Fluggastzahlen gehen runter, wird der Urlaub dadurch billiger?
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Wie aus der Presse zu erfahren ist, sind die Fluggastzahlen im 1. Halbjahr um 7,9% zurück gegangen.
Entspannen sich dadurch die Flug-/Reisepreise für die Urlauber?
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Was steht wohl ganz oben auf der Prioritätenliste der Airlines: Ertrag !
Was folgt an zweiter Stelle : Ertrag !
Was folgt wohl an Position Nr. 3 : Ertrag !Insofern stimme ich der Prognose und der Einschätzung von Curi uneingeschränkt zu. Bevor die Preise reduziert werden, werden Flieger stillgelegt, wird Personal reduziert, der Service am Boden und an Bord wird (noch) weiter eingeschränkt und es wird geprüft, wo weitere Kosten eingespart werden können.
Einige dieser Maßnahmen wurden schon eingeleitet (AB, LH)
Vielleicht "rastet" die ein oder andere Airline mit einem Preisbrecher mal aus, aber insgesamt sind schwarzen Zahlen und die Gewinnoptimierung oberstes Ziel.
Guten und preisgünstigen Flug wünscht Hans.
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...Du fragtest nach den Flugpreisen, also betrifft dieses erstmal die Airlines. Nun kommen RV ins Spiel, die aber mit den Flugpreisen kaum etwas zu tun haben. Schau Dir beispielsweise mal die LH an, dort sind einige Maschinen geparkt worden, gleiches bei AB oder FR und auch bei ausländischen Airlines ist dieser Trend festzustellen. Der Rückgang im Luftverkehr beruht nicht auf den Reiseveranstaltern bzw. deren Nachfrage an Plätzen, sondern darauf, daß vor allem Geschäftsreisen weniger durchgeführt werden, und wenn, dann eben diese von "vorne" nach "hinten" wandern, welches die Ertragslage und Auslastung der Airlines negativ beeinflußt.
Wie also reagieren? Preise senken? Das allein führt nicht dazu die hochpreiseigen und damit rentablen Plätze zu verkaufen und ist somit für die Carrier keine Alternative. Dann schon eher den Flugplan ausdünnen oder einzelne Strecken gar nicht mehr zu bedienen...

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An der Preisschraube kannst Du kaum noch drehen, ist schon fast ausgereizt. Gerade und besonders im unteren und untersten Preissegment.
Und lieber Horst, wenn ich dann im Billigsegment eine "500,- € Reise" um 5% reduziere und sie dann mit 475,- € anbiete, werde ich kaum mehr Resonanz bekommen.
Wie erreiche ich wieder mehr Reisegäste?
Nun ich suggeriere einen Niedrigpreis, obwohl es in Wahrheit keiner ist. Die Methode ist uralt. Funktioniert bei Pauschalreisen, bei "Nur-Flugreisen" nur bedingt/Fernziele. Habe ich kein Sonderangebot, dann mache ich eben eins, was so aussieht.
Im höheren und Premium Preissegment gibt ganz andere Instrumente, um den Reisegast wieder zu motivieren. Aber das führt hier zu weit.
Wie Curi schon richtig schreibt, wir müssen schon genau differenzieren, ob wir über Flüge oder Pauschalreisen sprechen. Curi hat sich mehr auf die (Business) Flüge konzentriert, ich mehr auf die Pauschalreisen.
Gruß Hans und einen schönen Fußballabend, 3:1 für Deutschland.
Gruß
Hans
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Danke Euch Beiden für Eure exellenten Ausführungen. Wenn es Euch Beide nicht schon gäbe, müsste man Euch erfinden.
Alles sehr gut erklärt!!
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helvetia123 Dein Beitrag: Fluggastzahlen um 7,9% zurück gegangen.
Hallo Horst,
habe die dpa Meldung inzwischen auch gelesen. Sie nimmt Bezug auf eine aktuelle Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes. Und die sagt aus, dass im ersten Halbjahr 2009 7,9% weniger Passagiere von deutschen Flughäfen abgeflogen sind, als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.Leider ist aus dieser Zahl nicht zu erkennen, wie groß der Rückgang bei den Business Passagieren ist und/oder wie groß der Rückgang bei den Touristen ist. Es sind eben insgesamt 7,9% weniger !
Allerdings beinhaltet die Meldung des Bundesamtes noch ganz andere, wesentlich interessantere Daten. Das Statistische Bundesamt hat nämlich veröffentlicht, wie groß der Rückgang der Passagiere ab deutschen Flughäfen zu bestimmten Zielgebieten ist. Und dort gibt es klare Angaben über Destinationen die hochgradig von Touristen angeflogen werden und viel weniger von Business Passagieren (z.B. Antalya, Kanaren).Hier ein kleiner Auszug:
Entwicklung im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Abgeflogene Passagiere ab deutschen Flughäfen zu folgenden Zielgebieten/Orten:Spanien (insgesamt) Minus 8,7%
Kanaren Minus 11,9%
Italien Minus 9,4%
Türkei (insgesamt) Minus 6,5%
Antalya Minus 7,3%
Griechenland Minus 5,1%
Ägypten Minus 2,7%
Tunesien Plus 0,3 %
Wie gesagt, diese Zahlen beinhalten auch die Business Passagiere, die aber sicherlich bei den Zielen Antalya, Kanaren und Ägypten sehr gering sind im Abgleich zu den abgeflogenen Touristen. Lediglich Tunesien konnte das Vorjahresniveau halten, sogar noch mit einem kleinen Zuwachs von 0,3%. Unterdurchschnittlich ist auch der Rückgang in Ägypten ausgefallen (- 2,7%). Wesentlich schlechter stellt sich das Flugziel Antalya dar.
Die DomRep verzeichnet auch eine positive Entwicklung von plus 5,6%. Diese resultiert vermutlich aber aus dem desolaten Rückgang in Mexiko (Schweinegrippe, Minus 16,1%) und den damit verbundenen Umbuchungen zu Gunsten der DomRep.Die Zahlen verdeutlichen schon, dass die Tourismusbranche nicht unerhebliche Rückgänge zu verzeichnen hat. Da die Daten nur das erste Halbjahr 2009 aufzeigen und nur einen sehr kleinen Zeitraum der Sommerferien beinhalten, darf man auf das Jahresendergebnis gespannt sein.
Gruß
Hans
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Kleine Ergänzung:
Gute und überdurchschnittliche Erträge erwirtschaften die Airlines natürlich auf der Business-Langstrecke.
Passagierentwicklung ab deutschen Flughäfen/1.Halbjahr 2009, mit Zielorten in:
- USA = Minus 12,8 %* Japan = Minus 17,5 %
Auch diese Zahlen beinhalten alle Pax, werden aber hochgradig durch Business-Reisende genutzt.
Quelle:Statistisches Bundesamt/12.08.2009
Gruß
Hans
- USA = Minus 12,8 %* Japan = Minus 17,5 %
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UteEberhard wrote:
helvetia123 Dein Beitrag: Fluggastzahlen um 7,9% zurück gegangen.Die Zahlen verdeutlichen schon, dass die Tourismusbranche nicht unerhebliche Rückgänge zu verzeichnen hat. Da die Daten nur das erste Halbjahr 2009 aufzeigen und nur einen sehr kleinen Zeitraum der Sommerferien beinhalten, darf man auf das Jahresendergebnis gespannt sein.
Gruß
Hans
Da auch gestern gemeldet wurde, dass die Konjunktur sich entspannt, möchte ich fast die Wette eingehen, dass sich die Zahlen zum Jahresende schon wieder entspannt haben.............und das in allen Bereichen des Flugverkehrs.Hältst Du dagegen??

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Hallo Horst,
grundsätzlich bin ich ein Optimist. Aber vor den Realitäten kann ich die Augen nicht verschließen. Der Passagierrückgang um fast 8%, im ersten Halbjahr 2009, wird sich bis zum Jahresende 2009 keinesfalls erholen.
Begründung:
1.) Bereich Business. Ein wesentlicher Anteil für die Umsätze und den Ertrag vieler Fluggesellschaften, ist der Geschäftsreiseverkehr. Die Wirtschaft hat die Reisekosten reduziert und wird diese mittelfristig nicht auf das alte, hohe Niveau wieder hochfahren. Somit müssen sich die Airlines auf dieses reduzierte Geschäftsreisevolumen noch mindestens 2 bis 3 Jahre einstellen. Vorausgesetzt die Wirtschaft erholt sich wieder spürbar. Ansonsten kann die Durststrecke auch bis zu 5 Jahre dauern.
2.)Bereich Tourismus. Die Halbjahreszahlen beinhalten noch nicht den wesentlichen Teil der Passagiere, die in den Schulferien geflogen sind. Mindestens die Marktführer TUI+TC haben z.T. deutliche Rückgänge, die von den vielen kleineren Marktteilnehmern nur in einigen Segmenten aufgefangen werden. Sowohl im ersten Halbjahr, wie auch in der laufenden Saison. Und der Herbst, gemeinsam mit dem Start in die Wintersaison, werden die Verluste kaum auffangen. Auch aktuell ist das Buchungsvolumen unterhalb des Vorjahresniveaus.
Fazit: In beiden Bereichen (Business+Tourismus) wird es in diesem Jahr keine spürbare Entspannung geben. Die rückläufigen Passagierzahlen werden am Jahresende ähnlich sein wie zum 30.06.2009. Prognose + - 1%. Wetten ?
Gruß Hans, der sich natürlich auch bessere Zahlen wünscht. Dies ist aber Wunschdenken.
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Ja, mein lieber Hans,
vielleicht ist hier auch ein wenig derWunsch der Vater des Gedankens bei mir!!

Wünsche Dir ein schönes WE.
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Wie aktuell zu erfahren ist, hat sich die Anzahl der Passagiere auf einigen deutschen Flughäfen (Beispiel FFM) im Monat Juli wieder leicht stabilisiert.
Sollte sich dies weiterhin so fortsetzen (Vorjahresniveau), fängt diese aktuelle Entwicklung das negative Ergebnis des 1.Halbjahres natürlich nicht auf. Es bliebe bei den Minus 7,9% ! Nur bei einem außergewöhnlichen starken Zuwachs im 2. Halbjahr, würde das Vorjahresergebnis insgesamt erreicht. Davon geht aber keine seriöse Planung aus.
Das Jahr 2009 wird sich mit 6%bis8% weniger Passagiere abfinden müssen, die in Deutschland in einen Flieger steigen.
Wetten das ?
Gruß
Hans
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...BRE folgt nicht so deutlich diesem Trend, so lag im 1. Halbjahr zwar die Passagierzahl insgesamt um 3,5% unter dem Vorjahreszeitraum, allerdings nahmen schon im Juni die Fluggastzahlen gegenüber Juni 2008 mit 0,8% zu.
Man darf auf die Entwicklung gespannt sein...
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Hallo zusammen und ein freundliches moin, moin aus dem Norden!
Auch ich glaube nicht, dass der Negativtrend im 1. Halbjahr 2009 bei den Passagierzahlen auf deutschen Flughäfen bis zum Jahresende noch wesentlich gedreht werden kann. Es wird nach meiner Einschätzung in jedem Fall ein Minus von kumuliert mehr als 5% auf das Gesamtjahr bleiben. Auf die Entwicklung im Jahre 2010 darf man gespannt sein.
Wie auch in dieser Situation höhere Flugpreise durchgesetzt werden können, habe ich gerade am eigenen Leibe erlebt: ich werde im November mit einer Gruppe von etwa 30 Personen Südamerika bereisen und habe die Langstreckenflüge von Deutschland nach Sao Paulo/Brasilien und von Caracas/Venezuela nach Deutschland über die Lufthansa gebucht.
Als unser Veranstalter, der nach meinen Plänen die Tour umsetzt, im Dezember 2008 die Flüge nach Sao Paulo für die Gruppe buchte, da wurde das Ziel von LH noch ab Frankfurt und München angeflogen. Entsprechend große Kapazitäten waren vorhanden, die natürlich auch Einfluß auf die Preisgestaltung hatten. Vor einigen Wochen hat man nun die Strecke München - Sao Paulo vor dem Hintergrund sinkender Passagierzahlen ersatzlos gestrichen; die bereits vorhandenen Buchungen wurden auf Frankfurt umgestellt. Jetzt ist der Flieger schon recht gut ausgelastet. Die Verknappung erhöht den sogenannten Sitzladefaktor und damit zwangsläufig auch den Preis. Da unsere Tickets - wie bei Gruppen üblich - noch nicht ausgestellt waren, bedeutet das für unsere Gruppe eine Preiserhöhung für diese Route von immerhin 5%! Also keine Preissenkungen, ganz im Gegenteil!
Viele Grüße von der Nordseeküste und einen schönen restlichen Feierabend
Andreas
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Hallo Curi,
bei aller Wertschätzung für den ("Deinen") Flughafen Bremen, aber die Passagierzahlen der deutschen Flughäfen werden wesentlich bestimmt durch die Flughäfen Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln und Stuttgart. Mit gut 2 Millionen Passagiere im Jahr hat der Flughafen Bremen ein Anteil von unter 2% am Gesamtvolumen der Passagiere in Deutschland. Auch wenn sich der Airport in Bremen positiv gegen den Trend entwickelt, wird er insgesamt das Ergebnis in Deutschland kaum beeinflussen können.
Gruß
Hans
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Wobei ja die Passagierzahlen nichts aussagen über die Einnahmen der Airlines. Sind in den vergangenen Jahren auch mehr Passagiere befördert worden, war ein Grund sicher auch das Überangebot an preiswerten Tickets. Seit Einführung der Kerrosinzuschläge haben sich aber viele Tickets derart erhöht,das es sich vielmals nicht mehr lohnt,Day-oder WE-Trips (Städtereisen)zu buchen. Auch das beeinflusst die Passagierstatistik mit Sicherheit,jedoch höhere Preise werden zumindest auf der Einnahmeseite der Airlines einen gewissen Ausgleich schaffen.
Und man darf auch nicht übersehen- in der Vergangenheit war es innerdeutsch oft preiswerter zu fliegen. Mit dem "Dauerspezial" der Bahn sind aber sicher viele Fluggäste verloren gegangen. -
Lieber Lutz,
das mit den innerdeutschen Flügen vs Deutsche Bahn ist aber eher eine Vermutung von Dir.
Am gesamten Passagieraufkommen in Deutschland hat der Inlandsflugverkehr nur einen Anteil von etwa 13%-14%. Insofern beeinflusst der Inlandsverkehr das vollständige Passagieraufkommen nur leicht.
Dazu noch eine Zahl. Die Anzahl der Passagiere die nur Flüge innerhalb Deutschlands genutzt haben, verzeichnete einen ähnlichen Rückgang wie das Gesamtaufkommen, nämlich minus 7,6%. Der Inlandsverkehr setzt sich aber mehrheitlich aus Business Passagieren zusammen und nur sehr gering aus "Städtereisetouristen".Der Rückgang bei den Auslandsflügen (mehr als 85% aller Flüge) beträgt auch 7,9%, also genau so wie das Gesamtvolumen.
Gruß
Hans
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Ja,lieber Hans, das ist eher eine Vermutung von mir. Aber diese basiert auch auf persönlicher Erfahrung. Da unser Sohn in Saarbrücken lebt ,(wir in Berlin) , erleben wir natürlich die Preisentwicklung mit. Und mitlerweile ist es wirklich so,das die Bahn oft günstigere Angebote macht. Natürlich ist der Zeitvorteil beim Fliegen auch eine nicht unwesentliche Entscheidungshilfe
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Wenn ich heute folgenden Bericht lese "hier", lag ich doch mit meiner Anfangsfrage vom 12.08.09 gar nicht so falsch, oder?
Es ist nun einmal eine alte Weisheit: "Angebot und Nachfrage regulieren den Markt".