Ohne Geld durch Deutschland - ich habs gemacht :-)!
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Hallo,
auf meiner 14 Monatigen Weltreise war ich auch 100 Tage in meinem Heimatland Deutschland unterwegs. Die letzten 40 Tage davon komplett ohne Geld.
Ich habe meine Reise in diversen Videos dokumentiert, eine kurze Zusammenfassung meiner Deutschlandreise findet Ihr hier in einem 6 minütigen Video:
http://www.youtube.com/watch?v=RfFDtJ2pyDM
Deutschland ist wunderschön, die Menschen so offen, nett, neugierig, Reisen ohne Geld so einfach. Die Reise hat mein Weltbild nachhaltig verändert.
Würde mich über Kommentare oder Kritik zum Video freuen und über eine Diskussion was ihr von dieser Art zu Reisen haltet, ob ihr es Euch selbst auch vorstellen könntet.... -
Sagt Tünnes zum Schäl:
Ich wandre aus nach Amerika, suche mein Glück und nehme nur einen Apfel mit.
Warum einen Apfel?
Meine Schwester hat nur eine Pflaume mit genommen und hat jetzt ein Haus, Auto, Chauffeur usw.
Alter Witz meines Vaters, Gott hab ihn seelig -
hallo [intothewild](javascript:showPopUp('/mhcuserprofile?userId=2150429', 'mhcprofile')
Das Video gefällt mir sehr gut! Wunderschöne Bilder!
Aber für die Abstimmung fehlen:
...das mache ich auch!
...Niemals würde ich sowas machen.
@lexilexi er hat jongliert! Video anschauen dann werden Deine Fragen beantwortet.
@mabysc: er hat wohl keinen Beruf: vermutlich Arbeitslos -
Also wie im Video zu sehen habe ich mit Jonglieren meinen Lebensunterhalt verdient. Ich habe mich mit einem Hut und 4 thailändischen Jonglierbällen, einem Schild auf dem Stand "Ohne Geld durch Deutschland" und 6 Fotos meiner bisherigen Tour in die Fußgängerzonen gestellt, und habe damit meinen Tagesbedarf für Essen, Trinken, Eintrittsgelder für Museen und Schlösser, etc zusammenjongliert.
Das war wie ich fand alles recht legitim, jeder wusste sofort das ich nicht jongliere um zu überleben, sondern um einen kleinen Traum oder ein idielles Projekt umzusetzen....Jeder der was dafür überhatte hat mir etwas gegeben, und das gerne. Manche sogar richtig viel! Eine alte relativ versnobte Frau drückte mir 20 Euro in die Hand, und oft habe ich gemerkt das die Leute selbst eine gewisse Sehnsucht verspührten aber Sie nie ausgelebt haben. Ich hatte so viele interessante Gespräche in Deutschen Fußgängerzonen, unglaublich ;-)!
Bei Eintritten habe ich mich auch öfters als Schüler ausgegeben (diese Notlüge fand ich legitim denn ich hatte ja kein Einkommen) oder Kassenwärter denen ich die Geschichte erzählt habe haben mich von sich aus mit dem ermäßigten Tarif von sich aus reingelassen.
Und ab und zu habe ich dann bei Leuten gefragt ob sie eine Wiese oder ein Feld für mein Zelt hätten oder wüssten wo es niemanden stören würde. Aber ein Feld oder eine Wiese bereitzustellen tut ja niemandem finanziell weh, und mehr habe ich da auch nicht erwartet. Ich habe übrigens nur einmal ein NEIN zu hören bekommen, und hätte von den "Deutschen" die doch so oft als ängstlich, spießig und reserviert gelten etwas ganz anderes erwartet....Und getrampt habe ich natürlich viel. Sonst habe ich wild gecampt, couchsurfing.com genutzt, was in Deutschland auch eine sehr große Anhängerschaft hat, oder auch mal in Lindau unter klarem Sternenhimmel und Fönwind eine traumhafte Nacht unter der Seetreppe verbracht

Bekommen hab ich jedoch noch viel mehr als ich erwartet habe. Eine Fahrradreperatur, Einladungen zum Essen, Übernachtungsangebote, Lunchpackete, was zu trinken und selbst am hochtouristischen Königsee hat mir der Läberkäsverkäufer von dem gegenüber ich jonglierte einen ausgegeben und sein Trinkgeld gestifttet...

Arbeitslos war ich nicht, denn erstens habe ich jongliert, und bin davon über die Runden gekommen, und zweitens ist nur der Arbeitslos der arbeiten will und keine Arbeit hat. Ich habe niemandem auf der Tasche gelegen, keinerlei Bezüge erhalten, und habe tatsächlich von dem Leben können was mir der Hut hergibt. Das ging über Wäscherei, bis über neue Schuhe (hätt ich mal bessere gekauft und nicht am falschen Ende gesparrt) bis zur Praxisgebühr und den Arztkosten.
Das ging natürlich auch nur gut weil ich super viele Leute hatten die mich unterstützt haben, aber das gerne, und das war mir wichtig. Außerdem hatte ich das Gefühl den Leuten durch den Gedankenaustausch in der Fussgängerzone auch etwas zurückzugeben. Und wenn keiner Geld rausgerückt hat haben sich zumindest die Kinder gefreut.
Am Anfang (die ersten 60 Tage) habe ich mich nicht getraut ganz so radikal zu sein. Die letzten 40 Tage dann wie gesagt komplett ohne einen Cent. Essen, Kleidung, Artzbesuch. Ich habe es am Ende beendt weil ich einen Ermüdungsbruch im linken Fuss hatte und dadurch auch immer langsamer wurde, ich musste 50 Euro Notreserve abholen, die ich als Eurochecks mitgenommen hatte, und dann beschloss ich das es Zeit war das Experiment zu beenden. Sonst hätte ich evtl. in einem Weinanbaugebiet oder aber auf dem Oktoberfest nach einem Aushilfsjob gesucht um Geld zu sparen fürs weitermachen.
Gestern habe ich nun endlich nach Ewigkeiten meinen Gips abbekommen. Ich hatte es etwas übertrieben mit dem Radfahren, Wandern und Trampen. Meine Knie haben auch einen langfristigen Schaden.Habe meinem Artzt versprechen müssen ersteinnmal keinen "Gewaltmarsch" mehr zu machen
Hoffe ich habe alle Fragen beantwortet, beantworte sie gerne 
Tobi
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Lieber Tobi
Du schreibst sehr symphatisch, das war ja ein Abenteuer!
Wie geht es nun weiter?
Kannst Du Dich ohne Probleme an einen normalen Arbeits - Prozess gewöhnen?
Willst Du überhaupt einer geregelten Arbeit nachgehen?
Ohne dass Du ständig Sehnsucht nach der weiten, freien Welt hast?
Gruss ALICE -
@tobi
wirklich sehr spannend, dein beitrag.
ich bin überrascht, dass du so viele positive resonanz erfahren hast und dass du unterstützung von vielen menschen erhalten hast.
wirklich sehr interessant, was man über uns deutsche erfährt.
ich wünsche dir gute besserung. -
Also alle haben mir gesagt ich werds sehr sehr schwer haben nach so einer Reise wieder arbeit zu finden, ich war ja insgesamt 14 Monate weg. Ständig Fragen wie: Wer will dich dann schon einstellen???Du bist ja garnicht mehr qualifiziert, und selbst wenn du was neues anfangen willst, denkst du das ein Personalchef deine Späßchen gutheißen wird?
Innerhalb von 4 Wochen habe ich es vom Produktionshelfer über den Vertrieb eines großen Stromanbieters wieder an den Schreibtisch eines mittelständischen Unternehmens geschafft wo ich in meinem alten Beruf arbeite.... (Was für ein Verschleiß, 3 Arbeitgeber in einem Monat :D)
Die Sehnsucht nach der großen freien Welt ist ungebrochen, und ich bin mir auch nicht sicher ob es das schon gewesen ist. Der Schritt wieder hinter den Schreibtisch in die Alltägliche Routinearbeit ging schneller als mir das lieb war. Und nun hab ich auch sofort super Angebote.
Mal schauen was die Zukunft bringt. Es zieht mich regelrecht wie ein Sog wieder in meinen alten Beruf den ich noch nie so richtig gemocht habe. Aber erstmal muss ich etwas Geld verdienen. Vielleicht gelingt es mir ja eine Zukunft zu gestallten wie ich sie mir erträume....
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danke Tobi, dass du uns teilhaben lässt
ich finde diese ansprechende Reportage, gänzlich abseits von den allgemeinen Wehklagen der Wohlstandstouristen hier, auf jeden Fall sehr erfrischend
@mabysc
junge Leute haben im Gegensatz zu uns alten Esel
z.B. noch Semesterferien und auch Träume und wenn es auf diese Art und Weise geschieht…Respekt davor… ich hätte es mir niemals nicht getraut -
Oft heißt es ja Leute sind woanders gastfreundlicher. "Sowas funktioniert in Deutschland nicht". Warum nicht? Weils keiner ausprobiert! In zeiten des Massentourismus der die Welt verändert fand ich es um so interessanter es vor der eigenen Haustür zu machen. Wo sonst kann man so authentisch reisen?
Also die "Deutschen" waren schon saucool. Ich glaube manchmal wäre ich selbst nicht so cool gewesen. Ich hab mir vorher überlegt wie es wäre wenn bei meinen Eltern oder meinen Freunden jemand klingeln würde. Da würde niemand eine Tür aufmachen so dachte ich. Warum also durchweg positive Erfahrungen?
Nun, zum einen haben mir die Leute immer gesagt das es darauf ankommt wie die Leute auftreten, und mir wurde durchweg eine sehr nette, aufgeweckte und sympatische Art bescheinigt. Es kommt sicherlich darauf an wie man fragt, und was man den Leuten erzählt.
Man sollte ehrlich und authentisch sein, und mit einem großen Backpack auf dem Rücken ist man keine potentielle Gefahr. Oft habe ich gemerkt das Leute anfangs sehr etwas vorsichtig waren. Ich erinnere mich an den 87 Jährigen Johannes und seine zweite "Mutti" tief in der Oberlausitz. Er sass Kartoffeln schälend auf der Veranda, als ich ihn ansprach, er war ja schon draußen. Am anfang vorsichtig, etwas misstrauisch wandelte sich das ganze in einen unglaublichen Abend.
Nach 2 Minuten war klar: Ich kann mein Zelt aufstellen. In Kreisbewegungen führte er zufällig arbeiten wie Gänseblümchen zupfen oder Geranien gießen aus und die Kreisbahnen wurden dann immer enger bis er direkt vorm Zelt stand. Der "Fremde" im Garten wurde also erstmal vorsichtig beäugt. Wir begannen uns erstmal über früher zu unterhalten. Im Krieg sei er gewesen, und was er nicht schon alles gemacht hätte.
Er ging, um nach 10 Minuten wiederzukommen. Ob ich duschen möchte? Was Essen möchte? Das Duschen nahm ich an, aber meinte ich kann mir selbst eine Dose Ravioli machen, schließlich wollte ich den alten Leuten keine Arbeit machen. Als ich aus der Dusche kam hatte seine "zweite Mutti" wie er seine zweite Frau liebevoll nannte schon ein Festtagsbüffet aufgefahren. Über Lachsscheiben, diverse Brotsorten, Knäckebrot und Toast, Käse, Wurst, Joguhrt, Salate war alles vorhanden.
Der Abend war höchstinteressant, es wurde viel erzählt und gelacht, und zwischendurch erwähnte ich wirklich ohne Hintergedanken, ich müsse in Dresden mein Fahrrad-Lager machen lassen, das wäre total hinüber. "Na ich bin dochn gelernter Schlosser, wäre dochn Witz wenn ich das nicht mehr hinbekomme".
Ich wollte dem alten Mann wirklich keine Arbeit machen, lehnte dankend ab und ging dann schlafen. Am nächsten Morgen wachte ich um 8 Uhr von Hammerschlägen auf. Johannes stand in seiner Werkstatt und hatte das Lager bereits zerlegt. Als ich wortlos vor ihm stand sagte er nur "Geh du erstmal richtig frühstücken, steht schon alles da". Diesmal war der Küchentisch sogar verlängert ausgezogen. Mutti war schon früh zum Becker und hatte Brötchen geholt. Mir war das schon fast unangenehm.
Ich ging später raus und half Johannes. Am Anfang hatte ich angst er würde das Fahrrad nie wieder zusammenbekommen und das nächste Radgeschäft war ca. 20km entfernt. Mit zittrigen Händen arbeitete er sich vor. Dieser alte 87 Jährige Mann bastelte ein komplett neues Kager inklusive Lagerkäfig aus alten Militärlagern aus NVA bestand! Ich war begeistert! In 2 Stunden.
Als ich mich bedankte und meine Sachen zusammensortierte Kam Mutti mit einem Lunschpacket. Tunfisch, Käse, Joguhrt, belegte Brote und 20 Euro, 10 von Mutti, 10 von Johannes. "Und die geben wir gern".
Dieses alte Paar beschäftigte mich noch lange. Ich habe mich später per Postkarte noch einmal bei Ihnen bedankt. Das war reine Gastfreundschaft. Und der Johannes ist mit seinen 87 Jahren nochmal richtig aufgeblüht. Vielleicht war es lange her das ihn jemand als Schlosser gebraucht hat. Vielleicht sind die beiden sonst auch eher einsam.
Und es sollten weitere Begegnungen dieser Art folgen. Egal ob 16 oder 87, die Reaktionen waren gleich. Ich denke wir leben in einem Land das relativ dicht besiedelt ist. 80 Millionen Menschen. Auf so engem Raum. Dadurch geht man sich oft auf den Keks, im Arbeitsleben herrscht oft Ellenbogenmentalität, viele fühlen sich wie im Hamsterrad der Dienstleistungegesellschaft, jeder ist beschäftigt mit seinem eigenen kleinen Leben.
In der Regel führt das zu einer egoistischen Daseinsform. Und zu einer misstrauischen. Vielleicht ist es gerade dieser Kontrast den ich den Leuten geliefert habe, der sie kurz aufblicken lässt und sie dazu führt etwas anderes zu unterstützen.
Ich habe in Dortmund Rowi den Clown getroffen. Der sagte mir: Wenn du jonglierst oder etwas aufführst, dann geben dir die Leute das Geld in erster Linie nicht für das was du tust. Viel eher wird ein Traum verkauft. Ein Traum von Freiheit und Abentteuer. Wenn Sie dir einen Euro in den Hut werfen oder dich unterstützen, dann Leben sie, wenn auch nur für einen kurzen Moment, diesen, Deinen Traum ein Stükchen mit " . Rowi war ziehmlich weise wie ich fand. Der Satz erklärt warum meine Reise funktioniert hat.
Ich war unterwegs in einem Erste-Welt-Land in dem die Leute zwar Geld hatten, aber in dem es Ihnen oft an anderen Dingen mangelte. Ich kann mir vorstellen das ich für einige Midlife-Crises verantwortlich bin, die ich bei einigen Leuten veruhrsacht habe........
Viele waren aber einfach nur herzensgute Menschen. Als ich wie erwähnt im touristenüberfüllten und sauteuren Königsee meine Bälle rausholte kam schon nach 1 Minute der Budenbesitzer von nebenan. Ich dachte "Na jetzt jagen die dich hier aber davon". Aber nein. "Dir fallen ja schon die Bälle aus der Hand, da musste doch erstmal was Essen". Die Eisverkäuferin von der anderen Bude versorgte mich mit Getränken, und als die Leute nichts gaben bekam ich das Tagestrinkgeld vom Chef.
Als ich das später einem Hubschrauberpiloten, der mich von Bergdesgarden nach Salzburg in Österreich im Auto mitnahm erzählte, sagte der nur "Was denn? Bei uuuuuunssss? Sowas gibts bei uuuuuuns? Das glaub ich dir nicht."
Das heißt: Wir haben oft ein zu schlechtes Bild von uns und unserer Umwelt. Das heißt auch: Zeitung abbestellen, mal wieder öfters mit den Nachbarn reden, aufgeschlossener durch die Welt gehen und sich nicht durch Fehlinformationen in den Medien und ständige schlechte Nachrichten ein einseitiges falsches Weltbild aufquatschen lassen.......
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Es darf zuerst geschätzt werden

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Er sieht auf jeden fall sehr gut und jung aus!
Lexi schau ihn doch mal genau an!
Dann kanst Du schätzen!
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Ich bin 26 Jahre.
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Schrebergarten? Nee. Ich denke es wird dann bei mir doch eher nen alter T3-Bulli werden den ich am WE nach belieben an irgendeinen schönen Fluss oder auf ne Wiese fahren kann.
Oder ich ziehe auf den Campingplatz um
Es gibt ja so viele Möglichkeiten. Man zieht sie einfach nicht als Option herran...Aber irgendwann kommen sicher auch bei mir Frau und Kinder und dann beginnt der "Ernst des Lebens", ein ganz übles Ding, vor dem mich schon diverse Leute gewarnt haben.

, um Urlaub zu machen 