Plattform von Michel Houellebecq
"Plattform" ist der Skandalroman aus dem Jahr 2001. Ein Kritiker des Spiegel hat Plattform Houellebecqs "ersten Liebesroman" genannt. Und in der Tat, Liebe ist auch drin. Der lethargische Beamte Michel lernt bei einer mäßig spaßigen Thailandreise Valérie kennen, eine Frau, die eigentlich in allen Belangen eine Nummer zu groß für ihn ist: hübsch, jung, erfolgreich, lebensbejahend. Man trifft sich wieder, sie werden ein Paar, sie macht Karriere in der Tourismusindustrie, Michel unterstützt sie, wo er nur kann, zwischendurch haben sie sehr guten, ehrlichen Sex und Michel eine Geschäftsidee: "Auf der einen Seite hast du mehrere hundert Millionen Menschen in der westlichen Welt, die alles haben, was sie sich nur wünschen, außer dass sie keine sexuelle Befriedigung mehr finden (.) und auf der anderen Seite gibt es mehrere Milliarden Menschen, die nichts haben, kläglich verhungern, jung sterben, unter ungesunden Bedingungen leben und nichts anderes mehr zu verkaufen haben als ihren Körper und ihre intakte Sexualität. (.) das ist die ideale Tauschsituation." Eine Clubhotelkette wird ins Leben gerufen, die auf diesem "Tauschgeschäft" basiert, natürlich sehr erfolgreich. Aber nicht lange, denn die Welt in Gestalt mordender Fundamentalisten schiebt sich dazwischen. Valérie stirbt bei einem Attentat. Michel ist wieder allein, Ende. Explizite Sexszenen, islamfeindliche Aussagen, Feminismuskritik, das Buch hat alles, was ein Autor so tut, um zu provozieren und sich Feinde zu machen. Wer glaubt, dass Kunst genau dies tun sollte, liebt Houellebecq, wer glaubt, dass Kunst so nicht sein darf, hasst den Autor oder ignoriert ihn besser.