Hallo!
Wir sind frisch zurück aus Hammamet und hatten tolle zwei Wochen.
Unser Hotel war nicht "leer", wie wir befürchtet hatten, da die fehlenden Europäer durch Tunesier und Algerier ersetzt wurden. Aber Überfüllung herrschte auch nicht. Für Urlauber eigentlich eine schöne Situation...
Es gab immer 2 Polizisten an der Einfahrt (plus das Sicherheitspersonal des Hotels) und am Strand (zumindest tagsüber), aber es war weit entfernt von "sonnen im Schatten von massiver Bewaffnung". Sie gehörten eher zum bunten Strandbild 
Es war kein Problem das Hotel zu verlassen und "draußen" einkaufen zu gehen - nur in der Medina wird es problematisch als mehr oder weniger einziger Tourist bei ca. 100 Läden, die etwas verkaufen wollen 
Und weil wir im Urlaub nicht nur am Strand liegen können, haben wir auch kräftig in die Touren-Kiste gegriffen: Karthago, Dougga, 2-Tages-Tour in den Süden. Allerdings zeigte sich schnell, dass die Touren ein Problem waren - sie fanden nämlich zum Großteil gar nicht statt, weil die wenigen europäischen Touristen, die da waren, eher Tour-scheu waren und somit nicht genügend Teilnehmer zusammen kamen. Also haben wir Karthago und Dougga per Privattaxi gemacht (was ab 3 Personen das selbe kostet und viel individueller ist lol). Auch wenn es böse klingt: Ich fand es gut, dass so viele Leute Angst vor den Touren hatten (auch wenn ich nicht verstehe warum...) - wir hatten Karthago quasi für uns allein - und wann hat man das schon mal?! Dougga war atemberaubend! Ich verstehe nicht, warum das in Tunesien nicht stärker vermarktet wird als Unesco Weltkulturerbe... Privattaxi hin, 7 Dinar Eintritt pro erwachsener Nase (der 10jährige musse noch nicht zahlen) und dann einen lokalen Führer für 20 Dinar => und schon hat man ein Weltkulturerbe zum anfassen erlebt. Die 2-Tages-Tour hat Gott sei Dank stattgefunden (das wäre privat dann doch zu teuer geworden), wir haben die benötigten 5 Leute zusammenbekommen und sind dann mit 5 Touris, einem Fahrer und einem Guide losgezogen. Auch hier waren wir fast überall allein. Die Bergoase wurde gestrichen (weil direkt an der algerischen Grenze), die Übernachtung fand statt in Douz in Tozeur statt, weil das sonst in Douz angesteuerte Hotel laut Guide geschlossen hat. Auch in Tozeur waren wir im Hotel quasi allein (noch 3 andere Gäste), Mittagessen unterwegs waren wir immer die einzigen Gäste in den Restaurants (das war schon ein seltsames Gefühl, aber eher traurig als beängstigend). Allein das Feuerwerk in Tozeur nachts gegen 22.30 h hat uns alle aus dem Betten hochschrecken lassen - aber auch nur für einen kleinen Moment lol Wr sollte schon ein Hotel mit 8 Gästen angreifen? Die würden sie in den 100 Zimmern ja auch erst mal suchen müssen 
Zur Sicherheitslage insbesondere bei der 2-Tages-Tour: Überall waren Kontrollen, Verkehrsknotenpunkte, Ortsein- und -ausfahrten, Hotelzoneneingänge. Es standen dort auch nicht nur einfach Leute rum, es wurde aktiv kontrolliert (aber natürlich nicht jedes Auto - sonst kommt ja keiner mehr vorwärts), sobald ein Auto fertig kontrolliert war, wurde das nächste herangewinkt, z.T. auch vorher schon. Unser Minibus, als Touristentour gekennzeichnet, wurde im Norden noch überall durchgewinkt, anders im Süden, wo unser Fahrer und unser Guide mehrfach genau kontrolliert wurden und zu uns hinten ins Auto gesehen wurde. Hätte jemand versucht uns zu entführen und mit dem Touri-Bus locker an der Polizei vorbeizufahren - es wäre voll schief gegangen 
SummaSummarum: Es war mal wieder ein toller Urlaub in Tunesien. Da mein Zwerg jetzt alt genug zum mitkommen war, konnte ich mir endlich mal die wunderbaren Kulturschätze und die erstaunliche, erstaunlich variantenreiche Natur Tunesiens anschauen - und das noch ohne den üblichen Massenrummel. Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Nur des öfteren traurig, weil dieses wunderbare Land so schlimme Zeiten durchleben muss und weil so viele Tunesier jetzt deutlich weniger verdienen (nicht nur das Hotelpersonal, das um eine Arbeit bangt, sondern auch die Veranstalter von Touren, die Fahrer, die Giudes usw.)
Wer dasa Glück hatte noch einen Flug zu ergattern sollte auf jeden Fall nicht vor Touren zurückschrecken. Die Tunesier als Volk sind herzensgute Menschen, freundlich, fröhlich und hilfsbereit. Und mal ehrlich - gab es bei uns mit der RAF nicht auch mal eine Terrorgruppe im Land? Ich bin auch in den 80ern von Süd- nach Nordirland gefahren, trotz IRA, und habe überlebt. Für mich ist Tunesien nicht gefährlicher als Frankreich, USA (nicht vergessen: da darf quasi jeder eine Waffe tragen!), Türkei (PKK) oder Ägypten. Ich habe mir auf meinen Ausflügen außerhalb des Hotels in Hammamet weniger Sorgen um meine Sicherheit gemacht, als in New York oder in Paris.
Allen noch schöne Ferien in Tunesien!!