Der Weg ist das Ziel!
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Es stellt sich die Frage: Sind meine Frau und ich etwas verrückte Exoten?
Interessiert konsumiere ich hin und wieder Reise-Threads in den HC Foren. Leider zählt heute für viele ”Weltenbummler“ nur noch das schnelle Reisen von A nach B. Und sie vergessen, dass der Weg vielmals um einiges interessanter ist als das Ziel. Ich höre in meinem Bekanntenkreis immer wieder: Wenn wir mal pensioniert sind, dann unternehmen wir auch längere Reisen rund um die Kugel. Es geht aber auch früher!Nachstehend ein kleines Müsterli:
Vor Jahren während meinen beruflichen Zeiten, haben meine Frau und ich ein rund 15‘000 km langes “Reisli” mit der Bahn unternommen. Von Bern HB (CH) via Basel, Frankfurt, Dresden, Warschau, nach Moskau. Ab Moskau mit der Transsib nach Irkutsk und weiter via Ulan Ude, Ulan Bator durch die Wüste Gobi nach Peking. Und ab Peking via Shanghai, Kanton nach Hongkong. Die gesamte Bahnreise von insgesamt rund 15’000 Bahn-km dauerte mit “Stop-Over” in Moskau, Irkutsk, Ulan Bator, Peking, Hangzhou, Shanghai und Kanton rund fünf Wochen. Ziemlich strapaziös, aber ein einmaliges Erlebnis
Bekannte von uns schwärmten damals von dem, zwischen Moskau und Peking verkehrenden Luxus-Sonderzug. Der Sonderzug, resp. die Kreuzfahrt auf Schienen bot jeden erdenklichen Luxus. An Bord standen dem Gast nebst einem privaten Abteil ein umfangreiches Service- und Unterhaltungsprogramm zur Verfügung. Und man ist unter sich! Mit anderen Worten: 99,9% der Gäste sind Touristen aus dem Ausland! Es werden viele Sprachen gesprochen -- nur nicht Russisch!! Der Zug wird während den Stopps in den Bahnhöfen von schwer bewaffneten Polizisten bewacht, die grimmig dafür sorgen, dass keine Einheimischen die Bahnpassagiere in ihrem goldenen Käfig belästigen.Obwohl ich während meinen beruflichen Tätigkeiten in fremden Landen zwangsläufig in 4/5-Sterne Luxusherbergen logierte, haben wir uns bewusst für einen Linienzug / 2. Klasse mit 4-Bett Abteilen entschieden und keine Minute bereut. Unvergesslich die Erlebnisse in dem Zug Nr. 2 “Rossija” ab Moskau: Bahnhof “Jaroslawer“. Ein Samowar auf dem Gang lieferte rund um die Uhr heisses Wasser für die Zubereitung von Kaffee oder Tee im Abteil. Viele Einheimische kochten in unserem Wagon in den Nachbarabteilen auch ihre Mahlzeiten. Die frischen Landprodukte aus der Region wurden von Bauernfrauen während den Stopps an den Bahnhöfen den Bahnkunden angeboten. Es gab nur noch ein kleines Problem: Ein Toilettenraum in unserem Wagen war meist geschlossen: Grund: Lagerraum für Schmuggelware! Auch die Sauberkeit in den Waschräumen liess etwas zu wünschen übrig. Dreimal täglich boten Angestellte im spartanisch eingerichteten Speisewagen den Fahrgästen warme Speisen an. Abenteuerlich auch die täglichen Trips von unserem Wagon in den Speisewagen via die klappernden nicht ganz ungefährlichen Übergänge zwischen den einzelnen Wagons. Die Küche sollte man nicht unbedingt inspizieren! Ein Gourmet-Menu muss man auch nicht erwarten. Ist aber kein Problem: Spätestens in Peking kann man das bei einem exzellenten chinesischen Mehrgang-Essen nachholen. Mit kleinen Geschenken --Kugelschreiber, Taschenlampen, Taschenmesser, CH-Schokolade (Werbegeschenke meiner Arbeitgeber-Firma) etc. war man König. Fast jeder Wunsch wurde vom freundlichen Bahnpersonal erfüllt. Trotz Alkoholverbot im Speisewagen, erhielt ich jeden Tag ein kühles Bier oder eine Flasche süffigen Wein “als Beilage!” zu den akzeptablen Speisen und nicht zu verachten, anstelle eines eigenen Schlafsackes frische Bettwäsche.
Die Fahrt inmitten aufgestellten Einheimischen und die Kontakte zu mitreisenden Mongolen und Chinesen war ein einmaliges Erlebnis. Wir wurden praktisch permanent zu unseren russischen Mitreisenden eingeladen und erlebten eine unglaubliche Gastfreundschaft. Für Abstinenten allerdings nicht zu empfehlen! Nebst deutsch, englisch (zu später Stunde auch “Mattenenglisch!”) und manchmal auch etwas französisch oder spanisch, haben wir uns mit Händen und Füssen verständigt. Und mit Wodka anstossen kann man in jeder Sprache!

Ich habe viele Fotos aus dem fahrenden Zug geschossen. Leider waren die Wagonfenster immer wieder stark verschmutzt. Schmunzelnd haben unsere einheimischen Mitpassagiere zugeschaut, wie ich, bewaffnet mit einer kleinen Leiter aus dem Zug und einem Schwamm, jeweils an den Bahnhöfen unser Abteilfenster von aussen reinigte!
Die Mongolei mit ihren stolzen Bewohnern hat uns beeindruckt. Ich glaube, bevor die Kinder laufen lernen, beherrschen sie bereits das Reiten. Lediglich mit der angebotenen Stutenmilch bei einer Nomadenfamilie in einer Yurte hatte ich einige Mühe. Aber die Gastfreundschaft ist heilig -- also Augen zu und runter damit!
An der Grenze zwischen der Mongolei und China war auch für uns der Wechsel der Fahrgestelle, bedingt durch den Spurwechsel ein Highlight. Unglaublich welche Schwerarbeit die zierlichen chinesischen Arbeiterinnen leisteten. Lediglich die Grenzformalitäten bereiteten uns etwas Mühe. Ich weiss nicht mehr, wie viele Dokumente wir ausfüllen mussten. Das ganze Prozedere dauerte etwa zehn Stunden. Streckte man mal den Kopf aus dem Abteil, wurden wir von den sonst so freundlichen Provodnitsas (Zugbegleiterinnen) jetzt nervös, unterstützt von noch nervöseren Grenzbeamten hässig angeschnauzt. Nach etwa zwei Stunden -- Gelächter im und um unseren Wagon. Die Provodnitsas und die Beamten genehmigten sich einen Drink und luden uns dazu ein. Des Rätsels Lösung: Der Deal mit derSchmugglerware im geschlossenen Waschraum war zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgeschlossen. Und einer Weiterfahrt nach Peking stand nichts mehr im Wege. Doch, kurz vor Peking blieben wir auf offener Strecke für einige Stunden stecken. Nichts ging mehr. Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass in China Güterzüge mit erster Priorität behandelt werden.
Die Weiterfahrt von Peking nach Hongkong habe ich auch noch in bester Erinnerung. Wiederum haben wir 4- Bett Abteile gebucht. Luxus pur wenn man bedenkt, dass es noch eine sogenannte harte Klasse gab mit 6- Bett Abteilen, zusätzlich weiteren Passagieren, die locker vom Hocker in den Wagonkorridoren übernachteten. Wie schon auf der Transsib, liess auch in diesen Zügen die Sauberkeit in den Waschräumen etwas zu wünschen übrig. Kein Problem wenn man flexibel ist. Als Alternative für die Morgentoilette mit Zähne putzen, boten sich die obligaten Brunnen resp. Waschbecken auf den Bahnsteigen an, irgendwo unterwegs auf einem Provinzbahnhof. Auch die Mittag- und Nachtessen in den hoffnungslos überfüllten kitschigen Speisewagen muss man erlebt haben. Die schwitzenden und dampfenden chinesischen Passagiere, die Männer mehrheitlich mit nacktem Oberkörper und wild kommunizierend, entlockten uns immer wieder ein Lächeln, obwohl wir kein Wort verstanden. Aber die Mahlzeiten von Fisch bis zuSüss/Sauer, serviert von flinken Kellnern, die wie Bienen rumsausten, waren kulinarische Leckerbissen. Dank Drahtnetzen in den offenen Fensterrahmen flogen uns nicht permanent Plastikflaschen, Plastikteller und Becher um die Ohren, die Passagiere via die Abteilfenster entsorgt hatten. Meine Annahme, die Drahtgitter dienen als Sperre für Insekten, war also nur zum Teil richtig! Und dann war es soweit. Ankunft in Hongkong nach rund 15’000 Schienenkilometer und keine Minute von Langeweile!

Interessant wäre auch eine Bahnreise nach Hongkong -- jedoch quer durch Asien. Via die Türkei, Iran, Pakistan, Indien, Bangladesch, Burma, Thailand, Kambodscha, Vietnam und China nach Hongkong. Nach meinen Recherchen existiert eine fast durchgehende Schienenverbindung. Lediglich zwei Strecken in Burma müssten mit dem Bus zurückgelegt werden. Also je nach politischer Situation und einer gewissen Flexibilität ohne weiteres machbar. Und als Rentner mit noch einigermassen intakten grauen Hirnzellen haben meine Frau und ich jetzt viel Zeit! Vielleicht bleibt dieses “Reisli” ja ein Traum -- aber Träume gehen manchmal in Erfüllung.
Abschliessend nur noch dies: Bahnreisen, egal ob man z.B. mit einer südamerikanischen Andenbahn (Sitzplatz für mutige auf dem luftigen Wagendach!), quer durch die USA mit dem “Chief” oder mit der Transsib unterwegs ist, keine Transportart bietet nach meinen Reiseerfahrungen idealere Möglichkeiten, Land und Leute intensiv kennenzulernen. Vorausgesetzt allerdings man vermeidet die, leider heute auf den meisten Strecken auch verkehrenden Ghetto-Luxuszüge.
Allen die sich nicht entnervt aus diesem etwas lang gewordenen Thread rausgeklinkt und bis hier durchgehalten haben
wünsche ich ein erlebnisreiches Reisen unter dem Motto: DER WEG IST DAS ZIEL!Pesche
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Sei mir nicht böse, aber ist das jetzt ein Reisetip, steckt eine Frage dahinter die ich überlesen habe? Oder eine Bemerkung das alle die es anders machen falsch Reisen? Ich versteh es nicht. Sicher eine schöne Zeit die du hattest, aber ich lese die Botschaft noch nicht so wirklich raus?
Wenn ich etwas spezielles sehen will möchte ich schnellstmöglich dorthinkommen und die maximale Zeit vor Ort verbringen. Das ist für mich persönlich Luxus.
Im ernst: Ich kann mir gut vorstellen das eine längere Reise um die Welt auf "heutzutage unkonventionellen" Wegen sehr interessant ist und man durch soetwas geprägt wird. Hierbei wäre es mir aber wichtig das ich ohne einen "langfristigen" Plan losziehe und einfach sehe wohin mich der Weg bringt. Und ich denke das man soetwas alleine machen muss. Ebenso gehört glaub ich ein Funke Glück dazu von Haus aus gesegnet zu sein mit dem richtigen Background für sowas. (Bitte kommt mir keiner mit "Jeder ist seines eigenes Glücks schmied, meine Mutter hätte mir was erzählt wenn ich nach der "anstrengenden Schule" ein Jahr lang reisen hätten wollen, um meine innere Mitte zu finden blablablaaaa).
Ich kann es mir als jemand aus der unteren bis mittleren Mittelschicht nicht vorstellen mal eben eine 1-2 Jährige Pause einzulegen. Klar, das geht aber für mich ist es Luxus aus meinem Urlaub ins "sichere" Deutschland zurückzukehren und zu wissen was auf mich wartet. Wenn länger weg -> Dann endgültig!
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Danke Pesche, für diesen wunderschönen Beitrag. Ich habe ihn mit großer Freude gelesen.
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Dieser Beitrag wurde gelöscht!
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@Pesche
Erstmal danke für deinen Bericht. Hat mir gut gefallen.
Zum Punkt "der Weg ist das Ziel"... ist schon richtig.
Allerdings war er das viele viele Jahre, zwar nie 15000 km, aber sehr häufig doch 2000/2500 hin und 2000/2500 zurück - im PKW. Hat alles Spaß gemacht, man war nicht eilig, hat viel gesehen, auch schon mal im Auto oder daneben übernachtet.
Tatsache ist allerdings auch, dass wir anders gar nicht hätten reisen können: Die Flüge waren für uns viel zu teuer und selbst der Zug hätte zu viel vom Budget geschluckt. Per PKW hingegen war's finanzierbar.Und ja, es war schön und ich möchte die Erinnerungen nicht missen. Aber ich denke, es gibt eine Zeit für alles und die Zeit für diese Art von Reisen ist bei mir definitiv vorbei.
Das Fliegen macht mir übrigens großen Spaß...

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Ich hingegen werde froh sein, wenn endlich jemand das "Beamen" erfindet...

Ansonsten sehe ich das Fahren mit der Eisenbahn (und auch das Fliegen) ähnlich wie John Ruskin:
"Eine Fahrt mit der Eisenbahn kann ich beim besten Willen nicht als Reise bezeichnen. Man wird ja lediglich von einem Ort zum anderen befördert und unterscheidet sich damit nur sehr wenig von einem Paket."
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Sorry - aber ich glaube, die große Mehrheit der Normalos in unserer deutschen Heimat muß da schon "kleinere Brötchen" backen.........und bei Vielen wird erst mal nach Wegen gesucht, um überhaupt anzukommen....!
Auch das ist anders als früher! -
Also einen Teil der Wegstrecke, und zwar den von Deutschland (in unserem Fall Berlin) nach Russland (bei uns Moskau) kann ich verdammt gut nachvollziehen. Der Samowar beim Zugbegleiter in jedem Waggon, der den besten Tee kochte... , die Übergänge zwischen den einzelnen waggons die man fast springend nehmen musste... die Fahrt im Schlafwagen durch Polen vorbei an Warschau. Und in Brest wurden damals auch die Fahrgestelle gewechselt, da die Russische Staatsbahn eine andere Spurweite als die Deutsche Reichsbahn hatte. Für uns als Studenten gabs die Verpflegung aber aus der mitgenommenen Stullenbüchse. Ja das waren Zeiten.
Heute habe ich es manchmal schon satt von uns nach Österreich zu fahren. Man steht viel zu viel im Stau
und wenn es dann mal im Stau was zu sehen gibt versperren einen unter Garantie (für die Anwohner unabdingbare) Lärmschutzwände die Aussicht. Von daher: ich will nur noch schnell ans Ziel, und mich dann dort umsehen und Erlebnisse haben. -
Pesche:
Leider zählt heute für viele ”Weltenbummler“ nur noch das schnelle Reisen von A nach B. Und sie vergessen, dass der Weg vielmals um einiges interessanter ist als dasZiel. Ich höre in meinem Bekanntenkreis immer wieder: Wenn wir mal pensioniert sind, dann unternehmen wir auch längere Reisen rund um die Kugel. Es geht aber auch früher!Ich frage mich gerade, wann langes Reisen früher gehen soll als vor der Pension?! Wenn mans sichs endlich mal leisten kann eine größere/etwas teurere Reise zu machen, dann ist man meistens schon mit der Schule/dem Studim fertig und arbeitet. Der durchschnittliche Arbeiter hat dann nur 5 Wochen im Jahr Urlaub, da kann man eben nicht mal 5 Wochen mit dem Zug bis nach Hongkong fahren... Dann ist man endlich am Ziel angekommen und kann sofort wieder zurück und hat vom Ziel nichts gesehn (ich schätze mal, dass ihr noch etwas dort geblieben seid und ihr euch nicht nach 5 Wochen im Zug sofort in ein Flugzeug gesetzt habt). Mal abgesehen davon bekommt kaum wer 5 Wochen am Stück frei oder kaum wer will 5 Wochen am Stück frei (wenn ich mir vorstelle, dass ich dann 11 Monate lang keinen Urlaub mehr habe und immer durch arbeiten muss vergehts mir...)
Dass ihr "verrückte Exoten" seid, finde ich nicht! Ihr könnt euch so etwas anscheined gönnen, aber den meisten Leuten fehlt einfach das nötige Kleingeld und die Zeit um eine Reise wie eure zu machen!
Logisch muss man (normaler Arbeiter) dann möglichst schnell und günstig von A nach B kommen, dass man sich das Reisen dann überhaupt leisten kann und sichs zeitlich halbwegs ausgeht bzw. es sich lohnt...
Ich persönlich würde gerne so eine Reise machen, wie du sie beschrieben hast, aber es ist eben einfach nicht drin. Und ich bin eh schon in der tollen Lage zu sagen, dass ich mir mehrmals im Jahr Urlaub leisten kann, dass können sich in meinem Umfeld die meisten nicht...
Reisen ist und bleibt eben nun mal Luxus, den sich nicht jeder leisten kann... -
mk116:
@HolzmichelDas wiederum glaube ich nicht! Heutzutage reden wir nicht mehr über die eine, große Reise sondern über mehrere Urlaube im Jahr. Man muss doch nur mal querlesen hier im Forum oder sich in der Familie/im Bekanntenkreis umhören.
@mk116: Da denk ich halt auch das es solche und solche gibt, ich denk mir bevor ich das Buget was ich im Jahr zur Verfügung habe für einen 2 Wochen Urlaub raushaue damit ich daheim erzählen kann das mir der eigens für mich angestellte den erlesenen Wein am eigenen Poolhaus serviert hat (was ich mir vll. für 2 Wochen leisten könnte) wähle ich es lieber eine Nummer kleiner und sehe mir dafür mehrere Orte dieser Welt pro Jahr an. Das liegt aber nicht daran das ich gesegnet bin mit Geld und deswegen mache was ich will. Jeder setzt halt prioritäten.
Weiterhin stimme ich eineskomplett zu.
Für mich ist Reisen Luxus.... ich hätte gern ein anderes/neues Auto,... ist nicht vereinbar mit meinem Budget.... Und bevor das Ding unter der Laterne steht -> Flieg ich lieber 2 mal im Jahr weg. Glaube das geht vielen so.
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Holzmichel:
Sorry - aber ich glaube, die große Mehrheit der Normalos in unserer deutschen Heimat muß da schon "kleinere Brötchen" backen.........und bei Vielen wird erst mal nach Wegen gesucht, um überhaupt anzukommen....!
Auch das ist anders als früher!Eher das Gegenteil ist der Fall, wenn ich mich an meine Kindheit erinnere dann gab's einen Familienurlaub im Jahr (Bauernhof im Schwarzwald). Heute sehen es viele als Grundrecht an mit der kompletten Familie durch die Gegend zu fliegen.
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Ich mache zwar auch „klassische“ Urlaube aber zwischen drin ist immer mal auch bei mir der Weg das Ziel. Wobei diese Art der Urlaube mit zu den schönsten gehört die ich gemacht habe.
Dazu gehören z.B. mit dem Auto einmal rund um Malaysia. Das ganze ohne vorgebuchte Hotels und festen Reiseplan. Einfach vormittags losfahren und am Nachmittag eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Falls es uns wo gefallen hat dann sind wir auch mal zwei oder 3 Tage geblieben.
Oder die Bahnfahrt von Singapore nach Bangkok. War zwar teurer als fliegen aber um einvielfaches interessanter. Wobei das zu einer Zeit war als es im Thailändischen Zug noch einen offenen Holzkohlengrill im Speisewagen gab und die Klimaanlage bestand aus den fehlenden Fenstern.
Ebenfalls toll war die Zugfahrt von Xining nach Lhasa und dann weiter mit dem Auto nach Kathmandu. Das Ganze nicht in einer großen Reisegruppe mit Rundumbetreuung sondern die Zugfahrt selbst organisiert und in Tibet mit eigenem Fahrer und Guide.
Zwar nicht Urlaub, aber die witzigste Begebenheit in die Richtung passierte mir in Ostmalaysia. Ich musste von Kota Kinabalu nach Sipitang. Als ich dem Taxifahrer die Adresse nannte meinte der „Das können wir versuchen, denn gestern ist angeblich ein Minibus durchgekommen“. Da war der Weg definitiv das Ziel.

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Moin zusammen …
… und ey Leute, nichts für ungut, aber ich glaube, die meisten denken hier unnötiger Weise viel zu groß. Die Größe habe ich zwar auch einmal erlebt, als es mit demZug in 2,5 Tagen von Kalifornien nach Chicago ging (wobei die Rocky Mountains deutlich mehr beeindruckten als die davon östlich liegende Landschaft).
Ich bleibe mit der Familie im Urlaub an einem Ort und wir unternehmen von dort aus fast täglich etwas. Wir hetzen auch nicht an zwei/drei kompletten Tagen von einem POI zum nächsten sondern nehmen lieber in Kauf, die eine oder andere Strecke, die dann i.d.R. nicht besonders lang ist, mehr als einmal zu fahren. Das ermöglicht zum einen, dass man dann wieder früher zurück am Urlaubsort ist und dort z.B. noch mal gemütlich zum Strand gehen kann, und zum anderen, dass man Zeit hat, „rechts und links“ der üblichen Routen zu gucken, und persönliche POIs entdecken kann, sei’s ein nicht verzeichneter Aussichtspunkt, ein nettes Café, ein Supermarkt, eine schöne Siedlungsstraße, einDorfplatz, auf dem viel Bougainvillea wächst, uvm. Auch eine U-Bahn- oder Busfahrt in London kann mehr beeindrucken als der Tower, den man angesteuert hat.
Für mich würde ich die Überschrift eher so formulieren: Der Weg hat viele Ziele … und die vielen Ziele sind das, was Urlaub ausmacht.
Gruß,
Rudy
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Oh, la, la, da geht aber die Post ab! Danke für die mehrheitlich positiven Feedbacks und dass ihr mich nicht zusammengestaucht habt. Meine in der Regel mit einem verschmitzten Lächeln verfassten etwas sarkastischen Beiträge kommen nicht immer bei allen Forenteilnehmern gut an. Ich habe Eingangs die etwas ketzerische Frage gestellt: Sind meine Frau und ich etwas verrückte Exoten? Hören wir doch aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder: Eine solch anstrengende Reise, ziemlich primitiv ohne jeglichen Komfortund, durchgeführt auf eigene Faust mit erheblichen Risiken macht man -- wenn überhaupt -- in Jugendjahren zwischen Schulabschlüssen und Berufseintritt und nicht im beruflichen Mittelalter und schon gar nicht als nicht mehr im Berufsleben stehende Rentner -- was wollt ihr damit beweisen? Meine jeweilige schüchterne Antwort: Wir wollen überhaupt nichts beweisen -- uns machen solche Reisen schlicht und einfach grossen Spass und solange unsere zunehmend etwas klapprigen Knochen und die restlichen noch einigermassen funktionierenden grauen Hirnzellen mitmachen, freue ich mich, interessierten Travellern, die gleiches im Sinn haben, Tipps abgeben zu können. Ich nehme es niemanden Übel, der das anders sieht. Deshalb habe ich diesen Thread eröffnet und war mal gespannt auf positive oder negative Feedbacks.
„Der Apfel fällt nicht weit vom Baum“ sagt ein Sprichwort. Dem ist nicht immer so. Unsere beiden inzwischen auch mittelalterlichen Kinder haben für solch abenteuerliche Trips nur ein mitleidiges Lächeln. Sohnemann mit Freundin sagen kurz und bündig: In unseren wohlverdienten Ferien wollen wir rasch möglichst an unsere, in der Regel exotischen Feriendestinationen gelangen und uns in einem komfortablen Hotel am Pool mit Bar oder am Strand auf einer bequemen Liege bei „dolce farniente“ erholen. Tochterfrau mit Ehemann sehen das ähnlich und buchen hin und wieder eine organisierte Rundreise in ferne Landen oder eine Kreuzfahrt auf einem Luxusliner mit 3‘000 und mehr Passagieren und können nicht begreifen, dass uns „Gruftis“ das Bordleben auf kleinen Kreuzfahrtschiffen mit Maximum 300 Passagieren ohne entsprechenden Klamottenzwang etwas bis etwas mehr zusagt, obwohl wir uns noch nie auf einen Riesenliner verirrt haben.
Und das ist gut so. Alle sollen dieReiseart und die Destinationen wählen die ihnen zusagen. Wieder zu Hause sollman sagen können – den wohlverdienten Urlaub haben wir in vollen Zügengenossen!

PS
Ich höre auch immer wieder: Eine solche „Luxusreise“ muss man sich leisten können. Dazu, ohne auf Einzelheiten einzugehen nur so viel: Dieses „Reisli“, alles andere als eine Luxusreise, kam uns nicht teurer zu stehen als sogenannte zweiwöchige „Schnäppchenreisen“ in die Karibik!Und noch etwas: Im Gegensatz zu früher, als mein Arbeitgeber darauf bestand, dass ich aus Imagegründen in 4/5-Sterne Business-Hotels absteige, in die man Kunden für Besprechungen und anschliessende Dinners auch einladen konnte, bevorzuge ich heute einfache aber urgemütliche Backpacker-Hostels und schätze die Gespräche mit aufgestellten Jungs & Mädels, vielmals zwischen Matura und Studium aus aller Welt auf unseren Reisen. Wie schon gesagt -- wir sind halt Exoten und verhalten uns nicht so, wie es sich für Mitglieder der grauhaarigen Zunft geziemt! Sorry!

Pesche