Der deutsche Michel
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Vorurteile?
Lt. Brockhaus trägt der deutsche Michel Zipfelmütze und Kniehose, er ist der Inbegriff von Einfalt und gutmütiger Schwerfälligkeit.
Die Obrigkeitshörigkeit hat man sicher übersehen.
Fehlt noch etwas?Anmerkung: Michel (Michael) ist der Erzengel und Schutzpatron der Deutschen)
Dem Michel gegenüber steht die elegante und schöne französische Marianne... und natürlich gibt es da noch Frau Antje...
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Oh, oh, oh, Erika, da hast Du mit einem interessanten, aber auch "gefährlichen" Thema angefangen. Ich kann mich erinnern, daß wir bei HC vor ca. 1 Jahr schon mal über die nationalen Eigenarten und die entsprechenden Vorurteile, nicht nur gegenüber den Deutschen, diskutiert haben. Damals flogen ziemlich die Fetzen. Ich finde dieses Thema hoch interessant und hoffe nur, daß es diesmal sachlicher zugeht.
Den Deutschen sagt man im Ausland oft nach, sie seien langweilig, ernst und eher humorlos. Diese Vorurteile begegnen einem immer wieder, wobei ich nicht recht weiß, ob es wirklich Vorurteile sind. Insgesamt werden die Deutschen zwar oft bewundert, aber selten geliebt. Bewundert werden sie vor allem wegen ihrer Ingenieurleistungen (BIEMDABBELJU, MÖRCIDES) und ihres Organisationstalents. Auch der Fußball spielt immer eine große Rolle, Beckenbauer ist weltweit bekannt und geachtet, wir zehren also immer noch kräftig von vergangenen Erfolgen. Die deutschen Dichter, Denker und Komponisten spielen bei den Betrachtungen eher eine untergeordnete Rolle. Wenn Nord- oder Südamerikaner zum Beispiel in old Europe urlauben, zieht es sie eher nach Frankreich oder nach Italien. Deutschland sei ihnen zu streng und zu nüchtern, hört man immer wieder.
Stramm halten sich die Vorurteile gegenüber den Deutschen, vor allem in Amerika, hinsichtlich der deutschen politischen Vergangenheit. Als uns eine vor dem Laden stehende Boutique-Verkäuferin in Sao Paulo auf Englisch fragte, wo wir herkämen, und wir uns als Deutsche vorstellten, schlug sie die Hacken zusammen und lachte lauthals. Und in einer Tagesbar in Sarasota (Florida), wo täglich eine amerikanische "Rentnerband" ihr Schwätzchen hielt, wurden wir jedes Mal von einem alten Herrn mit "Heil Hitler" begrüßt, wobei der sich jedes Mal halb tot lachte. Wir waren zuerst im Zweifel, ob wir beleidigt reagieren oder darüber hinweg gehen sollen, haben uns dann für Version 2 entschieden.
Das sind natürlich Einzelerlebnisse, und meine Darstellung ist tendenziell zu werten, nicht absolut! Es gibt natürlich auch spritzige, heitere und humorvolle Deutsche! Das nur zur Klarstellung.
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Hi Salvamor,
Du hast den Grund auf den Punkt gebracht, warum ich mich hier raushalten werde.
Nur eins noch: als wir vor 18 Jahren auf Bali waren, fragte uns ein Kellner, wo wir denn herkämen. John sagte: Germany. Um dann zu fragen, ob er was damit anfangen könne. Antwort: Yes, Rummenigge.
Viel Spaß noch. -
Die Frage ist leicht beantwortet: Schicksal

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Nur zu, Barbara! Keine Angst! Du würdest diesen Thread garantiert bereichern.
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Es gibt viele Länder, die ich noch nicht besuchen konnte, schätzungsweise 180 (!), ich weiß es nicht so ganz genau. Den Menschen dieser Länder wird es vielleicht ähnlich gehen. Das Bild, das sie sich über die Deutschen machen, setzt sich zusammen - je nach Kultur - aus den Medien, Hörensagen und den Gästen ihres Landes, die sie kennenlernen konnten. Die Deutschen haben ein anderes Bild von sich - es scheint aber so, als sei unser Selbstbewußtsein im Schwinden. Das schlechte Gewissen wird uns ja seit 50 Jahren eingetrichtert (im derzeitigen Bundestag wird über ein weiteres Mahnmal am Brandenburger Tor debattiert...). Dies und dazu die derzeitige wirtschaftliche Situation stärkt unser Selbstbewußtsein eher nicht. Angst macht die Menschen immer kleiner und schwächer - die Deutschen jammern (und viele haben auch gute Gründe dafür). Ein USA-Bürger mag sich über unsere Sorgen köstlich amüsieren, ein z.B. Kameruner hätte kein Verständnis dafür. Soll ich mir nun eine Zipfelmütze kaufen?
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Das ist typisch Deutsch Die schrägsten Vorschriften Deutschlands
„Besteht ein Personalrat aus einer Person, erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern.“
(Info des Deutschen Lehrerverbandes Hessen)„Ausfuhrbestimmungen sind Erklärungen zu den Erklärungen, mit denen man eine Erklärung erklärt.“
(Protokoll im Wirtschaftsministerium)„Der Wertsack ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel, sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden.“
(Merkblatt der Deutschen Bundespost)„Ehefrauen, die ihren Mann erschießen, haben nach einer Entscheidung des BSG keinen Anspruch auf Witwenrente.“
(Verbandsblatt des Bayrischen Einzelhandels)„Der Tod stellt aus versorgungsrechtlicher Sicht die stärkste Form der Dienstunfähigkeit dar.“
(Unterrichtsblätter für die Bundeswehrverwaltung)„Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet.“
(Kommentar zum Bundesreisekostengesetz)Welches Kind erstes, zweites, drittes Kind usw. ist, richtet sich nach dem Alter des Kindes.
(Bundesanstalt für Arbeit)Margarine im Sinne dieser Leitsätze ist Margarine im Sinne des Margarinengesetzes.
(Deutsches Lebensmittelbuch)Es ist nicht möglich, den Tod eines Steuerpflichtigen als "dauernde Berufsunfähigkeit" im Sinne von § 16 Abs. 1 Satz 3 EStG zu werten und demgemäß den erhöhten Freibetrag abzuziehen.
(Bundessteuerblatt)An sich nicht erstattbare Kosten des arbeitsgerichtlichen Verfahrens erster Instanz sind insoweit erstattbar, als durch sie erstattbare Kosten erspart bleiben.
(Beschluss des Landgerichts Rheinland-Pfalz)Die Fürsorge umfasst den lebenden Menschen einschließlich der Abwicklung des gelebt habenden Menschen.
(Vorschrift Kriegsgräberfürsorge)Gewürzmischungen sind Mischungen von Gewürzen.
(Deutsches Lebensmittelbuch)Persönliche Angaben zum Antrag sind freiwillig. Allerdings kann der Antrag ohne die persönlichen Angaben nicht weiterbearbeitet werden.
(Formular in Postgirodienst)Nach dem Abkoten bleibt der Kothaufen grundsätzlich eine selbstständige bewegliche Sache, er wird nicht durch Verbinden oder Vermischen untrennbarer Bestandteil des Wiesengrundstücks, der Eigentümer des Wiesengrundstücks erwirbt also nicht automatisch Eigentum am Hundekot.
(Fallbeispiel der Deutschen Verwaltungspraxis)In welchen Länder außer Deutschland gibt denn sowas?
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Erika, Du schreibst, es schiene, daß das Selbstbewußtsein der Deutschen im Schwinden sei. Ich meine, daß wir Deutsche nach dem 2. Weltkrieg noch nie ein richtig ausgeprägtes Selbstbewußtsein hatten. Die Deutschen, unsere Eltern- und Großeltern-Generation, haben sich mit Fleiß, Intelligenz und dem Willen zum Anpacken aus Schutt und Asche erhoben, haben heute eine in sich gefestigte Demokratie, und sie haben sich einen hohen Lebenstandard erarbeitet. Eigentlich hätten wir Deutsche inzwischen wieder allen Grund, hoch erhobenen Hauptes durch die Welt zu gehen. Aber trotzdem ist unser Selbstbewußtsein, unser Selbstverständnis und unsere Identifizierung mit unserem Land stark unterentwickelt. Ich glaube nicht, daß es davon kommt, daß uns von interessierter Seite dauernd ein schlechtes Gewissen eingeredet wird, dazu sind die Menschen zu aufgeklärt. Ich glaube eher, daß unterschwellig immer noch die von Deutschen verübten Gräueltaten des 2. Weltkrieges eine Rolle spielen, und daß viele Deutsche aus diesem Grunde ganz bewußt den Ball flach halten wollen. Und wahrscheinlich ist es auch besser so!
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Guten Morgen salvamor41 - zuerst möchte ich vorausschicken, dass ich mit den Deutschen sehr gut klar komme, ohne dabei die vielzitierte "Hassliebe" von uns Schweizern Euch gegenüber zu "vernachlässigen". Getreu dem Motto "was sich liebt zankt sich".
Dein vorgängiges Posting ist sicherlich ironisch gemeint - die Deutschen und kein Selbstbewusstsein, die Deutschen, die den Ball flach halten? Mein lieber Schwan, dann möchte ich Euch nicht erleben, wenn ihr mal Selbstbewusstsein habt!!
Einig gehe ich mit Dir, dass man Vergangenes mal wirklich Vergangenes sein lassen soll - der 2.Weltkrieg ist tatsächlich vorüber!!
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@ richymuc
Ich nehme an, Du willst mit Deinen zugegeben lustigen, teilweise skurrilen Beispielen auf die besondere Verwaltungswut der Deutschen hinweisen und äußerst den Verdacht, daß diese nirgendwo so ausgeprägt sei wie bei uns. Nun, daß die Deutschen Perfektionisten der Verwaltung sind und ganze Heerscharen mit dem Verfassen solcher hirnrissiger Verordnungen, neuerdings auch auf EU-Ebene, beschäftigt sind, ist hinlänglich bekannt. Aber wenn Du glaubst, daß es so etwas nur hier in Deutschland gebe, dann irrst Du.
Wir haben anläßlich des makabren Ereignisses, daß ein in Brasilien verstorbener Deutscher nach Hause überführt werden sollte, miterlebt, welche Welle von Bürokratismus damit in einem Land wie Brasilien ausgelöst wurde.
Gerade in Ländern der 3. Welt oder in Schwellenlädern gibt es einen regelrechten Wust von teils vorhandenen, teils frei erfundenen Vorschriften, und die Jobs in den Verwaltungen sind hoch begehrt, weil sie relativ gut bezahlt sind und es außerdem noch Aussicht auf ..ähäm... Nebeneinkünfte gibt. Daß sich so die Anzahl der Verwaltungsvorschriften quasi dauernd von selber erhöht, ist völlig klar. -
@ Blues
Interessante Bemerkung! Findest Du uns Deutsche wirklich so ausgeprägt selbstbewußt? Oder sind das nur Empfindungen, die alle kleinen genüber dem größeren Nachbarn haben? Wir haben uns im letzten Urlaub mit Holländern darüber unterhalten, warum so viele junge Leute in Holland Ressentiments gegenüber den Deutschen haben. Sie begründeten das mit so einer Art unterschwelligem Minderwertigkeitskomplex der Holländer gegenüber den Deutschen, obschon vordergründig überhaupt kein Anlaß dazu besteht.
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@Salvamor - ja, ich finde das Auftreten der Deutschen* teilweise schon sehr selbstbewusst, manchmal ist es bis zur Arroganz dann nicht mehr weit. Die vor kurzem gewählte Schlagzeile "Wir sind Papst" dokumentiert für Nichtdeutsche schon ein wenig die Art unserer grossen Nachbarn.**
Ob das bei uns Schweizer auf einem unterschwelligen, generellen Minderwertigkeitskomplex den Deutschen gegenüber beruht, vermag ich nicht zu sagen. Ein Problem für uns Schweizer ist oftmals die direkte, persönliche Kommunikation. Da merkt man sehr schnell, dass Hochdeutsch für uns eigentlich eine Fremdsprache ist - man sieht das z.B. auch im TV, wenn in einer Diskussion ein Deutscher und ein Schweizer miteinander reden. Hier die gewandte und geschliffene Ausdrucksweise/Redensart des Deutschen, da die holprige/nach Worten suchende Art des Schweizers.
Wie oft hört man z.B. in der Bundesligaberichterstattung die Verniedlichung resp. der Versuch des Moderators unseren Dialekt nachzumachen - oder ist es doch der Versuch, ihn ins Lächerliche zu ziehen?
- gilt natürlich nicht für die ganze Bevölkerung. Leider ist es halt immer so, dass man nur die Lauten hört. Ist wie beim Fussball 80'000Zuschauer, 100Hooligans... und von denen spricht man!
** aber wir lieben Euch trotzdem!
- gilt natürlich nicht für die ganze Bevölkerung. Leider ist es halt immer so, dass man nur die Lauten hört. Ist wie beim Fussball 80'000Zuschauer, 100Hooligans... und von denen spricht man!
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@ Blues
Dein Beitrag bestätigt meines Erachtens den Verdacht, daß u.a. Ihr "kleinen" Schweizer unter Komplexen uns "großen" Deutschen gegenüber leidet, denn Euer Image hier bei uns ist wesentlich besser, als Ihr selber wahrnehmt oder glaubt. Sicher, weil die Menschen im Berner Oberland vermutlich wirklich ein bißchen langsam sind, projizieren das manche auf alle Schweizer, und wenn das Schweizerische Deutsch (nicht das Schwyzerdütsch) nachgemacht wird, sprechen die meisten betont langsam. Das hat aber nichts damit zu tuen, daß die Schweiz unter dem Strich in Deutschland höchstes Ansehen genießt. Sauber, adrett, pünktlich, zuverlässig, unabhängig, tolle Landschaften, Eldorado für anspruchsvolle Skifahrer und last not least eine vorzügliche Küche (sorry, Blues, der Fußball gehört nicht dazu!) sind wohl oft genannte Attribute, wenn die Schweiz oder die Schweizer charakterisiert werden.
Mit dem Nachäffen Eurer Sprache würde ich nicht eine Despektierlichkeit gegenüber den Schweizern verbinden. Hier in Deutschland werden alle Dialekte nachgeäfft, vornehmlich Sächsisch, aber auch Bayrisch, Schwäbisch, Hessisch und Kölsch, und zwar vorwiegend von Norddeutschen, weil die (irrigerweise! Ausnahme: bestimmte Gebiete von Niedersachsen) glauben, astreines Deutsch zu sprechen und sozusagen ihre "sprachliche Überlegenheit" demonstrieren wollen.
Wie sagen die Schwaben so schön (übersetzt ins Hochdeutsche):
WIR KÖNNEN ALLES, NUR KEIN HOCHDEUTSCH!
Recht haben sie! -
Hallo Salvamor41 - Deinen Worten gibt es nichts mehr hinzuzufügen -ausser dass die Berner nicht langsam sind, sondern nur langsamer reden- ich denke unsere Statements zeigen sicherlich durchwegs ein klein wenig Wahrheit auf, wir sollten es damit belassen.
Gutes und schlechtes, engstirniges und weltoffenes gibts in allen Ländern - und das ist gut so!!!
PS. über den Fussball unterhalten wir uns an anderer Stelle - auch hier holen wir auf, die Schweizertransfers in die BuLi zeigen es deutlich. Und den Podolski, wer hat den -nicht erfunden- aber entdeckt, wer..??
Machs gut und einen schönen Sonntag mit den herzlichsten Schweizergrüssen...

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Hallo Erika,
auch dieser Thread gibt aus meiner Sicht noch einigen Gesprächsraum, nicht nur deshalb, weil ich in meinem Nicknamen auch das Wort "MICHEL" mit drinne habe......!
Oder was denkst Du ?
Aus meiner Sicht sehr gute Postings, klar unser Wolfgang war da ganz fleissig!Erwin, der jetzt mit dem Hochholen aufhört !
Denn der "Stoff" reicht erstmal für eine Weile zum Diskutieren !Gute Nacht, Ihr Lieben !
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Hallo Erwin,
es ist sehr interessant, zu lesen, was man vor zwei, drei Jahren alles so von sich gegeben hat. Und deshalb finde ich Deine Sonderaktion, alte Threads wieder hoch zu holen, auch lobenswert.
Es wurde damals intensiver und unbelasteter als heute diskutiert. Die Lust auf kontroverse Diskussionen war irgendwie größer. Finde ich. Die Diskussionen gleiten heute schneller ab in reine Polemik und persönliche Anfeindungen. Die Zeit ist härter geworden.
Trivialthemen wie die neueste Bademode und die Frage, ob das Essen bei Air-Berlin von hinten nach vorne oder von vorne nach hinten serviert wird, gehören unzweifelhaft in dieses Forum. Aber anspruchsvolle Themenstellungen gehören auch hier rein. Und mir stellt sich die Frage, warum die Bereitschaft, solche Threads zu starten, heute wesentlich weniger vorhanden ist als vor zwei Jahren.
Gruß Wolfgang
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Interessant, dass Erika schon vor so langer Zeit das obrigkeitsdenken zur Sprache gebracht hat.... Denn dieses Thema ist zur Zeit ja bei einigen Usern auch recht aktuell
