Notwasserung
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Bei jedem Urlaubsflug bekommt man den Gebrauch der Schwimmwesten demonstriert - gibt es überhaupt eine reale Chance, eine Notwasserung zu überleben? Oder ist die Demo nur zur Unterhaltung und Beruhigung der Paxe gedacht? Gab es schon Notwasserungen von größeren Passagiermaschinen mit Überlebenden? Wisst Ihr mehr? Bin gespannt, viele Grüße von Jörn
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Vor ein paar Jahren gab es eine Notwasserung einer B767, der Ethiopian-Airlines-Flug 961, die stürzte nahe den Komoren in den Indischen Ozean. 125 der 175 Paxe starben.
Außerdem war es eine der wenigen Notwasserungen eines großen Flugzeugs, die überhaupt Überlebende hatte. Sowohl der Kapitän als auch sein Kopilot erhielten Flieger-Auszeichnungen und fliegen noch heute für die Ethiopian Airlines.
Bei einer Notwasserung gibt es so viele Faktoren, wie Wetter, Wellengang, Tageszeit. In der Nacht ist es sooo gut wie aussichtslos.
Gruß Marco
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Bei Flugzeugen stellen Notwasserungen ein sehr riskantes Manöver dar, da sich die Wasseroberfläche bei typischen Landegeschwindigkeiten von ca. 250 km/h hart wie eine Betonfläche verhält. Chancen für eine erfolgreiche Notwasserung bestehen nur, wenn die Wasseroberfläche glatt ist und es dem Piloten gelingt, einen Überschlag des Flugzeuges zu vermeiden.
Trotzdem gab es Notwasserungen, bei denen alle oder wenigstens einige der Passagiere überlebten:
* 1956 machte eine Boeing B-377 der Pan Am eine Notwasserung im Pazifik, nachdem sie zwei ihrer vier Triebwerke verloren hatte. Um die Chancen einer Rettung der Passagiere zu erhöhen, kreiste die Maschine bis zum Morgengrauen um ein Schiff der US-Küstenwache, bevor sie wasserte. Alle 31 Menschen an Bord überlebten. * 1963 konnte eine Tu-124 der Aeroflot nach dem Start in Tallinn ihr Fahrwerk nicht vollständig einfahren. Der Flughafen war jedoch bereits wegen Nebel geschlossen, so dass die Maschine in Leningrad auf einer Schotterpiste landen wollte. Wegen der defekten Treibstoffanzeige flog die Maschine acht Runden bis die Besatzung bemerkte, dass auf den Anzeigen der Treibstoff nicht weniger wurde. Gleichzeitig setzte eines der Triebwerke aus. Um es noch rechtzeitig zum Flughafen zu schaffen, bekam die Crew die Erlaubnis direkt über der Stadt zu fliegen. Dann setzte auch das zweite Triebwerk aus und die Maschine musste sofort auf dem Fluss landen. Die 52 Passagiere kamen alle mit einem Schrecken davon. Die Crew wurde für unschuldig erklärt und die Schuld wurde der Flughafenleitung zugesprochen, weil diese eine Flugerlaubnis über der Stadt erteilt hatte für ein Flugzeug ohne Treibstoff. * 1970 machte eine DC-9-33CF der Air ALM (Antillen) mit leerem Tank eine Notwasserung in der Tiefsee. Davor wurden bei schlechter Sicht mehrere Landungen in Saint-Martin versucht. 40 der 63 Insassen überlebten. * 1996 wurde eine Boeing 767-200ER auf dem Ethiopian-Airlines-Flug 961 entführt. Nachdem der Treibstoff ausging, machte sie eine Landung auf seichtem Wasser, 500 m vor der Küste. 52 der 175 Insassen überlebten. Einige starben, da sie die Schwimmwesten bereits in der Kabine aufbliesen und damit an Bord gefangen waren. Video * 2002 fielen beim Flug Garuda Indonesia 425 mit einer Boeing 737 beide Triebwerken aufgrund starken Hagels aus. Mehrere Versuche, die Triebwerke wieder zu starten, scheiterten, so dass sich die Piloten gezwungen sahen auf dem Fluss Bengawan Solo nahe Yogyakarta zu landen. Von den insgesamt 60 Personen an Bord verstarb ein Flugbegleiter. * Am 6. August 2005 machte eine ATR 72 der Tuninter vor Sizilien eine Notwasserung, nachdem der Treibstoff ausgegangen war. Später stellte sich heraus, dass die ausgetauschte Tankuhr für einen kleineren Tank gedacht war. Von den 39 Menschen an Bord überlebten 20 teils mit schweren Verbrennungen. Das Wrack wurde in drei Teilen aufgefunden..wikipedia.
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@Marco und Katze: Vielen Dank Euch beiden für die Info´s!! Also Schwimmweste macht Sinn, wenn man denn die Landung überstanden hat...
Werde beim nächsten Flug daran denken
, viele Grüße von Jörn -
Ich hoffe, es wird nie jemand eine Notwasserung (oder sonstigen Absturz) erleben und wenn, dann natuerlich ueberleben!
Mir ist bei dem Gedanken daran nicht ganz wohl, und zittere jedesmal wenn ich ueber Wasser fliege ...
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Zuerst einmal: Die Demo ist keineswegs zur Unterhaltung! Wir (die FBs) kriegen den Vogel am ehesten in 90 Sekunden evakuiert wenn Ihr alle mitmacht! Also, liebe "Vielflieger", wenn ihr nicht gerade wöchentlich mit dem gleichen Flugzeugtyp der gleichen Airline fliegt, schaut Euch das Video bzw. die Live-Vorführung an! Dann könnt Ihr Euch gerne hinter Eurer FAZ oder Rundschau verkriechen!
Ansonsten ist es richtig, dass eine Notwasserung auf offenem Meer sehr heikel ist und nicht alle (die wenigsten) das überleben werden.
Der Gebrauch der Schwimmwesten und der Boote ist vielmehr für einen sog. over-run zweckmässig. D. h. das Flugzeug rollt über die Landebahn hinaus, die Geschwindigkeit ist niedriger und das Wasser seichter.
In diesem Sinne, Euch allen always happy landings!
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Darf ich dann auch ne kurze Frage stellen, wenn wir bei diesem interessanten Thema sind? :- ) Mag keinen eigenen Thread dafür aufmachen.

Wie steht es, wenn es zu einem Triebwerksbrand kommt? Wie
wahrscheinlich ist es, dass man den Brand im Flug gelöscht bekommt? Und wenn nein, wie wahrscheinlich ist es, dass man lebend unten ankommt? -
Stew wrote:
Zuerst einmal: Die Demo ist keineswegs zur Unterhaltung! Wir (die FBs) kriegen den Vogel am ehesten in 90 Sekunden evakuiert wenn Ihr alle mitmacht!In diesem Sinne, Euch allen always happy landings!
Danke für den informativen Bericht von der Front
aber ist es wirklich möglich einen Vogel
mit über 300 Passagieren in 90 sec. zu evakuieren
Für mich unvorstellbar.LG
Sandra
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jetstream2x4 wrote:
Darf ich dann auch ne kurze Frage stellen, wenn wir bei diesem interessanten Thema sind? :- ) Mag keinen eigenen Thread dafür aufmachen.
Wie steht es, wenn es zu einem Triebwerksbrand kommt? Wie
wahrscheinlich ist es, dass man den Brand im Flug gelöscht bekommt? Und wenn nein, wie wahrscheinlich ist es, dass man lebend unten ankommt?Hallo,
ich will Dich ja nicht erschrecken, aber Triebwerksbrände kommen recht häufig vor. In aller Regel passiert aber nicht wirlkich etwas Schlimmes. Letztes Beispiel dürfte gerade der spektakuläre Brand einer Air China auf Guam sein. Sieht zwar furchtbar aus, außer zwei Leichverletzten ist aber nichts passiert.
Hier stand die Maschine noch am Boden, aber auch im Flug brauchst Du Dir nicht wirklich Sorgen zu machen. So böse sich das auch anhören mag - das ist Routine und wird darum auch x-mal geübt.
Gruß
Berthold
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jetstream2x4 wrote:
Darf ich dann auch ne kurze Frage stellen, wenn wir bei diesem interessanten Thema sind? :- ) Mag keinen eigenen Thread dafür aufmachen.
Wie steht es, wenn es zu einem Triebwerksbrand kommt? Wie
wahrscheinlich ist es, dass man den Brand im Flug gelöscht bekommt? Und wenn nein, wie wahrscheinlich ist es, dass man lebend unten ankommt?Hallo,
solange nur ein Triebwerk ausfällt, kann das Flugzeug noch ohne größere Probleme weiterfliegen. Die Kraft des zweiten Triebwerks reicht aus, das Flugzeug sicher zu landen.
Triebwerkbrände können gelöscht werden.
All dies trainieren die Piloten regelmäßig in Simulatoren. Logischerweise kann dies in echten Flugzeugen nicht trainiert werden, wie so vieles andere auch nicht. Aber genau dafür sind die Simulatoren da, um Manöver zu trainieren, die mit dem echten Flugzeug nicht trainiert werden können.
Dazu gehört auch Triebwerksausfall durch Brand, und zwar während des reinen Fluges aber auch während Start und Landung. Wobei man wissen sollte, dass ein Triebwerkbrand dabei noch zu den kleineren, weil beherrschbaren, Problemen gehört. Das schlimmste, was während des Fluges passieren kann, ist ein Brand bzw. Rauchentwicklung im Cockpit.Gruß, hardy
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Sandra78 wrote:
Stew wrote:
Zuerst einmal: Die Demo ist keineswegs zur Unterhaltung! Wir (die FBs) kriegen den Vogel am ehesten in 90 Sekunden evakuiert wenn Ihr alle mitmacht!In diesem Sinne, Euch allen always happy landings!
Danke für den informativen Bericht von der Front
aber ist es wirklich möglich einen Vogel
mit über 300 Passagieren in 90 sec. zu evakuieren
Für mich unvorstellbar.LG
Sandra
Es ist ein MUSS, den vollbesetzten Vogel innerhalb von 90 Sekunden durch die HÄLFTE der Notausgänge evakuieren zu können. Ansonsten bekommt der Vogel keine Zulassung!
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Nachzulesen unter anderem unter folgender Seite:
Häufig ist natürlich immer relativ, aber unter der Rbrik "statistiks" bzw.
"current accident / incident news" findest Du mehr. Allerdings ist diese Seite absolut nichts für Menschen mit Flugangst!!!!!!Solltest Du, oder ein anderer, diesbezüglich ein Problem haben:
Finger weg!
Gruß
Berthold
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Stew wrote:
@ADEgi,"Relativ" - das gefällt mir schon besser.
Flugangst habe ich keine, sonst hätte ich Probleme meinen Job auszuüben
Gut so Stew!
Sind solche ernsten Betriebsprobleme nicht eher selten? Wenn schon die Statistik bemüht wird?Ist es nicht eher so, dass ein Triebwerk einmal meldet etwas überhitzt zu sein? Das ist bei weitem noch kein Brand, selbst wenn hinten starker Rauch zu sehen ist! Wird dann nicht in der Regel der Schub auf dieser Turbine zuerst einmal reduziert, zu Lasten des/der anderen Triebwerke.
Ausfälle von Turbinen gibt es und gab es schon viele. Meistens konnten sie nach einer "Atempause" auch wieder neu gestartet werden.Entgegen anderer Meinungen ist die Triebwerksleistung im Streckenflug weit entfernt von ihrer Maximalleistung. Eben diese Rserven werden benötigt in Situationen in denen man sie braucht; Start, Leistungsabfall wodurch auch immer hervorgerufen, usw.
Erinnert ihr euch noch an die alte Super Constallation mit ihren vier Propellermaschinen? Sie galt als die beste "Dreimotorige", weil oftmals ein Motor längere Zeit wegen Überhitzung auf Leerlauf geschaltet werden mußte um abzukühlen. Ein Neustart war meistens kein Problem.
Gewiss sind bei den heutigen Triebwerken soviel Leistungreserven vorhanden, dass eine Maschine noch sicher landen kann; mit dem Start würde es schon etwas problematischer aussehen Aber auch das wird ständig trainiert.
Selbst bei einem Start mit Maximalgewicht wird der Schub nie ganz ausgereizt.Gruß Dieter (noki)
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@Dieter (noki)
Du stellst schon sehr detaillierte Fragen die ich als FB nicht so genau beantworten kann.
Richtig jedoch ist, dass:
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Die Maximalleistung eines Triebwerks wird grundsätzlich nicht gebraucht
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Bereits ca. 1 Minute nach dem Start wird Schub weggenommen
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Die Piloten kalkulieren in ihren Berechnungen (Bahnlänge, Wetter, Gewicht, etc.) immer mit ein, nach Erreichen einer gewissen Geschwindigkeit zu der ein Startabbruch nicht mehr möglich ist, mit nur einem Triebwerk starten und auch steigen zu können.
Ich glaube aber, dass es im Reiseflug gar nicht so einfach ist, ein ausgeschaltetes Triebwerk wieder anzustellen. Das weiß ich aber nicht genau.
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[quote=noki]
Stew wrote:
Gut so Stew!
Sind solche ernsten Betriebsprobleme nicht eher selten? Wenn schon die Statistik bemüht wird?I
Das mit dem selten ist eben relativ. Bei tausenden von Flügen pro Tag ist ein brennendes Triebwerk etwa ein bis zweimal pro Monat zu erwarten. Weiterhin werden noch etwa fünf bis zehn Triebwerksabschaltungen pro Monat iauf der oben schon erwähnten Internetseite aufgelistet. Diese ist aber sicher nicht vollständig.
Für mich heißt das selten, andere würden sagen häufig. Ungewöhnlich ist es auf jeden Fall nicht. Wirklich gefährlich ist es auch dann wieder nur in den seltensten Fällen.
Was mich aber eigentlich fasziniert ist die Tatsache, wie oft ein Bodenfahrzeug gegen ein abgestelltes Flugzeug donnert. Hier frage ich mich immer wieder, wie das sein kann.
Gruß
Berthold

