Also ich bin auch schon in einigen Ländern dieser Welt gewesen, habe auch die Türkei als Individualreisender besucht und sehr viele angenehme Erinnerungen. Ich glaube auch an die viel zitierte Gastfreundschaft der Türkei.
Nur: ich muss auch wissen, dass wenn ich mich in so einem Land befinde, dass dort einfach andere Gesetze herrschen. Tatsache ist doch, dass die Türkei ihre Gesetzte anwendet. Immerhin hat die Polizei auf eine Anzeige reagiert (was wäre denn für ein Geschrei, wenn ein Mädchen vergewaltigt würde und die Polizei reagiert nicht, weil es Ausländer sind???) Wenn wir jetzt die Freilassung fordern (was natürlich legitim ist), so sollten wir uns bewusst sein, dass wir uns in das Rechtssystem eines Staates einmischen. Wo sind die Grenzen, ab wann sich die Politik einmischen soll? Beispiele: wenn einem Drogenschmuggler in Malaysia die Todesstrafe droht, oder wenn einer in Saudi-Arabien bestraft wird, weil er Alkohol trinkt, wenn einer in der Türkei die Landesgesetze bricht?
Das ist leider das Fatale an dem Massentourismus: es wird einem vorgegaukelt, dass man im Urlaubsland nur Friede/Freude/Eierkuchen vorfindet. Da wird man in Urlaubskasernen streng von der Umwelt geschützt, denn man könnte ja auch etwas von dem Elend drumherum mitbekommen, was unter Umständen die Urlaubsfreude trüben könnte (den Reisepreis natürlich mindert). Auch wenn die Hochglanzprospekte der Veranstalter viel versprechen: wir befinden uns dann in Ländern mit anderen Traditionen, Gebräuchen und Gesetzen. Dass dies die Deutschen in der Regel wenig schert ist aus den Urlauberhochburgen ja bekannt.
Bevor also jetzt alles über die Türkei schimpft, sollte man erst einmal das Recht auch Recht sein lassen: es gibt eine Anzeige gegen den Jungen und die Behörden müssen dem nachgehen. Ob er bei uns straffrei ausgehen würde, darf doch nicht interessieren - wie gesagt in Saudi Arabien gibt es auch die Rübe ab wenn man mit einer Flasche Whiskey erwischt wird. Es gibt ein alter Spruch: andere Länder andere Sitten.
Ich habe übrigens schon lange meine Konsequenz gezogen: seit ich mit meiner Frau zusammen bin (20 Jahre) vermeiden wir Länder, in denen der Islamismus stark ausgeprägt ist. Denn meine Frau möchte auch einmal alleine über einen Markt gehen, ohne dauernd angebaggert zu werden. Und wir möchten uns vom Urlaubsland unsere Kleidung nicht aufdiktieren lassen - genausowenig wir wir uns über die Landesbräuche bezüglich Kleidung einfach hinwegsetzen möchten.
Viele Grüße
Rolch