Auf Entdeckungstour
Kroatien für Alleinreisende: 7 Geheimtipps abseits der Menschenmassen
Allein durch Kroatien reisen – da denken viele zuerst an volle Strände in Split, Kreuzfahrtgruppen in Dubrovnik und teure Cafés an der Riva. Doch abseits der bekannten Hotspots wartet ein anderes Land: eine Künstlerstadt auf einer Hügelkuppe, Fischerorte mit echtem Alltag und Städte, in denen Dir eher Studierende als Reisegruppen begegnen.
Geheimtipp heißt bei uns nicht, dass niemand diese Orte kennt. Gemeint sind Orte, an denen nicht der Massentourismus den Takt vorgibt. Für unsere Auswahl haben wir auf klare Kriterien geachtet. Ein guter Spot ist möglichst auch ohne eigenes Auto per Bus, Bahn oder Fähre erreichbar und schont die Reisekasse. Er bringt Dich nah an Kultur und Menschen, statt Dich in einer Touristenblase abzusetzen. In der Umgebung warten besondere Aktivitäten, darunter auch solche, die bei Regen oder großer Hitze funktionieren. Und nicht zuletzt gibt es dort Gelegenheiten, ungezwungen Kontakte zu knüpfen: bei geführten Touren, Konzerten, auf dem Markt oder am Stadtstrand.
Die folgenden sieben Orte zwischen Istrien und Slawonien bringen vieles davon zusammen.
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Hoch über dem Mirna-Tal im Hinterland Istriens liegt, ein mittelalterliches Städtchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen viele BewohnerInnen den Ort, zahlreiche Steinhäuser standen leer. Ab 1965 zogen KünstlerInnen ein und machten Grožnjan zur Künstlerstadt. Heute reihen sich in den kopfsteingepflasterten Gassen Ateliers, Galerien und kleine Werkstätten aneinander. Seit 1969 hat zudem das Internationale Kulturzentrum der Jeunesses Musicales Croatia hier seinen Sitz. Von Mai bis Oktober organisiert es Workshops, Seminare und mehr als 50 Konzerte pro Saison. Jedes Jahr im Juli kommt das Jazzfestival "Jazz is Back! BP" dazu.
Warum Grožnjan für Alleinreisende ideal ist: Der Ort ist winzig und in wenigen Minuten zu Fuß erkundet. In den offenen Ateliers kommst Du leicht mit den Kunstschaffenden ins Gespräch. Weil junge MusikerInnen aus aller Welt zu den Kursen anreisen, ist die Stimmung im Sommer international. Und auf den Steinbänken in den Gassen sitzen KünstlerInnen und BesucherInnen oft gemeinsam.
Das kannst Du erleben: Das Stöbern durch die Galerien kostet nichts und ist bei Regen eine gute Beschäftigung. Das gilt etwa für die ganzjährig geöffnete Galerie Fonticus im ehemaligen Kornspeicher über der Stadtloggia aus dem 16. Jahrhundert. Bei gutem Wetter lohnt sich die Parenzana: Die Trasse einer alten Schmalspurbahn führt heute als Rad- und Wanderweg durch das istrische Hinterland, vorbei an Grožnjan. Ohne Auto wird die Anreise allerdings umständlich, denn eine direkte Buslinie gibt es nicht. Am einfachsten fährst Du mit dem Bus nach Buje und nimmst für die letzten rund acht Kilometer ein Taxi.
Plane Deinen Besuch in den Sommermonaten, wenn das Konzertprogramm läuft, und bleib über Nacht. Wenn die Tagesgäste abgereist sind, wird es in den Gassen deutlich ruhiger.
Unsere Hotel-Empfehlung: Wer sich etwas gönnen möchte, übernachtet im San Canzian Village & Hotel, rund drei Kilometer außerhalb der Altstadt. Das Haus mit 25 Zimmern und Suiten gehört zur gehobenen Kategorie und hat ein mit einem Michelin-Stern ausgezeichnetes Restaurant.
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Rijeka
Rijeka ist keine klassische Urlaubsstadt, und genau darin liegt ihr Reiz. Die Hafen- und Universitätsstadt an der Kvarner-Bucht ist kein Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Ort mit Streetart, Kaffeehauskultur und einem Alltag, der nicht auf Tourismus ausgerichtet ist. Dank guter Bus- und Bahnverbindungen, etwa aus Zagreb, erreichst Du die Stadt problemlos.
Warum Rijeka für Alleinreisende ideal ist: Hier erlebst Du Kroatien so, wie die Einheimischen es kennen. Auf dem Markt Placa gehört der Plausch mit den HändlerInnen dazu. An den felsigen Stadtstränden, die Du mit der Buslinie 1 erreichst, treffen sich abends Einheimische jeden Alters zum Baden und Reden.
Das kannst Du erleben: Viele Highlights kosten wenig oder nichts. Über die Kružić-Treppe mit ihren mehr als 500 Stufen, deren erster Abschnitt 1531 angelegt wurde, steigst Du hinauf nach Trsat. Das Plateau mit Kastell liegt 138 Meter über dem Meer und bietet einen weiten Blick über die Bucht. Lohnend ist auch der Riječki tunel, kurz TunelRi. Der 330 Meter lange Schutztunnel aus dem Zweiten Weltkrieg verläuft unter der Altstadt und hat konstant rund 15 Grad Celsius, ideal an heißen Tagen und bei Regen. Für BesucherInnen wird ein geringer Eintritt fällig. Für einen verregneten Abend bietet sich das Astronomische Zentrum mit Sternwarte und Planetarium an, das Du mit dem Bus 7a erreichst.
Starte Deinen Tag vormittags auf der Placa. Kauf Dir Obst, Käse und frisches Brot für ein Picknick oben in Trsat. Günstiger und mit schönerem Ausblick kannst Du in Rijeka kaum essen.
Unsere Hotel-Empfehlung: Das Hotel Jadran liegt im Stadtteil Pećine direkt am Meer und hat einen eigenen Zugang zum Strand. Ins Zentrum sind es rund zwei Kilometer.
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Nin
Rund 15 Kilometer nördlich von Zadar liegt Nin auf einer kleinen Insel inmitten einer flachen Lagune, über zwei Steinbrücken mit dem Festland verbunden. Der Ort gilt als älteste kroatische Königsstadt. Hier steht die Heilig-Kreuz-Kirche aus dem 9. Jahrhundert, die als "kleinste Kathedrale der Welt" bekannt ist. Vor der Stadt erinnert eine Bronzestatue an Bischof Gregor von Nin. Sie ist eine Kopie der berühmten Figur von Ivan Meštrović in Split, und auch hier soll Glück haben, wer an ihrer großen Zehe reibt. Von Zadar aus fahren regelmäßig Busse.
Warum Nin für Alleinreisende ideal ist: Die Altstadt ist überschaubar, das Tempo gemächlich. Nin eignet sich gut als ruhige Basis, von der aus Du Zadar besuchen kannst, ohne dort wohnen zu müssen. Und das Schlammbaden an der Lagune verbindet: Wer mit grauem Schlamm eingerieben in der Sonne auf das Trocknen wartet, kommt leicht mit anderen ins Gespräch.
Das kannst Du erleben: Nin bietet etwas, das an Kroatiens meist felsiger Küste selten ist: Sandstrände. Am Königinnenstrand (Kraljičina plaža) liegt der mineralreiche Peloid-Schlamm, dem eine wohltuende Wirkung nachgesagt wird. Funde deuten darauf hin, dass schon die Römer ihn nutzten. Das Bad darin kostet nichts außer ein wenig Überwindung. Bei schlechtem Wetter lohnen sich das Salzmuseum an den historischen Salinen und das kleine Antikenmuseum. In den Salinen wurden zudem mehr als 200 Vogelarten gezählt.
Bleib für den Sonnenuntergang an der Lagune. Wenn das Licht über dem flachen Wasser und den Salzfeldern golden wird, wird es auch in der Altstadt spürbar ruhiger.
Unsere Hotel-Empfehlung: In Nin empfehlen wir statt eines Hotels die Ferienunterkunft Villa Dalibor. Sie liegt rund 150 Meter vom Königinnenstrand und etwa 500 Meter von der Altstadt entfernt.
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Starigrad-Paklenica
Am Fuß des Velebit-Gebirges liegt Starigrad-Paklenica, ein kleiner Küstenort und das Tor zum Nationalpark Paklenica. Zwei tiefe Schluchten, Velika und Mala Paklenica, schneiden sich hier in den Karst. Der Bus von Zadar braucht rund eine Stunde. Filmfans kennen die Kulisse aus den Karl-May-Filmen der 1960er-Jahre.
Warum Starigrad-Paklenica für Alleinreisende ideal ist: Paklenica gilt als das meistbesuchte Klettergebiet Kroatiens und zieht KletterInnen aus ganz Europa an. Die Routen beginnen direkt am Eingang der Velika Paklenica, wer dort unterwegs ist, trifft auf Gleichgesinnte. Wer noch nie geklettert ist, probiert es an der künstlichen Kletterwand im Besucherzentrum. Lokale Agenturen bieten zudem geführte Wander- und Klettertouren in kleinen Gruppen an.
Das kannst Du erleben: Auf 150 bis 200 Kilometern Wegen kannst Du den Park auf eigene Faust erkunden. Ein Highlight ist die Tropfsteinhöhle Manita peć auf 570 Metern Höhe, die Du nach rund anderthalb Stunden Aufstieg durch die Velika Paklenica erreichst. Sie ist nur mit Führung zugänglich und angenehm kühl, perfekt an heißen Sommertagen. Bei Regen bietet sich das Besucherzentrum "Underground Secrets of Paklenica" an. Es liegt in einer ehemaligen Stollenanlage aus der Tito-Zeit und zeigt Ausstellungen zu Natur und Kultur des Velebit. Einen Einblick in das frühere Leben am Berg gibt außerdem eine restaurierte Wassermühle. Beide sind nur in der Saison zwischen Frühjahr und Herbst geöffnet.
Brich im Sommer früh am Morgen auf. Die Schlucht liegt dann noch im Schatten, und nach der Wanderung wartet am Nachmittag der Strand von Starigrad auf Dich.
Unsere Hotel-Empfehlung: Das Vicko Hotel & Villa liegt rund 50 Meter vom Strand entfernt, zum Nationalpark sind es etwa vier Kilometer.
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Komiža auf Vis
Vis liegt weit draußen in der Adria und war bis 1989 militärisches Sperrgebiet, für ausländische Gäste nicht zugänglich. Genau deshalb wirkt die Insel bis heute so ursprünglich. Von Split fährt die Autofähre von Jadrolinija in etwa zwei Stunden und 20 Minuten nach Vis. Deutlich schneller sind die Katamarane, die ganzjährig verkehren. Inselbusse bringen Dich passend zu den Fährzeiten auf die Westseite nach Komiža, einem Fischerort am Fuß des 587 Meter hohen Hum.
Warum Komiža für Alleinreisende ideal ist: Das Leben spielt sich rund um den kleinen Hafen ab. Abends treffen sich Einheimische und Gäste an der Uferpromenade, und der Ort ist so klein, dass Du Gesichter schon am zweiten Tag wiedererkennst. Bootstouren und geführte Touren zu den alten Militäranlagen der Insel finden in kleinen Gruppen statt, ein unkomplizierter Weg, Anschluss zu finden.
Das kannst Du erleben: Im Kaštel von 1585 direkt an der Hafeneinfahrt ist heute das Fischereimuseum untergebracht, in dem eine Falkuša ausgestellt ist, das traditionelle Fischerboot von Vis. Das Museum ist auch eine gute Adresse für Regentage. Kostenlos ist der Weg zur Tito-Höhle am Hang des Hum, in der der jugoslawische Partisanenführer im Zweiten Weltkrieg sein Hauptquartier hatte. Ein kurzer Fußweg führt von der Straße dorthin. Der Gipfel des Hum selbst ist gesperrt, ein Aussichtspunkt kurz davor bietet aber einen weiten Blick über Komiža. Von Komiža aus starten außerdem Boote zur Blauen Grotte auf der Nachbarinsel Biševo. Übrigens: Auf Vis wurde "Mamma Mia! Here We Go Again" gedreht.
Probier die Komiška pogača, ein gefülltes Fladenbrot mit gesalzenen Sardellen oder Sardinen, Zwiebeln und Tomaten. Die Tomate unterscheidet sie von der Viška pogača aus dem Inselhauptort Vis. Sie ist sättigend und der perfekte Proviant für einen Ausflug an den Hum.
Unsere Hotel-Empfehlung: Das Hotel Bisevo liegt in Komiža direkt am Strand. Das Haus ist älter, in den Bewertungen wird vor allem die Küche gelobt.
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Karlovac
Rund 56 Kilometer südwestlich von Zagreb liegt Karlovac, gegründet 1579 als sternförmige Festungsstadt. Der Grundriss des Sterns ist in der Altstadt bis heute zu erkennen, Kastanien- und Lindenalleen säumen die Promenaden. Karlovac wird "Stadt der vier Flüsse" genannt: Kupa, Korana und Mrežnica fließen durch die Stadt, die Dobra wenige Kilometer außerhalb. Aus Zagreb bist Du mit Zug oder Bus in rund einer Stunde dort.
Warum Karlovac für Alleinreisende ideal ist: Im Sommer spielt sich das Leben am Wasser ab. Der Foginovo-Strand an der Korana ist das beliebteste Stadtbad. Dort treffen sich Einheimische zum Schwimmen, zum Beachvolleyball und zum Sprung vom Turm, abends läuft Freiluftkino am Fluss. Der Eintritt ist frei, und Gelegenheiten, ins Gespräch zu kommen, gibt es reichlich.
Das kannst Du erleben: Der Spaziergang durch die Sternaltstadt und entlang der Flüsse kostet nichts. Zu Fuß erreichst Du die Burg Dubovac auf einem Hügel über der Stadt, von der Du über Karlovac und die Kupa blickst. Bei Regen ist Aquatika die beste Adresse. Das Süßwasseraquarium nahe dem Foginovo-Strand zeigt mehr als hundert Fischarten aus kroatischen Flüssen und Seen, rund 40 davon endemisch. Wer sich für jüngere Geschichte interessiert, besucht das Museum des Heimatkriegs in Turanj am Stadtrand, das an die Kämpfe der 1990er-Jahre erinnert.
Plane einen Sommernachmittag am Foginovo-Strand ein und bleib bis zum Abend. Wenn die Hitze nachlässt, füllt sich das Ufer, und am Fluss beginnt das Kinoprogramm.
Unsere Hotel-Empfehlung: Das Hotel Korana Srakovčić liegt direkt an der Korana, ins Zentrum sind es nur wenige Gehminuten.
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Osijek
Weit weg vom Meer, im Osten Kroatiens, liegt Osijek, die größte Stadt Slawoniens und viertgrößte des Landes. Die meisten Reisenden haben sie nicht auf dem Zettel, dabei ist sie per Bus ab Zagreb in etwa vier Stunden erreichbar, die Bahn braucht etwas länger. Herzstück ist die Tvrđa, eine Festungsstadt aus dem frühen 18. Jahrhundert mit barocken Gebäuden, Plätzen und Kopfsteinpflaster.
Warum Osijek für Alleinreisende ideal ist: Osijek ist Universitätsstadt mit rund 17.000 Studierenden, das Rektorat sitzt in der Tvrđa. Entsprechend jung und lebendig sind die Bars und Cafés in den alten Festungsmauern. An Sommerabenden entsteht an der Promenade entlang der Drau mit ihren Lokalen fast Küstenstimmung, nur ohne Touristenmassen. Und im Landesinneren fällt das Budget oft entspannter aus als an der Adria.
Das kannst Du erleben: Ein Spaziergang durch die Tvrđa und entlang der Drau kostet nichts, mit der Straßenbahn kommst Du bequem durch die Stadt. Bei Regen lohnt das Museum Slawoniens am Platz der Heiligen Dreifaltigkeit. Das Highlight liegt gut zehn Kilometer nordöstlich: der Naturpark Kopački rit, eines der größten Feuchtgebiete Europas, in dem fast 300 Vogelarten nachgewiesen wurden. Du erkundest ihn zu Fuß, mit dem Rad oder bei einer Bootstour.#
Leih Dir ein Fahrrad und radle nach Kopački rit. Die Landschaft ist flach, die Tour ist deshalb auch für Ungeübte machbar. Insektenschutz nicht vergessen!
Unsere Hotel-Empfehlung: Das Hotel Osijek liegt im Zentrum direkt an der Drau-Promenade, zum Hauptplatz sind es rund drei Gehminuten.