Sitten und Gebräuche - erheiternd oder ärgerlich?!
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Es gibt unendlich viele mehr oder weniger alte Gebräuche und Sitten höchst unterschiedlicher Art. Meist kennen wir nur die, die in unserer Umgebung gepflegt werden - oder solche, die wir aus dem Urlaub kennen. Wäre es nicht interessant, mal andere Sitten und Gebräuche kennenzulernen? Ich mach´ mal den Anfang.
In der Nacht zum Ostersonntag werden von den jungen Leuten "Ostergärtchen" gebaut, ein sehr alter Brauch. Vor 20 Jahren war das noch recht amüsant: einem Nachbarn wurde der ganze Weg vom Bürgersteig zum Hauseingang mit Gestrüpp zugebaut.... Heute artet es immer mehr in Sachbeschädigung aus: Gartentore werden ausgehängt und weggetragen, Fahrräder und Kinderwagen werden an Straßenschilder gehängt und ganz besonders schändlich: Gartenzwerge werden entführt und verlieren ihr Zuhause....
An Karfreitag sieht es in unserem Ort noch nett aus (am Gründonnerstag wurde ja noch die Straße gekehrt); ab Ostersamstag um die Mittagszeit werden "die Möbel gerückt". Alles wird in Sicherheit gebracht. Auto in die Garage, Gartentor ausgehängt - in die Garage, Blumentöpfe- und Kästen (wohin wohl? In die Garage natürlich), die Gartenzwerge dürfen ins Haus. Alle dekorativen und beweglichen Gegenstände verschwinden.
Nach dem Eiersuchen am Ostersonntag wird in umgekehrter Reihenfolge geräumt.
So ganz genau weiß ich nicht, unter welcher Rubrik die Ostergärtchen einzuordnen sind...kurios, erheiternd oder doch eher ärgerlich?
An welchen Gebräuchen nehmt Ihr teil - oder über welche freut/ärgert Ihr Euch?
Gruß Erika -
Bei uns wird immer noch der sogenannte "Polterabend " gefeiert.Das ist der Abend vor der Hochzeit. Dann bringen die Gäste Porzellan mit und werfen dies vor die Haustür.
Zum Leidwesen des Bräutigams, der muss es dann sofort wegkehren....wenn er dann endlich fertig ist, kommt der nächste Gast und das Spiel beginnt von vorne. Der Sinn?
Vielleicht eine Vorübung für die Arbeit als Ehemann ... Ganz fies ist es dann, was in letzter Zeit häufiger zu sehen ist, wenn die Gäste Styroporkügelchen oder Papierschnipsel werfen...
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Oh ja, der Polterabend! Wir haben echt stundenlang nur gekehrt. Zum Glück "darf" bei uns die Frau auch mitkehren.

War ja alles ganz nett, aber in einem Augenblick als unser Kehrwerkzeug unbeaufsichtigt war, brachen besonders nette Zeitgenossen die Besenstiele ab. So konnten wir dann nur noch in gebückter Haltung (Übung für den Ehemann
) unseren Hof kehren. Das fand ich dann auch nicht mehr ganz so toll und irgendwo hört der Spaß auch auf.Gruß Dirk
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Ich denke, den Polterabend gibt's überall. Aber neu scheint der Junggesellenabschied zu sein. Da wird die junge Frau von ihren Freundinnen und/oder der junge Mann von seinen Freunden am Wochenende vor der Hochzeit gross ausgeführt und muss in diversen Kneipen irgendwelche lustige Aufgaben lösen. Ganz neu bei uns ist auch Halloween. Da gehen die Kinder rum, klingeln an den Türen und rufen: Süsses oder saures! Und wenn man keine Süssigkeiten gibt, wird randaliert. Das kommt erst vereinzelt vor, wird aber jedes Jahr mehr. Mir persönlich gefällt es nicht, es wird zu viel vermarktet. Ich muss nicht unbedingt Kürbis- und Gespenster-Deko haben, nur weil es Ende Oktober ist. Eine wirklich alte Tradition ist bei uns das Lambertussingen. Da gehen die Kinder mit ihren Lampions rum und singen die alten traditionellen Lieder, am Martinstag ist es ähnlich.
Aber: Die meisten Traditionen haben wir selbst in unserer eigenen Familie geschaffen. Geburtstage, Weihnachten, Silvester - da haben sich Rituale und Gewohnheiten im Laufe der Jahre gebildet, die einfach inzwischen "aus Tradition" dazu gehören und die man auch nicht so einfach ändern darf. Irgendetwas würde dann fehlen. -
Ja, Silvesterrituale: Eindeutig "Dinner for one" auf allen möglichen Programmen. Leider oft etwas zu früh, denn zu vorgerückter Stunde wäre das Drama noch schöööner!
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Auf der Hochzeit meiner Schwester wurde spätabens beim "gemütlichen" Teil die Braut entführt (also meine Schwester). Die Gäste, die das initiiert hatten, sagten, das sei in ihrer Ecke Deutschlands ein alter Brauch. Mein Schwager mußte sie suchen und auslösen - natürlich mit einer Runde Alkoholischem...
Halloween muß ich mir nicht geben, obwohl: ich sammle Hexen - also werde ich im Spätherbst immer fündig (wenn´s denn nicht zu kitschig ist). Da gefällt mir eigentlich unser Hexentanz im Harz besser.
Halloween ist aus den USA rübergeschwappt, wie so vieles, und ich meine, ich hätte jetzt die ersten Anzeichen für Thanksgiving entdeckt ....während bei uns der Erntedank so langsam einschlummert.
Gruß Erika -
Der Junggesellenabschied ist eine eher britische Tradition (hen's bzw. stag's night), die nun auch ihren Weg nach Deutschland gefunden hat.
Dass so vieles aus Amiland rüberschwappt wie Halloween, finde ich auch ziemlich blöd. Aber für die Geschäfte ist das natürlich super, und wenigstens hat man dann im September nicht nur Nikoläuse im Angebot, sondern auch Kürbisse, Kostüme etc.
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Hallo!
In unserer Familie gibt es eine Sitte und wenn ich rausfinde, wer die eingeführt hat...
2x im Jahr, einmal vor Ostern und dann auch vor Weihnachten überkommt den weiblichen Mitgliedern meiner Familie der Putzwahn.
Alles muss raus-, um- und weggeräumt werden, es wird geputzt und geschrubbt, gewischt und gewaschen was das Zeug hält und kein Gegenstand und keine Ecke ist davor sicher.
Früher habe ich immer die Flucht ergriffen und das Weite gesucht.
Aber irgendwie scheint das bei der weiblichen Linie per Gen vererbt worden zu sein, denn vor Ostern und Ende Dezember überfällt mich neuerdings immer eine innere Unruhe.
Jetzt sind es meine Mitbewohner, die regelmässig die Flucht ergreifen... -
Tachchen
Da fällt mir zum Thema "Gebräuche" sofort die Kehrwoche ein.Die dummen Schwaben (bin zwar auch eine davon)haben dieses Ritual doch eingeführt und der Rest Deutschlands hats dann irgendwann übernommen.Logisch sollten Gehwege vor dem Haus und die Flure im Haus saubergehalten werden.Aber nicht so penedrant,wie es hier bei uns ist.Da sieht es schon wie geleckt aus,trotzdem muss nochmal nass drüber gewischt werden.das ist doch krank......
Grüßchen von mir
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Der Frühjahrsputz is auch so ne Sache für sich.Komischerweise wird dieser aber in sehr vielen Familien durch geführt.Ich muß allerdings gestehen,dass ich mir dieses Übel vor ein paar Jahren abgewöhnt habe.Was aber nicht heisst,dass es bei mir aussieht,wie bei Hempels unterm Sofa.Wenn man sein Heim immer ordentlich hält,kann man sich das auch sparen.Hab das eh noch nie verstanden,weshalb im Frühjahr die komplette Bude auf Hochglanz gebracht erden soll.Einen Herbst oder Winterputz gibts ja auch nicht.
Ich hatte bis vor ca 5 Jahren auch die Angewohnheit,jeden Montag Großputz zu machen.Das war schon so ne art Frühjahrsputz.Da wurden Möbel verückt um darunter zu kommen.Damals hat sich bei mir allerdings niemand richtig wohlgefühlt,weil die Wohnung eher einem Museum glich.Also nicht von der Einrichtung her,aber von der Sauberkeit.Wehe,wenn beim Essen mal ein Tropfen Soße daneben ging,bin ich sofort vom Tisch und habe zu schrubben angefangen.Oder wenn der Besuch vom Regen an den Schuhen Spuren auf dem Flurboden hinterlassen hat.Ich hab mich dann gleich mit dem Schrubber bewaffnet und das Übel beseitigt,bevor ich Hallo gesagt habe.
Wie erwähnt,heute ist das nicht mehr so.Die Besucherzahl hat sich zum Glück auch wieder eingependelt."Hygienische" Grüße von Silke
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Jetzt bin ichs nochmal
Hab eben ne Sitte aus Bayern gesehen.Wußte ich bis dato nämlich noch nicht.Weissbier wird ohne Citrone (bei uns mit) getrunken.Ebenfalls wird am unteren Rand angestoßen und nicht,wie bei uns üblich,oben.
Trinke nämlich,wenns draussen in dem Biergarten schön warm ist auch gerne Weissbier und hab das immer andersrum gemacht.
Tja,man lernt nie aus.... -
Nun habe ich was gelernt: ich selbst mag Weizen nur mit seeehr viel Zitrone - und zum Anstoßen sind mir die Riesengläser fast zu schwer...!
Um die Hochzeit gibt es doch so viele Bräuche: Brot und Salz, Reis... das finde ich eigentlich sympathisch.
Ich hatte gehofft, ein wenig mehr Bräuche kennenzulernen.
In Spanien z.B. werden in der Silvesternacht mit jedem Glockenschlag 12 Trauben verschluckt. Symbolisch eine für jeden Monat. Das bringt Glück für die nächsten 12 Monate.
Naja, vielleicht sollte ich doch erst einmal in der Heimat bleiben...und an jedem Samstag 49 Trauben schlucken, vielleicht sind ja die 6 dabei, die mir Glück bringen...Lotto ist für viele unserer Mitbürger eigentlich doch auch schon Tradition, oder?
Gruß Erika -
Die Hochzeitstraditionen finde ich auch schön.Vorallem,wenn die Blumenkinder vor dem Brautpaar gehend Blüten aus den Körbchen auf den Boden werfen.Das "Reiswerfen"auch.Was allerdings ofter mal nicht so nett ist,wenn Freunde und Bekannte sich Zugang zu der Wohnung des Paares verschaffen,um diese dann umzugestalten.Oft wird das allerdings übertrieben und die Wohnung verunstaltet.
Auch die Hupkonzerte hinter dem Brautfahrzeug finde ich toll.Wenn ich ein Brautauto sehe,hupe ich immer fleißig mit.@ Reisefan
Bei uns wird die Zitronenscheibe in das Kristallweizen reingetan
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An Fasching gehen bei uns die Kinder verkleidet von Haus zu Haus "Mummes" sammeln, dazu singen sie : " Bin ein armer Keenig
gib mir nicht zu wenig !
Lass mich nicht so lange stehn,
denn ich muss noch weiter gehn.Die Leute geben dann Geld oder Süßigkeiten.

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Hallo zusammen!
Tja, was Gebräuche betrifft, hab ich auf Jamaica bei unserer Hochzeit einiges gelernt.
Bei uns ist es ja so, daß der Pastor eben seine Sprüche aufsagt, das Brautpaar antwortet usw. usw., aber auf Jamaica da ist eine Heirat erst richtig spannend.
Da muß der Bräutigam vorm Pastor beweisen, daß er seine zukünftige Frau auch zu Tisch führen kann in dem er der Braut den Stuhl zurechtrückt, und standesgemäß wartet bis sie Platz eingenommen hat. Auch muß er den Spruch ( welchen der Pastor Tage zuvor auf ein Blatt verewigt) auswendig lernen,
und sich dies Zeit der Ehe vor Augen halten.Der Spruch sinngemäß übersetzt: Das der Mann sich wohl überlegt hat, diese Frau zu ehelichen, er für sie in guten und schlechten Zeiten sorgen wird, sie nie beleidigen wird und bei Probleme anstatt Streß zu machen immer ein offenes Ohr hat.
Auch verlangt der Pastor das sich das Brautpaar liebevoll im Gesicht streicheln kann, als Zeichen der Liebe.
Und was ich persönlich sehr berührend fand war: die Hochzeitstorte mußte serviert werden, welcher der Pastor segnete, diese wurde dann zu dritt ( Pastor und das Ehepaar)
angeschnitten, und dann mußte der Bräutigam ein Stück in den Mund nehmen, um dieses dann anschließend zum Mund der Braut führen, als Zeichen, daß er seine Frau auch ernähren kann.Auf Jamaica wird das Hochzeitsmahl/buffet auch vom Brautpaar eröffnet. Niemand wird sich unterstehen, nur mit der Zustimmung des Paares was zu nehmen. Erst wenn sich das Brautpaar bedient hat.
Für mich war es ein Erlebnis besonderer Art!
Grüße
Mary
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