Moin zusammen! Dass die Hurtigruten diese Preise "verlangen", hängt schlichtweg damit zusammen, dass der Großteil der Schiffsbesatzungen eben nicht aus philippinischen Billigarbeitern besteht, sondern aus norwegischem Personal mit einer landestypisch fairen Entlohnung. Qualität hat eben ihren Preis und auch bei uns wäre das Heulen und Zähneklappern endlos, wenn unsere Jobs durch asiatische Billiglöhner gekapert würden, oder? Es ist eben immer die entscheidende Frage, auf welcher Seite der Theke man steht: als Kunde oder als Dienstleister...
Dass Norwegen zufällig das teuerste Land Europas ist, muss man akzeptieren. Dünn besiedelt, extrem hohe Preise und Steuern, natürlich auch ein gehobenes Einkommensniveau im Vergleich mit unserem, jedoch längst nicht so hoch, dass es dem Durchschnittsnorweger möglich wäre, so exzessiv zu konsumieren wie man es in Deutschland tut. Der wöchentliche Billigklamotteneinkauf bei Primark gehört in Norwegen eher nicht zum Standard, Protzerei und Angeben ist verpönt, was ich als sehr angenehm empfinde. Da dackelt auch der Milliardär schon mal am Samstag in Gummistiefeln zum Dorfladen, um die Brötchen zu holen und hält ein Schwätzchen mit anderen Bewohnern. Bewusster Konsum auf einem vernünftig-gemäßigten Niveau und die zuvor beschriebenen Zustände machen, Überraschung, die norwegische Gesellschaft zur glücklichsten auf der Welt (zusammen mit Dänemark, wo ähnliche Verhältnisse herrschen). Wie sagt mein Lieblingskabarettist so bildhaft: "Das, wovor wir Deutsche Angst haben, genau das macht glücklich. Toi, toi, toi."
Zurück zur Kreuzfahrt: Die norwegische Küste gehört in weiten Teilen zu den regenreichsten Gebieten Europas. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es da weit mehr Regen- als Sonnentage. Das Wetter ist wie in den meisten Regionen Mittel- und Nordeuropas nicht langfristig prognostizierbar und das beschriebene Zwiebelprinzip ist genau richtig. Regenfeste Jacke, Regenschirm, Festes Schuhwerk, und vielleicht zwei Pullis oder Sweatshirts zum Unterziehen, das sollte reichen. Kreuzfahrten Richtung Nordkap ziehen viele Naturliebhaber an, die wenig Wert auf zu exzessive Aufbrezelei legen, man läuft rustikal-komfortabel und in praktischem Outfit herum und es ist völlig normal, wenn man bei jedem Landgang dieselbe Outdoorjacke trägt - es gibt kein modisches Schaulaufen. Also möge man sich entspannen, was die Klamottenmenge betrifft. Vor zwei Tagen war ich in Oslo. Da gab es Dauerregen um den Gefrierpunkt, in Schnee übergehend. Der Weg zum Flughafen Gardermoen war wie eine Tour durch's Winterwunderland, während in Deutschland die Temperatur über 25°C bei strahlender Sonne kletterte. So extrem kann's sein...