Hallo 
auch ich habe meine Erfahrungen mit Praktikawelten auf Sansibar/Nungwi gemacht.
Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass alles großteils reibungsfrei funktioniert hat, wurde problemlos abgeholt und ins Praktikaweltenhaus gebracht. Am ersten Tag in der Schule wurde ich lieb aufgenommen und es hat auch Spaß gemacht.
Jedoch habe ich einige Dinge, die ich generell an Praktikawelten anzumerken habe, die nicht unbedingt toll sind. Meine Reise wurde nur gering davon beeinflusst, finde aber dass es auch veröffentlicht werden sollte.
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Der erste Punkt betrifft das Geld. Für 4 Wochen Aufenthalt musste ich ca 1300€ bezahlen, was an sich für mich plausibel klang, da ich erwartet habe, dass damit auch die Arbeiter für Praktikawelten angemessen bezahlt werden. War auch sehr positiv überrascht, da wir 24h täglich einen "Aufpasser" rund um das Haus hatten. Bis wir uns mit ihm unterhalten haben. Er erzählte uns (auf Englisch), er verdiene - obwohl er wochentags jeden Tag die komplette Nacht für uns Wache steht - nicht genug, um seine Familie zu ernähren, und er habe unter Tags einen anderen Job, den er ausüben muss, um über die Runden zu kommen. Das finde ich sehr sehr traurig, da meiner Meinung nach die Organisation dafür sorgen sollte, dass ein Arbeiter nicht zusätzliche Jobs braucht, um genug zu verdienen.
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Auch der zweite Punkt betrifft Geld, dieses Mal geht es aber um die Versorgung vor Ort. Uns wurde gesagt, dass im Haus immer genug zu essen sei, nämlich außerhalb der gekochten Mahlzeiten stehe Brot, Obst, Gemüse und Eier auf jeden Fall zur Verfügung. Dies waren leider leere Versprechungen. Wir mussten öfters darum betteln, dass Rahma einkaufen geht und mussten viel aus eigener Tasche bezahlen.
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Punkt 3 betrifft allgemein die Einstellung. Ich kam an, hatte mit der Koordinatorin vor Ort die Village Tour und konnten uns somit mit ihr viel unterhalten. Zur Erkärung: sie ist diejenige, die die Schule in der ich unterrichtet habe, aufgebaut hat. Wir Voluntäre waren aber auch in andere Schulen eingeteilt. Natürlich ist es für die Kinder in den jeweiligen Schulen am besten, wenn ein Voluntär lange da ist. Auffallend war jedoch, dass die Voluntäre mit langem Aufenthalt eigentlich nur in einer Schule vertreten war: der Kwetu school umoja. Die Worte der Koordinatorin schockierten mich sehr: "Die Voluntäre, die lange bleiben, schnappe ich mir immer sofort für meine Schule!" Und wir alle dachten uns nur: "OK? Die anderen Schulen sind egal?" Immerhin geht es hier nicht nur um die eine Schule, auch nicht um Image dieser Schule oder sonstiges. Es geht beim Projekt darum, so viele Schulen wie möglich gleichberechtigt zu unterstützen. Immerhin war die eine Schule besonders gut ausgestattet, und als ich ankam waren 6 Freiwillige in dieser Schule, in einer anderen, die auch (eigentlich) von Prakikawelten unterstützt werden sollte, war kein einziger eingeteilt. Niemand. Das finde ich extrem schade und lässt mich darüber nachdenken, ob es den Zuständigen schon um die Kinder geht, oder doch nur um gutes Image oder Ähnliches.
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Eine Sache hat mich noch gestört: Bei der Anmeldung wird ein Zertifikat versprochen. Meines wurde vor Ort einfach vergessen. Ich habe mich unten schon etwas beklagt, und angemerkt, dass ich es unbedingt haben möchte. Gesehen habe ich es jedoch nie. Habe jetzt eine Email an Praktikawelten geschrieben und ich bekam nun eine PDF-Datei mit dem Zertifikat. An sich keine Tragödie, jedoch ist es nicht mehr als eine Kopie, das Original mit der echten Unterschrift und dem echten Stempel werde ich wohl nie sehen, worauf ich aber sehr viel Wert gelegt habe.
Wie gesagt, all diese Punkte haben meine Reise selbst wenig beeinflusst und trotz allem muss ich sagen, dass der Aufenthalt auf Sansibar ein wahnsinns Erlebnis war, das ich nie wieder vergessen werde. Man bekommt Einblicke in das Leben in einem Entwicklungsland, die wohl für Urlauber nur schwer nachzuvollziehen sind, diese Erfahrung möchte ich nie wieder missen.
Habe mich auch für eine Organisation entschieden, weil ich mich persönlich dabei sicherer und wohler gefühlt habe, als auf eigener Faust.
Falls sich jemand von euch für eine Reise mit Praktikawelten entscheidet, gebe ich nur folgenden Tipp: Erwarte nicht allzu viel, dann wirst du den Aufenthalt auf jeden Fall sicher genießen können.
Das wars 