Teneriffa- Insel voller Rätsel, Geheimnisse und Gegensätze?!
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Warum schläft und träumt der Teide nur so unruhig?
Um das zu erfahren und diese Frage beantwortet zu bekommen, besuchen wir einmal die Experten, die es wissen müssen. Die Geo- und Vulkanologen im internationalen Institut für Geophysik der Universität von La Laguna (Observatorio Geofisico) bei Arafo und Güimar im östlichen Teil der Insel. Es sind hier viele Nationalitäten vertreten, und ebenso lustig geht es hier zu! Wie diese netten Leute behaupten, sind sie der legale „Abhördienst“ der Nation! So unrecht haben sie damit gar nicht einmal. Wie ein Arzt mit seinem Stethoskop die Herztöne abhört, so hören sie in den „Bauch unserer Mutter Erde“ hinein. Nur dass sie dazu kein Stethoskop benutzen; das wäre zu unempfindlich, und unsere Ohren könnten diese „Töne“ auch nicht hören. Sie benutzen Geräte, die sich das Prinzip der ‚trägen Masse‘ zu Nutze machen. Die Vorläufer davon sahen recht primitiv und gebastelt aus, erfüllten aber schon für damalige Zeiten durchaus ihren Zweck. Heute sind sie so empfindlich, dass schon ein leichtes Klopfen an einen Stein eines Gebäudes in hunderte von Metern Entfernung sich auf den Aufzeichnungen wie ein Vulkanausbruch darstellt. Aber keine Angst, solche Ereignisse werden herausgefiltert, denn es gibt ein Kataster für die Erschütterungen im Umfeld, sie werden "Kakerlakenschritte" genannt, also sozusagen wenn der Postbote zur 15 bis 18 Km entfernten Sternwarte am Teide kommt, sieht man das genau in den tiefen Felsenkellern der Labors, die sehr exakt klimatisiert sind. An denen ist man aber nicht interessiert. Im Prinzip funktionieren alle diese Geräte auf die gleiche Weise. Vereinfacht dargestellt ist es eine träge Masse, die sich leicht und möglichst reibungsfrei bewegen kann, also z. B. ein Pendel mit einer schweren Kugel. Es hängt, oder besser gesagt, es ist an einem Halterungsgerät oder Galgen befestigt, der fest und starr mit dem Untergrund verbunden ist. Die wichtigste Bedingung ist dabei, dass die Eigenschwingung, also die Resonanzfrequenz der trägen Masse, weit entfernt von derjenigen der zu messenden Erschütterung liegt! Das kann man entweder durch eine schwere Masse, oder eine lange Aufhängung erreichen. Wird nun dieser Rahmen kurz bewegt, beispielsweise indem sich sein Standort durch Erschütterungen bewegt, so bleibt die träge Masse hinter dieser Ortsveränderung zurück, weil sie ihren Ort nicht verlassen will, sie ist eben träge. Es ergibt sich also ein scheinbaren Ausschlag des Pendels. Genau dieses Gefühl haben wir auch, wenn sich ein Fahrstuhl mit uns in Bewegung setzt und beschleunigt, dann sind wir die träge Masse, die hinter der Bewegung zurückzubleiben versucht, besonders bei manchen der Magen.:D
Das hat Onkel Newton schon in seinen Gesetzen beschrieben, dass jeder Körper im Zustand der Ruhe oder einer gleichbleibenden, geradlinigen Bewegung verharrt, solange keine beschleunigende Kraft auf ihn einwirkt. Auch Reibung ist als Bremsung eine negative beschleunigende Kraft! - Über die technischen Raffinessen, und über die Wellenorientierungen, ob transversal oder longitudinal, also Bewegungen quer oder in Richtung der Ausbreitung, resonanzgefiltert, selektiert usw., wollen wir uns nicht den Kopf zerbrechen, das haben andere schon getan. Uns reicht die absolute Bewegung. Das Gerät registriert also die Amplitude (den Weg) der Bewegung des Rahmens relativ zur ruhenden Masse. Andere, viel empfindlichere Instrumente, messen die Beschleunigung einer Ortsveränderung in verschiedenen Koordinaten. Jedes Gerät dient einem speziellen Zweck und einer differenzierten Aufgabe. Gekoppelt mit einem sehr genauen Zeitmessgerät und ein bisschen Mathematik ergibt sich daraus auch der Weg der Bewegung, denn dividiere ich die Beschleunigung durch die Zeit in der sie wirkte, erhalte ich die Geschwindigkeit, und das nochmals gemacht, ergibt den Weg. Man nennt dieses Verfahren Integration, einer Verabredung und Rechenvorschrift (einen Algorithmus). Nun könnt ihr euch vorstellen welche große Katastrophe es ist, wenn jemand unangemeldet mit einem Schlagbohrer ein Loch in eine Wand bohrt! Jede noch so kleinste Bewegung hat ihre Charakteristik, und die Damen und Herren Experten sind sehr wählerisch in den sie interessierenden Ereignissen. Würde man diese Aufzeichnungen auf Papier auftragen, oder auf einem Oszilloskop sichtbar machen, es wäre ein heilloses Gekritzel von spitzen Ausschlägen, die für uns keinen Sinn ergeben. Deswegen ist auch die Auswertung und Interpretation eine große Schwierigkeit und erfordert sehr viel Kenntnis und Erfahrung; genau wie die des Dok's beim Abhören.
So, nun aber zu unserem „Vater“ Teide! Ein ganzes großes Institut nur für ihn?!...... Weil man gemessen hat, dass er doch nicht ganz tief und für immer schläft! Er „schnarcht, hustet, und bewegt sich“. Vor allem seine „Söhne und Töchter“ rings um ihn herum, sind sehr unruhige Geister. Die Nebenkrater, auch genannt die Teide-Türme, sind damit gemeint. Sie rumoren am heftigsten und geben keine Ruhe! Längst ist ja bekannt, dass in einigen Teilen der Flanken noch ca. 400 °C in 1 – 2 Metern unter der Oberfläche herrschen. Der austretende Schwefeldampf aus einigen Geysiren ist immerhin noch heißer als die Schmelztemperatur des Schwefels von 115 °C. Draußen beim Erkalten sublimiert er sofort, das heißt er kondensiert in fester Form an den Felsen, weil Schwefel keinen flüssigen Zwischenzustand aus dem Dampf (Aggregatzustand) hat. Bei Schwefel gibt es nur die Zustände fest und gasförmig. Bei einem Foto einer solchen Quelle wollte ich einmal ein Kaugummipapier aus dem Loch entfernen. Ich habe es schleunigst bei dem Versuch belassen, so heiß war es da drinnen. Aber an einen Ausbruch oder eine Eruption der Gegend ist‚ noch‘ länger nicht zu denken! Was immer das auch in deren Zeitmaßstäben heißen mag! Oh ja, die Leutchen haben viel Vertrauen in ihre Messdaten!
Der Schlot oder Kamin des Teide, so wird die heiße Säule aus plastisch-zähflüssiger Magma bezeichnet, die sich im Inneren befindet, ist längst über die heiße Öffnung (hot spot) in den Platten in der Tiefe hinweg gewandert. Es kann von unten nichts mehr nachkommen, denn auch der Kamin ist mit einem Pfropfen erstarrter Lava "versiegelt". 1909 verzeichnet man vorerst den letzten Ausbruch in der Nähe bei Santiago del Teide am Berg Chinyero. Das ist insofern bedeutungsvoll, denn es bestätigt die Aussagen aus den Messungen, dass die kanarische Platte sich mit 2 – 2,5 cm/Jahr auf den afrikanischen Kontinent hin bewegt.
Was da im Inneren rumort und "Blähungen" hat, sind die flüssigen und plastischen Magmamassen, die sich ähnlich den warmen und kalten Luftmassen der Atmosphäre, auszugleichen versuchen, indem sie auf die „Wanderschaft“ gehen, so wie auch die enthaltenen heißen Gase. Solch einen „Rülpser“ des Teide kann selbst ein Laie identifizieren, so eindeutig unterscheidet sich das Muster der Signale von den alltäglichen Grummeleien! Ich war fasziniert, wenn man bedenkt welche Massen dort unten in Bewegung sind, und welch ungeheuere Energie dafür nötig ist! Eine Wasserstoffbombe in Asien erzeugt nur allerhöchstens ein paar Prozent der Amplituden eines Bebens auch in dem Gebiet. Übrigens, dort wurde mir auch gesagt, dass die Höhe des Urvulkanes vor dem Einsturz neuerdings auf etwas mehr als 6 000 Meter geschätzt wird.
In diesem Observatorium sind nun gut zwei bis drei Dutzend Seismographen und Seismometer unterschiedlichster Bauart, Selektivität und Empfindlichkeit installiert. Sie hören wirklich in Deutschland „die Flöhe husten“!
Insofern lobe ich mir diesen Abhördienst, der zwar auch staatlich gefördert wird und der Befriedigung der Neugierde von Wissenschaftlern aus aller Welt dient, aber vielleicht uns allen einmal von Nutzen sein könnte! Jedenfalls ist das das Anliegen der Experten dort, wo man das "Flöhe-Husten" spüren kann, und sichtbar macht! Sie, die Geräte, überwachen auch die Aktivitäten der westlichen Nachbarinseln La Gomera, La Palma und El Hiero, auf denen sich auch Apparate befinden, die oneline verbunden sind. Auch die süditalienischen Vulkane werden genauestens registriert. Aus mehreren solcher Stationen kann dann der Entstehungsort sehr genau ermittelt werden, das Epizentrum.
Es ist doch gut zu wissen, dass es da Leute gibt, die unsere Erde abhören, um möglichst frühzeitig warnen zu können, wenn sie geruht einmal böse zu werden.Übrigens ein Tsunami-Warnsystem funktioniert ähnlich, ist aber weit komplizierter, da sich Druckwellen in Wasser in alle Richtungen ausbreiten, reflektieren und sich die Amplituden je nach ihrer Phase überlagern/addieren bzw. auslöschen (sie interferieren).
Das war ein Bericht über den offiziellen internationalen und staatlichen „Abhördienst“ für "unartige" Vulkane.
Die Tendenz ist in den letzten Jahren intensiver und heftiger geworden! Aber diese Aussage enthält noch ein beträchtliches statistisches Moment.
Dank an all die zahlreichen Wissenschaftler/innen für ihre geduldigen Erläuterungen und die überaus herzliche Aufnahme während meiner Besuchstage bei ihnen, allen voran Judita aus der Ukraine, die sich um mein Wohlergehen kümmerte und meine Übersetzerin war, - nicht nur sehr jung und sehr hübsch, sondern auch ebenso intelligent und gescheit! Das ist eine glückliche, wenn auch leider recht seltene Kombination!
Ich weiß, dass sie es lesen werden, was hier dazu von mir geschrieben wurde!Gruß Dieter
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Quer durch das Anaga-Gebirge, hinein in das Leben eines Eremiten; weit abseits der Zivilisation!
Keine Angst, ein Dschungelcamp wird es nicht sein, worauf ich mich da eingelassen habe. Und menschenwürdig bleibt es auch!
Obgeich in dem Camp ja hinter fast jedem Baum eine ganze Mobil-Klinik lauert, ohne die sie niemals überleben würden! Jedenfalls diese Promis nicht!
Objektiv betrachtet scheint mir diese ganze Gesellschaft und die Fragestellung ihrer Initiatoren, ganz offensichtlich von so großer Dekadenz und pathologischer Natur zu sein, dass sie nicht einmal mehr selbst, aus eigenem Antrieb, die Kraft aufbringt den elementarsten aller Triebe, nämlich denjenigen zum Überleben, ohne Hilfe aktivieren und mobilisieren zu können! Der kulturelle und geistige Verfall liegt hier so offenkundig vor und ist nicht mehr zu übersehen! - Und zu retten?! -Ich folgte nur der Einladung des Eremiten Patre Lois.
Den Schneid, den Ehrgeiz und die Kondition des Patres, von nahe El Tanque bis ganz ans nördliche Ende Teneriffas zu wandern, wie er es tat als er uns besuchte, konnte ich nicht aufbieten. Aber gut eineinhalb Wochen wird`s schon gehen!
Planung und Vorbereitung bis in alle Eventualitäten und Kleinigkeiten, sind schon fast der halbe Marsch, - und lebenswichtig! Jedes unnütze Teil wiegt was, und es kann mit der Zeit immer schwerer werden; aber jedes wichtige Utensil, das fehlt, könnte ein großer Fehler gewesen sein. Ein kräftiger Wanderstecken gehört auf jeden Fall dazu! Er war mein bester Freund, Helfer, und Stütze; ein handgefertigtes Geschenk der Nachbarn aus einem besonders knorrigem Holz. Alles in Allem habe ich mich ca. zwei Wochen mit den Vorbereitungen und Beschaffungen herum geplagt. Ich wollte alleine gehen, obgleich sich einige gute Leute etappenweise mir anschließen wollten. Die feldmarschmäßige Ausrüstung wog alles zusammen ca. 8,5 - 9 Kg. Gerade richtig um sich nicht übermäßig zu plagen. Es muss ja trotzdem mit Allem gerechnet werden! Nun noch die Abmeldung bei der Guardia Civil mit Hinterlegung der Handynummer und des Routenplanes wegen des Ortungssystems, denn ohne dieses bekommt man heute für solche Unternehmen keine Erlaubnis mehr, und dann ging's los!Startpunkt war drei Wegstunden vor El Peladero in der Nähe von Bajamar, Tegueste und Las Mercedes, das noch mit einem Jeep erreichbar war. Hauptstraßen oder befestigte Landstraßen waren verboten! Es gab auch wenige auf der Route. Das Ziel war kurz vor Lomo de las Bodegas im nördlichen Zipfel unweit von Chamorga. Dort ist die „Inselwelt“ auch schon fast zu Ende.
Bis zum Ausgangspunkt wurde ich gefahren; dann gingen wir nochmals die Route durch, insbesondere die Querung des Barrancos de Taborno, und prüften unsere Handys, den Notnagel, für den Fall: "Nichts geht mehr"! Auch war es dort meine vorletzte Nacht in einem Bett unter einem festen Dach. Dort in der Herberge traf ich Johann, den Wanderführer. Er kam vor vielen Jahren aus Bayern, wo er Sommers auch Bergführer war und im Winter Skilehrer. Er ist ein guter und strenger Führer, und steht in den Diensten einer Reisegesellschaft. Wir gingen am nächsten Tag ein Stück zusammen, bis er in Las Carboneras eine Gruppe übernahm. Ganz früh morgens, als noch die anderen mit dem Aufstehen kämpften, ging es los in eben die besagte Richtung Carboneras mit den vielen Holzkohlenmeilern "vor der Tür"!. Es war alles noch sehr feucht und die Wolken zogen hoch zum Grat. Dann geht es sich am besten, wenn man auf die feuchten und glatten Felsen acht gibt. Es ging gut voran, - na ja, war es doch erst der erste Tag! Das wird sich noch gewaltig ändern.
Man muss einen „Schritt“ haben, der dem Herzschlag und der Atmung harmonisch entspricht. Die meisten Leute schwatzen viel zu viel! -Sie schwatzen sich ihre eigene Kondition kaputt. Normalerweise pendelt sich dieser Rhythmus ganz automatisch ein, auf glatter Strecke! Hier war es etwas anders; gleichmäßiges Gehen war nicht möglich. Zwischendurch wurde immer wieder mal angehalten und ein „Mineralschnaps“ genommen. Der Elektolythaushalt ist sehr empfindlich und für ein schlappes Gefühl verantwortlich - man mag einfach nicht mehr weiter! Hinter Las Caboneras, irgendwo im Wald, schlug ich mein Lager auf, noch vor dem Barranco de Taborno, das ich morgen überqueren wollte. Das wird eine Heidenarbeit werden! Ein Barranco entlang seines Verlaufes zu gehen, ist längst nicht so besonders schlimm und schwer, wie das Risiko und die Anstrengung es zu überqueren! Das ist wie mit einem amerikanischen Canon. Heute ist der Auf- oder Abstieg noch da, morgen vielleicht schon nicht mehr begehbar! Morgen war die Strecke über Taborno bis Casas de Afur angesagt. Immer schön an den Ortschaften vorbei! Ich schlief sehr gut, obgleich es nachts sehr feucht und kühl war, bis mich der „Hahn“ wecke! - Ach nein, es war ja weit und breit keiner da. Also Sachen zusammenpacken und das Barranco in Angriff nehmen, worauf ich psychisch und physisch schon vorbereitet war! Der Wald war sehr dicht und überall moos- und algenbehangen, und wieder der gleiche dicke Nebel. Ständig fielen große Wassertropfen von den Bäumen. Jetzt beweist sich der Ausdruck 'Wolkenmelker' der Kiefern an den Teideflanken! Im Nu ist man nass, und die Kleidung vollgesogen. Wenn dann die Sonne kommt, ist alles unter den Bäumen eine fast undurchsichtige Dampf- und Nebelsuppe. Deswegen sollte man nie zu dieser Zeit ohne Regenschutz durch unbekannte Wälder marschieren!
So kann ich die Schlucht nicht queren, dazu muss die Sicht gut sein! Ich war schneller als ich gedacht hatte, und nun musste eine Zwangspause eingelegt werden. Als sich der Nebel löste, konnte ich nach einem Abstieg Ausschau halten. Es war eine glückliche Stelle dort, und der Abstieg ging wider Erwarten gut. Nun der Aufstieg auf der anderen Seite. Wo suchen? Zum Meer hin werden die Wände zwar immer flacher, aber das bedeutet auch einen großen Umweg. Talaufwärts fand ich was Passendes, aber ohne Seil war das nicht gut zu machen, trotz Bäumen und Sträuchern an den Felswänden, sie waren viel zu steil. Also ging es los mit dem Seil, an dessen einem Ende mein Rucksack befestigt war, den ich jeweils von oben hinter mir her zog. Ein paar Stunden waren schon drauf gegangen, aber später von Gegenüber sah das alles viel besser und leichter aus – geschafft! Nun war erstmal Essen angesagt in der Nähe einer Quelle, denn bislang war mein Magen noch, bis auf ein paar Kekse, leer gewesen. Mit vollem Magen sollte man solche anstrengenden Klettereien auch nicht machen! Da die Quelle hier entsprang, konnte sie noch nicht vom Vorlauf verschmutzt sein; und so braute ich mir meinen Mineralcocktail aus Brausetabletten oder Pulvertütchen, die es in jeder Apotheke gibt, mit dem frischen Quellwasser und unterzog mich einer Reinigungsprozedur mit diesem sehr kalten Wasser und flüssiger Seife!? -Warum flüssige Seife? Weil sie viel ergiebiger und löslicher ist, besonders bei sehr weichem und kaltem Wasser, als die Stücke! Außerdem ist sie bequem und platzsparend in einer verschließbaren Platikflasche aufzubewahren, und seift nicht den ganzen Rucksackinhalt ein, wie es die nassen Stücke tun.
Um mich herum wurde es lebhaft. In den Lorbeerbäumen tummelten sich ganze Heerscharen von Finken, die alle lautstark bemüht waren den neuen Tag und die Sonne zu begrüßen. Sie freuten sich, so wie ich mich auch! Jetzt fehlten eigentlich, außer mir, nur noch die anderen Affen! - Es war einfach herrlich mit den ganzen Pflanzen und Blumen um mich herum. Und dabei war es schon, oder erst, Mittag, und die Sonne fing an grell zu werden. Dann lieber zusammenpacken bevor die große Hitze einsetzt, und weitergehen, denn sonst können Beine und Gelenke anschwellen. Afur erreichte ich schon sehr früh, und so entschloss ich mich noch weiter bis zur Försterei bei Paso, in 934 Metern Höhe, zu gehen. Dort wollte ich den Grat überqueren und auf der südlichen Seite weitergehen. Denn hier weiter in Richtung Taganana würden mich eine sehr zerklüftete Bergwelt und ein neues Barranco erwarten, das Bco. de la Iglesia. Es war schön in der Försterei, und man fragte mich nach der Registrierung im Kontrollbuch ordentlich aus! - Ein Aleman, ganz hierher gewandert? Niemals im Leben! Mein Ausweis machte mich glaubwürdig. Es war eine Kopie, die in Folie eingescheißt war, die ich in einer Tasche um den Hals trug. So muß es mit allen feuchtigkeitempfindlichen Teilen und Dokumenten sein! Alle anderen Sachen, insbesondere alle Nahtstellen, trotz zusätzlicher Schweißungen und überlappenden Blenden, den Rucksack mit Schlafsack, den Anorak und das Zelt, hatte ich lange vorher sorgfälltig mit Teflon-Spray oder -Fett imprägniert. Sonst fängt alles bald an zu stocken. Das waren nun fürs erste meine letzte warme Mahlzeit und ein richtiges Bett. Die Hälfte war geschafft, und auf der Südseite geht es besser voran, trotz des besonders dichten Waldes. Dort im Forsthaus sah ich erstmalig eine Wildziege mit stark gebogenem Gehörn, so wie eine Gemse es hat. Auch sah ihr Körperbau ganz ähnlich aus, nur kleiner, als wäre sie noch ein Zicklein. Sie sind sehr selten, hervorragend getarnt, sehr scheu und leben in den nackten Felsen nahe der Küste. Diese hier hatte sich ein Gelenk verletzt, mit dem sie nach einer Ruhestellung und Behandlung aber schon wieder ganz munter war, sonst hätte sie draußen auch nicht lange überlebt. Am nächsten Morgen dann: „Adios Amigo, und komm' auf dem Rückweg vorbei, y Vaya con Dios Aleman!“ Wir waren die Route nochmals sorgfältig durchgegangen, und ich war auf dem richtigen Weg zur Eremita. Man wußte aber nur in etwa wo sie genau liegen soll. Das reichte mir aber schon. Schließlich waren die Forstmänner ortskundig und glaubwürdig.
Nirgendwo auf Teneriffa sah ich jemals so viele und ausgedehnte Terrassenplantagen, wie hier in dieser Gegend!
Es ging forsch voran, immer am Hang entlang durch sehr dichte Wälder mit feuchtem und rutschigem Untergrund ohne eine Ortschaft. Da tritt es sich schwer, auch mit starken Profilsohlen ist es noch glatt und schmierig, weil die Blätter auf dem Boden so feucht sind. Nur ein paar kleine Bauernhäuschen und eine Menge ganz kleiner Örtchen waren ganz abseits gelegen, und wahrscheinlich auch solche von den selbsterwählten Einsiedlern, wie dem Orgel- und Pfeifenbauer. Ich kreuzte die Hauptstraße von San Andres nach El Bailadero. Überall an den Straßenrändern sieht man kleine Kapellen, geschmückt mit frischen Blumen. Teils sollen die dort verehrten Heiligen die Autofahrer beschützen, teils sind es auch Gedenkstätten für Verunglückte, die hier zu Tode gekommen sind - und es müssen schon recht viele gewesen sein! Die Straße ist sehr kurvenreich; ich bin sie schon mehrfach in beide Richtungen gefahren!
Noch zwei Übernachtungen mit den Vögeln, dann sollte ich eigentlich angekommen sein! Das letzte Ende war wieder ziemlich mühsam, weil es nicht mehr ganz so viel Wald gab, dafür schroffere Felsformationen und Gluthitze. Also mußte das Tempo verlangsamt werden! Die Hitze und die Sonnenstrahlung sind der Feind Nr.1 eines jeden Wanderers dort; dann unbedingt den "Gang" herunterschalten, denn sonst geht der Kreislauf in die Kniee! Eine ersehnte Dusche würde jetzt nicht erfrischen, sondern alles nur noch verschlimmern und beschleunigen. Das ist der häufigste aller Fehler bei der Heimkehr nach längeren, ob geführten oder nicht, Wanderungen. Schnell unter die Dusche, und "Peng" ist es passiert! "Herr Kreislauf " meldet sich, er will nicht mehr! "Alleinreisenden" braucht man das nicht erklären, die wissen das ohnehin was passiert! Unterwegs fängt es immer an mit schweißnasser aber kühler Stirn (kalter Schweiß), leichte Blässe mit flatterigen Händen und flachem Puls. Erst dann kommt der unsichere Gang mit Krämpfen, Gleichgewichts-, Bewußtseins- und Sprachstörungen, wie Doppelbilder bis hin zur Bewußtlosigkeit (Kollaps). Einziges sofortiges Mittel bei den ersten Anzeichen dagegen, nicht nur für unterwegs, ist: Ganz schnell flach auf den Rücken legen, enge Kleidung, besonders am Hals, öffnen, und die Unterschenkel und Füße möglichst hoch auf den Rucksack, bis alles vorbei ist. Stirn kühlen erfrischt zwar, nützt aber gar nichts! Ein Würfelzucker, Kekse oder Schokolade, alles was Zucker enthält, hilft sofort gegen Unterzuckerung, welches die gleichen Symptome hat, aber beaufsichtigt eingenommen werden sollte, oder noch bei vollem Bewußtsein auf der Seite liegend! Denn der Schluckreflex ist auch betroffen, und dann droht Erstickungsgefahr! Traubenzucker ist das Idealste! Meistens dauert es nicht lange an. Dann langsam und vorsichtig erstmal hinsetzen, nicht gleich wie ein Stehaufmännchen hoch! Denn dann kann es richtig "schwarz" werden, mit spontaner Bewußtlosigkeit. Das Blut muß Zeit haben sich umzuverteilen.
Noch einmal die Straße nach Chamorga überqueren und auf die Nordseite wechseln, und dann noch etwas mehr als drei Stunden und ich war am Ziel! Bis auf ein einziges Mal hatte ich nie den Kompass benutzt! Wozu sind die Sonne, die Karte und eine Uhr da?Er war da und erwartete mich, der Patre Lois, der Mönch und Eremit! Die Wiedersehensfreude war sehr groß, und erst jetzt legte ich meinen Stecken beiseite und kramte einige Geschenke hervor; wir waren sehr gute Freunde geworden, mein Stecken und ich! Auf dem Rückflug von Teneriffa bekam ich seinetwegen fast noch Probleme bei der Kontrolle, weil alle Welt glaubte er sei ein altes Kulturgut, weil er doch oben am knorrigen Knauf mit Schnitzereien verziert war, und ziemlich abgegriffen aussah! Erst ganz zuletzt, bevor er mir abgenommen werden sollte, wurde auf der halben Länge der eingeschnitzte Wunsch "Vaya con Dios" entdeckt. Das Kreuz, ein Geschenk vom Patre, blieb hingegen unbeanstandet. Und gerade das war wirklich schon sehr alt, und hatte alle unübersehbaren Merkmale eines solchen Gutes! Es stammte aus einem bekannten Monasterio.
Des Patres Haus war eigentlich kein festes Haus in dem Sinne, sondern, bis auf den Keller und den Kamin, ganz aus dicken, runden Holzstämmen und Schindeln gebaut und abgedichtet mit einer Masse, bestehend aus Lehm oder Ton, verknetet mit sehr widerstandsfähigen Pflanzenfasern (Bambus-, Palmwedel- und Sisal-, Hanffasern), wie die Eisengebinde im Beton! Das geht niemals kaputt! Ebenso waren die Lavasteine des Kamins verklebt und verfugt. Ein Keller war einfach in die Lava gehauen und schön gleichbleibend kühl und trocken. Dichter Wald und große Felsen schützten die Lichtung von allen Seiten vor Wind und Wetter. Rings um das Haus fanden sich alle möglichen Sorten von Gemüsen in buntem Gemisch durcheinander, die teilweise dreimal im Jahr geerntet wurden. Daran war wahrlich kein Mangel!
Da waren ein Batterie betriebenes Radio, viele Bücher und eine Quelle vor dem Haus, und das war aller Komfort. Alles andere war selbst aus Holz gezimmert und geschnitzt, selbst Teller, Löffel und Gabeln und Schalen, abgesehen von dem anderen Inventar! Es war wie in einem Märchen!
So zogen wir tagein tagaus durch die Wälder, sammelten Beeren, Kräuter, Blüten, den echten Lavendel und den giftigen Oleander, besondere Pilze und Moose. Machten Brennholz, versorgten die hauseigenen Ziegen, die beiden Hunde, den treuen Esel und kochten unseren Tee und das Hirse-, Hafer-, und Kräuter-Süppchen mit Ziegenmilch. Ein paar eigene Aloe Vera-Pflanzen gab es auch. Es sind ganz besondere Heilpflanzen, die dort auch extra in großen Plantagen und Kulturen auf Feldern angebaut werden, wofür Patre Lois ein begehrter Berater war, denn er kennt sich mit den Schädlingen ebenso gut wie mit den Pflanzen aus. Bei uns ist sie eine beliebte Topfpflanze. Ihre Ähnlichkeit mit der Agave ist rein willkürlich, denn mit der ist sie weder "verwandt noch verschwägert! Alle Varianten sind genießbar; nur für Menschen mit Niereninsuffizienz kann ihr Saft oder Harz (ziemlich bitter) unverträglich sein. Als Wildling zählt sie zu den besonders geschützten Pflanzen, so die Erklärung von Patre Lois!
Es war Juni, und die Tage schon lang.
Manchen Abend saßen wir ganz schweigsam beieinander und sprachen dennoch miteinander! Nur dass der Ton abgeschaltet war!
Das Haus stand immer offen; es existierte auch kein Schloss, nur ein Holzriegel für kalte Tage und Nächte, damit die Tür gegen Kälte geschlossen bleibt. Hin und wieder kamen Ziegenhirte vorbei und brachten Brot oder etwas Nützliches mit. Dann wurde stets Ziegenkäse in Holzbütten bis spät in die Nacht gemacht. Meistens übernachtete sie dann auch dort. Draußen wimmelte es dann von Ziegen. Dem Gemüse konnten sie aber nichts tun, das war gut geschützt.Ich vermisste nichts, so wie ich auch auf dem Weg hierher nichts vermisst habe. Das ist gewiss nicht jedermanns Sache auf diese Weise stille Einkehr und eine „Inventur“ mit und in sich selbst zu machen! Leute, die auf solchen Touren immerfort plappern müssen, sind mir höchst unsymphatisch und lästig; ich verabscheue das. Ich weiß auch nicht wie lange ich das gekonnt hätte! Jedenfalls tut es gut, sich einmal körperlich zu fordern, ohne gleich an seine individuelle Leistungsgrenze zu gehen!
Nur nie die Reserven unnötig beanspruchen, sie könnten noch gefordert werden, solange man noch nicht auf der Schwelle seines Zieles steht! Das ist eine alte Weisheit!
Nach einer Woche ging es wieder heim mit dem Auto von Lomo de las Bodegas. Wir hatten eine schöne Zeit, der Patre und ich.
Aber ich habe niemanden vermisst oder gebraucht, ganz ebenso wie mich auch keiner vermisst hat!- Oder doch? Vielleicht ein junges Mädchen? -
Zu Hause fiel mir ein solches mitten auf der Straße, in Tänen aufgelöst und völlig aus der Fassung geraten, um den Hals, als sie mir begegnete und mich gesund und heil sah. Ich kannte sie gar nicht, und erinnerte mich auch nicht ihr schon jemals begegnet zu sein. Auf meine Frage nach der Ursache ihrer Fassungslosigkeit und ihrer Tränen, meinte sie, sie hätte solche Angst gehabt; es geschehe doch so viel und es sei doch alles so gefährlich, wie man im Dorf so erzählt! Das war nun so ganz und gar nicht die Art einer unverheirateten, wohlerzogenen und tugendhaften jungen Spanierin in der Öffentlichkeit; ihr spontanes Verhalten mitten im Ort auf der Straße war ganz sicherlich unmöglich gewesen und muß sie einfach überwältigt und sehr viel Überwindung gekostet haben! - Eigentlich hätte ich nie etwas anderes vorgehabt als so wiederzukehren, wie ich fortgegangen war, erklärte ich ihr! - Aber lieb war es trotzdem von ihr, und ich fand es irgendwie rührend! Und so machte ich auch keinen Hehl daraus sie einfach in den Arm zu nehmen und ihr das sofort und selbst auf der Straße zu sagen. Es hat viel Klatsch und Tratsch gegeben, bis hin zu Beleidigungen und Diffamierungen gegen mich als Deutscher, die gerichtlich sehr wirkungsvoll geahndet wurden, aber es hat uns noch tagelang amüsiert, denn nun begegneten wir uns häufiger, wahrscheinlich nur deshalb weil ich sie vorher nicht wahrnahm. Nun kannte ich sie und vorher nicht. Fortan grüßte ich die Fenster einiger Häuser immer besonders überschwänglich, bei denen ich wußte, dass die alten Klatschweiber hinter den Gardinen saßen. Sie waren ja von draußen zu sehen! Dann sind sie immer blitzschnell verschwunden. Heute lachen wir darüber. Vor 25 Jahren wären die Tuscheleien des "Nachrichtendienstes" vielleicht wohl begründet gewesen - ich geb' es zu! Viel später beim Tanz auf einer Fiesta erfuhr ich, dass sie Medizinstudentin sei und in den Ferien den Eltern half. Eine von drei Töchtern, die das Glück einer gehobeneren Ausbildung gegenüber ihren Schwestern hatte. Meistens ist es innerfamiliär so geregelt, dass nur ein Kind auserwählt ist, etwas anderes zu werden. Das hat viele Gründe, sowohl finanzielle, wie auch historische! Also doch kein "ländliches Kulturgut"! Wie ich es mir eigentlich schon so gedacht hatte.
Ihre Schwestern waren ebenfalls sehr itelligent und aus dem gleichen "Holz" geschnitzt, mit ebensolcher guten Ausbildung. Ganz einfach, unkompliziert, sympathisch und charmant! Wir brachten es sogar fertig oftmals abends gemeinsam zu viert, sogar manchmal zu sechst mit den Eltern, durch den Ort zu bummeln und draußen vor einer Bar an der Plaza zu sitzen. Das Gegaffe war spassig! Sie mußten immer noch einmal wieder vorbeigehen, und krampfhaft bemüht sein, uns zu übersehen! Ein richtiger "Wildwechsel", und alle taten so als existierten wir überhaupt nicht. Gott sei Dank reagierten die Eltern mit außerordentlich großer Aufgeschlossenheit und noch mehr Humor! Der Papa war ein bekannter Architekt in St. Cruz mit Büros in Pt. de la Cruz, also nicht gerade ganz unbegütert!
Ich glaube sie hat wohl doch zu viel Dschungelcamp oder Robinson & Co. gesehen, und glaubte allen Ernstes daran. Aber damals gab es das ja noch nicht in dieser menschenunwürdigen Form.Bis zu diesem Tag war sie mir ganz fremd, ich ihr offenbar nicht!? Ich habe nie danach gefragt, um sie nicht eventuell in Verlegenheit zu bringen. Heute ist sie die Senorita Doctora in der modernen Kinderklinik von La Laguna - Santa Cruz.
Nun musste ich so viel erzählen, wie es auch gewesen wäre, wenn ich hier die ganzen Wochen normal geplappert hätte. Sie wollten alles auf einmal wissen. Der ganze Ort sprach über diese Reise in die "Wildnis", was sie ja überhaupt nicht war! Es gab dort nur weniger Zivilisation als hier! Es hat Vor- und Nachteile alleine zu gehen. Auf jeden Fall erfordert es eine noch größere Vorsicht, und eine gute Fähigkeit eine Situation oder ein Risiko bestmöglichst einschätzen zu können!
Jedenfalls ist solch ein Unternehmen eine Schlankheitskur mit Erfolgsgarantie!Zwei Wochen später fuhr ich nochmals nach las Bodegas hinauf, um Säcke und Kartons voller notwendiger Utensilien und Nahrungsmittel dort in einer Bar für Padre Lois zu deponieren. Gewisse Dinge sind sehr wichtig, wie Salz, Zucker und dann die Seifenmittel, Nähgarn, Bleistfte, Papier und all den vielen Kleinkram, und noch ein kleines bisschen Luxus. Es war eine sehr lange Liste! Haferflocken und Milchpulver waren auch ein paar Kilo dabei, das isst er so gerne. Der Ziegenhirte des Ortes, der auch gleichzeitig der "Dorftrottel" war, bot sich an, alle Sachen nach und nach per Esel bei Padre Lois abzuliefern. Das war absolut glaubwürdig, und verlangte nach einer deftigen Belohnung. Wie ich hörte, war alles in ein paar Tagen geliefert.
Es gibt sehr Vieles zu bedenken, bevor man sich auf den Weg macht!Es dauerte eine Weile, bis das alles innerlich verarbeitet war!
Gruß Dieter
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Hallo Dieter,
Du solltest ein Buch über Tenneriffa schreiben... beim lesen Deiner Beiträge hat man das Gefühl, man ist mittendrin!!
Ich war schon viele Male in Puerto de la Cruz - immer im App.neben dem Botanischen Garten - . Von dort haben wir viele Wanderungen hoch durch das Orotava-Tal nach La Orotava und Umgebung gemacht. Auf dem Weg dorthin wandert man durch Bananenplantagen, kommt durch kleine Orte, wo die Einheimischen ein paar Tische im Hinterhof zwischen den Hühnern aufgestellt haben und man bekommt dort wunderbares kalten Bier aus der Flasche, Knoblauchbrot mit Olivenöl, und die Familie wuselt um einen rum und versucht, es uns so gemütlich, wie möglich, zu machen.
Unsere "Standardwanderung" jedes Jahr: mit dem Bus nach Icod und dann zu Fuß an der Steilküste entlang nach Garachico. Man kommt an einer Kirchenruine vorbei, die unten am Strand liegt. Viele, viele Stufen führen hinunter- aber es lohnt sich -. Auf der Plaza von Garachico Kaninchen essen, den vorzüglichen Hauswein genießen und anschließend mit dem Bus wieder zurück.Mit dem Bus kommt man kostengünstig fasst in jede Ecke von Tenneriffa und ich kann allen nur empfehlen, das Auto stehen zu lassen. Wer gut zu Fuß ist und nach dem Motto: der Weg ist das Ziel" losgeht, kann viele Eindrücke von der Insel mitnehmen und Gegenden kennenlernen, die kein Pauschal-Tourist je zu Gesicht bekommt.
So weit ein kleiner Beitrag von mir. Mir fällt sicher noch was ein.
Liebe Grüße
Gia -
Hallo Gia,
bitte schreib noch mehr solche Berichte! Dann bin ich nicht so alleine in diesem Thread! Wenn das Gefühl entstanden ist mittendrin zu sein, dann war es schon ein wesentlicher Punkt den ich erreicht habe! Mehr kann ich mir doch gar nicht wünschen!
........... Das mit dem Buch schreiben ist mir auch schon einige male vorgeschlagen worden, besonders deswegen, weil meine Aufzeichnungen noch viel mehr hergeben würden. Sie sind noch sehr umfangreich! Aber ich glaube so ist es besser, alles in überschaubaren Kapiteln zu schildern?! Und es kommt ja regelmäßig noch etwas hinzu bei meinen Besuchen dort. Für einen solchen Anspruch eines Buches, reichen nach meiner Einschätzung mein Wissen und die Kentnisse Teneriffas wohl noch nicht ganz aus! Wenn ich behaupten würde, ich kenne Teneriffa, dann stimmt das einfach nicht! Ich kenne wohl einen Teil davon, nämlich das was ich aus eigenem Wunsch mir in Erfahrung bringen wollte, mehr nicht! Ihr merkt es doch schon daran, dass mir das touristische Brimborium nichts sagt, sondern mehr das Ursprüngliche. Ich könnte doch auch schlecht behaupten, dass ich ein anderes Land kenne, das ich bereist habe, aber unbedingt Wert auf die heimische Küche, den eigenen Standard zuhause und meine vertraute Umgebung mit deren Komfort legte!? Das sind zwei verschiedene Wege. Aber beides ist nun mal so vorhanden und heutzutage kann Eines durch das Andere in diesen Reiseländern nicht ausgeschlossen werden.
Hoffentlich ist bisher etwas Verwertbares in Bezug auf Reiseinformationen dabei gewesen!? Sonst höre ich sofort auf!
Das was ihr dort macht, ist doch schon mehr als der Beginn dessen was man sich selbst erarbeiten kann und wünscht!
Ganz genau das ist es ja: Abseits allen Trubels liegt der Kern und das Ursprüngliche, dass es wert ist entdeckt zu werden.
Aber verständlich ist es auch, dass das bei den meisten Besuchern nicht machbar ist. Sie sind halt 2 oder auch 3 Wochen dem hiesigen Alltag entflohen, und wollen nun möglichst viel sehen. Das beißt sich dann natürlich mit dem Wunsch nach Gründlichkeit und intensivem Kennenlernen. Man muß einfach einen Kompromiss schließen, mehr läßt die Zeit nicht zu, obgleich Gelegenheit genug da wäre, würde man auf heimischen Gepflogenheiten und vertrauten Umgebungen nicht so viel Wert legen, und sie in den Vordergrund rücken!
Das ist sicher auch vielfach der Grund für die immer wiederkehrenden Fragen: Was muß man sehen/besuchen und wie, mit dem Auto, organisierte Fahrten, Bus oder wandern? Wenn dann so gar keine Vorstellungen da sind, und auch noch keine Lust zu Vorbereitungen und zum Lesen, dann ist es natürlich schwierig, wenn nicht gar aussichtslos. So interpretiere ich auch die vielen "Wohin"-Fragen. Da man sich nicht der Mühe unterziehen will sich zu informieren, wird dadurch versucht die Entscheidung anderen zu überlassen! - Man muß es selbst WOLLEN! -Auf den organisierten Rundfahrten heißt es doch immer nur: Keine Zeit, links sehen sie ....., Blende 8 und 1/100-stel Belichtungszeit! Bitte einsteigen wir fahren weiter! Gesehen haben die Leute eigentlich gar nichts!
Sieht es nicht so oder ähnlich aus?
Ich denke mal besonders sieht es bei denen so aus, die heute hier, morgen dort, quer über den Globus reisen, behaupten sie jedenfalls! Ihnen ist der Sitzabstand, das Essen, die Bordunterhaltung, Fluggesellschaft, usw. usf. und ebenso die Nebensächlichkeiten des Ortes und Hotels viel wichtiger als das Urlaubsdomizil selbst, das sie sich ausgewählt haben, und darüber beklagen sie sich anschließend! Beklagenswert ist auch, dass meistens die Einwohner eines Gastlandes noch nicht einmal Deutsch verstehen oder gar sprechen, aber man muß ja unbedingt im hintersten Winkel eines Ortes, halb um die Erde herum, gewesen sein! Schließlich kann ich doch da auch diese Sprachkenntnisse erwarten, denn sie sind ja mitbezahlt, wir haben immerhin AI gebucht! Einerseits haben sie vielleicht viel gesehen zum Angeben, und andererseits doch eigentlich überhaupt nichts! Überwiegend ist ihre Angeberei sehr leicht durchschaubar! Sie können einem Leid tun in ihrer selbst verschuldeten Unzufriedenheit. Fragt man sie wo sie denn genau gewesen sind, dann kommt die Antwort: Weiß ich nicht genau, steht aber alles auf der Buchung! Jedenfalls war es ein 5***** Hotel!Wie gesagt, wenn nichts rüberkommt an Eindrücken, höre ich auf! Das habe ich mir vorgenommen.
Gruß Dieter
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Hallo Dieter,
ich zitiere eine Kollegin, die einen Last Minute-Trip nach Bulgarien gebucht hat, mir erzählte, wie toll es dort sein soll und die mich dann allen ernstes fragte: "wo liegt eigentlich Bulgarien - am Atlantischen Ozean?"

Oder ein Bekannter der Meinung ist, egal, wo das Hotel steht, Hauptsache AI und die Sonne scheint!
O. K., jeder, wie er meint. Dass Schöne ist, dass man diese Leute Gott sei Dank nicht auf unseren Wanderpfaden und Erkundungstouren finden wird.Wir hatten in unseren Urlauben nur ein App. Morgens gab es auf der Terrasse ein ausgiebiges Frühstück (natürlich selbst gemacht), haben dann unseren Rucksack mit den Badesachen gepackt und sind Richtung Strand gelaufen (oweiha, die vielen Treppen. Sind es 3 Km.??)
Da es im Norden ganz plötzlich zuziehen kann, waren wir immer ganz gespannt: Strand oder Busausflug!Es gibt auch von Puerto einen tollen Küstenweg bis San Petro. Hier kommt man mit dem Bus wieder wunderbar zurück.
Wir hatten Mal von 4 Wochen Urlaub 3 Wochen Regen, Sturm oder bedeckten Himmel. Um die Sonne zu sehen, sind wir mit dem Bus nach Los Gigantes gefahren und haben dort einen wunderschönen Sonnentag erlebt. Urlaub würde ich dort nicht machen, aber als Tagesausflug mit Sonnengarantie kann man mal einschieben. Der Fahrt dorthin über die Insel war schon ein Erlebnis.
So, das erst einmal für heute.
Liebe Grüße
Gia -
Übrigens habe ich mir gerade die Finca San Petro angeschaut, in der Lavda war. Würde mir sicher auch gefallen.
Klein und übersichtlich. Von dort kann man schöne Wanderungen in die Umgebung machen.Also, Lavda, schreibe uns doch mal etwas ausführlicher, wie es war. Wir sind gespannt.
Grüße
Gia -
Hallo Gia,
da habt ihr aber Pech gehabt mit dem Wetter und seid voll in den Passat gekommen! - Schade! - Aber ich denke mal ihr habt es hingenommen wie es kam und macht kein heulendes Palaver davon.
Euer Appartement nahe dem Botanischen Garten liegt ja fast schon am Stadtrand in Richtung La Orotava. Der Park ist sehr schön und sehenswert, wie fast alle Parks zumindestens auf der Insel. Dort verwirklichen diejenigen ihre Wünsche, die nicht in einem Haus mit einem Patio wohnen können, der ganze Stolz der Hausbesitzer.
Und ausgerechnet die Gegend um Los Gigantes/Puerto Santiago ist eine meiner oft besuchten Regionen. Das liegt an den "historischen Erinnerungen", denn dort fing alles an - im Hotel Barcelo Santiago. - Meine Liebe zu Teneriffa und seinen Menschen. Meine jetzigen Freunde und ständigen Gastgeber hatten mich damals, ausgerechnet bei einem Besuch bei ihnen auf Mallorca, hierher 'komplimentiert'. Und da habe ich mich sofort in diese Insel verliebt.
Los Gigantes ist doch sozusagen die letzte natürliche Küsten-Bastion gegen den immer weiter von Süden nach Norden vorrückenden Massentourismus mit all seinen Randerscheinungen. Früher war vor Adeje und Fanabe Schluß, und heute??? Es ist wie ein alles vernichtendes Feuer, das sich immer weiter und unaufhaltsam nach Norden entlang der Küste ausbreitet und alles zerstört was sich ihm in den Weg stellt, ungeachtet der Mühen und des Aufwandes, der für diese felsige Landschaft aufgebracht werden muß und nötig ist! Die ganze Region Playa de las Americas/Los Christianos sollte längst saniert worden sein.
Es ist kein Märchen, wenn ich sage, dass im Tal von Masca ein riesiges Hotelareal a la P. d. l. Americas/Los Christianos entstehen sollte, geplant und die Baugenehmigung schon beantragt war. Da gab es dort, wie fast auf der ganzen Insel und auch eigentlich in ganz Spanien, einen Volksaufstand. Alle Zu-, und Abfahrten des Tales wurden von den Einheimischen völlig gesperrt, und in der Regierung Santa Cruz gab es einige "rollende Köpfe", derjenigen die den Bauantrag überhaupt erst angenommen hatten. Aber was bringt das ein? Es ist wie bei einer Hydra: Ein Kopf rollt, und 10 wachsen nach! Korruption und Bestechung einer Gruppe von den Inseln westlich von Deutschland war's, da haben die Staatsbeamten der Inselregierung nach wie vor immer ein offenes Ohr. Masca steht bei den Kanariern ganz hoch im Kurs und ist auch ohne Gesetze so gut wie unantastbar!
Na gut, wenn es mir an meinem ständigen Aufenthaltsort zu heiß wird, dann besuche ich auch gerne P. d. l. Cruz, vorwiegend das Tal von La Orotava, besonders gerne die Miniaturstadt Miniaturas de Pueblo Chico, sowie die Fiesta del Corpus (Frohnleichnam) mit den Alfombras de arena (Blumen und bunte Lavastein Teppiche, das Schönste was ich je gesehen habe), mit seinen tollen Sehenswürdigkeiten und den großen Orangen-Plantagen an den Hängen. Da kommt selbst San Christobal de La Laguna und Candelaria kaum mit! Und das soll schon viel heißen!Also auf geht's bald wieder dort hin!
Gruß Dieter
P. S. Pssssst Gia! Die Finca San Pedro bei St. Cruz ist noch ein absoluter Geheimtip! Es ist wunderschön dort.
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Hallo Dieter,
ich habe diese Blumen- und Sandbilder in La Orotava bei der Entstehung bewundern können, so fasst ohne Vorlagen, einfach toll.Wir sind auch viel in Richtung Bollullu-Bucht gelaufen. Am Ende, oberhalb, gibt es einen Ziegenpfad, ziemlich steil nach oben. Aber man wird mit einem tollen Ausblick belohnt. Außerdem gibt es dort ein ein kleines Restaurant.
Wir sind dann zurück an der Autobahn entlang(verrückt). Beim nächsten Besuch haben wir dann erst den Übergang auf die viel schönere andere Seite gefunden.Ein eindrucksvoller Ausflug war auch in Richtung Aguamansa. Mit dem Bus dorthin (mein Herz stand still-keine Leitplanken, nur Abgrund.
Nix für schwache Nerven).
Mann läuft dann immer den Kamm entlang (sieht aus, wie bei uns im Harz). Man hatte auf dem ganzen Weg einen Superblick aufs Meer und teilweise die Küste.Zum Thema Bebauung: wir haben ja in La Paz gewohnt und dort mussten wir feststellen, jedes Mal, wenn wir wieder mal da waren, fehlte etwas von den Bananenplantagen. Nur noch Privat-App. und sogar ein Seniorenheim.
So, jetzt ist Schluß. Bis bald und liebe Grüße
Gia -
Hallo Gia,
ich habe lange darüber nachgedacht, wo denn wohl zwischen Icod und Garachico diese alte Ruine mit den vielen Stufen liegen könnte! Nun endlich bin ich dahinter gekommen! Du meinst die alte Klosterruine hoch oben auf dem Felsen auf einer Landzunge direkt am Meer zwischen San Juan de la Rambla und Pt. d. la Cruz! Diese Küste zählt noch zu Los Realejos und heißt Punta Bravo, ist aber gar nicht sehr weit weg vom Loro Parque. Die Orte dort sind so dicht verschachtelt, dass man kaum eine Zuordnung machen kann. Einen richtigen Namen scheint diese dachlose Ruine auch nicht zu haben, manche nennen sie Gordejuela oder Cast. de San Felipe oder N. S. de la Pena de Francia. So genau weiß das keiner. Wenn man all die Treppen gegangen ist, dann weiß man wirklich was man getan hat! Eigentlich ist die Ruine dort schon bekannt unter den Insidern, und wiederum auch nicht, weil dort unmöglich Busse hinkommen können. Die große Küstenstraße verläuft ein paar Kilometer davon entfernt. Deshalb wird sie auch so vernachlässigt. Es besteht dort allerhöchste Einsturzgefahr, und nichts ist gegen spielende Kinder gesichert oder abgesperrt. Steht man im Hauptschiff der Basilika, dann sind die Außenmauern noch gute 30 Meter höher. Immerhin ist sie einige Stockwerke hoch, und fällt vorne mit den Felsen direkt ins Meer ab. Trotzdem ist der meerseitige Teil noch viel besser erhalten als der hintere. Da fehlen doch eigentlich "nur" das Dach und ein paar Fenster!

Und ein bisschen "aufgeräumt" müßte mal werden?!
Deine Ortsangabe hatte mich verwirrt.Gruß Dieter
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Hallo Dieter,
jetzt hast Du mich verwirrt. Ich bin noch mal in mich gegangen und habe mir einen Teil meiner Videos angeschaut.
Also diese Klosterruine meine ich nicht.
Vielleicht war es doch auf dem Weg von Puerto nach San Petro?
Also man geht an der Steilküste entlang und dann kommt eine klitzekleine Bucht.
Und dort unten, direkt am Strand, liegt eine riesige Kirchenruine und viele in Stein gehauene Stufen führen hinunter.Ich hab mal gegoogelt, aber die Küste liegt im Schatten, man erkennt leider nichts.
Grüße
Gia -
Habe ein Bild gefunden:
http://www.sonneninsel-teneriffa.de/blog/wanderung-los-realejos/
Meinen wir beide das Gleiche???

gruß
Gia -
Gia,
haargenau das ist sie, die Ruine, die wir beide meinen!
Nun wissen wir wieder wo wir sind und wovon wir reden!

Ich arbeite gerade an einem neuen Bericht, aber ich bin zu unkonzentriert und abgelenkt, auch bei den Recherchen in meinen unterschiedlichen Notizen und Aufzeichnungen. Meine Gedanken sind zu unstet und springen immer von einem Punkt zum anderen. Es geht alles nicht so recht voran; dann verliert man auch bald die Lust. Der ganze Tisch ist schon voller Material, aber ich finde nicht den richtigen Faden! Wenn ich den einmal habe, dann flutscht alles wie geschmiert!
Mach' ich erstmal eine Kaffeepause zum Abschalten, vielleicht hilft das. Wenn es so mühsam läuft wie jetzt, bringt das nichts. Es wirkt dann alles so verkrampft.Vielleicht hilft die gemeinsame Aufklärung der Ruine ja etwas!?
Bei schattigen Gegenden mußt du bei Google Earth immer ganz dicht ranzoomen, bzw. fein auflösen, dann wird der Schatten immer heller und "durchsichtiger", dann kannst du sehen was sich darunter verbirgt! Vor Allem kommen dann auch noch viele Bilder zum Vorschein, die bei größerer Höhe noch verdeckt sind. Es ist wie bei einem teilweise unterbelichtetem Foto, wo die Hälfte sonnig ist und die andere schattig. Da wird der schattige Teil auch meistens sehr unterbelichtet. Versuchs mal!
Als dann, schöne Grüße
Dieter
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Hallo Dieter,
jetzt wollte ich's aber wissen. Auf die Frage, was es mit dieser Ruine auf sich hat, habe ich folgende Informationen gefunden:
Die Ruine führt den Namen Elevador de Aguas und soll ein altes Wasserwerk gewesen sein. Die oberen Gebäude gehören alle dazu.
Schau noch mal auf die o. a. Seite. Schade, das der Bericht nicht bei HS veröffentlicht wurde.

Man findet diesen Weg auch nicht auf Anhieb. Der Einstieg ist nämlich schön versteckt. Wir haben ihn auch erst nach vielem hin-und zurücklaufen gefunden.
Grüße
Gia -
Hallo Gia,
Du hast wohl Recht! Der Bericht in dem Link ist eindeutig, ich habe ihn erst heute ganz gelesen, weil mein PC nicht weiterscrollte. Und so dachte ich es wäre nur eine Seite! Aber was geschah in dieser Anlage? Eine Meerwasser-Entsalzungs-Anlage kann es nicht gewesen sein, die gab es zu der Zeit noch nicht! Also kommt eigentlich nur ein Pumpwerk (Wasserschloss) infrage. Nur wo kam das Wasser her, dass von hier aus per Pumpen verteilt wurde? Und alle Kulturpflanzen auf den Plantagen sind allergisch gegen Salzwasser! Wenn diese Anlage nicht ausgerechnet direkt am Meer gelegen wäre, dann hätte ich mir Brunnen, bzw. vorstellen können, was die Lage hier an diesem Ort ja als sinnlos erscheinen läßt. Hier bleibt nur das Wasser von den Bergen, und um das zu verteilen muß man nicht einen solchen Aufwand treiben. Erst läßt man es runter von den Bergen, dann pumpt man es mühevoll mit großem Energieaufwand wieder hoch, ohne die potentielle Energie des Höhenunterschiedes zur Stomerzeugung zu nutzen! Das ist eine große Verschwendung, und grob unwirtschaftlich.
Eigenartig sind doch die ganzen riesigen Wandbilder mit den religiösen Motiven! Aber diese scheinen mir weder sehr alt noch sehr künstlerisch zu sein. Wenn das eine Fabrikhalle war, dann muß man hier gerne gearbeitet haben bei der Aussicht und in der Umgebung! Nur leider verdient haben die Leute in früheren Zeiten auf Teneriffa nichts. Außerdem kenne ich niemanden, der täglich einen solchen beschwerlichen Arbeitsweg hat, angesichts der vielen Treppen!Wenn ihr aus der Richtung von P.d.l.Cruz dorthin gekommen seid, dann müßtet ihr eigentlich auch über eine dieser Freibrücken über die engen Schlucht gegangen sein, zum Weg, der auf diese Klippen führt?
Egal was die Ruine auch immer war, sie ist es allemal wert besucht zu werden!Hast du meinen Tip mit Google bei schattigen Gegenden einmal ausprobiert?
Wenn ich mir diesen Thread so anschaue, - ich glaub' es einfach nicht -, dass sich so viele Leser gefunden haben die das interessiert, und der Thread so "sauber" geblieben ist! Das ist sehr schön, und es freut mich! Es geht doch, warum nicht woanders auch? Und das bisher ganz ohne Abmahnung, gelbe Karte von den Admins! Obgleich nicht alle Berichte doch unbedingt immer direkt etwas mit dem Reisen zu tun hatten. Und ich wollte schon einige Male hinschmeißen! Nun sprechen aber die Klicks eine andere Sprache, sie signalisieren mir doch ein gewisses Maß an Interesse und kausal daraus folgend Motivation für den "Schreiber"!.
Viele Grüße
Dieter
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Hallo Dieter,
je mehr man wühlt, um so interessanter und mystischer wird diese Ruine.
ich habe eine sehr detailierte Beschreibungen mit alten Bildern vom Originalzustand gefunden. Lesen ist einfach Pflicht.
Viel Spaß

(Leider kann ich das mit dem link nicht, sorry, ich hoffe, es geht auch so..
)Grüße
Gia
Anm. d. Admins: Ich habe mir erlaubt deinen Link zu reparieren. Bitte in Zukunft die Linkfunktion benutzen. Danke.
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Hallo Gia,
das ist ja sagenhaft interessant mit dieser geheimnisvollen Ruine. Sie wirft ja richtig Fragen auf; und wer weiß ob das schon alles über sie war?
Ganz klar, dass da kein Einheimischer genaue Kenntnis haben kann! Es war ja schon mit dem Namen so konfus, wie ich schon schrieb.
Nun ist es auch klar warum dieses Pumpwerk so tief unten gebaut wurde. Dort war das meiste Wasser. Technisch gesehen erstaunt es mich, dass es damals schon möglich war, bei einem noch vernünftigen Fördervolumen, hier 4800 m^3/Tag, diesen Druck zu erzeugen, der dafür erforderlich ist. Nach den Höhenangaben und Förderstrecken, 270 m Förderhöhe und Leitungslänge von 2 Meilen bis zu den Bananenplantagen im Umkreis in ein Reservoir und von dort sogar nach La Orotava mit reichlich ein paar Kilometern, müßten das mindestens 50 - 60 bar gewesen sein, bei dem Fördervolumen/Tag!
Das gibt schon ein paar Rätsel auf! Konnte man das damals (1900) schon? Auch wenn es keine kontinuierliche Förderung war, sondern ein intermittierender Pumpbetrieb. Technisch gesehen ist das höchst interessant.Das hätte ich nicht gedacht; meine Freunde werden staunen, und wir werden sofort dort hin fahren und mal schauen ob es noch mehr Aufzeichnungen gibt.
Sehr schön und klasse Gia! Ich kenne dieses Hochgefühl sehr gut, das aufkommt, wenn man so erfolgreich war. Du könntest jeden Staatsanwalt ersetzen mit deinen Ermittlungen!
Das macht doch richtig Spaß, soetwas zu ermitteln! Passt das alles nicht wunderbar zum Titel des Thread's?Vielen Dank und Kompliment!
Schönen Gruß sendetDieter
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Ein feuchtfröhlicher Junggesellen-Abend mit einem folgenschweren, unerwarteten Einfall! –
Also lautet ein Beschluss, das der Mensch was machen muss!
(Frei nach Wilhelm Busch)Manchmal kommt man zu vorgerückter Stunde, bei „Wein, Weib und Gesang“ auf die blödesten Ideen, die sich im Nachhinein als voreilig und unbedacht herausstellen. - Wer kennt das nicht?!
Also lautete der Beschluss, den Barranco Los Cochinos (Übers.:die Ferkel/Schweinchen) in seiner gesamten Länge zu begehen! Dieser Barranco gilt als überwiegend schwer bis abschnittsweise mittelschwer, in vielen langen Passagen als sehr schwer zu bewältigen. Es gibt darum nicht viele „Wanderer“, die die schwierigsten Abschnitte auch schon durchquert haben. Berichte existieren nur sehr vereinzelnd und über kurze Teilstrecken, meistens dann von der Guardia Civil, die uns, gegen das Versprechen eines detaillierten Berichtes, mit hervorragenden Kopien von Karten- und Bildmaterial aus den Landesarchiven, nicht nur Teneriffas, versorgte. Sie waren sehr freundlich und kooperativ! Und wir wollten gleich alles in der ganzen Länge und in einem Stück! Das ist normalerweise Wahnsinn und überheblich. Gewiss aber bedarf es sehr viel Training, sehr guter Kondition, gute Organisation und Planung. Dass es machbar sein müsste, wußten und glaubten wir, aber viel mehr auch nicht!
Der Barranco erstreckt sich mit einem ~ 100 °-Knick im hinteren Ende von Los Silos bis zum südlichen Ende von Teno Alto, zwischen El Palmar und Las Portelas, und ist etwa 6 km in freier Strecke lang. Er fügt sich zusammen aus mehreren nahezu parallel zueinander verlaufenden kleineren Barrancos, so den Bco. de Bocaron, de Blas, de Cuevas Negras und einige andere viel kürzere! Die aber meistens keine Verbindung untereinander haben. Der wildverwegenste und gewaltigste, demzufolge auch der am wenigsten Begangene, ist jedoch der Cochinos. Wahrhaft, es kann einen grausen, wenn man von oben in den tiefen, dunklen Abgrund hinunterschaut. Sonst gibt es solche Schwierigkeitsgrade nur noch im nordwestlichen Teil des Anaga. Der Barranco de Masca, sowie der Bco. del Infierno sind dagegen fast schon ein Witz! Rechnet man die Irrwege und das Umgehen unpassierbarer Stellen hinzu, dann kommen bestimmt noch 30 – 40 % Länge dazu, nach unseren Schätzungen am Ende der "Reise". Veranschlagt waren 6 Tage. – Vorweg: Das Zeitlimit musste später erheblich aufgestockt werden! - Soviel stand als Basis schon mal fest. Wie man das organisiert und exakt plant, weiß und kann niemand so perfekt wie unsere liebe Adelén Carmen, das Organisations- und Improvisationsgenie. Sie war es auch, die uns des Wahnsinns bezichtigte, sich dann aber doch mit vollem Eifer und großem Einsatz in diesen Irrsinn stürzte. Sie dürfte nicht so heißen, wenn sie nicht liebend gerne mitgekommen wäre. Aber eine einzelne Frau ist wie ein Aquarium in einem Beamten-Schlafzimmer (Büro!), es bringt zu viel Unruhe rein! Schließlich war sie selbst ein großer Fan von jeglichen Risiken und Klettereien! Ich war einmal 2 Tage mit ihr im Bco. de Masca, in ursprünglichen nicht freigegebenen Seitenschluchten, unterwegs, und weiß zu welchen Leistungen sie fähig ist! Sie verfügt über eine große Erfahrung, unheimliche Ausdauer, eine optimalere Krafteinteilung bzw. -Umsetzung und Umsicht, sehr viel besser als die meisten Männer, dafür ist sie bei uns allen bekannt. Man sieht ihr das nicht an. Trotzdem ist sie ausgesprochen feminin, betont weiblich, ja geradezu zerbrechlich zart, und sehr charmant in ihrer äußeren Erscheinung. Unsere Gastgeber schwiegen dazu und ließen uns tun. Sie wussten wohl, dass ein einmal gefasster Beschluss durchgezogen wird. Schließlich war einer ihrer Söhne mit von der Partie! Erst einmal konkret angefangen, fanden wir aber Unterstützung, Hilfe und Verständnis jeglicher Art bei ihnen und durch sie! Sie waren gewissermaßen unser zweites Gewissen und ein Pol, der alle lästigen Dinge von uns fernhielt, und letztendlich teils kraft ihres offiziellen Einflusses alle Formalitäten für dieses Unternehmen in unserem Sinne regelte. Eine ungemein wichtige und notwendige Sache!
Wir, die Wahnsinnigen, waren zu sechst, vier Einheimische und zwei „Fremdlinge“. Alles gute, zuverlässige und erfahrene Jungs mit denen man „Pferde stehlen“ kann, aus allen möglichen Berufen kommend, schweigsam und stahlhart! Ungeheuer wichtig war uns der Manolo, ein junger Klinikarzt aus St. Cruz, wie sich leider noch beweisen sollte! Wir hatten schon viele Bco's erfolgreich miteinander gemacht, und kannten uns wie Sechslinge!
Der Beschluss wurde im November „verabschiedet“, und gestartet sollte im Mai des folgenden Jahres werden. Also blieb noch genügend Zeit für alle, außer für die liebe Adelén, unserer Liebsten von allen, die genutzt werden musste um die rostigen Gelenke wieder auf Vordermann zu bringen. Wir wussten es ja: Der Beginn des Barrancos im ersten Viertel ist harmlos und sogar schon mit Sicherungsseilen versehen, und mit eingeschlagenen Steinstufen, also schon für gute Wanderer und Touristen präpariert, mit einem Treppenausgang am Ende des "Wandererabschnittes" versehen. Aber dennoch schon schwieriger als Adeje oder sogar Masca, wo man leider fast schon mit dem "Kinderwagen" hindurchgehen kann, weil alles weggesprengt wird, was im Wege steht! Doch je weiter man „aufwärts“ kommt, umso tiefer und schwieriger wird es. Dort gibt es keine festen Seile oder geschlagene Stufen mehr, und eine direkte Rettung mit einem Hubschrauber ist wegen der Enge und Höhe der Wände auch nicht mehr möglich.
Auch eine solche Tour muss beim Ajuntament (Stadt-Verwaltung) und bei der Polizei des Startortes angemeldet und genehmigt sein, genau wie meine Wanderung durch das Anaga! Damit gab es keine Probleme! Und schon in einer Woche hatten wir alle Papiere und Genehmigungen! Das ist für Teneriffas Verhältnisse und Beamte schon "Überschall-Geschwindigkeit"! Hoffentlich haben die sich nicht zu sehr überanstrengt und total verausgabt! Normal dauert solch ein "Prozess", ohne "informale Sonderzuwendungen", nämlich ein gutes halbes Jahr. Die Zeit für den Nachweis ihrer eigenen Existenzberechtigung noch nicht eingeschlossen.
Zwei bis drei Wochen vorher trafen wir uns bei den Freunden und Gastgebern zu den „Abschlussveranstaltungen“, und auch um noch Training, insbesondere am Seil, die Stiefel einlaufen, die Oberbekleidung und den Schlafsack wasserfest mit Silicon präparieren uvm., zu machen. Auch an die Astronauten-Nahrung muß der Körper sich erst gewöhnen! Alles unter der kritischen und strengen Aufsicht, den Augen und der Kontrolle des Docs und Adelen. Jeder noch so kleinste Fehler wird gnadenlos gerügt! Er darf einfach nicht passieren! Disziplin ist lebensnotwendig! - So fit wie damals war ich nur noch bei der Wanderung durch das Anaga zum Patre Lois und einer Wochentour mit einer Gruppe durch die Lorbeerwälder des Anaga.
Es hatte sich mittlerweile schon im ganzen Ort und weiteren Umkreis herumgesprochen, was ein paar Verrückte da vorhaben. Einen Barranco gehen – ja, aber nicht die volle Länge und in einem Zug, und dann noch diesen, unter den "Fußgängern", tückischen und gefürchteten mit dem hohen Schwierigkeitsgrad! Adelén und Lucita hatten wie immer ganze Arbeit geleistet, und meldete von der Ausrüstung her praktisch Startbereitschaft. Wo die immer die ganzen Vermessungs- und Flurkarten herkriegt, wird mir wohl für immer ein Rätsel bleiben, und ihr Geheimnis! Ihr hatte sich mittlerweile noch ein weiterer langhaariger lieber „Schatz“ namens Lucita Maria hinzugesellt, eine Tochter unserer Gastgeber. Ihr Aussehen entsprach ganz und gar dem ihres klangvollen, schönen Namens. Nun waren die beiden jungen Mädels absolut unschlagbar! Man muss die Frauen nur machen lassen! In ihnen steckt ein nahezu unerschöpfliches Potential an Organisations- und Improvisationsvermögen, Kreativität, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit. Seht euch doch all die Architektinnen/Designerinnen an! Sind das nicht tolle Einfälle und Ideen die sie haben?
An einem herrlichen Freitag ging es mit zwei Autos mittags los, mit viel Abschied und allen guten Wünschen versehen, gen Los Silos im Norden, 3,5 km von Buenavista entfernt, bis zum nächsten Tag, in unsere Unterkunft bei Freunden. Abends gingen wir dann alle noch zur Messe. Die Ausrüstung und der Proviant waren alles komplett und zusätzliche Dinge noch, wie Verbandszeug, kleines OP-Besteck, darauf bestand er, und das Übliche für unseren Doc, auf alle gleichmäßig verteilt. Was nicht frei käuflich war, brachte er selbst mit. Am Sonnabend ganz früh wurde nochmals ausgepackt, Seile und Zubehör kontrolliert, damit auch jeder wusste was sich in seinem Rucksack befand und wie er gepackt war. Alle, die geholfen hatten, waren von Erjos zu unserer "Reise in die Unterwelt" gekommen.
Nach einem leichten Frühstück brachen wir auf zum südlichen Ortsrand, begleitet von einigen Dutzend Bewohnern Los Silos’s, zwei Mitgliedern der Guardia Civil, und zwei Eseln, die bis zum Beginn der Lorbeerwälder unsere Rucksäcke schleppten. Einige, die geholfen hatten, und die wir als sehr gute Kenner der Barrancos einzuordnen hatten, waren sehr schweigsam und nachdenklich, ebenso wie Adelen und Lucita, mit ein paar Tränchen in den Augen! Welches Omen war das? - Ein Abschied ohne viele Worte, nur ein leises "Adios muchachos, mucha suerte!", eine kurze, herzliche Umarmung! ---- Nur ein paar inhaltsschwere Worte mit großer Aussage, die aber ganz tief aus den Herzen aller kamen, ehrlicher und aufrichtiger als alle Wünsche und Worte derjenigen, die schon immer alles besser wußten! Trotzdem hatte die ganze Situation im Innersten eines jeden von uns so etwas Endgültiges und Bedrückendes!
Diese Minuten werde ich niemals vergessen, denn das kam von Freunden, die wußten w a s sie sagten, w e n n sie etwas sagten!Aus dem, was vorher noch eine Schnapslaune gewesen war, war nun tödlich bitterer Ernst geworden! Das wurde uns erst nun, nach dem Abschied, richtig bewusst!
- Es sollte ein Spiel mit dem Leben werden!
Hätte es nun auch nur einen oder zwei Tage leicht geregnet, dann wäre alles gescheitert! Gegen die ungeheueren Wasserfluten in einem Barranco kommt dann niemand mehr an! Das ist immer die Angst aller, die über eine längere Zeit solche Expeditionen unternehmen! Die Wassermassen schießen dann so schnell durch die Engen, dass die Luft mitgerissen wird, und es einen regelrechten Sturm gibt, der alles wegfegt. Es gibt keine Chance, selbst wenn man sich noch in größere Höhe retten könnte, weil sich das Nahen des Wassers vorher durch ein böses Grollen und Wind ankündigt, wie ein Gewitter, aber ein tödliches! Er wird aspiradora oder deshollinador (Staubsauger/Kaminkehrer) genannt, weil er alles von den Felswänden abfegt! Wehe denen, die davon überrascht werden!
An der ersten Icona, das sind Steinhaufen, besser gesagt, Steinpyramiden und Wegweiser, verließen uns auch die Begleiter. Von da ging es nach links zunächst ein Stück in den Bco. de Bocaron mit seinen Brücken über Wasserläufe; und wir querten den Cochinos vornean auf diesen Brücken zweimal. Bis zum eigentlichen Einstieg in den Cochinos. Davor kamen wir durch ausgedehnte und dichte Lorbeerwälder mit hoher Luftfeuchtigkeit, es sind dies die Wälder des Monte del Agua mit seiner Baumheide (Erica arborea), dem Wurzelholz für Tabakpfeifen, den Arbutus –Bäumen (Arbutus canariensis) mit ihren glatten roten Stämmen, sehr vielen kreuzblättrigen Wolfsmilchgewächsen (Euphorbia lathyris) und natürlich Drachenbäumchen. Alle Bäume waren mit Moosen und langen Bartflechten (Usnea barbarta) behangen. Es sah schön aus in der noch kühlen Morgenluft. Dann, bei der nächsten Icona, ging es endgültig abwärts in die dunklen Tiefen der Schlucht. Es kam uns vor, als hätte uns die Erde verschluckt. Gesprochen wurde wenig bis gar nicht, und wenn, dann das unbedingt Notwendigste. Uns kamen so früh schon ein paar Wanderer entgegen, die hierfür völlig unzureichend bekleidet waren, froren und ziemlich erschöpft aussahen. Sie hatten sich wohl ins falsche Barranco verirrt. Die hatten eben keine Adelén gehabt!
Wie werden wir später aussehen? Unrasiert und fern der Heimat?
Ich will nun nicht jeden einzelnen Felsen beschreiben, deshalb komprimiere ich alles etwas auf interessante Ereignisse. Aber auch die gab es eigentlich fortlaufend täglich. (Der Originalreport an die Guardia Civil und die Geologen/Vulkanologen der UNI in La Laguna ist 48 Maschinenseiten lang!)
Wie schon erwähnt, ist das erste Viertel harmlos. Führungsseile, Steintreppen und Halterungen sind alle schon vorhanden, denn man geht teilweise in Bächen und unter Wasserfällen und Überhängen, sogar durch kurze Tunnel. Es ist alles sehr nass und die Felsen sind kantig und eng. Um 19:00 Uhr etwa war unser Etappenziel erreicht. An einem ganz kleinen Tümpel mit einem Wasserfall und üppiger Vegetation wollten wir bis morgen bleiben. Genug für den ersten Tag. Wir waren schon weit jenseits der Sperrzone, die den frei zugänglichen Teil markiert, der allgemein von Touristen ohne Genehmigung begangen werden darf. Von überall her kam unser Echo bei allem was wir taten, sonst war es eine Totenstille, bis auf das unaufhörliche Rauschen der Wasserkaskade. Das ist die richtige Musik zum Schlafen! Aber vorher noch eine Reinigungsprozedur, aber nicht in dem Teich zusammen mit den Larven der Libellen, denn die können ganz übel beißen, etwas essen und den Tagesbericht schreiben. Die Nacht war kalt und feucht, und wir sahen viele Fledermäuse, Echsen und auch am und im Teich war reges Leben. Libellen dieser Größe hatte ich noch nie zuvor gesehen! Mit der Zeit wird es ganz schön hart auf dem felsigen Untergrund zu liegen, trotz Unterlagen aus Bambus, Gras und Ästen. Außerdem war der kleine Kessel unheimlich feucht von dem Nebel der Kaskade. Aber es ging, wir sind ja erst am Anfang, aber schon weit jenseits der Kontroll- und Rettungszone. In den Wänden waren oft Höhlen in einigen Metern Höhe, die möglicherweise besser zum Schlafen geeignet gewesen wären, aber sie waren schwer erreichbar. Warum also das Risiko eingehen und dort hochklettern; man fällt dann immer so tief, wenn es schief geht?!
Am nächsten Morgen mussten wir den Wasserfall unterqueren um weiter zu kommen. Das war nicht optimal! Also hieß es „alle Luken dicht“! Und das ging gar nicht einmal so schnell unter dem Wasser hindurch; die Felsen waren sehr glatt und abgeschliffen. Sehen konnte man auch nichts. Da musste eines der umsponnenen Spezialseile als Führung her! Jeder hatte eines von 30 oder auch 40 Metern quer um Brust und Schulter, nicht dicker als ca. 9 mm, aber sehr zugfest bei nur minimaler Dehnung aber mit geringem Fangstoß, erreichbar durch die Art der Verseilung und des Materials. (Die Kletterer hier wissen was gemeint ist!) – Unsere Adelén ist schon ein Schatz und hat an alles gedacht. Sie weiß was sie tut, und kann sich in die unmöglichsten Situationen hineinversetzen. Es ging alles gut und nun steil bergan im Wasserlauf. Wir blieben alle am Seil bis es wieder etwas gängiger wurde. Die Mittagszeit nahte; es wurde Zeit ein geeignetes Plätzchen zu finden. Trocken und hell sollte es möglichst sein; stören konnte uns keiner mehr. Hier war schon längst weit und breit niemand mehr vorbei gekommen. Auch dieser Tag verlief gut, aber es war schon stark zu merken, dass es keinesfalls leichter wird, eher das Gegenteil.Auch der nächste Tag war wieder eine ziemliche „Unterwasser-Plantscherei“; nun kam das Wasser auch von oben an den Felswänden herunter. Und es wurde immer enger. Teilweise konnte man nur noch sehr gebückt oder seitwärts gehen oder gar kriechen, und das bergan mit Schutzhelm, aber ohne Rucksack. Der musste von Etappe zu Etappe hinterher gezogen werden, weil wir sonst nicht durch die Spalten, Tunnel und Engpässe hindurch kamen! Während das Wasser des Baches in Kaskaden um unsere Beine wirbelte und tobte. Es war sehr bedrohlich mitgerissen zu werden! Ebenso lief uns ständig Wasser von oben in den Kragen und die Stiefel, aber das macht wenig, solange man die speziellen Mikrofaser-Socken anbehält und nicht auszieht, denn dann scheuert man sich die Knöchel und Füße wund, was noch viel unangenehmer und schmerzhafter ist! Dieses war die berüchtigte und gefürchtete Felsen- und Wassergallerie, die schon so Einigen vor uns das Leben gekostet hatte! Der Name beschreibt eine Felsen-Empore, ein Vorsprung, wie ein Balkon von nur ca. 50 cm, der sich in einigen Metern Höhe fast rund um einen grausigen Schlund herumzog, in dem das Wasser rauschend und gurgelnd eine Etage tiefer hinabstürzt, aus der wir gekommen waren. Nur darüber war ein Weiterkommen möglich! Es war unheimlich und erforderte allerhöchste Konzentration, um nicht abzurutschen und in dieser tödlichen Falle, wie in einer riesigen Klospülung für immer zerschmettert zu verschwinden. Deshalb wurde auch nach Absprache doppelt gesichert. Das eine Seil blieb für immer dort, weil es zu gefährlich gewesen wäre es zu bergen. Es war unser Tribut an den Dämon des Barrancos.
Leider passierte nun etwas Unvorhergesehenes: Der Marco verstauchte sich leicht das Fußgelenk. So konnte er unmöglich über längere Zeit weitergehen. Also Fuß ins kalte Wasser, anschließend bandagieren und hochlegen. Nun hatte der Doc das Sagen, wohingegen sonst täglich der „Kommandant“ gewechselt wurde, dessen Aufgabe und Pflicht auch das Schreiben des Tagebuches war, und das bei der Nässe! Unter uns eine bewährte Sache, nur setzt es voraus, dass jeder gleiche Kenntnisse und absolute Zuverlässigkeit hat. Am nächsten Tag war Marco wieder auf den Beinen, und der Doc gab sein OK. Ja, Marco ist schon hart im Nehmen! Nicht umsonst nennen ihn die Mädels auch den „eisernen Marco“, ein Attribut, das voll gerechtfertigt ist! Still, bescheiden aber zäh wie Stahl es eben ist!
Ein Anteil des Wassers war weniger geworden, derjenige, welcher von den Wänden und aus den kleinen Seitenschluchten kam. Das war sehr angenehm. Zum Ausgleich wurde es nun viel schroffer und steiler, aber auch trittfester. Wir gingen fast nur noch am Seil, teilweise sogar mit fixiertem Seil und Hakensicherung. Unsere Rucksäcke hatten auch schon schwer gelitten vom Hinterherziehen. Laut Doc waren aber alle noch OK und in vollem Besitz ihrer Kräfte, trotz Trockenfleisch, Zwieback, Knäckebrot, Traubenzucker und Elektrolyt- /Mineralgesöff aus der Tüte mit Wasser gemixt.
Und so ging es weiter, immer enger und felsiger werdend. Schon sehr lange nichts mehr für normale Wanderer! Es war sehr schwer und kostete viel Kraft und Zeit um ein paar Meter voran zu kommen. Jeder Tritt musste gesucht und getestet werden bevor die anderen nachrücken konnten. Wobei jeweils der Erste und Letzte sicherten und der letzte noch das Geschirr mitbrachte. So ging das immer reihum in der Reihenfolge. Der Führer brachte hinter sich immer eine Sicherung an, die erst dann vom Letzten entfernt wurde, wenn er passiert hatte. Meter um Meter kamen wir voran. Dabei durfte das Seil nie stramm sein sonst scheuert es an den Felsen, sondern immer etwas entlastet durchhängend. Teilweise mussten sogar Schlingen und Knoten eingeknüpft werden, denn die Seile waren nass und rutschig. Zwischen jedem von uns waren jeweils 4 bis ca. 7 m freier Raum, mindestens aber 3 Meter. Sonst hat man keinen Reaktions- und Haltepuffer im Seil, wenn jemand abrutscht. Und die überschüssige Seillänge, wenn es zu weit durchhängt, immer als losen Ring (Seilpuppe) in die Hand nehmen und nicht um sich oder die Hand herumwickeln, denn dann krangelt es (verdrillt sich mit Schlaufenbildung) und man wird stranguliert oder das Handgelenk ausgerissen, wenn einer "Plumps" macht! Alles läuft ohne Worte ab, außer es muß gewarnt werden, und das macht der Erste, wenn er einen festen Stand erreicht hat und zurücksichert. Es warnen immer nur der Führer und der jeweilige Hintermann. Alle anderen haben währenddessen stehend die "Klappe" zu halten! Die Bewegungsabfolge ist immer von oben nach unten, d. h. wenn der Erste steht, folgt der Zweite usf. bis der Letzte aufgeschlossen hat. Also wie eine Raupe sich fortbewegt! Manchmal waren es nur 30 m in einer Stunde vorwärts. Das ist ein äußerst mühsames und kräftezehrendes Geschäft! Von Zeit zu Zeit müssen dann die Profile der Stiefelsohlen von nassen Pflanzen, Algen und Moosen gereinigt werden. Wenn es sich zusetzt ist es wie auf Glatteis!
Die eingeplanten 6 Tage wären am nächsten Tag um gewesen, und wir waren immer noch „unter der Erde“ und nicht am Ziel! Von oben müssten wir eigentlich wie kleine Ameisen ausgesehen haben, so steil und hoch waren die Wände!
Und dann kam endlich der Punkt auf den wir uns gefreut hatten: Die Abbiegung des Barrancos nach rechts in Richtung Teno Alto. Jedenfalls gehört es schon zu diesem Gebiet. Also einen Schwenk nach rechts von 192 ° auf 232 ° danach auf 321°. Hier funktionierte auch das Handy und die Ortung wieder für kurze Zeit an einer ganz bestimmten Stelle und wir konnten ein kurzes SMS Lebenszeichen senden.
Kurzzeitig lichtete sich der Canyon, genau im Knick, und man sah die Sonne wieder. – Wirklich ein Ort zum Verweilen – und zum Retten, wenn es notwendig sein sollte!
Es sah kurz so aus, als wäre es schon das Ende des Bco’s Cochinos, aber ein kurzes „dickes“ Ende war noch zu bewältigen. Etwa eineinhalb Tage! Die Einschnitte waren nun nicht mehr so tief, und die permanente „Toilettenspülung“ von oben und unten hatte auch nachgelassen! Wir waren also gewissermassen auf dem "Endanflug zur Landebahn"!
Nun mussten wir aber mal ein Lagerfeuer machen, um es richtig zünftig zu gestalten. Das ging auch alles gut, bis sich José beim Holzsammeln einen richtig massiven und kräftigen Span in den linken Handballen trieb! Nun musste der Doc aber richtig ran, da hilft nur noch tief aufschneiden bis an die Spitze des Spanes, denn sonst geht die Sache in Richtung einer Blutvergiftung. Blutstillung, Desinfektion, Injektion für lokale Betäubung, Span rausschneiden, Nahtpflaster mit Wundklammern auf den Schnitt, verbinden, wasserdichten Handschuh an und schon hatte José eine weiße Hand! Sehnen waren gottlob nicht verletzt, aber es hat mordsmäßig geblutet. Natürlich trugen wir nun abwechselnd sein Gepäck, bis auf sein Seil. Zimperlich darf man da nicht sein! Noch einer meinte es ihm nachtun zu müssen; er vermisste wohl die Klospülung, die unser ständiger Begleiter gewesen war, und prompt fingen seine Eingeweide an zu rebellieren. All die wertvollen Mineralien und Elektrolyte wollten ganz eilig raus, obwohl wir uns alle streng an die Vorschrift gehalten hatten: Kein Wasser zu trinken, ohne die keimtötende Tablette vorher darin aufzulösen. – Der Doc half schnell und zuverlässig mit einer Mixtur! – Er war eben der Doc unseres Vertrauens, ganz ohne Krankenschein und sterilem OP-Raum.
So ist es uns ergangen, und das Ziel war in unmittelbarer Sicht. Hier hätten wir aber auch noch nicht abbrechen können; die Schlucht war zwar nun breit, aber noch zu tief und die Wände zu steil. Morgen, dann kriechen wir wieder ans Tageslicht mit einigem Stolz in der Brust und ........ - vollzählig!
Der Diablo des Cochinos war uns gnädig gewesen und hatte uns verschont.
Von "unseren Frauen" hatten wir auch den "Befehl" mit auf den Weg genommen, durchzukommen, weil ihnen versprochen worden war, mit ihnen tanzen zu gehen! Davor kann man sich doch nicht einfach drücken! Jedenfalls nicht bei unseren Mädels!
Schön war’s, und es hat uns mächtig zusammen geschweißt, mehr noch als zuvor. Es ist ein schönes Gefühl in einer solchen Truppe mittun zu können, wo jeder sich auf den anderen bedingungslos verlassen können muss! Wir hatten es geschafft und diesen schrecklichen Barranco auf ganzer Länge durchstiegen! Ganz ohne „Lagerkoller“, sogar mit Bestätigung des „Kompaniearztes“!
Physisch und psychisch waren wir alle total erschöpft und ausgelaugt; wir waren ganz einfach am Ende unserer Kraft und Nerven! Hier waren wir ganz sicher bis an unsere Grenzen gegangen! Das gestand sich auch jeder selbst offen ein! Unser Überlebenswille und -Trieb wurden bereits mobilisiert und aktiviert! Das ist dann das Letzte was noch bleibt. Und er bewirkt Wunder! Funktioniert dieser Mechanismus nicht, dann verfällt man in Gleichgültigkeit und Lethargie, man gibt sich selbst auf. Das ist dann schon alsbald der Anfang eines bitteren Endes.Wer es immer noch nicht kann, der hat hier Gelegenheit das Danke, Bitte und vor Allem das B e t e n zu lernen!
Und er kann lernen Achtung und Respekt vor der Natur zu habenDraußen vor den "Toren zur Unterwelt" gab es ein Riesenhallo aller „Oberirdischen“, die gekommen waren, und es waren sehr viele. Unsere Adelén Carmen und Lucita Maria wurden erst einmal ordentlich und ausgiebigst durchgeknudelt, wogegen beide nicht das Geringste einzuwenden hatten, ganz im Gegenteil, sie gingen von einem Arm in den nächsten und immer wieder von vorne beginnend, während ihre Tränen hemmungslos kullerten! Die Freude nahm kein Ende! Wir hatten ja auch versprochen tanzen zu gehen! Selbst der sonst so besonnene und zurückhaltende Doc konnte sich nicht bremsen einmal wieder etwas anderes als nur Felsen, Seil und Wasser in den Händen zu halten. Uns allen anderen ging es nicht anders! Ich fand, dass die Wiedersehensfreude ohne Publikum noch ganz anders und schöner verlaufen wäre!
Was aber nicht ist, kann ja noch werden!
- Natürlich vor Freude! Was dachtet ihr?!
Entzugserscheinungen? - Nein! Aber immer diese überflüssigen Zuschauer zum unrechten Zeitpunkt sind manchmal schon störend!
Nun aber bloss schnell raus aus den dauernassen Klamotten, die nie Zeit hatten richtig zu trocknen, und rein in schöne neue trockene. Egal wer uns dabei zuschaute, deswegen gingen wir doch nicht extra wieder zurück ins Barranco wo uns keiner beim Umziehen zusieht! Dreimal dürft ihr raten wer daran gedacht hat solche mitzubringen! Mikrofaser-Fliess ist schon das Optimalste, aber bei der ewigen Nässe weicht so langsam die Haut auf und wird wund, wie bei Babies deren Windeln nicht regelmäßig gewechselt werden, so dass jede noch so kleine Schürfstelle sofort zu bluten anfängt und schmerzt. Vom Seil hatten wir auch keine richtig derbe Haut mehr auf den Handflächen. Sie war längst durch- und abgescheuert. Alles tat nur noch weh und brannte! Und unser Jose mußte sofort ab in die Klinik in Begleitung unseres Doc's. Am Morgen, beim Verbandswechsel, hatte er schon ein etwas besorgtes Gesicht gemacht als er die Wunde sah! Jose war auch in letzter Zeit so schlapp geworden, aber Fieber hatte er bislang noch keines!
Dort, in der Klinik, bekam er sofort eine Infusion und Antibiotika gegen Infektion und drohende Sepsis, und verschwand für's Erste auf die Intensivstation. Seine Wunde wurde nochmals geöffnet und nach allen Regeln der Medizin gesäubert und zunächst offen gehalten. Das Dilamma war gewesen, dass der Schnitt sich von außen nach innen geschlossen hatte, und nicht umgekehrt wie es sein sollte. Dadurch werden Keime eingeschlossen, die dann nichts anderes im Sinn haben als sich übermäßig zu vermehren und solche Entzündungen auszulösen. Nach drei Tagen ging es ihm aber schon wieder sehr viel besser. Der Doc hatte unter den gegebenen Umständen gute Arbeit geleistet, das hat ihm der Chirurg in der Klinik bestätigt!
Wir waren alle sehr sehr erleichtert!
Die Blumensträuße mußten wir uns aber leider versagen, denn das Pflücken jeder Pflanze in jedem Bco. ist strengstens verboten! Das können und werden wir später noch hinreichend nachholen, wenn uns die Docs wieder, wie vor dem Start, auf unseren Gesundheitszustand untersucht haben, - wohlgemerkt, nicht auf den Geisteszustand!

Liebe Wanderfans, es ist soweit alles ganz schön und hört sich auch machbar an. Dass es das ist, daran gab es nie Zweifel, aber habt immer die tödlichen Gefahren vor euren Augen! Es war manches Mal wirklich die Grenze dessen was man noch mit ein wenig Erfolgsaussicht und abschätzbarem Risiko angehen kann und was nicht. Kein Mensch könnte euch dort raus holen oder orten; ihr seid verschollen, bis vielleicht ein paar Verrückte wie wir zufällig vorbeikommen. Dort unten gibt es
k e i n Zurück! Auch wir hatten alle Satelliten gestützte GPS-Knopfsender mit 5-minütiger Taktrate mit, aber die funktionierten nur ganz selten; an Handyempfang war überhaupt nicht zu denken! Deshalb ist es so wichtig, dass die Route bei den Behörden angemeldet ist! Bitte denkt immer daran!
Es gibt einen Gegenkstein für alle diejenigen, die es nicht geschafft haben und die der Cochinos für immer behalten hat. Darunter sind auch eine Anzahl Extremkletterer, die sich von oben am Seil runterarbeiten, um dann eine ganz kurze Strecke unten zu erkunden, bevor sie an der gleichen Abstiegsstelle wieder aufsteigen. Das Auf und Ab dauert viele Stunden!
Darauf steht eingraviert der Satz:"En memoria de los Muertos galeria Piedra de los cochinos"!
(etwa: Zum Gedenken an die Toten der Felsen-Gallerie des Los Cochinos!)Piedra de los Cochinos bezeichnet auch einen Wasserstollen, der dort am Anfang des Bco's seitwärts abgeht, und dessen Betreten streng verboten ist. Dort kamen 2007 sechs Menschen ums Leben! Sie waren dort im Stollen erstickt.
Der Gedenkstein liegt an einem kleinen Weg in der Nähe des Ausganges, der 'Citra Monte Del Agua' heißt. Den werden wir alle sofort und gemeinsam aufsuchen, wenn Jose wieder auf den Beinen ist!
Das sind wir denen verdammt schuldig, die dort für immer geblieben sind!Und ich würde es mit dieser Truppe immer wieder tun!
Ich hatte niemals auch nur den leisesten Anflug eines Gefühles ein Fremder zu sein, auf den man besonders achten müßte!
Ich war nur einer von ihnen; und n u r darauf bin ich stolz!
Wir machten viel später alle eine Analyse, auch der Tagesnotizen, mit befreundeten aber objektiven Psychologen und anderen Experten. Sie hatten nichts an uns auszusetzen!Gruß Dieter
P.S. Nach uns haben es noch mehrere Seilschaften und Paare versucht, teils mit streckenweise schönen Erfolgen, meistenteils aber mit sehr großen Verlusten an schwerst Verletzten und Menschenleben. Nachahmer und Trittbrettfahrer, nicht hinreichend vorbereitet, gibt es leider immer und überall!
Eine 7-köpfige französisch-portugiesische Gruppe verlor gleich 5 Mitglieder! Heute bemühen sich die Verantwortlichen bessere und erfolgreichere Rettungsmöglichkeiten zu diskutieren, deswegen waren wir in 2008 zu Gesprächen und Diskussionen dort eingeladen.Anm. für die Interessierten: Jedes Seil, Trosse, Tau, etc., egal welcher Geometrie oder Materiales, doppelt, einfach, hat eine kritische Länge; sie wird mit L(krit.)80 bezeichnet. Als reines Kletterseil spielt diese Größe keine so bedeutende Rolle, aber als Bergungsseil großer Länge schon. L(krit)80 bezeichnet die maximale Länge, die ein Seil haben darf bevor es 80% seiner maximalen Tragkraft erreicht hat. Bei 100% würde es demnach alleine durch sein Eigengewicht reißen. Und diese Größe ist bei allen Lastenträgern in ziemlich engen Grenzen gleich. Das scheint im ersten Moment verblüffend, ist es aber nicht! Ein Seil aus anderem Material hat auch ein anderes Längengewicht und eine andere Maximalbelastung und das kompensiert sich fast gegenseitig. Nur bei langen Bergungsseilen muß das Eigengewicht schon mit bedacht werden!
Ein Beispiel wie es gemeint ist: Ein dynamisches Tendon-Seil von 9,2 mm Durchmesser, wiegt 55 g/m und verträgt eine Belastung von 160 kg. Daraus ergibt sich ein L(krit.)80 zu 2327 Metern! Die 100 %-Grenze liegt wie eine magische Konstante bei 3000 bis 3200 Metern. Wie gesagt, das variiert nur wenig!
Bei Kletterseilen sind andere Größen und Parameter viel wichtiger: Fangstoß, stat. und dynamische Dehnung, Normstürze, Mantelverschiebung und andere Dinge. Durch knoten eines Seiles kann es gut 20 - 45 % seine Belastungswerte einbüßen, deshalb werden nach Möglichkeit auch vorgefertigte Steigschlaufen benutzt, die nicht mehr eingeknotet werden müssen! Die dynamischen Werte sind hier die wichtigen, bei der Bergung sind es mehr die statischen!
Ein einmal belastetes Seil wird in der Regel nicht mehr benutzt, genau wie Autogurte, die einmal reagiert haben! Man sollte niemals auf die Idee kommen zwei verschiedene Seile miteinander zu verknoten, als Verlängerung! Das kann tödlich enden! Normal sollen gleiche Seile auch gleiche Kennzeichnungen und Farben haben, nach DIN, aber das scheint wohl bei den Herstellern nicht immer so unbedingt befolgt zu werden, trotz Zertifikat, was einem aber meistens hinterher nicht mehr viel nützt!So, nun reicht's aber! Ich hoffe ihr habt euch nicht allzu sehr gelangweilt!
- Es sollte ein Spiel mit dem Leben werden!
-
Erstens habe ich einen ganz anderen Beruf gelernt, und zweitens sollte ich nun plötzlich Fischer werden?!
Aber ein solches Angebot zur „Umschulung“ sollte man nicht ausschlagen; wer weiß schon wozu man es braucht, und wenn auch nur um hier einen Beitrag zu schreiben!
Von Fischern aus dem Hafen zwischen Puerto Santiago und Playa de la Arena bekam ich eine Einladung zu einer nächtlichen Fangfahrt mit ihnen. Das versprach sehr interessant zu werden! Seit Generationen waren diese Familien Fischer. Nun waren sie aus vielen Gründen zum Aussterben verurteilt. Es sollte eines späteren Abends losgehen, in einem Kutter, der den unseren an Nord- und Ostsee sehr stark ähnelt. Plump und gedrungen; in der Seitenansicht an seinem Rumpf und dem kastenförmigen Führerhaus erkennbar.
Also fand ich mich am Nachmittag dort ein, um auch die Vorbereitungen schon mitzubekommen. Die alten Männer hatten am Vormittag mit ihren Tuck-Tucks schon für die Köder gesorgt. Das bedeutete klar, dass es auf Thunfischfang gehen sollte. Dementsprechend war auch die Ausrüstung ausgestattet. Ein Dutzend Angeln, viel dicke Schnur, dünne Stahlseile für die vorgefertigten Vorfächer, Haken und große Hochseerollen. Die etwa 2,5 m langen Ruten hatten nichts von den hierzulande üblichen High-Tech-Ruten unserer Hobby-Angler gemeinsam. Da steckte keine Angelwissenschaft dahinter. Dazu noch massenweise Eisbruch. Eismaschinen können sie sich nicht leisten und die machen Lärm, und ein paar sehr komische Netze und Kescher. Das ist so ziemlich die Dauerausrüstung dieser Kutter, die eigentlich immer an Bord bleibt. Dann natürlich die kleinen Fische als Köder. Hochseetauglich waren diese Schiffe auf keinen Fall; für Regen und Wind gab es neben dem Ruderhaus einen kleinen Unterstand.
Nun trudelte so langsam die Besatzung ein. Nicht ohne an der kleinen Kapelle direkt am Hafen noch schnell ein Gebet verrichtet zu haben. Malerisch sahen die fünf Fischer aus! Sie ähnelten mehr Piraten, nur ohne die kennzeichnende Augenklappe; ihre Klamotten hatten sie wohl auch vom Dachboden geholt, damit erst auf dem Bau gearbeitet, dann in einer Schmiede, und nun zum Fischen. Von Statur waren sie eher klein und gedrungen, mit wettergegerbter Haut, aber muskulös. In ihrem Gürtel steckte ein langes aber sehr scharfes Messer, und daneben so etwas wie ein entfernt aussehender Holzhammer.
Also dann wollen wir mal! Mit zwei von diesen Tuck-Tucks ging’s zum Kutter, der etwas weiter draußen an einer Boje festgemacht dümpelte. Da diese Tuck-Tucks einen ziemlich flachen Rumpf haben, können sie leicht kippen! Das war mir nicht so geheuer, so dass ich froh war als ich auf der Mittelbank, ein simples Brett, sitzen konnte. Hinauf auf den „Hochseekreuzer“ ging es dann über eine Strickleiter, wieder so ein Hochseilakt. Als alles verstaut war, sollte der Motor gestartet werden, ein Diesel aus den Anfängen des Motorenbaues. Es entstand ein unbeschreiblicher Qualm, aber er lief! Zur Überwachung stieg ein Mann runter in das Loch, das sich Maschinenraum nannte. Dreckig und voller Schmiere und Öl war es da unten, aber was soll’s, wir wollten ja Thunfisch angeln und keine Kreuzfahrt machen!
Etwa 2 Stunden ging es nach Nordwesten in Richtung La Palma, das waren so geschätzte 18 bis 20 km. Dort sollten die besten Fanggründe sein. Außerdem liegen die Kutter vor La Gomera fast noch im Fahrwasser der großen Dampfer völlig manöverierunfähig. Und von allen Seiten kamen noch mehr Kutter zu diesem Gebiet, sogar von La Gomera waren welche dabei. Sie kannten sich alle, die Männer. Nur ein Boot, das mochten sie nicht und grüßten es auch nicht, denn es war ein neues Schiff mit Radar und viel Elektronik; der Besitzer betrieb den Fischfang nur als Hobby zum Angeben und für seine Gäste, während alle anderen davon lebten.
Als jeder seinen Platz erreicht hatte, wurde der Diesel abgestellt und ein Treibanker ausgeworfen, es war mittlerweile schon 19 Uhr geworden. Die Ausleger für die Scheinwerfer wurden ausgeschwenkt, die vorher teleskopartig auf Deck längs des Bootes eingefahren und umgeschwenkt gelegen hatten. Sie hatten eine ähnlich dreieckige Gitterstruktur wie die Ausleger unserer Gittermastkräne. An ihnen waren etwa jede 2 Meter sehr helle Scheinwerfer befestigt. Den Strom lieferte ein Generator. Das Fischen mit Scheinwerfern ist eine Sondergenehmigung, ich glaube ich erwähnte es schon früher. Tagsüber, bei Sonnenlicht würde auch der Delphin auf den Köder beißen, nachts bei Licht tut er das nicht, aus welchen Gründen auch immer, aber der Thun. Hier ist das verboten. Als das alles geschehen war, legten wir die Angeln auf, d. h. die Haken wurden mit Ködern versehen, und am Heck ließ man eines dieser komische Netze (Setzkescher), die wie ein aufgespannter Regenschirm verkehrt herum gehalten aussahen, hinunter. Die waren gedacht für die Plattfische, z. B. für die Seezungen, eine Delikatesse und mindestens doppelt so groß und dick wie hier bei uns.
Nun ging’s los, die Angelei. In unterschiedlichen Tiefen bis auf etwa 20 m, denn bis dorthin war das Licht der Lampen noch zu sehen. Nun hieß es warten und immer eine Hand an der Rute, denn es gab keine Pose, nur ein kleines Glöckchen am Ende der Rute. Von Zeit zu Zeit wurde der Köder bewegt. Fünf Angeln auf jeder Seite, die beobachtet werden mussten. Dann der erste Biss, für mich ein Erlebnis, für alle anderen natürlich Routine, sie hatten schon längst damit gerechnet! Vom Nachbarboot war auch schon emsiges Arbeiten zu sehen; auch sie hatten wohl schon Erfolg. Neidisch ist man nicht, wie etwa bei den Sportfischern; hier geht es um den Lebensunterhalt für die Familie und Rücklagen für das Schiff. Große Sprünge sind da nicht drin!
Es war eine ertragreiche Nacht, ich glaube auch für die anderen Fischer. Überall war Freude zu sehen und lautes Singen zu hören. Ich selbst hatte 8 Fische mit viel Mühe rausgeholt und zwei wegen Untermaß wieder ihrem Element übergeben. Sie haben mächtig viel Kraft und kämpfen lange. Ihre Wunden von dem Haken werden schnell verheilt sein, sagte man mir auf meine diesbezügliche Frage. Jedenfalls hatten wir alle einen Schwarm erwischt und reichliche Beute gemacht. Es ging Schlag auf Schlag, vielmehr Biss auf Biss. Einer wurde nur noch zum Töten abgestellt, dazu war dieser Holzschlegel da.
Der Thunfisch ist ein sehr schneller Schwimmer, aber er kann auch ruhend im Wasser stehen, er gehört zu den makrelenartigen Gattungen. Man nennt ihn dort auch Bonito. Wo Thunfische sind, sind auch Delphine. Sie leben in Gesellschaft, und das obgleich der kleinere und junge Thunfisch ganz oben auf der Speisekarte des Delphins steht. Deswegen kommen auch immer so viele Delphine durch die Netzfischerei, so wie sie von den großen Heckfängern betrieben wird, um! Sein Fleisch ist fest und etwas dunkler als das anderer Fische (der unechte Bonito), er erreicht eine Länge von ca. 70 cm bei einem mittleren Gewicht von 7 bis 10 kg. Hier bei uns ist er sehr teuer. Gegrillte Steaks sind eine Delikatesse. Vor Jahren ist er in den japanischen Gewässern wegen seines hohen Quecksilbergehaltes schwer ins Gerede gekommen. Darunter leiden die spanischen Fischer auch heute noch stark.
Etwa um 6 Uhr morgens war Schluss, es biss auch nichts mehr und war schon zu hell, so dass die Delphine hätten gefährdet werden können; alle Kisten waren voll, wohl so insgesamt fast eine Tonne Thunfisch und viel Beifang in den Netzen. Das ist sehr viel! Alle anderen brachen auch auf gen Heimathafen.
In Puerto Santiago gab es ein riesen Hallo und alle halfen mit den üppigen Fang vom Boot ans Ufer zu bringen und die Fische zu schlachten. D. h. mit einem geschickten Schnitt den Kopf im Nacken soweit abzutrennen, dass man ihn mit samt den Innereien in einem Zug abtrennen kann. Er ist dann für die Fische im Hafen bestimmt. Das Ganze geht so schnell, dass man schon genau hinsehen muss. Und der Thunfisch hat rötliches Blut; so könnt ihr euch vorstellen wie die Männer nach getaner Arbeit aussahen!
Daneben warteten schon die Kühlwagen der Hotels und Händler auf die frische Ware, die aber erst nach einem gemeinsamen Gebet in der Kapelle übereignet wurde.
Mir wurden zwei 7 kg schwere Exemplare geschenkt, sowie einige andere Fische und drei mächtige Seezungen, sehr zur Freude meiner Gastgeber.
Es ist ein hartes Brot der Fischfang, und es gibt nicht oft solche erfolgreichen Nächte. Und das was die Fischer dafür bekommen ist eine Unverschämtheit gegenüber den Verkaufspreisen. Das große Geld schlucken die nimmersatten Genossenschaften.
Aber eines muß ich den Leuten bei aller Liebe doch ankreiden: Wenn es denn so einen Glückstag gegeben hat, dann haben sie alle gut verdient und denken zunächst nur an das morgen! Sie feiern, bis sie meinen nun wieder Geld zu brauchen! Zwischendurch wird so ein bisschen am Schiff rumgebastelt, flaniert und in den Kneipen mit den Kumpels getan als gäbe es nichts zu tun. Und die Frauen machen eifrig mit! Da leben sie irgendwo von der Hand in den Mund. Völlig lust- und motivationslos in den Tag hinein. Sie geben es sogar offen zu! Für Geld ansparen und die Lebensqualität ehöhen, dafür haben sie irgendwie keine richtige Meinung und Einstellung. Ganz anders als die privaten Kleinbauern auf dem Lande.- Es war ja doch immer so!
Wenn es eine flaue Zeit gibt, dann rennen ihnen die Genossenschaften mit Krediten hinterher; nur manche Familien begreifen nicht, dass das Geld gegen hohe Zinsen nur geliehen ist, und sie sich dadurch völlig abhängig machen. Also soetwas wie eine stille Enteignung. In Deutschland sind die Geldhaie der Banken doch genauso! Außerdem verschleudern sie noch alles, wie man ja nun sieht. Bis ihnen eines Tages nichts mehr gehört!
Das war es, was ich vorhin mit Aussterben meinte! Die jungen Leute wollen nicht mehr mitmachen und etwas anderes lernen. So stirbt dieser Stand der Fischer langsam aber stetig aus. Die modernen schwimmenden Fischfabriken vollenden nur noch diesen Prozess. Es ist schade drum, denn irgendwie gehören diese Fischer einfach zum Küstenbild Teneriffas. Früher waren es hochgeachtete Leute.Gruß Dieter
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Mensch das hört sich ja toll an. ich selbst bin auch begeisterter Angler Dieter..
Habe auch meist ein kleine Rute dabei und sitze ab und an mal nachmittags in Hafen von Puerto de la Cruz. Das Gefangene gebe ich dann meist.. sofern sie es wollen.. an die dort sitzenden spanischen Angler ab und hab mir auch schon mit Händen und Füßen erklären lassen aus was man den weichen gelben Teig macht, mit dem dort meist geangelt wird..Ein Thunfisch war leider noch nicht dabei
aber ein schöne Meeräsche ( denke ich war es ) hab ich mal gefangen..
Nach dem Fang wurde es dann auf einmal unruhig bei den rund um mich sitzenden Fischern und man diskutierte.. soweit ich verstehen konnte .. lauthals darum wer denn nun den Fisch haben dürfte.. ich hab immer nen Eimer dabei in den ich die kleinen Fische reintue und sie bedienten sich dann immer von dem was sie verwerten konnten.. bei der Äsche traute sich wohl erst keiner.. und dann wollte sie jeder haben
War lustig..
Mal schauen was es dieses Jahr gibt..
LG Kai