curiosus wrote:
Nur komisch, daß in Persien sehr wohl fotografiert werden kann, die Leute offen und warmherzig auf einen zugehen und eben die Frauen nicht immer, nicht überall und erst recht nicht wegen irgendwelcher "Sittenwächter" Kopftücher tragen.
Das die Leute sehr freundlich sind und dass fotografiert werden darf, glaube ich Dir gern, denn jeder, der von dort zurückkommt, berichtet begeistert über die freundlichen Menschen.
Aber das Kopftuch muss meines Wissens in der Öffentlichkeit getragen werden (was die Leute zuhause und im privaten Kreis machen, ist dem Staat hingegen egal).
Daher würde es mich wirklich sehr interessieren, wo (in welcher Stadt) und in welcher Situation Du Frauen ohne Kopftuch angetroffen hast, und wie häufig.
Auf www.iran-now.de findet man diesen Artikel vom 24.6.07 (Auszug):
Seit neun Wochen geht die Polizei des Irans rigoros gegen "unsittlich" gekleidete Bürger vor – mit stiller Rückendeckung von Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Neben adrett gekleideten jungen Frauen sind auch Männer betroffen. Kurze Hosen sind ebenso Tabu wie westliche Frisuren, enge T-Shirts und auffällige Halsketten. Die Sittenwächter haben viel zu tun. Denn allein in der 15-Millionen-Metropole Teheran sind 12,5 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt.
Eine große schwarze Sonnenbrille und viel Make-up, ein kleines transparentes Kopftuch in fröhlicher Farbe, das kaum die Hälfte ihrer blond gefärbten Haare bedeckt, kurze Jeans und eng sitzender Kurzmantel, der kaum bis zur Hüfte reicht und die Wölbungen des Körpers besonders betont: So sehen Tausende Frauen in Teheran und anderen Großstädten aus.
Lange musste der als Hardliner bekannte Ahmadinejad dieses für ihn und seine Anhänger peinliche Stadtbild hinnehmen. Grund für die bisherige Tatenlosigkeit der Sittenwächter waren die ständigen Vorwürfe der Rivalen Ahmadinejads während der Präsidentschaftswahlen im Juni 2005: Der Präsident, so die Warnungen damals, werde eine rigide Kleiderordnung einführen. Die Beschuldigungen nötigten das Staatsoberhaupt sogar, im TV die "Freiheit der lieben Jugendlichen bei der Auswahl ihrer Kleidung und Frisur" zu beschwören. Das ist lange her. Zunehmend unter Druck geraten, beugt sich Ahmadinejad nun den Sittenvorstellungen des konservativen Klerus.
Im reichen Norden Teherans werden ausgelassene Partys gestürmt und Massenverhaftungen vorgenommen. "Förderung moralischer Sicherheit der Gesellschaft" nennt die iranische Polizei ihren Kampf gegen die "Unsittlichkeit". Hunderte Polizisten und Polizistinnen in Zusammenarbeit mit freiwilligen paramilitärischen Kräften, den Basij-Milizen, überwachen alle öffentlichen Plätze, um jeglichen Verstoß gegen die islamische Kleiderordnung zu vereiteln.
Ist eine "Korrektur" des Äußeren an Ort und Stelle möglich, geben sich die Sittenwächter damit zufrieden. Geht das nicht, wird die Person mit auf die Wache genommen. In solchen Fällen werden die Familienangehörigen der Betreffenden auf die Wache zitiert und müssen "ordentliche" Kleidung mitbringen; zudem müssen die Festgesetzten ein Bußgeld berappen. Wiederholungstäter müssen mit Peitschenhieben oder Haftstrafen rechnen.
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