Nörgel-Tourismus
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Die Nörglerschufa würde ich begrüßen, ich denke aber daß diese Leute nur eine kleine Minderheit sind. Der grosse Teil sind doch ganz normale Leute die ein paar angenehme Tage haben wollen und gesund wieder nach Hause wollen. Aber wenn Reiseveranstalter ihre Zusagen nicht einhalten ist es legitim das der Kunde sich wehrt.
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Hallo emdebo!
Sei Dir sicher, das der Datenschutz aufgrund aktueller Grundlagen eingehalten wird - der Info-Austausch der Versicherer ist ja auch rechtlich abgesichert!
Dieses System würde dann übrigens nicht nur Veranstalter, sondern auch Hotels, Airlines etc. umfassen d.h. auch "die Flucht" in índividuelle Buchungsversuche" hat wenig (bzw. nur noch stark eingeschränkt) Aussicht auf Erfolg.
Hierbei geht es aber natürlich (ähnlich wie bei den Versicherern) nicht um einzelne, kleine Reklamationen, sondern um krasse Fälle und "Wiederholungstäter" - und ich glaube es ist nicht nur im Sinne der Unternehmen, sondern letztlich uns allen, wenn diese endlich verschwinden!
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@ Sohn von Kleinen Prinz
Wird da zwischen Nörglern und berechtigten Reklamationen unterschieden?
Ehrlich gesagt, haben wir auch schon Reklamationsgründe gehabt.
Wie: 1x auf einer Baustelle gelandet (1994). Und ein anderes Mal im Jahr 2000: von 14 Tagen ging 8 Tage die Klimaanlage in Ägypten im 4,5 * Hotel nicht (es war wirklich heiß!). Beide Male bekamen wir ohne Probleme einen Scheck zugesendet.
Würde das bedeuten, dass die Veranstalter mit uns kein Geschäft mehr machen wollen? Beide Vorfälle hätten ja auch theoretisch innerhalb eines Jahres stattfinden können.
Gruß hip -
@Hip:
Nein, solche "Fälle" stehen hier in keinster Weise zur Diskussion.
Nochmal:
Dabei geht es keinesfalls um berechtigte Reklamationen und Schadensfälle.
Und ja, Fehler werden natürlich auch bei Veranstaltern/Airlines, Hotels etc. gemacht - und dagegen gibt es richtiger Weise auch entsprechende juristische (und "verhandlungstechnische") Mittel und Wege...und das ist auch gut und richtig so!
Allerdings wird es Zeit, das auch konsequent gegen eine ganz bestimmte Gruppe von Urlaubern vorgegangen wird - und zwar deutlich und für die betreffenden Personen "empfindlich" und deutlichst "spürbar".
Diese Gruppe stellt natürlich gegenüber der großen Mehrheit der "ganz normalen" Urlauber eine kleine Minderheit, aber genau diese wächst und wächst und ...wächst - sicherlich auch aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Gesamtsituation und eines gewissen Ver- und Zerfalls gewisser "Werte". -
@ Sohn von Kleinen Prinz
Ich kann ein solches Vorgehen gegen dieses "Klientel" begrüßen. Du hast Recht, es ist eine Art Werteverfall. Irgendwie hat so ein Verhalten Ähnlichkeit mit dem "Abziehen", wie es im Jugendjargon heißt. Nicht zu vergessen, dass die "Verluste" von den Veranstaltern einkalkuliert und auf die Preise aufgeschlagen werden müssen. Damit trägt es dann die Allgemeinheit der Kunden.
Ist es nicht schrecklich, dass es Menschen gibt, deren Ziel es ist einen "furchtbaren" Urlaub zu erleben? Vielleicht haben wir ja einen Psychologen/eine Psychologin hier im Forum, die uns über diese Verhaltensauffälligkeit aufklärt.
Gruß hip -
Hallo,
nachdem ich mir jetzt diese Beiträge durchgelesen habe, muss ich auch mal meinen Senf dazu geben:
Ich kann den o.g Aussagen nur beipflichten, denn ein Grossteil der Urlauber nehmen sich tatsächlich viel zu viel raus und gehen schon von Beginn an auf "Fehlersuche", da kann eine einzige kleine Kakerlake (welche in manchen Ländern einfach "Standard" sind, wie bei uns Ameisen) schon den ganzen Urlaub vermiesen und zur Tragödie ausarten, Schuld daran ist natürlich nur das Hotel, der Veranstalter oder sonstige...
Ich meine auch nicht eine ganze Invasion der Krabbeltierchen, oder wirklich schlimme, berechtigte Reklamationsgründe, sondern diese ganzen Lapalien die hochgespielt werden.
Aber wer oder was bringt denn diese Leute dazu?
Erstens mal die allgegenwärtige "Geiz ist Geil"-Mentalität, in der Hoffnung für 3,50 einen Super-Urlaub verleben zu können.
Urlaub ist Luxus, und man bekommt i.d.R. genau das, wofür man bezahlt. Ich kann doch nicht erwarten, zum Super-Schnäppchenpreis ins beste Hotel am Platz zu kommen. Denn diese Hotels haben Ihre Kunden, und sind auch nicht auf "Billigmeier" angewiesen.
Was natürlich nicht heissen soll, dass man für einen moderaten Preis nicht auch einen schönen Urlaub haben kann, sondern eher dass heutzutage von vielen Leuten nicht mehr nach der Leistung bzw. Qualität entschieden wird als nur noch nach dem Preis. Das finde ich schade.
Es wird von allen erwartet, das Beste so billig wie möglich zu bekommen, aber ich persönlich möchte gar keinen "billigen Urlaub". Dann schon eher günstig, wenn ich das mal so ausdrücken darf! In einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis!!!
In zweiter Linie wird man doch auch mit dem Thema Reisereklamationen von allen Ecken und Enden zugemüllt, im Radio hört man nichts anderes mehr, als wie sich die Reisemängel darstellen, wo wann und bei wem man am besten Ansprüche stellen kann, und wie man dabei am geschicktesten vorgeht, um noch richtig viel rauszuholen.
Schaltet man den Fernseher an, sieht man in sämtlichen Reportagesendungen nur noch lange Gesichter von Urlaubern, die "gerade der Hölle entkommen sind"..., und wie böse nicht die Veranstalter und Hoteliers sind.
Dadurch stiften doch die Medien regelrecht dazu an, erst mal zu seinem Anwalt zu rennen, und versuchen am besten alles zurück zu bekommen, weil der Urlaub doch im Nachhinein betrachtet ja wirklich sehr schlimm war.
Da hat der Kellner einem mal nicht ins verschlafene, morgenmuffelige Gesicht gelacht, schon war das Personal unfreundlich und der Service total mies.....
Wenn man nach 2 Wochen der Putzfrau noch immer mal kein Trinkgeld gegeben hat, und die Handtuchformationen auf dem Bett auf einmal ausgeblieben sind, war das natürlich auch ein riesen Manko....
Aber bevor ich hier jetzt noch mehr ins Detail gehe, ich glaube jeder weiss was gemeint ist, und ich wiederhole mich nochmals, es geht natürlich nicht um berechtigte Reklamationen!!!!
Geiz ist eben nicht immer geil, und man muss ha auch immer im Trend der Zeit sein und alles bemängeln und bemäkeln, was einem die Medien vorsetzen....
Gruss, Mona -
Ich kann mich der Meinung meiner Vorredner nur anschliessen. Mal davon abgesehen ist keiner perfekt, jeder macht mal Fehler. Arbeitet der Nörgler immer perfekt in seinem Job?? Ansonsten müsste ihm ja auch bei jedem kleinen Vergehen ein Monatsgehalt gestrichen werden...
Ich muss aber zugeben, dass ich derartige Nörgler noch nicht erlebt habe und deshalb völlig platt bin angesichts der ganzen Stories, die hier erzählt werden. Da wir nicht so viel Pauschalurlaub machen, handelt es sich wohl um ein typisches Pauschalurlaubsphänomen.
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Hello!
Auch ich fände eine "schwarze Liste" für die - ich krieg mein Geld schon wieder Fraktion - einfach richtig.
Es gibt wirklich Zeitgenossen, die einfach nur darauf aus sind, etwas zu finden, um zu Hause Kasse machen zu können. Oberpeinlich finde ich aber auch Mitreisende, die jedem erzählen müssen, was sie für den Urlaub bezahlt haben und sich freuen wie die Könige, wenn andere teurer gebucht haben. Die waren vielleicht last minute, ich konnte mich aber schon lange auf meinen festgebuchten Urlaub bzw. Hotel vorfreuen. Die wußten am Flughafen ja mitunter nicht mal, wohin es geht.
Im Arabia Beach Hurghada, das nun wirklich ein schönes, sauberes Hotel mit sehr freundlichem Personal ist, haben wir auch Leute getroffen, die es unter aller *** und total niveaulos fanden. Mir kommt heute noch die Galle hoch, wenn ich dran denke. Da kann man eigentlich nur aufstehen und sich demonstrativ woanders hinsetzen. Aber die merken wahrscheinlich nicht mal etwas.
Auf unserem Nilschiff war auch ein Pärchen, das immer am Essen rumgenörgelt hat (schon wieder kein Schinken...), dabei brach das Buffet unter der vorhandenen Auswahl fast zusammen. Komischerweise sind die aber dreimal gerannt, um ihre Teller nachzufüllen. Am letzten Tag wollten die tatsächlich Unterschriften gegen den ach so miserablen "Fraß" sammeln, was ihnen aber nicht gelang.Dabei fällt mir noch ein nettes Sprichwort aus Bremen ein:
Wenn aus dem Schietpott ein Bratpott wird ....Fazit: keine Erziehung, keine Bildung, kein Niveau, dafür ganz viel Einbildung.
Viele Grüße von Barbara
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aber bei aller sympathie, die ich dafür habe, dass den notori nörglern das handwerk gelegt wird, bin ich strikt gegen eine solche liste.
das stellt sich mir die frage: wor fängt man an, wo hört man auf??? wenn jemand bspweise 5x im jahr verreist und jedes jahr eine beanstandung hat, ist der dann schon ein nörgler??
ich denke hier grenzen zu ziehen ist mehr als ungerecht, da kann es schnell auch mal einen treffen, der wirklich immer in die schei... gegriffen hat -
Sorry profi, da muß ich Dir leider widersprechen:
Differenziert werden wird da schon, denke ich.
Vergleiche das mal mit Ladendiebstahl: wenn man bei Dir den "Schreihals" nicht richtig entfernt hat (ist mir schon mal passiert), dann wirst du beim Rausgehen aufgehalten, Du zeigst Deine Kaufquittung, das Personal entschuldigt sich bei Dir, fertig. Das macht Dich noch lange nicht zum Ladendieb.
Genauso ist es mit den Typen, die Autounfälle provozieren, um die Versicherungen abzuzocken. Die reparieren ihre Karre notdürftig und ab gehts zum nächsten "Opfer". Wenn du nun zufällig mal 2 Unfälle in relativ kurzer Zeit hast, stehst Du mit Sicherheit auch nicht auf einer schwarzen Liste.
Im übrigen werden diese einzukalkulierenden Risiken immer auf alle Kunden umgelegt. Und das ist es, was mich an meisten ärgert, wenn einem solche oben genannten Profi-Nörgler über den Weg laufen. Da könnte ich meine gute Erziehung wirklich manchmal vergessen.
LG Barbara -
Wahrscheinlich ist hier die falsche Plattform um eine Diskussion betreffend den Nörglern zu führen. Sämtliche Postings zeigen ja, dass wir uns diesbezüglich einig sind, was über diese Spezies Leute zu denken ist.
Die Medien haben meiner Meinung nach zweifache Schuld. Zuerst werden mit Filmen, Prospekten u.ä. den Leuten Ferien vorgegaukelt, die so dann einfach nicht stattfinden können. So wird z.B. jedes Zimmer mit entsprechender Fotoaufnahmetechnik zur Luxussuite aufgebauscht, jeder Pool erscheint grösser als er tatsächlich ist, die unattraktive Umgebung der Hotels wird wegretuschiert etc.etc.etc.!!
Im Nachhinein verfolgen die Medien natürlich fast ausschliesslich die negativen Erlebnisse, denn nur diese bringen die notwendigen Einschaltquoten.
Zu der diskutierten Liste habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits wäre es wünschenswert wennn notorischen Nörglern das "Handwerk" gelegt werden würde - andererseits gehe ich mit Profi087 (hoffe, habe die richtigen Zahlen erwischt) einig, dass es sehr schwierig ist, eine entsprechende Abgrenzug zu machen.
Ferien kann man kaufen, Stil und Niveau leider nicht! Und darum wird es immer solche und solche Touristen geben - da müssen wir wohl durch.
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@blues
war fast richtig mit der zahelnreihenfolge.
aber ich finde, diese vorgaukelei, die du angesprochen hast, nicht mehr so extrem. früher war es tatsächlich so: du hast ein hochglanzbildchen gesehen, auf dem das paradies abgebildet war, und bekommen hast du eine besenkammer.
aber dadurch, dass es so viele reklamationen gibt, versuchen die einzelnen veranstalte dem vorzubeugen, indem sie dann schon mal im katalog schreiben, dass irgendeine fabrik den ausblick optisch beeinflussen kann.
habe letztens seit jahren mal wieder einen richtigigen papierkatalog in die hand genommen und war erstaunt, in wie vielen nuancen die veranstalter den sand vor ort beschreiben und wie exakt doch mittlerweile die wege zum strand gemessen werden. da hat sich schon einiges gebessert. -
@barbara.
wenn man dse liste exakt führen will, dann gebe ich dir rcht, mach sie sinn.
aber gerade das ist der kern des problems. aus datenschtuzgründen darf man nur bestimmte daten sammeln. da wären wir schon beim ersten problem. dann stell dir mal vor du hast häufig wechselnde partner und jedes mal einen, der was reklamiert im urlaub. stehst du dann als mitreisender automatisch auf der liste? wenn ja, wäre das gerecht?
wenn der partner nicht erfasst wird, dann kann jemand, der befürchtet, auf dieser liste zu stehen, auch ganz einfach über den partner buchen.
mogelmöglichkeiten wird es immer geben.
und wie gesagt: ab wann wird man ein notorischeer nörgler? wo zieht man die grenze: wenn ich in 10 jahren 2 mal was zu rekalmieren hatte, oder 3 mal? ab wann? und dann stellt sich noch die frage: von wem wird eine solche liste angefertifgt?
warum kann man es nicht einfach den hoteliers überlassen? die hatten besipeilsweise im jahre 2002 probleme mit der famielie schmidt. wenn nun herr schmidt wieder bucht, kann der hotleir doch sagen: tut mir leid wir sind voll.
dafür muß natürlich gewährlistet sein, dass der hotelir vor ankunft der gäste dessen daten hat. -
ich schliesse voll und ganz der meinung an, dass es leider leute gibt, denen man nichts recht machen kann und die es auf reklamationen und nörgeleien anlegen.
ABER
wenn ich in den urlaub fahre, dann will ich mich entspannen. das kann ich am besten am strand und MIT der familie und in einem schönen hotel.
wenn es dort aber teilweise kein duschwasser gibt oder nur kaltes. die getränke nicht die qualität haben, die angepriesen wurde, die putzfrau nicht richitg putzt oder gar nicht, dann darf ich mich doch beschweren ohne ein schlechtes gewissen haben zuu müssen, oder?!?!
wenn kleinstkinder sich selbst essen und trinken holen und eine spur desselben hinter sich her bis zum tisch ziehen, dann beschwere ich mich nicht beim hotel, weil die schlecht putzen, sondern bei den eltern.
gelte ich dann ebenfalls als nörgler? oder soll ich mir alles gefallen lassen, wenn ich mich in meiner ruhe gestört fühle?ich denke es ist immer wichtig das rechte maß zu finden. leider können das viele deutsche nicht, deshalb gibt es auch soviel nachbarschaftstreits etc.
doch leider liegt das an der mentalität der meisten deutschen, was schade ist! -
rotzblagen - cool
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S.V.k.P., eine hoch interessante, lebhafte Diskussion über ein brisantes Thema hast Du da losgetreten!
Ich muß gestehen, daß ich bei diesem Thema hin und her gerissen bin wie selten. Eine eindeutige Meinung wie manche meiner Vorredner habe ich nicht.
Einerseits gibt es sie wirklich, die notorischen Nörgler, und zwar in manchmal geradezu "faszinierenden" Varianten. Wir haben sie erlebt, wie sie eine einzige Kakerlake zu einem Heer von Ungeziefer hochstilisierten, wie sie sich beim Gastgeber bitterlich über das schlechte Wetter beschwerten ("das haben sie uns aber ganz anders geschildert!"), wie sie sich beim Gastgeber darüber mokierten, daß ihnen morgens der Rücken weh täte, weil sie nicht, wie zu Hause, in Wasserbetten schlafen könnten, wie sie sich beschwerten, daß die Delfine nicht pünktlich erschienen ("sie haben aber gesagt, daß nachmittags Delfine kämen").
Die skurrilsten Sachen haben wir erlebt.Es ist inzwischen für manche Zeitgenossen ein regelrechter Sport geworden, zu reklamieren, sich zu beklagen, schlecht zu machen, wo objektiv nichts schlecht zu machen ist, zu diffamieren und oft auch über juristische Klagen für eine Leistung bezahltes Geld zurück zu erstreiten.
Die Medien spielen dabei ein durchsichtiges Spiel. Sie stellen sich, um die Sensationsgier ihrer Leser zu befriedigen, fast immer auf die Seite der "betrogenen" Kunden. Die Auflageninteressen der Medienfirmen verlangen das!
Aber, was sind die wirklichen Gründe für diese eklatant zunehmende Nörgel- und Klagefreudigkeit der Kunden? Ich denke, darüber sollte man sich einmal Gedanken machen, auch wenn viele Betrachtungsweisen eher spekulativen Charakter haben.
Sicher spielt der Zeitgeist eine Rolle! "Wichtig bin ich, ich, ich und nochmals ich...", Werte wie Fairness und Solidarität verkommen immer mehr zu hohlen Phrasen, wenn es darum geht, persönliche Vorteile zu ergattern. Der Einsatz von Ellenbogen, manchmal mit Rasierklingen daran, ist in! "Durchsetzungsvermögen" nennt man das in gewissen Kreisen, in Wirklichkeit ist es eine Art Bankrotterklärung des anständigen, menschlichen Miteinanderumgehens!
Diese Entwicklung ist allerdings nicht nur im Bereich Urlaubsreisen zu beobachten, sie zieht sich schon länger wie ein roter Faden durch alle Branchen, Handel, Dienstleistung und Industrie sind gleichermaßen betroffren. Und auch der private Bereich ist von diesem verheerenden Zeitgeist nicht verschont geblieben.
Wo kommt er her, dieser Zeitgeist, der eine immer größere Rolle des persönlichen Egoismus vorsieht? Ganz sicher spielt die zunehmende soziale Kälte in diesem Lande als Folge der katastrophalen Situation auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle. Möglicherweise trägt der dadurch ausgelöste Kostendruck, dem die Menschen immer mehr ausgesetzt sind, zu einer Vorrohung der Sitten bei. Schließlich bleibt den Menschen im Durchschnitt aus mehreren Gründen immer weniger Geld in der Tasche. Andererseits möchte man aber, was eigentlich angebracht wäre, keine Abstriche am Lebensstandard machen, und der Urlaub gehört dazu.
Die mangelnde Solidarisierung der Menschen mit ihren Mitmenschen, die auch zu diesen Erscheinungsformen zählt, hat z.B. auch zur Folge, daß eine Identifizierung mit dem Arbeitgeber, früher gang und gäbe, immer weniger vorhanden ist. Man hat allerdings auch den Eindruck, daß eine intensivere Identifizierung der Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber von vielen Firmenleitungen gar nicht mehr gerne gesehen wird. Man möchte zwar gerne die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer voll ausschöpfen, andererseits sie aber auch schnell und problemlos wieder los werden, wenn es in den Kram paßt. Der transparente Arbeitnehmer ist gefragt! Und ein transparenter, entidentifizierter AN ist weit einfacher zu handlen. Anders ist das Verhalten vieler Firmenleitungen nicht zu erklären!
Den Menschen sind die Vorbilder, die Idole, mit denen man sich identifizieren konnte, abhanden gekommen. Das Unternehmen, in dem man sich jahrelang wohl gefühlt hat, spielt eine veränderte Rolle, Idole in der Politik und der Wirtschaft, die es früher zuhauf gab (Adenauer, Brandt, Herrhausen, Beitz etc.) sind weit und breit nicht mehr zu entdecken. Die neuerlich verstärkte Hinwendung zu den Päpsten ist Indiz dafür. Orientierungslosigkeit hat sich breit gemacht, die dazu führt, daß sich immer mehr Menschen in sich zurückziehen. Auch unsere zunehmende Single-Gesellschaft trägt dazu bei.
Das alles scheint im ersten Moment sehr weit hergeholt zu sein, um eine Erklärung, warum immer mehr Menschen sich und anderen den Urlaub durch überzogenes, unberechtigtes Nörgeln vergällen, zu finden. Wenn man aber nicht nur feststellen möchte, daß Vorgänge so sind, wie sie sind, statt dessen wissen möchte, wo Entwicklungen her kommen, muß man auch größere Bögen schlagen.
Andererseits ist die abnehmende Bereitschaft der Menschen, alles, was ihnen vorgesetzt wird, klaglos zu akzeptieren, zu begrüßen. Die Menschen sind heute aufgeklärter als noch vor zwanzig Jahren, und die "Obrigkeitsgläubigkeit" hat Gott-sei-Dank rapide abgenommen. Die Folge ist eine zunehmende Bereitschaft zur Reklamation bis hin zur juristischen Klage. Das merken viele Branchen, und sogar Ärzte und Krankenhäuser, früher über jeden Zweifel erhaben, sind davon nicht ausgenommen.
In vielen Branchen hat das Qualitätsbewußtsein allerdings auch erschreckend abgenommen, und auch die Reisebranche gibt hier kein gutes Bild ab. Wenn man in den Medien hört, liest und sieht, was vielen Reisenden, fast ausschließlich bei Pauschalreisen, zugemutet wird, dann stehen einem glatt die Haare zu Berge. Es ist kein Wunder, daß die Bereitschaft, sich dagegen zu wehren, allgemein gestiegen ist.
Ich meine, die Reiseunternehmen, und vor allem auch die Standesverbände, sollten sich, bevor sie solche fragwürdigen Blacklists über mißliebige, klagefreudige Kunden erstellen, erst einmal kritisch hinterfragen, ob bei ihnen selber nicht das eine oder andere schief läuft. Vielleicht sollte man sich u.a. auch endlich einmal wieder darauf besinnen, zu verhindern, daß mit falschen oder irreführenden Beschreibungen in den Katalogen, garniert mit effektheischenden mit Weitwinkel aufgenommenen Fotos, den Kunden etwas vorgegaukelt wird, was in natura oft gar nicht da ist. Denn auch da liegt der "Nörgelhase" oft im Pfeffer.
Die Blacklist ist in meinen Augen eine höchst fragwürdige Sache. Einmal ganz abgesehen von den datenschutzrechtlichen Bedenken halte ich sie in der Praxis für nicht administrabel. Das ist das Hirngespinst von Verbandsfunktionären, die von der Praxis so viel Ahnung haben wie die Kuh vom Sonntag. Denn in der Praxis siegen wird immer der Druck der Einzelunternehmen, Umsatz machen zu müssen, im Zweifel auch mit einem "Blacklist"-Kunden.
(Umsatz)geilheit siegt fast immer über Ratio!
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Mal ein Urlaubserlebnis der anderen Art:
Wir waren dieses Jahr von Ende Mai - Mitte Juni in Bulgarien. Die meisten Urtlauber waren miesepetriegen Deutsche und miesepetrige Engländer. Mein Kumpel beschreibt die wie folgt: "Die ärgern sich, wenn sie mal lachen müssen."
Allerdings waren da zwei jungen Damen aus Magdeburg. Es war ihre erste Flugreise. Die haben sich einfach gefreut, dass sie im Urlaub waren. Das Wetter war für einen Badeurlaub nicht so besonders. Das hat ihnen aber die Laune nicht verdorben. Sie waren einfach fröhlich.
Gruß
Bulgarienfan
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Ich hoffe, es sprengt das Thema nicht, aber die Gründe für die von dir meines Erachtens richtig dargestellten Mißstände liegen woanders:
Und zwar bei den 68ern. Nur noch Rechte, keine Pflichten mehr, Verächtlichmachung der Familie und fester Beziehungen ("Wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment"), Abkehr von der Leistungsverpflichtung, usw. usf. Über Helmut Schmidt wurde geäußert, mit bestimmten Sekundärtugenden könne man auch ein KZ leiten. Damit wurden Tugenden wie Pünktlichkeit, Fleiß, Verlässlichkeit usw. in die Nähe des Faschismus gerückt.
Dass es den Werteverfall gibt, sehe ich auch so wie du. Aber daran Schuld sind nicht die bösen Kapitalisten, sondern die 68er.
Gruß
Bulgarienfan
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@Bulgarienfan
Vorsicht, 68 war Salvamor 26!
