Wo Genuss zuhause ist
Mit dem Mietwagen durch Italiens schönste Weingegenden
Italien ist nicht nur eines der beliebtesten Urlaubsländer Europas, sondern auch eines der bedeutendsten Weinländer der Welt. Fast jede Region baut Wein an, doch einige Landschaften haben sich längst einen internationalen Namen gemacht. Zwischen mittelalterlichen Dörfern und historischen Weingütern erwarten Dich nicht nur ausgezeichnete Weine, sondern auch einige der schönsten Straßen des Landes.
Bei diesem Roadtrip geht es deshalb weniger darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Viel schöner ist es, sich Zeit zu nehmen, durch kleine Gassen zu schlendern oder den Tag bei einem Glas Wein mit Blick über die Weinberge ausklingen zu lassen.
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Chianti: Das Herz der Toskana
Wer an italienischen Wein denkt, hat häufig zuerst das Chianti vor Augen. Zwischen Florenz und Siena erstreckt sich eine Landschaft aus Weinbergen, Zypressen, Olivenhainen und mittelalterlichen Dörfern. Genau diese Kulisse macht das Chianti zu einer der bekanntesten Weinregionen der Welt. Statt möglichst schnell von Florenz nach Siena zu fahren, lohnt es sich, die Strada Regionale 222, besser bekannt als Chiantigiana, zu erkunden. Sie schlängelt sich mitten durch die Weinberge und verbindet viele der schönsten Orte der Region miteinander. Hinter fast jeder Kurve wartet ein neuer Blick über die Hügel der Toskana.
Beginne den Tag beispielsweise in Greve in Chianti. Rund um den dreieckigen Marktplatz laden kleine Cafés, Feinkostläden und Vinotheken zum Bummeln ein. Von dort erreichst Du nach wenigen Minuten das mittelalterliche Dorf Montefioralle, das zu den schönsten Dörfern der Toskana zählt. Enge Natursteingassen, Blumen an den Hausfassaden und Ausblicke über die Weinberge sorgen hier für echtes Toskana-Ambiente. Weiter südlich warten mit Radda, Castellina und Gaiole drei weitere bekannte Weinorte, die sich wunderbar miteinander verbinden lassen.
Diese Stopps lohnen sich
- Greve in Chianti
- Montefioralle
- Radda in Chianti
- Castellina in Chianti
- Gaiole in Chianti
- Strada Regionale 222 (Chiantigiana)
Tipp:
Viele Weingüter bieten Führungen durch ihre historischen Weinkeller an. Gerade kleinere familiengeführte Betriebe nehmen BesucherInnen oft nur nach vorheriger Reservierung an.
Langhe: Wo der berühmte Barolo-Wein zuhause ist
Im Süden des Piemonts beginnt eine Landschaft, die WeinliebhaberInnen aus aller Welt anzieht. Die Hügel der Langhe gehören gemeinsam mit Roero und Monferrato zum UNESCO-Welterbe. Hier entstehen berühmte Rotweine wie Barolo und Barbaresco aus der Nebbiolo-Traube. Schon die Fahrt durch die Region ist ein Erlebnis. Kleine Straßen führen vorbei an Burgen, Weingütern und endlosen Rebreihen. Immer wieder eröffnen sich weite Ausblicke bis zu den Alpen.
Besonders sehenswert ist das Dorf La Morra. Von der Aussichtsterrasse Belvedere di La Morra blickst Du über eine der bekanntesten Weinlandschaften Italiens. Anschließend lohnt sich ein Stopp im kleinen Ort Barolo, der nicht nur Namensgeber des berühmten Weins ist, sondern auch ein Weinmuseum beherbergt. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Alba. Die Stadt ist nicht nur für ihre Weine bekannt, sondern gilt auch als Heimat der berühmten weißen Trüffel.
Diese Stopps lohnen sich
- La Morra
- Belvedere di La Morra
- Barolo
- Barbaresco
- Alba
Tipp:
Wenn Du im Oktober unterwegs bist, lohnt sich ein Besuch in Alba besonders. Dann findet dort die internationale Weiße-Trüffel-Messe statt und zahlreiche Restaurants bieten spezielle Trüffelmenüs an.
Valpolicella: Heimat des Amarone
Nur wenige Kilometer nördlich von Verona beginnt die Weinregion Valpolicella. Hier entstehen bekannte Weine wie Amarone della Valpolicella, Ripasso und Valpolicella Classico. Die Landschaft wirkt etwas ursprünglicher als in der Toskana. Zwischen Weinbergen wachsen Olivenbäume, kleine Natursteinhäuser prägen das Bild und immer wieder führen schmale Straßen zu historischen Weingütern.
Ein guter Ausgangspunkt ist Verona. Von dort erreichst Du die Weinregion bereits nach kurzer Zeit. Besonders schön sind die kleinen Orte Fumane, Negrar und Marano di Valpolicella. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte außerdem San Giorgio di Valpolicella besuchen. Das kleine Dorf zählt zu den schönsten historischen Orten Norditaliens und bietet einen herrlichen Blick über das Tal.
Diese Stopps lohnen sich
- Verona
- Fumane
- Negrar di Valpolicella
- Marano di Valpolicella
- San Giorgio di Valpolicella
Tipp:
Viele Weinkeller produzieren Amarone noch nach traditioneller Methode. Dabei werden die Trauben vor der Pressung mehrere Monate getrocknet. Einige Weingüter zeigen diesen Prozess während einer Führung.
Val d’Orcia: Die Toskana wie aus dem Bilderbuch
Nur eine gute Stunde südlich des Chianti beginnt eine Landschaft, die wahrscheinlich viele schon einmal auf einem Kalender oder Bildschirmschoner gesehen haben. Grüne Hügel, einzelne Zypressen vertreut in der Landschaft, kurvige Landstraßen und kleine Natursteindörfer prägen das Val d’Orcia.
Gleichzeitig entstehen hier einige der renommiertesten Weine Italiens. Rund um Montalcino wird der Brunello di Montalcino produziert, einer der bekanntesten Rotweine des Landes. Von weiter östlich rund um Montepulciano stammt der Vino Nobile di Montepulciano. Zwischen den beiden Orten lohnt es sich, einfach spontan anzuhalten. Gerade die kleinen Nebenstraßen führen zu einigen der schönsten Fotomotive der gesamten Toskana.
Diese Stopps lohnen sich
- Montalcino
- Montepulciano
- Pienza
- San Quirico d’Orcia
- Cappella della Madonna di Vitaleta
Tipp:
Die berühmte Zypressenkapelle Madonna di Vitaleta erreichst Du nur nach einem kurzen Spaziergang. Besonders kurz nach Sonnenaufgang oder am frühen Abend entstehen hier beeindruckende Fotos.
Franciacorta: Italiens Schaumweinregion
Nicht jeder verbindet Italien sofort mit Schaumwein. Genau deshalb gilt Franciacorta für viele noch als Geheimtipp. Die Region westlich des Gardasees und südlich des Iseosees produziert hochwertige Schaumweine nach der traditionellen Flaschengärung, ähnlich wie in der Champagne. Die Weinberge liegen eingebettet zwischen kleinen Dörfern und dem Iseosee. Dadurch lässt sich ein Tag hier wunderbar mit einer Weinprobe und einem Abstecher ans Wasser verbinden.
Erbusco gilt als Zentrum der Region. Rund um den Ort befinden sich zahlreiche bekannte Weingüter, die Führungen und Verkostungen anbieten. Anschließend lohnt sich ein Spaziergang am Iseosee oder ein Besuch des Naturschutzgebiets Torbiere del Sebino.
Diese Stopps solltest Du einplanen
- Erbusco
- Iseosee
- Provaglio d’Iseo
- Torbiere del Sebino
- Adro
Tipp:
Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann vom Iseosee auch zur autofreien Insel Monte Isola übersetzen. Sie gilt als eine der größten bewohnten Seeinseln Europas.
Übernachten zwischen den Weinbergen
Eine besonders schöne Möglichkeit, diese Regionen kennenzulernen, ist eine Übernachtung auf einem sogenannten Agriturismo. Viele Weingüter vermieten heute Zimmer oder kleine Ferienwohnungen direkt zwischen den Reben. Häufig gehören ein regionales Frühstück, Olivenöl aus eigener Herstellung oder eine Weinverkostung gleich mit dazu. Gerade im Chianti oder im Piemont kannst Du morgens direkt mit Blick auf die Weinberge frühstücken und den Roadtrip ganz entspannt fortsetzen.
Wann lohnt sich die Reise?
Zwischen Mai und Juni zeigen sich die Weinberge in sattem Grün und die Temperaturen sind angenehm für Ausflüge. Im September beginnt in vielen Regionen die Weinlese. Zahlreiche Weingüter öffnen ihre Keller, veranstalten Verkostungen oder kleine Feste. Gleichzeitig ist dies eine der beliebtesten Reisezeiten, sodass Unterkünfte oft früh ausgebucht sind.
Der Oktober gilt für viele als schönster Reisemonat. Die Weinberge färben sich langsam gelb und rot, morgens liegt häufig leichter Nebel über den Hügeln und die Temperaturen eignen sich perfekt für ausgedehnte Fahrten durch die Landschaft.
Praktische Tipps für Deinen Wein-Roadtrip
- Reserviere Weinproben möglichst einige Tage im Voraus, besonders während der Weinlese.
- Viele kleinere Weingüter verkaufen ihre Weine ausschließlich direkt vor Ort, im Kofferraum sollte also noch etwas Platz sein.
- Die schönsten Straßen sind meist nicht die Schnellstraßen. Nimm Dir Zeit für kleine Umwege über die Landstraßen.
- Viele Weingüter schließen über die Mittagszeit. Informiere Dich vorab über die Öffnungszeiten.
- Wenn Du mehrere Weinregionen miteinander verbinden möchtest, solltest Du für die gesamte Route mindestens sieben bis zehn Tage einplanen. So bleibt genügend Zeit für spontane Stopps und ausgedehnte Mittagspausen in den kleinen Dörfern.
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