…….. Und ich dachte immer die Paella sei soetwas wie das spanische Nationalgericht, wie in Italien etwa die Pizzas und Pastas!
Nach dem Motto: Denk ich an Paella, denk ich an Spanien!
Bis es eines Tages hieß: Heute genießen wir die Zarzuela!
Was sollte das denn nun wieder bedeuten? Und vor allen Dingen was ist mit "die" gemeint?
Dass wir mal eben nach Madrid jetten würden um den gleichnamigen Palast zu besuchen und um Herrn König und Frau Königin Guten Tag zu sagen, oder etwa nach Santa Cruz fahren um eine dieser traditionellen spanischen Singspiele, einer spanischen Art der Operette gleichen Namens, zu besuchen, das fiel mir doch schwer zu glauben.
Also was hat es dann sonst mit der Zarzuela auf sich?
Schon eigenartig! Teile der Gastgeberfamilie waren fast den ganzen Tag unterwegs um einzukaufen. Sie wollten doch nicht etwa ein solches Singspiel hier bei sich auf die Beine stellen?
Alles hüllte sich in Schweigen, so sehr ich auch bohrte. Auch beim Entladen der zahlreichen Kisten des Autos ließ man mich nicht mittun; hatte ich etwa deren Vertrauen verloren, in einen peinlichen Fettnapf getreten, oder unwissentlich missbraucht? Und es waren auch noch so viele Gäste aus der Umgebung und von weiter her eingeladen.
Also zog ich mich schmollend in der Nase bohrend zurück, und verwünschte die ganze Sippschaft! Diese Geheimniskrämerei war wie zu Weihnachten, wenn man nicht einmal mehr durch's Schlüsselloch gucken darf! Mein Verhalten war sehr wohl bemerkt worden, und zu allem Überfluss fanden das alle auch noch lustig durch entsprechende Bemerkungen, Gesten und Gesichtsausdrücke, was meinen Unmut nur noch steigerte!
Nur schien es in der Küche übermäßig hoch her zu gehen. Es war viel mehr Küchenpersonal dort als normal üblich! Na ja, wenn Gäste kommen ist immer einiges vorzubereiten.
Es roch doch schon sehr appetitlich, aber nach Fisch!?
Kurz und gut, es wurde eine Zarzuela für den Abend vorbereitet!
Gleichauf mit der Paella wohl das traditionellste Gericht in Spanien.
Es ist ganz einfach eine Fischpfanne ganz erlesener Fische und Meeresfrüchte! Deswegen der große Aufstand mit dem Einkauf, denn alles muss ganz frisch sein!
Alle möglichen Fischsorten, Tintenfisch, Muscheln, Garnelen, Langusten oder Hummer, verschiedenes Gemüse, Wein, besondere Gewürze und andere Zutaten, wie z. B. echter Safran, das mit Abstand teuerst Gewürz, eine Krokusart, der hier in Spanien sogar angebaut und geerntet wird, sind dafür nötig (1 Gramm kosten immer noch etwa 8 - 10 €!). Nur Plattfische wie Seezungen werden nicht benutzt. Aber jeder macht seine eigene Zarzuela nach seiner Art und Geschmack. - Jedes Grüppchen kocht sein Süppchen! - Eben nach Art des Hauses.
Die Vorbereitungen dauern sehr lange und müssen sehr sorgfältig gemacht werden, besonders das Entgräten der Fische. Einige Sorten sind damit besonders reich gesegnet und besitzen ein großes Inventar an Gräten! Da muß man sich schon mit der "Grätenanatomie" gut auskennen! Auch das Enthäuten und filettieren ist bestimmt nicht ganz einfach. Hier bei uns im Fischladen würde man das alles topffertig bekommen - vielleicht, wenn es diese Fischsorten hier gäbe!
Am Abend war das Haus voller Gäste aller Schattierungen, Herkunft und Kategorien und noch mehr voller Erwartungen. Ich hatte so etwas noch nie gegessen, außer mal einer Fischsuppe, die damit aber so überhaupt nicht vergleichbar ist und auch gar nichts damit zu tun hat!
Die Meeresbewohner werden in mittelgroße Stückchen zerteilt und in einem speziellen Sud nur gedünstet oder geköchelt. Auch das Gemüse erfährt eine Spezialbehandlung.
Die Zarzuela wurde ganz heiß in flachen gusseisernen kleinen Pfannen oder in Schalen aus Steingut serviert mit frisch gebackenem Brot. Es darf nur eine Gabel benutzt werden. Mit dem restlichen Brot wischt man die Behälter spülmaschinenrein aus. Das gehört sich so!
Dazu wird selbstverständlich Wein getrunken!
Es geht hierbei weniger um das Sattwerden, obgleich die Portionen mehr als reichlich waren, sondern mehr um das Zelebrieren und den Genuss. Jeder konnte nachnehmen soviel er wollte. Die Pfannen und Schalen hielten alles sehr lange auf "Betriebstemperatur"!
Und es war wahrhaftig einer, ein kulinarischer Genuß!
Und danach wird palavert bis zum frühen Morgen! Das zieht sich natürlich schon wegen des vielen Weines so in die Länge.
Ich muss sagen: Es war ein Erlebnis und kein Singspiel oder etwas palastähnliches!
Gruß Dieter