Ob man blauäugig ist, wenn man heute Venezuela bereist, sei mal dahingestellt. Auch das EDA (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten) schreibt: „Bei Reisen nach Venezuela ist der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Die politische Lage ist gespannt und Gewaltkriminalität weitverbreitet“.
Vielmals sind Touristen die als wandelnde Video- und Schmucksäulen in der Gegend rumwatscheln und mit Geld um sich werfen selber schuld, wenn sie von Ganoven überfallen oder in gewissen Bars bis aufs Hemd ausgenommen werden. Man sollte sich strikte an die Anweisungen der Tour Operators halten, die mit den Gegebenheiten vor Ort bestens bekannt sind. Für Individualreisende sieht es etwas anders aus. Grosse Flexibilität und gute Spanischkenntnisse sind ein absolutes „MUSS“, wenn man das Land auf eigene Faust und ohne Guide mit Bus, Sammeltaxi, Flieger und Miet-Pkw bereisen will. Aber es lohnt sich in jeder Beziehung. Für mich ist Venezuela, verglichen mit anderen Lateinamerikanischen Staaten, die ich auch geschäftlich bereist habe, immer noch das abwechslungsreichste Land Südamerikas. Schneebedeckte „Hügelchen“ in den Anden, geheimnisvolle Urwälder, Savannen und nicht zuletzt die trotz Massentourismus immer noch einmaligen Karibikstrände. Und nicht zuletzt, eine Fiesta mit Musik und Tanz bis in die frühen Morgenstunden, inmitten aufgestellten Einheimischen irgendwo im Innern des Landes oder an der Küste muss man erlebt haben. Südamerikanisches Flair in Reinkultur – trotz wirtschaftlicher Misere!
Ich geniesse das Privileg, voraussichtlich nächstes Jahr ehemalige einheimische Geschäftsfreunde in Venezuela zu besuchen und mit ihnen das Land einmal mehr bis in die hintersten Winkel kreuz und quer zu bereisen. Und mit Sicherheit etwas wehmütig an alte Zeiten zurückdenken, als ich mit der Fähre inmitten „Eingeborenen“ die Bucht von Maracaibo oder den Orinoco bei Ciudad Bolivar überquerte, weil damals noch weit und breit keine Brücke vorhanden oder an Robinsonaden auf menschenleeren vorgelagerten „Inselchen“. Leider muss ich, sowie es aussieht, auf einen geplanten abenteuerlichen Landwegtrip von Venezuela nach Kolumbien verzichten. In ein Scharmützel zwischen Drogendealern und Polizisten zu geraten ist nicht so mein Ding.
So oder so -- JederMann/Frau muss selber entscheiden, ob eine Reise nach Venezuela unter der heutigen politischen Lage verantwortbar ist. Auch in unseren Breitengraden gibt es vermehrt „böse Buben“ und spontane Demos, von denen man sich tunlichst fernhalten sollte!
Pesche