Die Pauschalreise verliert Freunde
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IN GUTEN ZEITEN
In den 80er und 90er Jahren wuchs die Touristikindustrie doppelt so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt. Wachstumstreiber war dabei die Pauschalreise. Inzwischen haben die Anbieter die Standardisierung des organisierten Reisens optimiert: "All inclusive" ist wegen der Kosten der große Renner besonders für Familien.IN SCHLECHTEN ZEITEN
Seit 2000 sanken die Buchungen für Pauschalreisen per Reiseveranstalter von 44% auf aktuell 37%. Die Gründe dafür sind vor allem verändertes Verbraucherverhalten, der Eintritt der Billigflieger in den Markt und die zunehmende Verbreitung und Nutzung des Internet. Immer mehr Urlauber buchen die Bausteine für Ihre Urlaubsreisen einzeln.Bevor sich jetzt wieder jemand über mich aufregt: Ich bin nur der Überbringer dieser schlechten Nachricht, nicht der Urheber. Sie ist nämlich einer Veröffentlichung in der "Welt am Sonntag" von heute entnommen.
In Deutschland sind inzwischen schon 38 Millionen online, und es werden immer mehr. "Wir sind auf dem Weg weg von der Massengesellschaft in die Individualgesellschaft", sagt der Hamburger Zukunfstforscher Peter Wippermann. Seine Analyse für den Tourismus:"Diese Branche ist gerade dabei, die Individualisierung technisch umzusetzen. Diese Eigenverantwortung und die individuelle Bindung zwischen dem, der produziert, und dem, der kauft, werden stark zunehmen. Was Masse hat, verliert. Was individuell ist, gewinnt. In zehn Jahren gibt es die Pauschalreise nicht mehr".
Ohne massives Eingreifen der Standesorganisationen werden die Reisebüros wohl schweren Zeiten entgegensehen. Emotionale Appelle an die Verbraucher, wegen der unweigerlich bevorstehenden personellen Konsequenzen weiter im Reisebüro zu buchen, werden nichts ausrichten. Das Problem kann von den Reisebüros nur rational durch Beschreiten neuer Wege beseitigt werden. Und dabei müssen meines Erachtens zwingend auch die Standesorganisationen einschreiten.
Ich möchte die Problematik hier einmal zur Diskussion stellen.
Was muß Eurer Meinung nach getan werden, damit die Reisebüros überleben? -
Hallo Salvamor ,
einige Reisebüros werden sicher überleben , nämlich die mit fundiertem
Fachwissen über Länder und Ziele und wo effektiv gearbeitet wird .
Dem Kunden auch von verschiedenen Anbietern sein Bausteinsystem
zusammengestellt werden kann .
z.B. nehmen wir mal eine individuelle Rundreise : Neckermann bietet den Flug günstg an und das Hotel X , Hotel Y was mir auch gefällt kostet bei Neckermann 150,-€ pro Person mehr wie bei TUI , also wird das bei TUI gebucht und Hotel Z ist wieder bei DER Tour am günstigsten und da buche ich das dort .
Wenn die Büro`s in der Lage sind generell machbare Kundenwünsche zu erfüllen ,
haben sie auch eine Überlebenschance .
Gruß Bea -
Ja, Bea, ich glaube das ist es! Die Reisebüros müssen noch viel mehr auf die Kundenwünsche eingehen, und um die kennen zu lernen, müssen sie mehr auf die Kunden zugehen und die Wünsche erfragen. Schwerpunkt werden wohl, das siehst Du m.E. richtig, individuell zusammengestellte Reisen sein.
Was mir ganz einfach fehlt, sind die originellen Ideen, man könnte es auch Kreativität oder Innovation nennen. Die Reisebüros hier in der Innenstadt (überwiegend Kettenunternehmen)schlummern so ruhig und selbstvergessen vor sich hin, als wollten sie ausdrücken: Uns kann eh nicht viel passieren. Wir haben zwar immer weniger Kunden, aber sind eingebettet in den Schoß der großen Firma xyz. What shalls?
Wenn man da reinkommt, sieht man wie eh und je eine Riesenmasse Prospekte, aber keinerlei Hinweis darauf, daß man auch gewillt es, auf individuelle Wünsche außerhalb des Prospektangebotes einzugehen.
Ich denke bei der Gelegenheit auch noch einmal an die zur Zeit in diesem Forum stattfindende Diskussion darüber, wer dafür verantwortlich ist, wenn vom Veranstalter ein falsches Hotel bestätigt wird. Eine Einlassung wie "Biste selber schuld, hättest ja prüfen können, ob das richtige bestätigt wurde" wirkt sich einfach kontraproduktiv aus. Die Reisebüros müssen in solchen Fällen Partei für den Kunden ergreifen, anstatt ihm den Schwarzen Peter zuzuschieben und ihn mit seinem Problem alleine zu lassen. Der Kunde muß das Gefühl haben: In diesem Reisebüro lebt der Dienstleistungsgedanke!
Mir ist bei allem schon auch klar, daß die Kostensituation für viele Reisebüros schier erdrückend ist. Nur: die Kunden sind erbarmungslos, die interessieren Kostendruckaspekte des Reisebüros einen feuchten Dreck! -
Hallo Salvamor,
deine Gedanken schwirren auch in meinem Kopf herum, ob und wie die Reisebüros noch zu retten sind. Ich selbst habe eine Ausbildung zur Reisebürokauffrau gemacht, damals noch in einem sogenannten " Vollreisebüro", also Pauschal, Flug, Bahnfahrkarten etc. Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich nicht mehr im Reisebüro, habe allerdings etwas Wissen für mich konservieren können. Natürlich, das Internet ist ein guter Weg, den ich oft auch nutze, doch eines der Hauptprobleme besteht sicherlich in der Qualifikation des Reisebüropersonals. Vor ein paar Jahren habe ich
"mein" Büro in unserer Kleinstadt gewechselt, ich hatte den Eindruck, dass ich nur noch lästig geworden war, so nach dem Motto: " was will die denn schon wieder hier? Meistens hatte ich ein ernsthaftes Anliegen, Buchen einer Reise, Flüge usw., manchmal brauchte ich eine simple Zug- oder Flugverbindung, da ich damals noch keinen Computer hatte, ich traute mich manchmal nicht mehr ins Büro zu gehen.
Dies hat sich dank Internet geändert, ich kann alles allein finden! In dem jetzigen Reisebüro habe ich freundliche und kompetente Mitarbeiter gefunden. Pauschalurlaube buche ich dort, Flüge mit einem Freundeskreis nach Mexiko in 2005 ebenfalls, hätte ich alles im Internet buchen können, aber warum sollen sie im Büro nicht auch etwas daran verdienen? Dafür versuchen sie, mir anders behilflich zu sein,Prospekte, Infos, Platzreservierungen, Hotelbuchungen über DERTOUR usw.
Beide Seiten sind so zufrieden und wir können uns aufeinander verlassen.
Ich wiederhole mich: Freundlichkeit und Fachwissen, dann haben die Reisebüros eine Chance zu überleben.
Viele Grüße! Renate -
Bis jetzt habe ich immer nur pauschalreise gebucht...übers Reisebüro.Mit dem ersten Reisebüro war ich allerdings nicht zufrieden.Das war ein Tui-Reisebüro.Ich wollte mir eine Reise aus einem Tjaereborg-Katalog buchen.Aber ständig wollte mich der Mitarbeiter zu einer Reise aus dem Tui-Katalog überreden .Hätte "nur" 300 Euro mehr gekostet,dafür ist es ein RIU Hotel...Das interessierte mich aber nicht,ich wollte das andere Hotel!
Also bin ich nicht mehr in dieses Reisebüro gegangen!Das jetzige (auch ein Tui-Reisebüro) ist ok.Man wird gut beraten und wenn man Reisen anderer Veranstalter buchen will,wird nicht versucht zu einer Tui-reise zu überreden...
Letzendlich werden wohl die Büros überleben ,die guten Sevice bieten...

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Hallo Renate Schmidt,
die Erfahrungen mit "deinem" Reisebüro, die Du schilderst, sind im Prinzip deckungsgleich mit meinen. Über das, was ich so in Reisebüros erlebt habe, habe ich schon mehrmals hier im Forum berichtet, ich möchte deshalb nicht wieder in die Einzelheiten gehen. Meine negativen Erfahrungen stammen allerdings weit überwiegend aus Kettenunternehmen. Man hat dort wirklich manchmal den Eindruck, daß man, wenn man nicht direkt mit einem Buchungswunsch vorstellig wird, stört.
Vor einigen Monaten habe ich allerdings auch in einem "freien" Reisebüro eines Bekannten eine Erfahrung gemacht, die mich stutzig gemacht hat. Bei einem Gläschen Schampus, zu dem er mich eingeladen hatte, erzählte ich ihm beiläufig, daß wir eine Reise nach Südamerika in Einzelbausteinen zusammengestellt hätten und diese im Internet buchen wollten. Der hat es nicht für nötig befunden, einzuhaken und zu fragen, ob ich die Reise denn nicht bei ihm buchen will. Ich dachte mir: dem geht es so komfortabel gut, der hat das offenbar nicht nötig! Im nächsten Moment begann er dann allerdings über die Ungerechtigkeit der Welt im allgemeinen und seine schleppend gehenden Geschäfte im besonderen zu klagen! Er hätte bei mir offene Türen eingerannt, aber so dachte ich bei mir: Jetzt erst recht nicht!
Du hast Recht! Es kommt, wie in anderen Branchen auch, auf Freundlichkeit, gepaart mit Fachwissen an und darauf, wie ich mit meinen Kunden umgehe!
Dein Buchungsverhalten ist übrigens auch ähnlich wie meines. Das, was ich im Reisebüro buchen kann, buche ich auch dort.
Ich informiere mich allerdings immer vorher, was die Reise individuell gebucht kosten würde, damit ich eine Argumentationshilfe habe. Wenn ich allerdings Angebote im Internet finde, die ich im Reisebüro nicht bekommen kann, buche ich im Internet.
Schöne Grüße und guten Wochenanfang
salvamor -
Hallo Woodstock,
"letztendlich werden die überleben, die guten Service bieten" hast Du geschrieben. Und ich meine, damit liegst Du goldrichtig! Es wird zwar immer weniger Pauschalreisen geben, das heißt aber nicht zwingend, daß die Anzahl der Reisebüro gleichermaßen geringer werden muß. Viele müssen sich nur umstellen und auf die geänderten Kundenwünsche eingehen. Das fällt vor allem den Ketten-Reisebüros schwer, die am liebsten die "Ware" der mit ihnen verbandelten Veranstalter verkaufen. Die Kunden lassen sich aber, wie auch in Deinem Fall, nichts aufzwingen, dazu sind sie mittlerweise zu aufgeklärt.
Auch die Kettenunternehmen müssen sich der geänderten Marktsituation stellen. Keiner der dort Beschäftigten sollte sich zu sicher fühlen! Unternehmen werden in der heutigen Zeit mit einem einzigen Federstrich erbarmungslos ausgelöscht, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen. Die Gelackmeierten sind dann in der Regel die, die am wenigsten für die Situation können.
Gruß salvamor -
Sandy_P,
ich habe eben so wie Du auch ein sehr gutes Reisebüro und viele andere sicher auch. Dieses Forum ist voll von zufriedenen Leuten, wenngleich sie nicht alle Kunden sind.
Es geht hier um eine allgemeine tendenzielle Entwicklung, weniger um die Meinung einzelner. Obschon die Probleme offenkundig sind, gibt es immer noch Leute in dieser Branche, welche die zweiffellos vorhandenen Probleme der Reisebüro-Branche unterschätzen. Aber wenn sich schon seriöse Zukunftsforscher mit dem geänderten Kundenverhalten und der Zukunft der Pauschalreise beschäftigen, dann ist es m.E. kurz vor 12! -
Ganz sicher wird nur ein Teil der Reisebüros überleben. Wir sind ja eine alternde sowie zunehmende Single-Gesellschaft. Jeder von uns hat gute und schlechte Erfahrungen mit Reisebüros gemacht. Und ein Großteil der Bevölkerung verfügt schon über einen großen Erfahrungschatz in Sachen Reisen.
Die Aufgabe von Reisebüros ist das Makeln mit verschiedenen Reiseangeboten. Durch das Internet hat sich dieses grundlegend verändert. Der ganze Bereich ist transparenter und der Zugang zu Informationen ist leichter, schneller und direkter (für jederman/-frau) geworden.
Die Unternehmen (Veranstalter, Fluggesellschaften, Hotels usw.) sind nicht mehr auf den ausschließlichen Vertrieb durch die Reisebüros angewiesen, eben durch das Internet. Ein Beispiel dafür ist z.B. die Geschäftpolitik der Lufthansa (Provisionen für Flugtickets). Hier wird deutlich wie den Reisebüros langsam die Existensgrundlage (Geldverdienen durch Vermittlung) genommen wird.
Ein weiterer Punkt ist die gesamtwirtschaftliche Situation der BRD. Jeder weiß, dass der Inlandskonsum zurückgegangen ist. Wie meine Freundin so schönt sagt: "Geld kann man nur ein Mal ausgeben." Also versucht jeder seine Bedürfnisse mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu befriedigen. Zu reisen ist vielen ein großes Bedürfnis (mir auch!). In vielen Veröffentlichungen ist zu lesen, dass die Reisedauer abnimmt und die Urlauber an den Nebenkosten sparen. Ein anderer Trend ist eben die Zusammenstellung von Billigflug (den man am billigsten im Internet bucht) und Hotel (das im Moment noch von Veranstaltern günstiger angeboten wird - inzwischen werben aber auch die Hotels selbst mit supergünstigen Internetraten).
Ja, wo bleiben da die Reisebüros? Ich denke es werden die "guten" Büros überleben, die den Kunden bei einem Vergleich des ausgesuchten Produkts den günstigsten Anbieter "freiwillig" heraussuchen. Büros, die wirklich kompetent sind. Büros, die eine Lese- und Stöberecke bieten, ohne das der Kunde/die Kundin sofort mit einem riesigen Stapel Prospekte nach Hause maschieren muss oder zugetextet (der Kunde ist da- jetzt wird gleich verkauft! Obwohl der Kunde vielleicht noch gar nicht weiß, was er will) wird.
Die Anzahl der Familien (große Gruppe von Pauschalreisenden) ist rückläufig. Wie wird sich dieser Markt entwickeln? Gerade in den Schulferien wird diese Gruppe doch besonders gebeutelt. Welche Strategien werden Familien entwickeln, um trotz geringer werdender Ressourcen sich einen Urlaub zu ermöglichen? Was können Veranstalter und Reisebüros dieser Gruppe anbieten? Hier möchte ich noch anmerken, was mich (als die Kinder noch kleiner waren- jetzt reisen sie alleine) früher wahnsinnig gestört hat: Wer möchte denn mit 1-2 Kindern 14 Tage in einem Zimmer hausen bzw. schlafen?! Gerade in der kostbarsten Zeit des Jahres! Da buche doch lieber einen Billigflug (oder fahre mit dem Auto) und suche mir ein Apartment/Haus, wo die Eltern die Schlafzimmertür zu machen können. Aber genau in diesem Segment sehe ich, trotz sinkender Kinderzahl, noch ein Potential für eine gewisse Zeit.
Der Reisemarkt ist im Wandel begriffen und jedes Reisebüro muss sich fragen, wo die Nischen und Unterschiede zu den x-beliebigen Mitbewerbern sind.
Zur Zeit halte ich es so: Bekomme ich das Produkt zum gleichen Preis im Reisebüro, gehe ich zur Buchung dort hin. Es ist zwar nur ein kleiner Beitrag zur Arbeitspaltzerhaltung, aber besser als keiner. Auch ich kann mein Geld nur ein Mal ausgeben!
hip -
Hallo hip,
danke für diesen sehr, sehr guten, ausgewogenen Beitrag!
Gruß salvamor -
"In 10 Jahren gibt es die Pauschalreise nicht mehr!"
Diese Kernaussage von Zukunftsforschern muß allen im Bereich Reisebüro beschäftigten Menschen zu denken geben.
Mit welchen Mitteln wollen sich Inhaber und Mitarbeiter auf die geänderten Kundenwünsche einstellen? Wie will man dem Trend gegen die Pauschalreisen begegnen? Wie wollen Reisebüros ohne den Vertrieb von Pauschalreisen überleben?
Die Antworten können nur die Inhaber/Mitarbeiter von Reisebüros geben.
In den HC-Foren sind erfahrungsgemäß jede Menge Reisebüroleute engagiert. Es wäre doch hoch interessant, einmal deren Meinung zu den Fragestellungen zu erfahren. Die äußern sich hier in diesen Foren zu jedem Kokolores, aber die existenziellen Fragen ihrer Branche interessieren sie offenbar nicht! -
@salvamor41 ---> ...aber die existenziellen Fragen ihrer Branche interessieren sie offenbar nicht!...
a) ich hatte mein eigenes Reisebüro von 1986 bis 1999, habe mich aber dann aufgrund der schon damals einsetzenden "Abwärtsentwicklung" entschlossen, die Firma zu liquidieren (net Konkurs! da lege ganz großen Wert drauf, weil es mich rund € 250.000.-- von meinem privaten Vermögen - sprich alles - gekostet hat, die Firma ordnungsgemäss aufzulösen.
b) seither im mittleren Management tätig und immer gut durch Fachzeitungen informiert, möchte ich dir sagen:
dass sich die Branche sehr wohl für ihre wichtigen Fragen interessiert. Aber schau dir die Entwicklung an:
1990: musste jedes Reisebüro z. B. etwa € 50.000.-- Mindestumsatz bei jedem Veranstalter machen, den es im Regal hatte
2004: --> bis zu € 150.000.-- werden verlangt und die Reisebürodichte ist deutlich gestiegen!bei: gleichzeitig sinkenden Provisionen:
1990: bei vielen Veranstaltern 11 - 13 Prozent
2004: beginnt das Verkaufen mit 5 oder 7 ProzentBei den meisten Fluglinien gibt es ab 1.9.04 überhaupt keine Provisionen mehr:
1990: ein Flug München - Bangkok etwa € 1.000.-- --> 8 Prozent Provision = € 80.--
2004 ab Sep: Ticket etwa € 600.-- und "Bearbeitungsgebühr etwa € 25.-- - da gegen ja die Diskussionen noch auseinander1990: gab es weder eine Konkursversicherungspflicht noch Haftpflicht-Vorschriften
2004: Konkursversicherung - je nach Größe ist man ab etwa € 2.000 Prämie pro Jahr plus rund € 20.000.-- Bankgarantie als Klein-Veranstalter in Österreich dabei, sprich, ein paar Betriebsausflüge und zwei drei Busreisen im JahrDie Branche hat nicht wirklich viel Auswege: in der Klemme des Drucks der großen Veranstalter und Fluglinien sowie den immer höher werdenen Kosten wie Miete und Gehälter (da mehr die Steuern!), können sich einfach viele Büros nicht weder lange Beratungen noch gutes Personal leisten.
Als 2001 in New York der Anschlag war, mistete die TUI in Österreich bei ihren Mitarbeitern aus: viele über 25-Jährige und die mehr als € 1.800.-- Bruttogehalt hatten, wurden gekündigt - ich war auch dabei: zu teuer, Fachkräfte braucht man nicht mehr - ist eh alles im Computer und ähnliche Begründungen.
Große Veranstalterkettenbüros können es sich richten. Die mittelständischen und kleinen Reisebüros können zwar punktuell da oder dort noch punkten, sind aber im Grunde von den Großen abhängig und an die Wand gedrängt. Und bei allen Tagungen und Verhandlungen werden zuerst die Konditionen der Großen besprochen bzw. ausgemacht und dann halt vielleicht auch noch der Mittelstand belächelt.
Natürlich gibt es Versuche von Inovationen, besseren Service usw. aber alle sagen unisono, dass es sich unter dem Strich nicht lohnt und jeder hofft eben, dass er doch den großen Durchbruch schafft. Die Reisebüroketten hingegen straffen den Verkauf - was unrentable, was nicht "Masse" ist, wird fortlaufend aus dem Angebot genommen und man hofft auf ein Computer-Software-Wunder, das dann alle Kundenfragen auf einen Klick lösen wird.
Das Thema ist wahrlich umfassend, ich denke, da können wir lange debattieren.
Gruß
Peter -
Hallo Peter,
meine etwas provokanten Äußerungen über Reisebüromitarbeiter hier im Forum galten ganz sicher nicht Dir persönlich, weil ich schon mitbekommen habe, daß Du als Fachmann dich sehr engagiert mit der Reisebüroproblematik beschäftigst. Ich habe übrigens Deine sehr sympathische Webseite gesehen, wir teilen Dein Faible für Katzen! Komme noch mal darauf zurück!
Dein Bericht über die Probleme der Reisebüros ist sehr aufschlußreich. Ich bin ja nicht vom Fach, beobachte als Außenstehender die Entwicklung der Reisebürobranche hier bei uns in der Innenstadt aber ziemlich intensiv. Ich habe mich beruflich viel mit Marketingfragen beschäftigt und mich interessiert einfach, wie eine Branche (egal welche) mit auftretenden Schwierigkeiten fertig wird. Die Reisebüros sind dabei ja nur ein Teil einer ganzen Kette von Branchen, die in den vergangenen 10, 15 Jahren ins Trudeln gerieten.
Manche haben den turn around gut geschafft, andere wieder weniger gut.
Ich bin wirklich kein Freund von Aktionismus. Wenn ich mir allerdings ansehe, wie wenig dynamisch und kreativ das äußere Erscheinungsbild vor allem von Kettenreisebüros ist, dann habe ich manchmal das Gefühl, da sitzen Reisebürobeamte, die ihre Kataloge verwalten und sich hin und wieder auch mal den Kunden zuwenden. Das sieht alles genau so aus wie vor 25-30 Jahren, außer daß es heute Computer gibt. Ich möchte den Angestellten dort nicht die Schuld geben, das ganze scheint mir eine Sache der Führung zu sein. Ich kann auch nicht sagen, wie die Reisebüros intern aufgestellt sind, dazu fehlen mir die internen Kenntnisse, aber das äußere Erscheinungsbild läßt nicht gutes erahnen.
Deine sehr anschauliche Schilderung läßt einen Laien wie mich erahnen, wie tiefgreifend die Probleme der Branche sind. Sie läßt kaum Raum für Optimismus, mehr für Fatalismus.
Ich hoffe ehrlich, daß es trotzdem Auswege aus der Situation gibt und möglichst viele Reisebüros dieses Stahlbad überstehen.
Beste Grüße nach Salzburg
salvamor -
Unsere schönsten Urlaube waren immer die, die wir individuell selbst geplant haben.
Anreise, Dauer, Ort und Unterkunft, wenn die Reisebüros sich mehr auf den individuellen Urlaub einstellen, dann hat das Zukunft.
Wenn ich im Reisebüro nur den Einheitsbrei angeboten bekommme, dann gehts auch über Internet. -
Docker, genau so ist es! Wenn man sich manche Kettenreisebüros ansieht, dann ist das vom Angebot her wirklich nur Einheitsbrei und von der Kundenfrequenz her mehr als dürftig. Man kann sich gar nicht vorstellen, daß die noch den break-even-point erreichen bei den Mieten, die sie in den Innenstädten bezahlen müssen.
Aber ich denke, die schwierigsten Zeiten stehen noch bevor! Ich bedauere ehrlich schon jetzt die, welche am wenigsten für die Entwicklung können, nämlich die dort Beschäftigten! -
Was absolut stimmt und sicherlich auch ohne größeren Aufwand zu ändern wäre, ist das Erscheinungsbild vieler Reisebüros. Da ist sicherlich die Denkweise: bisher so - auch weiterhin so.
Allerdings zu größeren Verschönerungsaktionen möchte ich ein paar Dinge anmerken:
In Österreich haben die Reisebüros eine Rentite von 0,4 Prozent - das heißt für ein mittelständische Unternehmen von vielleicht 2 Mio Euro Umsatz € 8.000.-- Ertrag für Kapitaleinsatz und Risiko --> welche man dann für "Verschönerungen" verwenden könnte. Rein theoretisch diese 0,4 Prozent, da die Untersuchung nur rund 100 Reisebüros von den etwa 1.200 in Österreich erfasste.Dann: viele Büros sind in Miete. Wird da etwas investiert und man zieht aus, hat man Pech. So ist es mir gegangen: ich habe 1990 ein neues Lokal bezogen und im Laufe der 9 Jahre etwa € 50.000.-- in die Renovierung gesteckt. Als ich dann auszog und wenigstens den neuen Fussboden und Fassadengestaltung in irgendeiner Form vergütet haben wollte, ging ich mit meiner Forderung beim Vermieter leer aus.
Ist also jeder dumm, der Geld hineinsteckt. Aber trotzdem: kleinere Verschönerungsaktionen wären sicherlich überall möglich.
Zum Thema Kreativität usw. ---> wie ich schon schrieb: Fachleute können oder wollen von der Branche nicht (mehr) bezahlt werden und der "Neuzugang", ja woher soll der denn das (Fach-) Wissen herhaben??? Wenn er nicht die Funktionsweise von Fluggesellschaften, Gruppentarifen, Bausteinsystemen usw. und deren Ineinandergreifen, wird er nie auf die Idee kommen, selbst etwas für Kunden zu basteln. Wenn man sich nicht auch mit der Geographie und (etwas..) Geschichte von einem Land befasst, kann man einfach nicht so beraten wie es der Kunde gerne hätte.Da könnte ich jetzt auch wieder schreiben... aber lassen wir es bei diesen Denkanstössen.
Übrigens, ich habe hier keinerle "Angriffe" gelesen, lediglich Aussagen, zu denen ich ein paar Zeilen schreiben wollte. Also, keine Sorge!
Tschüss
Peter -
Hallo Docker!
Ich bin in kleinen Teilen und Ansätzen eine solche "Niete in Nadelstreifen".
Wir beraten hier u.a. Reiseveranstalter, Hotelketten etc. u.v.m. in Marketingstrategien, neuen Märkten und Marktsegmenten, Öffentlichkeitsdarstellung etc.
Leider sind große Teile dieser Branche nur auf schnellen Profit aus, allerdings teilweise auch Aktionären "verpflichtet" - letztlich sichert diese Unternehmensstrategie dann auch irgendwie wieder Arbeitsplätze.
Mit oft schon vor langer Zeit vorgeschlagenen Neuerungen tun sich aber oftmals einige Unternehmen sehr schwer. Das Marktsegment "Ökotourismus" ist z.B. bis heute bei nicht wenigen Unternehmen nur sehr schwer vermittel und durchsetzbar.Besonders an Peter und salvamor (aber auch alle anderen hier in diesem thread einen großen DANK für eine sehr sachliche und interessante Diskussion!
Viele Grüße, Holger
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Nur, wenn es immer nur um den schnellen Profit geht, steht am Ende immer irgendjemand der das bezahlt.
Diese Strategie scheint ja eine Zeitlang zu funktionieren, aber wenn die "Bezahler" und da zähle ich auch die Beschäftigten mit, überwiegend unzufrieden werden und womöglich die Reiseveranstalter, u.s.w., meiden, dann geht der Schuss (die Strategie) nach hinten los.
Für die Reisebranche wünsche ich mir einfach mehr Individualität und wirklich neue Ideen.
"Ökotourismus" wäre doch mal etwas mit neuer Zielrichtung, wenn nicht der schnelle Profit im Wege stehen würde.
Das wäre dann vielleicht auch das Ende von den "Touristensilos" und Kapitalabpumpstationen (Profitcenter).Das heutige Problem ist doch auch, dass z.B. die Öffentlichkeitsdarstellung (Leistungsversprechen)vieler Branchen (auch Reiseveranstalter) weit an den realen Leistungen vorbeigehen, dadurch tritt die kollektive Unzufriedenheit in den Vordergrund und es bezahlen letztendlich die Beschäftigten ... (der Kreis schliesst sich ...)
Die Menschen die sich am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

