User-Kommunikation anlässlich der Unruhen in Ägypten
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hallo, zusammen
ich bin immer wieder erstaunt, was nervige händler mit der aktuellen politischen situation in ägypten zu tun haben. wenn ich nur im hotel bin, kann ich nicht sagen, ich kenne das land oder mache zu hause das land mies.
auch vor der revolution waren manche händler aufdringlich, das hat aber damit zutun, das ihre umsätze die familie ernähren. ich reise seit 12 jahren nach ägypten und sehe das sehr gelassen, aber deshalb nur im hotel, war bei mir/uns nie die frage.
wer das nicht mag, sollte in deutschland bleiben oder in ein europäisches land reisen.
das ist abe meine persönliche meinung dazu.gruss hanna

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nein, hanna.. so krass sehe ich das nicht.
nicht jeder kann oder will damit umgehen.
aber warum sollte man trotzdem auf einen traumhaften strandurlaub (schnorcheln - tauchen etc) verzichten?
klar - es gibt viel auch ausserhalb zu erleben, aber das sollte doch jedem selbst überlassen sein ob er mit den händlern klar kommt oder nicht. (nur wünsche ich manchen mehr coolness - da es viel zu entdecken gibt)
und ganz ehrlich - das erste mal war ich auch geschockt... als ich mit meiner freundin allein auf den bazar in luxor war. oh je.. ich weiß noch in eiltempo wieder raus.. aber in laufe des urlaubes wurden wir immer relaxter.. und genossen die dinge die wir "im täglichen leben" so zu gesicht bekamen.
naja.. lieber wieder zurück zum thema.. -
Ich bin gerade von einem Tauchurlaub in El Quseir zurück und kann bestätigen, dass sich für einen Urlauber am Roten Meer nicht spürbar etwas verändert hat, so lange er in der Anlage bleibt. Gesehener Unterschied zur Zeit vor dem Putsch / der Revolution ist, dass auf der 2 1/2 stündigen Transferfahrt von Hurghada nach Al Quseir nur noch einer der bisherigen 4 Poizeikontrollposten exisitert, alle Streckenposten südlich von Safaga sind aufgehoben. Die Polizeipräsenz antlang der Straßen hat offensichtlich nachgelassen.
Im Hotel war alles beim Alten aber selbst über Ostern war es im Gegensatz zu den Vorjahren nur zur Hälfte belegt.
Ich habe diverse Gespäche mit dem Besitzer der Tauchbasis (Ägypter) und seiner Frau (Deutsche) darüber geführt, wie sie die Lage beurteilen. Beide leben abwechselnd in Kairo und am Roten Meer und kamen über Ostern von Kairo ans Meer. Ich äußerte meine Bedenken, alleine durchs Land zu fahren im Gegensatz zur Zeit vor dem Putsch. Beide erklärten mir Folgendes:
- Es gibt definitf einen Unterschied des Verhaltens von Händlern und Fahrern. Zitat: "Sie sind frecher geworden". Beide kennen das aus eigener Erfahrung aus ihrem täglichen Leben in Kairo. Insofern hat das Händlerverhalten sich seit der Revolution / dem Putsch scheinbar sehr wohl verändert (zum Negativen)
- Durch den Tourismus- Einbruch gibt es viele arbeitslose Reiseführer, die man jetzt recht preiswert privat mieten kann. Die helfen dann, wenn man selber nicht mehr weiterkommt mit Händlern und Fahrern.
- Es sei besser, wenn man vorab vor einem selbstgestaltetetn Besuch schon mal Namen von zuverlässigen Fahrern von Bekannten in Ägypten besorgt- dann muss man weiniger Zeit und Nerven aufwenden für das ständige selbstaushandeln vor Ort.
- Ein grundsätzlich erhöhtes Sicheheitsrisiko bei Reisen in Zentren wie Luxor / Kairo / Aswan sehen beide nicht, wenn man einen Guide hat, der tagesaktuell die Unruhelage kennt.
Interessant fand ich auch die grundsätzliche Einschätzung der politischen Lage:
Die Armen und die Landbevölkerung , die Mursi gewählt haben, haben jetzt schon langsam die Nasse voll von den MB, weil sich ihre Lebenssituation stetig verschlechtert und beginnen, sich von diesem politischen Lager abzuwenden.
Nach Meinung der beiden Tauchschulinhaber existieren nun zwei Möglichkeiten:
a) Das Regime wird Druck aufbauen und beginnen, die Bevölkerung massiv zu unterdrücken, um im Amt zu bleiben
b) das Mursi-Regime wird innerhalb der nächsten 2 Jahre mit einem Riesen-Bums implodieren und zum Teufel gejagt.
Warten wirs mal ab. Ich fand diese Überlegungen jedenfalls sehr interessant, weshalb ich sie hier wiedergebe.
Gruß Serramanna -
hallo serremanna,
dein beitrag ist äußerst interessant, weil die infos ungeschmückt weitergegeben werden.
ich denke und hoffe, dass dein punkt b (hoffentlich unblutig) in kraft treten wird und das land wieder zur ruhe kommt und stabilität eintreffen wird.
viele touristen schrecken ja die aufgepuschten meldungen der presse ab, urlaub in ägypten zu machen, aber das thema hatten wir ja bereits.wünsche mir mehrere solche informationen aus dem umgang mit einheimischen.
lg hanna

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Sind gerade aus dem sonnigen Ägypten ins kalte Deutschland zurückgekehrt. Waren in Luxor und Hurghada, haben uns an beiden Orten absolut sicher gefühlt.
Die politische Einschätzung unserer Reiseführer und ägyptischen Bekannten entspricht genau dem, was serramanna zur grundsätzlichen Einschätzung der politischen Lage schrieb.
Ob die Händler aufdringlicher geworden sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Wir können damit gut umgehen. Durch den massiven Einbruch des Tourismus (Rückgang in Luxor nach Aussagen unseres Reiseführers ca. 80 %) mag der Kampf um Umsätze durchaus härter geworden sein. Dies hat jedoch nichts mit der Sicherheitslage zu tun.
Im März 2012 besuchten wir u.a. Kairo. Dort waren die Spuren der Unruhen noch deutlich zu sehen, aber auch dort fühlten wir uns immer sicher.
Nach wie vor beeindruckend ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Ägypter. Wir hatten wiederholt das Glück auf Schulklassen zu treffen. Die Wissbegier dieser Kinder, verbunden mit dem Willen, ihre Sprachkenntnisse anzuwenden, ist allein schon eine Reise in dieses tolle Land wert.
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Auch wir sind von unserer 2 wöchigen Reise zurück .Eine Woche Nilfahrt die einfach traumhaft war, klar wurde unser Bus jeweils von Händlern belagert, aber sie waren freundlich. Uns taten die Leute leid die durch die wenigen Touristen bei der Nilfahrt um jeden Euro kämpfen. Wir fühlten uns auf der ganzen Reise sicher, nichts von Unruhen zu spüren. Mein Lieblingsland bleibt àgypten, und ich hoffe das es ruhig bleibt und der Tourismus wieder anzieht.
Gruss Gitti -
Hallo;
wir sind seit 1 Woche aus Hurghada zurück.Zu keiner Zeit haben wir Bedenken wegen unserer Sicherheit haben müssen.Es gab auch keine Engpässe bei Warenlieferungen.Am Flughafen wurde wie üblich kontrolliert.Lediglich die Luftwaffe war aktiver als sonst.
Unserer Meinung nach ist zumindest Hurghada im Moment sicher und wir würden auf jeden Fall wieder Urlaub in Ägypten machen!
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Race77
Also die "kilometer lange Schlange" an der Tankstelle war schon im Dezember jeden Tag. Glaube nicht dass es durch diese "Schlange" zu Transportschwierigkeiten kommt... -
Diese Schlangen an den Tankstellen gabs schon letzten Sommer - alles innerpolitische Dinge. Wer sich nicht aus seinem "sicheren" Hotel herausgewagt, bekommt davon auch gar nichts mit. Beeinträchtigungen für die Urlauber sind damit nicht verbunden, auch die Transfers erfolgten problemlos.
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...es hätte eigentlich in die Reiseinformationen gehört, da es hier aber schon thematisiert wird

Versorgung mit Treibstoff / Strom
Bei Individualreisen mit dem PKW – von denen aufgrund der o.g. Hinweise derzeit ohnehin weitgehend abgeraten wird – ist zu beachten, dass die Versorgung mit Treibstoff nicht in allen Gebieten Ägyptens uneingeschränkt sichergestellt ist. Insbesondere bei Dieselkraftstoff gibt es Engpässe, die zu sehr langen, mitunter mehrtägigen Wartezeiten an den Tankstellen führen.Engpässe gibt es auch im Bereich der Stromversorgung. Bereits jetzt kommt es landesweit regelmäßig zu kurzfristigen (minuten- oder stundenweisen) Stromabschaltungen, die sich mit steigenden Temperaturen verlängern könnten.
Quelle: Auswärtiges Amt (Reise- und Sicherheitshinweise vom 10.4.2013)
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Keine Angst, am Roten Meer ist es immer noch ruhig.
Es geht in dem Artikel nur um die Ägypter selber und darum wie besch... es ihnen geht 
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Laut Spiegel Online Spiegel Online sollen ab 30 Juni zur einer 2ten Revolution aufgerufen werden,mal gespannt ob es soweit kommt. Aber das sagten uns auch schon Ägyptische Freunde jetzt im Urlaub das es so sein soll.
Wir hatten ja jetzt schon einige mal stromausfall das sie gestreikt hatten, na hoffe mal das es nicht so wird wie die erste, dann bricht viel zusammen dort -
Ist es nur unsensibel, peinlich oder genau kalkuliert?
Der ägyptische Präsident Mursi hat gestern 8 neue Provinzgouverneure vereidigt. Neben 7 Muslim-Brüdern wurde mit Adel Asaad al-Chajat für Luxor ein führendes Mitglied der Gamaa Ismaija ernannt. Die Gamaa Ismaija ist für zahlreiche Attentate gegenüber Touristen in den 1990er Jahren verantwortlich, so u.a. für das am Tempel der Hatchepsut mit 62 Toten vorwiegend aus der Schweiz und Deutschland.
Ein Affront gegenüber der Stadt, die vor allem von Tourismus lebt und gegenüber den Hinterbliebenen der Attentate.Ich hoffe, daß die angekündigte Blockade der liberalen Parteien und Tourismusunternehmen in Luxor ihr Ziel erreicht und al-Chajat der Zugang zum Gouverneursgebäude verwehrt wird.
Mit dieser Entwicklung betrachte ich meinen in der nächsten Woche beginnender Aufenthalt im Lande nunmehr als "Abschiedtour". -
Hallo curi,
Zitat: Ein Affront gegenüber der Stadt, die vor allem von Tourismus lebt und gegenüber den Hinterbliebenen der Attentate.
Und die Antiken Stätten sind in deren Augen Götzenbilder, die sie am liebsten verhüllen würden.
Unfassbar, diese Ernennung! -
Wir fliegen übermorgen für 18 Tage nach Ägypten, den Aufenthalt haben wir zwei Hotels in zwei Orten gesplittet. Unseren 2tätigen Kairoaufenthalt hatten wir nach einiger Überlegung eigentlich doch für die zweite Hälfte geplant, das wäre in der Zeit vom 1.-8.7.
Angesichts der angekündigten Aufstände und dazu noch dieser unerklärlichen Vereidigung ist es wohl besser, den Aufenthalt doch in die erste Hälfte, als vor dem 30.6. zu legen?
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Ahotep, die "Götzenbilder" wollen einige nicht nur verhüllen, sondern ganz einfach zerstören.
Noch sind diese Kräfte in der absoluten Minderheit, allerdings sehe ich die Ernennung von al-Chajat schon als ein eindeutiges Signal an. Leider.
cheyenne98, ich glaube nicht, daß sich kurzfristig die Lage derart zuspitzen wird, daß Touristen nicht mehr problemlos das Land bereisen können. Aber man sollte mit entsprechenden Demonstrationen rechnen. Inwieweit diese die Mobilität anderer einschränken vermag ich nicht zu beurteilen, es mag aber u.U. einfacher sein Cairo noch vor der geplanten "2. Revolution" besucht zu haben.
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"Mit dieser Entwicklung betrachte ich meinen in der nächsten Woche beginnender Aufenthalt im Lande nunmehr als "Abschiedtour"."
Diese Worte aus Deiner Feder, als absolutem Misr Verfechter, machen betroffen. Ich kann mich Deiner Meinung allerdings uneingeschränkt anschließen. Leider wird mein Aufenthalt im nächsten Monat wohl auch, bis auf weiteres, der vorläufig letzte dort sein.
