins Holzhausviertel Puu-Nurmes, eines der besterhaltenen Finnlands. Anschließend fahren wir nach Koli. Zum Mittagessen im Restaurant Kolin Satamatupa gibt es knusprig gebratenen Muikku, kleine heimische Felchen, mit Kartoffelpüree, ein einfaches, aber sehr gutes Gericht mit lokalem Bezug. Danach folgt eine Bootstour mit der Elektra über den Pielinen-See, den viertgrößten See Finnlands, mit Blick auf die Inseln und den Rand des Koli-Nationalparks. Für Kaffee und Kuchen halten wir an einer kleinen, abgelegenen Insel, wo unser Bootsführer selbstgebackenen Kuchen serviert, gebacken von seiner Frau. Herzlicher und persönlicher geht eine Kaffeepause kaum.
Am späten Nachmittag steht eine Bierprobe im Kolin Ryynänen an, die mir als Münchnerin besonders gut gefällt. Es ist ein cooler Gastropub, bei dem das Besitzerehepaar selbst braut, mit eigener Koli-Brauerei direkt im Haus. Es gibt sogar Bier-Eis, das überraschend lecker schmeckt. Nach dem Check-in im Break Sokos Hotel Koli, welches mitten im Nationalpark mit Blick über den See liegt, führt uns das Naturzentrum Ukko in die Geologie und Kultur der Region ein. Mein Highlight war die geführte Wanderung zu den Koli-Gipfeln, mit Stopp am berühmten Aussichtspunkt Ukko-Koli. Im finnischen Sommer geht die Sonne abends nicht wirklich unter, es ist auch kurz vor dem Dinner noch hell, und genau dieses Licht macht den Ausblick für mich zum schönsten der ganzen Reise: die unendliche Weite, tausende kleine Inseln zwischen den Seen, dazu ein Wolkenschleier, der über allem liegt. Es war einer der ruhigsten Momente der Reise, und ich habe mich gefragt, wo auf der Welt man solche Orte noch findet, ohne dass gleich hundert andere Touristen daneben stehen.
Was den Tag für mich rund macht, ist die Mischung aus Aktivität und Stillstand. Das Break Sokos Hotel Koli liegt so nah am Nationalpark, dass man direkt vor der Tür losläuft, mit eigener Spa- und Saunalandschaft für danach.

Lizas Tipp
Die geführte Wanderung zu den Koli-Gipfeln am späten Nachmittag oder frühen Abend lohnt sich besonders. Das Licht ist dann weicher, und es sind deutlich weniger Leute oben als mittags.
Handwerk, Piroggen und die Ruhe vor der Stadt
Der nächste Morgen beginnt entspannt: eine ruhige Stunde in den Hängematten von Kolin Mattila, einem alten Bauernhof mitten im Nationalpark, bevor es weiter nach Joensuu geht. Das Mittagessen im Restaurant Filipof ist eine klare Empfehlung, wenn Du in der Gegend bist. Ich entscheide mich für Pasta, die ich liebe. Fisch mag ich sehr gerne, aber nicht jeden Mittag und Abend, so liebevoll die Gastgeber ihn auch jedes Mal zubereitet haben. Danach besuchen wir das Taitokortteli, ein Handwerksviertel in einem historischen Holzhof mit kleinen Ateliers und einem Café, direkt daneben das neue Museo Eliel im ehemaligen Rathaus von Joensuu, das von Eliel Saarinen entworfen wurde.
Die schönste Aktivität des Tages ist für mich der Karelische-Pirogge-Workshop auf dem Marktplatz. Eine Karelische Pirogge hat einen dünnen Roggenteig und eine Füllung aus Reisbrei, serviert mit Eierbutter. Teig und Füllung waren zum Glück schon vorbereitet, wir mussten sie nur noch in Form bringen und befüllen. In kleinen Gruppen wird dabei ganz spielerisch verglichen, wem die schönste Pirogge gelingt. Meine sind gut geworden und haben sehr lecker geschmeckt, wahlweise kann man die Pirogge mit flüssiger Butter und Ei bestreichen, allerdings ist das Gericht ziemlich füllend. Direkt danach durften wir alles vor Ort verspeisen. Am Nachmittag fliegen wir von Joensuu zurück nach Helsinki.
Vom Wald in die Stadt
Nach Tagen zwischen See, Wald und Sauna checken wir in Helsinki ein. Das Hotel ist gleich eines der Highlights der ganzen Reise: das Lapland Hotels Bulevardi ist super zentral am Boulevard gelegen und bietet pure Verwöhnung. Mein Zimmer hat eine eigene Sauna, die ich so oft es ging genutzt habe, morgens zum Wachwerden und abends zum Runterkommen. Luxus, mitten in der Stadt.
Am nächsten Tag steht ein voller Helsinki-Espoo-Destinationstag mit einem Get-together am Abend in der Temppeliaukio-Kirche, der berühmten, direkt in den Felsen gebauten Kirche mit ihren rauen Steinwänden und der runden Kupferkuppel. Finnair hatte für uns einen Chor aus eigenen Flugbegleiterinnen organisiert, der dort mit sehr witzigen Texten auftrat, Zeilen wie "welcome on board", wie man sie sonst nur aus der Kabinendurchsage kennt. Mit dem einfallenden Licht, der ungewöhnlichen Architektur und der besonderen Akustik der Felsenkirche war das ein richtiges kleines Schauspiel.
Danach folgt ein Workshop-Tag, der mit einer Party-Like-a-Finn-Nacht endet. Dort basteln wir uns selbst den typischen finnischen Blumenkopfschmuck für Midsommer, wie ihn sonst vor allem die Frauen zur Sommersonnenwende tragen. Ein kleines, sehr persönliches Andenken an einen sonst ziemlich businessgeprägten Tag.
Der letzte Tag steht dann zur freien Verfügung. Wir nutzen ihn für eine organisierte Schnitzeljagd im Linnanmäki, Finnlands ältestem Freizeitpark, der mitten in Helsinki liegt und dessen Eintritt sogar kostenlos ist. Auch als Erwachsene macht das richtig Spaß. Den Abschluss der Reise bildet ein Dinner unter freiem Himmel auf einer kleinen Museumsinsel vor Helsinki. Zwischen Seenstille in Nordkarelien und diesem letzten Abend liegen gerade einmal vier Tage, und genau dieser Kontrast ist für mich das, was Finnland im Sommer ausmacht.
Ein perfekter Helsinki-Tag für mich
Wenn ich einen freien Tag in Helsinki hätte, würde er so aussehen: Vormittags eine Highlights-Tour durch die Stadt, mit der Bibliothek Oodi und dem Olympiastadion als festen Stopps. Die Oodi ist für mich der schönste Moment der ganzen Reise, die Architektur innen und außen, und vor allem das kostenlose Angebot für alle EinwohnerInnen: Musikräume, Spielekonsolen, Bastelwerkzeug, Computerarbeitsplätze. Was mich am meisten beeindruckt, ist, wie selbstverständlich dort Berufstätige, Studierende, Kinder, KünstlerInnen und auch obdachlose Menschen, die dort einen warmen Platz finden, nebeneinander sitzen.
Zum Mittagessen geht es ins Lucy in the Sky, ein verglastes Rooftop-Restaurant mit Blick über die Stadt, cooles Design, guter Service, gutes Essen. Am Nachmittag ein Abstecher ins EMMA, das Museum für moderne Kunst in Espoo, mit beeindruckender Architektur und einem Café und Shop, die sich auch für Nicht-Kunstinteressierte lohnen. Den Abend lasse ich dann offen, ob Rooftop-Bar oder ein ruhiger Spaziergang an der Uferpromenade, Helsinki gibt an langen Sommerabenden beides gut her.
Was bleibt, ist dieses Licht, das im Juni nie ganz verschwindet, und der Gedanke, dass ich zwischen stillen Seen im Nationalpark und einem Rooftop-Dinner in der Stadt eigentlich zwei völlig verschiedene Finnlands gesehen habe, und beide waren echt.

