Peru - Höhenkrankeit und Thrombosegefahr
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Hallo,
ich plane zur Zeit eine Südamerika-Reise nach Peru und Ecuador. Natürlich wollen wir auch in die Anden, Machupichu, usw. Im Reiseführere habe ich mich über die Gefahren der Höhenkrankheit informiert und auch gelesen das ab 3000m das Blut dicker wird und die Thrombosegefahr steigt.
Vor 2 Jahren hatte ich eine Thrombose im Oberschenkel, die ist verheilt, trage aber noch regelmäßig Kompressionsstrümpfe.
Hat jemand Erfahrungen in dieser Hinsicht? Erhöhe ich mein Risiko unnötig durch so eine Reise, oder kann ich das Risiko durch Prophylaxe (Heparin oder Marcumar) sinnvoll reduzieren!
Wäre dankbar für Infos/Ratschläge/Erfahrungen von Leidensgenossen!
PS: natürlich werde auch noch meinen Arzt konsultieren und wenn's interessiert auch danach nochmal was schreiben!
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Von einer Thrombose wurde ich bislang verschont; selbst bei einem Aufenthalt auf über 4500 m. Habe auch von anderen bisher nichts darüber erfahren. Das Risiko einer Thrombose ist sicherlich nicht auszuschließen; aber ein erhöhtes hast du jedenfalls schon beim Flug nach Peru im Flugzeug.
Eine sehr große Wahrscheinlichkeit liegt allerdings darin, dass es dich mit der "Höhenkrankheit" erwischt. Selbst bei ausreichender Akklimatisation besteht diese Gefahr. Der eine bekommt´s - andere wiederum nicht. Ärzte meinen, dass es am sinnvollsten ist, sich langsam an die enormen Höhen anzugleichen. D.h. nicht gleich von Lima rauf auf über 3000m Höhe.
Dass du ´nen Arzt konsultieren willst ist richtig und wichtig! Besprich deine "Vorerkrankungen" und gehe mit ihm inetwa deine Reiseroute durch. Er kann dir ganz bestimmt dabei helfen.
fio -
Guten Abend

Tatsächlich ist es so, dass der Körper nach wenigen Tagen damit beginnt, mehr Erythrozyten (rote Blutplättchen) zu produzieren, da der Luftdruck in höheren Lagen niedriger ist und somit auch der Anteil an Sauertsoffmolekülen pro Liter Luft sinkt. Die Luft ist quasi "dünner". Durch den höheren Anteil der Erythrozyten wird das Blut tatsächlich dickflüssiger.
Somit steigt theoretsich auch die Gefahr einer Thrombose, welche sich jedoch durch die richtige Prophylaxe deutlich verringern lässt. Wie das genau geht, muss Dir ein Arzt in einem Beratungsgespräch erklären.Die Höhenkrankheit ist was anderes
Da passiert folgendes:
Wenn man zu schnell in große Höhen (>3000 Meter) aufsteigt, kommt es zu einer Sauerstoffarmut im Blut, was eine rasante Beschleunigung des Herzschlages und eine ebenso rasante Beschleunigung der Atemfrequenz zur Folge hat. Gleichzeitig verändert sich der Druckgradient (Druckunterschied) zwischen den Lungenbläschen (Alveolen, in denen der Gasaustausch zwischen Lunge und Blut stattfindet) zu Gunsten des Blutdrucks.
Das bedeutet, dass mehr Wasser aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe gepresst wird, weil der Gegendruck (Luftdruck) in großen Höhen niedriger ist. Die Folgen sind vielfältig. Im dümmsten Fall kommt es zum Lungenödem (die Flüssigkeit aus den Gefäßen wird in die Alveolen und/oder in deren Zwischenräume gepresst), welches den Gasaustasuch je nach schwere massiv behindern kann und ohne schnelle Behandlung zum "Ertrinkungstod" führen kann. Gleiches gilt für das Hirnödem. Andere Symptome wie Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Surren in den Ohren oder auch eine veränderte Sehstärke können isoliert auftreten, jedoch genau so gut Symptome eines Hirnödems sein. Typisch wären auch geschwollene Beine und Arme. Es lohnt sich daher, Fingerringe und Armbänder VOR dem Aufstieg abzulegen, da das später vielleicht nicht mehr möglich sein wird. Vor allem Fingerringe können dann schnell gefärhlich werden, wenn diese plötzlich die Blutzirkulation eines anschwellenden Fingers unterbrechen und mann den Ring dann nicht mehr abziehen kann.Neben der Abklärung wegen der vergangenen Thrombose solltest Du vor allem abklären lassen, wie es um Deinen Kreislauf bestellt ist. Ein Belastungs-EKG wäre sicher kein Fehler.
Während deiner Reise musst Du unbedingt auf deinen Elektrolythaushalt achten. Neben der richtigen Trinkmenge, welche wiederum von Deiner Kreislaufsituation abhängig ist, kommt es auch auf die Art des Getränks an. Schwitzt Du viel, dann musst Du neben dem Wasser auch Salze und Mineralien ersetzen. Das geht entweder mit den entsprechenden Tabletten oder mit Fertiggetränken. Denn eine Verschiebung der Elektrolyte, welche bei einem Flüssigkeitsdefizit zwangsläufig auftreten wird, wird je nach dem auch die Ödembildung begünstigt.
So, der Vortrag war lang und zum Teil sicher auch nicht ganz einfach zu verstehen. Aber es ist halt ein komplexes Thema... Wer Fragen dazu hat, möge sie bitte hier stellen oder mir schrieben.
Liebe Grüße
delfo -
Hallo Delfo!
.... Du hast das alles gut geschildert, mit noch ganz angezogener Handbremse. Es kann noch sehr viel kritischer und gefährlicher kommen, wenn jemand nicht hinreichend akklimatisiert ist.
Auch ich bin vor vielen Jahren in den höheren Regionen des Gebirges der Anden gewesen, allerdings mit guter Vorbereitung.Delfo gebe ich jedenfalls in allen Punkten Recht und Beachtung seiner Ratschläge, insbesondere hinsichtlich der Ratschläge bezüglich der Mineralien.
Nichts kann tötlicher sein, als sich zu überschätzen; sich mit einem Boy auf 3000 Metern hochbringen zu lassen, und zu denken: Nun kann ich auch noch locker leicht weiter hoch gehen um die Tiere der Indios (Guanakos) dort oben noch auf meine Kamera zu kriegen!
Es könnte auch leicht das letzte eurer Fotos sein!
Gruß Dieter
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Hallo blume01,
mit einer Prophylaxe gegen Höhenkrankheit machst du dir keinen Gefallen, im Gegenteil dadurch das du die Symtome nicht rechtzeitig erkennst kannst du dich richtig in Gefahr bringen. Das beste ist eine langsame Anpassung an die Höhe und wenn Symtome auftreten nicht weiter aufsteigen lieber wieder absteigen, selbst Überschätzung kann tötlich sein. Hifreich ist viel trinken (5-6 Liter am Tag). Eine gute Kontrolle ob du genügend trinkst ist wenn du Nachst mehr als normal aufs Klo mußt.
Gruß Bernd -
Hallo Bernd
in Bezug auf die Trinkmenge muss man schon aufpassen. 5 bis 6 liter ist sehr viel. Die meisten Menschen trinken, wenn überhaupt, 1,5 bis 2 Liter pro Tag. Eine derartige Steigerung kann den Wasserhaushalt des Körpers sehr schnell in Schwierigkeiten bringen.
Vor allem dann, wenn das Herz nicht mehr so gut funktioniert, also insuffizient wird hat man ein echtes Problem, wenn man so viel trinken würde. Entweder bleibt die Pumpe stehen, weil sie mit dem plötzlichen Überangbeot völlig überfordert ist oder das Wasser staut sich im Körper zurück, womit wir unter anderem wieder beim Lungenödem wären.Außerdem kommt es auch sehr darauf an was man trinkt, da man bei dieser Trinkmenge entweder sehr viel schwitzen muss oder eben ständig aufs Klo rennt. dabei gehen dann auch wichtige Salze und Mineralien im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runter. Vor allem Natrium, Kalium und Magnesium, genau so wie Calcium spielen eine sehr wichtige Rolle. Wir brauchen sie sowohl für die Reizweiterleitung entlang der Nerven als auch für die Muskelarbeit. Deshlab muss man mit einer derart hohen Trinkmenge diese Stoffe auch zwingend zuführen.
Wie gesagt: grundsätzlich gebe ich Dir in sofern recht, dass man mehr trinken sollte. Jedoch gibt es etliche Risikogruppen für die man das so pauschal nicht sagen darf.
Schönes Wochenende
Delfo -
Hallo Delfo,
die Menge ist nicht auf meinen Mist gewachsen, hab ich auch nur gelessen von jemanden der schon mehrere Touren in großer Höhe gemacht hat aber du hast schon Recht ist relative viel mal sehen wieviel ich im März reinbringe,
da geht es bis 5400 Meter hoch.
Ich mische in mein Wasser immer Mineralstoff und Vitamin Tabletten.
Bernd -
Hi Bernd!
Das ist doch kein Problem. Denn im Grunde hast Du ja tatsächlich Recht. Ich habe Deinen Beitrag nur ergänzt und darauf hinggewiesen, dass es trotz des guten Tips von Dir einige Dinge gibt, die unbedingt beachtet werden müssen.
Keiner verlangt, dass jemand alles weiß und ich selbst wäre der letzte, der das von sich behaupten würde
Auch wenn man hier vielleicht manchmal diesen Eindruck von mir gewinnen könnte 
Ich hoffe, Du wirst uns nach Deinem Abenteuer hier oder in Form eines Reiseberichtes erzählen, wie es Dir gegangen ist. Ich liefere die Theorie und Du das real erlebte.Schönes Wochenende
Delfo -
Hallo Jungs,
danke erstmal für die vielen Tipps. Das mit den Mineralien & viel Trinken ist gut und kann man auch recht einfach berücksichtigen.Was mich etwas gewundert habt, ist das eine Höhe von 3000m schon so kritisch sein soll. Ich hab eben mal geguckt,also wenn wir von Frankfurt nach Quito/Ecuador fliegen, sind wir direkt auf 2.800m, dort in der Region werden wir uns einige Zeit aufhalten und dann nach Cusco/Peru fliegen. Das liegt dann schon auf 3.400m. Wenn man dann mit dem Bus z.B. richtung Lima fährt kommt man ganz schnell auf über 4.000m.
Natürlich braucht man immer Zeit sich zu aklimatisieren, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Trip nach Cusco/MachuPichu für einen gesunden Menschen an sich schon so kritisch sein soll. -
Jeder menschliche Organismus reagiert auf Höhe anders. Ich habe in Sacsayhuamán, das liegt um die 300m höher als Cuzco, junge Sportler (einer war Bergsteiger, der andere lief täglich 12km) kennengelernt, die mir erzählten, dass sie seit drei Wochen in Peru wären und sich langsam an die Höhe angepasst haben. Trotzdem hätten sie noch immer erhebliche Probleme mit der Höhenkrankheit und all den Auswirkungen.
Auf der anderen Seite fuhr mit mir im Zug über den La Raya-Pass (4400m) eine ältere Dame (um die 62 +/-). Bei ´nem Schwätzchen tauschten wir so unsere Erfahrungen aus. Dabei erfuhr ich, dass ihr bislang die Soroche überhaupt nichts ausgemacht hat. Weder Erbrechen noch Schwindel noch Kopfschmerzen.
Treffen kanns also jeden. Und was früher mal gesagt wurde, gar geschrieben stand, dass Durchtrainierte weniger Probleme haben, gilt heute schon lange nicht mehr.
fio -
@fio,
auf alle Fälle gilt doch immer noch: Trinken, trinken, ....aber keinen Alkohol, und viele Mineralien zu sich nehmen. Außerdem Höhenaufstiege ganz gemächlich angehen lassen, sonst wird der Erste leicht der Letzte sein!
Selbstüberschätzung und Ignoranz der ersten Anzeichen, wie Du schon ausgeführt hast, können, aber sie es müssen nicht, erhebliche Konsequenzen haben!
Das ist induviduell verschieden. Aber man muß unbedingt auf die ersten, kleinsten Anzeichen achten.
Schlimmer kommen kann es immer!Gruß
Dieter -
Hallo,
komme gerade aus Nepal zurück, dort wird als Faustformel gesagt pro 1000Meter min 1 Liter Flüssigkeit egal ob als Trinken oder Essen (Suppe). Gut ist es auch Knoblauchsuppe zu essen verdünnt das Blut zusätzlich. Ab 3000 Meter sollte man diese Faustformel anwenden, lieber etwas mehr als weniger. Ab 4000 Meter ist das echt eine Quälerei hab mir lieber ca. 1 Liter mehr eingeflöst, hatte aber keine Probleme (2 Tage lang 6Liter pro Tag da ist man nur am pinkeln). Wichtig auch noch hoch gehen tief schlafen, das heißt man sollte am Tag sich eine gewisse Zeit einige Hundert Meter höher aufhalten und dann zum schlafen wieder absteigen man schläft dadruch besser.
Gruß Bernd
Noki