Zitadelle, Opernhäuser, Altstadtmarkt
Victoria auf Gozo wird Kulturhauptstadt Europas 2031
Malta bekommt zum zweiten Mal den begehrten Titel: Victoria, der Hauptort der Schwesterinsel Gozo, wird 2031 Kulturhauptstadt Europas. Das gab der Vorsitz des zuständigen Expertengremiums kürzlich bekannt, nachdem die unabhängige Jury die Bewerbung der Stadt geprüft hatte. Was Dich als UrlauberIn dort erwartet.
Folge unserem WhatsApp Kanal!Gutscheine, Gewinnspiele, relevante News & Updates zum Thema Reisen!Zum KanalEinzige Kandidatin in der Endrunde
Spannend war das Rennen am Ende nicht mehr. Beworben hatten sich ursprünglich Victoria für die Region Gozo und Birgu, auch Vittoriosa genannt, für den Südosten der Hauptinsel. Bei der Vorauswahl im November 2025 schaffte es nur Victoria in die nächste Runde. Der zweite Titel für 2031 geht nach Spanien, wo Granada, Cáceres, Oviedo und Las Palmas de Gran Canaria im Rennen sind; die Entscheidung der Jury wird im Dezember erwartet.
Das Motto: "Eine Insel aus Inseln"
Unter diesem Leitgedanken will Victoria die Insellage nicht als Grenze, sondern als Brücke verstehen. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen zwischen Menschen, Gemeinschaften, Orten und Europa. Unterschiede sollen Begegnung und Austausch ermöglichen, statt zu trennen. Als Werte nennt die Bewerbung Langsamkeit, Fürsorge und Mut. Gegliedert ist das Programm in drei Themenfelder: Küste, Salz und Wellen. Es greift das kulturelle Erbe Gozos auf, aber auch Herausforderungen des Insellebens – etwa die Frage, ob junge Menschen auf der Insel eine Zukunft finden.
Victoria als Reiseziel: Zitadelle, Markt und Barock
Viele Einheimische nennen Victoria bis heute Rabat. Den offiziellen Namen gaben die Briten dem Ort 1887 zum 50. Thronjubiläum von Königin Victoria. Mit rund 7.500 Menschen ist die Stadt auf einem Hügel im Zentrum Gozos der größte Ort der Insel.
Schon von Weitem ist die Cittadella zu sehen, die Festungsstadt auf dem Hügel. Besiedelt war der Hügel bereits in der Bronzezeit, in der Antike stand hier vermutlich die Akropolis der Stadt Gaulos, im Mittelalter eine Burg. Über Jahrhunderte bot sie Schutz vor Piratenüberfällen. 1551 verschleppten osmanische Truppen einen Großteil der Inselbevölkerung in die Sklaverei; zwischen 1599 und 1622 bauten die Johanniter die Festung aus. Bis 1637 mussten die Menschen auf Gozo per Gesetz innerhalb der Mauern übernachten. Die Stadt unterhalb der Festung, das alte Rabat, gab es da schon seit dem 15. Jahrhundert.
Wer heute auf den Bastionen spaziert, blickt über fast die gesamte Insel. Innerhalb der Mauern warten die barocke Kathedrale Mariä Himmelfahrt, enge Gassen und mehrere kleine Museen. Unten in der Altstadt lohnt ein Bummel über den Platz It-Tokk, auf dem HändlerInnen vormittags ihre Stände aufbauen – mit Obst und Gemüse, Kleidung und Souvenirs. Ganz in der Nähe steht die St.-Georgs-Basilika. An der Hauptstraße liegen gleich zwei Opernhäuser, die jedes Jahr im Herbst eigene Inszenierungen zeigen; zum Fest Santa Marija im August wird dieselbe Straße zur Bahn für traditionelle Pferderennen.
Du erreichst Gozo per Fähre von Ċirkewwa im Norden Maltas. Vom Hafen in Mġarr fahren etwa alle 30 Minuten Busse nach Victoria, das zugleich Knotenpunkt für Ausflüge auf der ganzen Insel ist.
Malta und die Kulturhauptstädte Europas
Die Idee geht auf die frühere griechische Kulturministerin Melina Mercouri zurück und wurde 1985 umgesetzt. Seitdem hat sie sich zu einer der bekanntesten Initiativen der EU entwickelt. Laut einer EU-Auswertung stärkt der Titel unter anderem den Tourismus, das kulturelle Leben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Malta war bislang einmal an der Reihe: 2018 trug die Hauptstadt Valletta den Titel, gemeinsam mit dem niederländischen Leeuwarden. Nach Darstellung der EU-Kommission hat das Kulturjahr die Stadt verändert, etwa durch neue Kulturorte wie das Valletta Design Cluster. Für Gozo bedeutet die Auszeichnung nun Fördergeld aus Malta für ein ganzjähriges Kulturprogramm – und eine Bühne in ganz Europa. Zusätzlich kann die EU-Kommission jeder Kulturhauptstadt einen Preis von 1,5 Millionen Euro zuerkennen.

