tsunami erinnerungen
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hallo liebe leute...
in ein paar wochen jährt sich das schreckliche ereignis, bei dem ca. 230.000 menschen zu tode gekommen sind, zum vierten male.
wie denkt ihr darüber? habt ihr angst, dass sich sowas in naher zukunft nochmal wiederholen kann? denkt ihr da gar nicht mehr dran? seid ihr immer noch beroffen von dem leid der menschen?
ich war damals auf teneriffa im urlaub und habe 2 tage auf dem zimmer gehockt um mir die reportagen anzusehen.
später dann gab es bilder von unidentifizierten toten im internet, die ein total aufgedunsenes gesicht hatten. diese bilder gehen mir noch immer nicht aus dem kopf.
mich würde auch interessieren: sind die spendengelder auch dort angekommen, wo sie gebraucht wurden? oder gibt es 4 jahre danach immer noch menschen, die kein zuhause haben?
nachdenkliche grüße -
Hallo
Die Spendengelder sind ganz sicher nicht dort angekommen, wo sie hätten hin gehört.
Zumindest ein Teil davon.Man denkt das Leben rückwärts aber "leben" kann es nur vorwärts

Ich glaube, daß damals und auch noch lange danach jeder! sehr viel an all die Menschen und Opfer gedacht hat aber ob das jetzt noch viele tun?
LG -
Ich erinnere mich an lang anhaltende und heftig kontrovers geführte Diskussionen hier im Forum nach der Katastrophe. Breiten Raum nahm in der Tat die Frage ein, ob die Spendengelder auch wirklich an ihrem Bestimmungsort eintreffen oder nicht. Ich gehörte damals zu den Zweiflern. Der Betroffenheitsschleim hier im Forum floß jedenfalls in Strömen, und man konnte den Eindruck gewinnen, daß es vielen relativ egal war, ob ihr Geld bei irgendwelchen obskuren, korrupten Regierungsvertretern landete oder dort, wo es hin sollte. Hauptsache, sie hatten mit einer Spende ihr Gewissen beruhigt.
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@maximax
ja, ich erinnere mich auch an die diskussionen.
und ich weiß, dass ich damals mein weihnachtsgeld gespendet habe.
natürlich habe ich vorher im i-net recherchiert, an wen ich es spende.
papier bzw. das geschriebene wort ist aber bekanntlich geduldig. ob mein geld da angekommen ist, wofür ich es gespendet habe, weiß ich noch immer nicht.
aber deswegen nicht spenden hätte ich auch fatal gefunden.
die andere alternative wäre gewesen, dort hin zu fliegen und das geld vor ort den bedürftigen geben. dazu fehlte mir die zeit und das geld. -
Kann mich noch genau erinnern. Am 26.12. sass ich im Super-Wartezimmer des Bumrungrad Krankenhauses in Bangkok. Als da dauernd Katastrophenbilder ueber den Fernseher flimmerten, dachte ich erst an historische Aufnahmen. Erst danach ging mir ein, dass das Realitaet und neu war. In Hua Hin war eben nichts davon zu merken, noch nicht einmal hohe Wellen.
Khao Lak, Phi Phi und einiges Andere hatte es dagegen fast weggeschwemmt. Irgendwie muss jedoch zumindest ein Teil der Hilfsgelder angekommen sein, da heute in den thailaendischen Urlaubsgebieten nicht nur nichts mehr von der Katastrophe zu merken ist, sondern mehr Hotels etc. als vorher existieren.
Und im hauptbetroffenen Gebiet in Indonesien war die Regierung in Djakarta bestimmt nicht betruebt darueber, dass ein Grossteil der aufmuepfigen Provinz Aceh quasi weggewischt wurde. Seitdem ist dort Ruhe.
Gespendet habe ich nebenbei keinen Heller, da bekanntermassen in den betroffenen Gebieten das Meiste in korrupten Bueros verschwindet. Dazu hat Thailand (zumindest am Anfang) die Hilfe von aussen abgelehnt. -
Ich kann nur zu Khao Lak in Thailand was sagen. Wir waren dort jeweils im Jan/Feb 03 und 04, hatten auch für 2005 wieder so gebucht.
Ja, und dann kam am 26.12.04 die Welle!
Ich habe nachts gegen 2h noch im Net von dem Seebeben vor Sumatra gelesen, mir aber nicht viel dabei gedacht. Am morgen und in den Tagen danach dann aber der pure Horror aus dem Internet und TV. Wochen später bin ich noch auf diese Seite im Net gestossen.
Wir haben damals für "Ärtze ohne Grenzen" gespendet, diese Organisation war direkt sehr engagiert in den betroffenen Regionen.
Durch unsere Aufenthalte wieder in Khao Lak im vorigen und diesem Jahr wissen wir, sehr viele Spendengelder sind in der betroffenen Region nicht angekommen. Aber die Leute dort haben in unglaublicher Eigenregie und mit hohen Schulden fast alles wieder aufgebaut. Es gibt entlang der ca. 25km Strände nur noch sehr wenige Ruinen.
Noch ein Link
So eine Katastophe wird sich bestimmt irgendwann und irgendwo wiederholen, aber niemand kann vorhersagen wann.
Ich jedenfalls sehe das Meer seitdem mit anderen Augen.
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Die Erinnerungen an den Tsunami konnten wir dieses Jahr auf Sri Lanka auffrischen. Vor Ort wurden wir uns erst richtig bewusst, welche Spur der Verwüstung der Tsunami hinterlassen hat, als wir in Richtung Galle fuhren. U. a. sieh mant dort der Zug, in dem viele Menschen umkamen.
Spendengelder für die Aktion Medeor sind wesentlich sinnvoller, als sie auf ein Konto irgendeiner Organisation zu überweisen. -
Wir denken immer wieder mal daran, weil wir recht häufig unsere Urlaubsbilder ansehen (sind ja nur
ein paar tausend). Der Tsunami war der Grund, das erste Mal nach Thailand (Phuket) zu fahren, um nicht nur zu spenden, sondern auch vor Ort Geld auszugeben. Da haben wir die Schäden gesehen und wenn wir jetzt am Strand entlang gehen, fällt uns dann wieder ein, wie es ausgesehen hat.
In unserem Lieblings-Supermarkt sagte die Besitzerin, dass sie 1000 Baht (ca. 20 EUR) bekommen habe. Im nächsten Jahr war der Laden dann auch weg (noch ein Schneider...). Andere Gäste, die schon viele Jahre dort Urlaub machen, haben gesammelt und dann aber das Geld nicht verschenkt, sondern den Thais das Geld für Material und Reparaturarbeiten erstattet, wenn tatsächlich was gemacht worden war. Ein Longtailboot war da mit der Aufschrift "This engine is a tsunami aid from Austria".
Darüber reden wollen die Thais meist nicht gerne. -
Ich denke immer daran, spätestens dann ,wenn ich wieder in Thailand bin und die Menschen vermisse, mit denen wir uns gut verstanden haben.
Wir haben damals kein Geld gespendet, wir fanden es besser, den Leuten vor Ort zu helfen , an den uns persönlich etwas lag, das mag jetzt vielleicht egoistisch erscheinen, aber unser Geld ist genau dort gelandet wo wir es haben wollten.
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Mich würde interessieren, was sich technisch in Sachen Frühwarnsystem seit der Katastrophe vor drei Jahren getan hat. In der Presse konnte man kürzlich lesen, daß Indonesien in den gefährdeten Gebieten ein solches System bereits installiert hat oder beabsichtigt, es zu tuen. Entwickelt wurde es von deutschen Technikern und Ingenieuren. Die Frage ist, wer es bezahlt hat oder bezahlen wird.
Läuft so etwas im Rahmen der Entwicklungshilfe? Meines Erachtens müßte Indonesien als Ölförderungsland durchaus in der Lage sein, für die Kosten aufzukommen.Was ist in Sri Lanka und Thailand bisher geschehen? Kann jemand aus der Userschaft darüber berichten?
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In Phuket und Khao Lak sind Warnsysteme errichtet worden , es gibts Türme mit Warnsirenen und in den gefährdeten Gebieten sind Schilder mit der Evacuation Route aufgestellt worden.
Es finden auch angemeldete Probealarme statt um zu sehen ob die Sirenen funktionieren.
Nur was nützt es wenn z.B. steht Evacuationroute 3 Kilometer bis zur sicheren Zone ????
Das kann man vielleicht mit einem Fahrzeug schaffen , aber laufen ???
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Die Warnsysteme für Phuket und Khao Lak kann ich bestätigen, im Indischen Ozean gab es sie vorher nicht. Für den Golf von Thailand dagegen schon.
Die Vorwarnzeit für die Westküste Thailand wären 2004 zwei Stunden gewesen, auch in Khao Lak kamen für manche noch rechtzeitig Anrufe von Phuket, nachdem die Welle ca. 20 Minuten vorher dort eingeschlagen war.
Aber 3 km sind weit, mit ein Grund, warum wir in Khao Lak immer Resorts am Sunset Beach wegen der Lage am Hang wählen.
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lexilexi,
lieben Dank für diesen Beitrag.
Auch ich war damals gerade von den Malediven zurück, saß 2. Weihnachten gemütlich bei den Schwiegereltern, und dann diese Meldungen. Recherchen, emails, Trauer, welche Inseln hats getroffen, wie schlimm, gibts die Insel überhaupt noch, wo man noch 2 Wochen vorher die Füsse in den Sand steckte.
Ob die Spendengelder dort angekommen sind, wo sie gebraucht wurden, ob sie überhaupt angekommen sind ?
In einem Malediven-Forum wurden damals Gelder gesammelt, mehrere 1000 EUR von usern, die sich halt dachten, dass diese Gelder gezielter ankommen, als alle Gelder der Hilfsorganisationen. Es wurden seitens der User Transporte organisiert, Hilfe organisiert. Es sollten Solar-Kocher und ähnliches besorgt werden, im Ergebnis hab ich nach Monaten aufgegeben, zu mutmaßen, ob tatsächlich irgendein Solar-Kocher irgendeine Insel erreicht haben könnte.
soweit ich weiss, ist die Entwicklung und das Pilotprojekt, das seit Nov.2008 "in Betrieb" ist, Teil des deutschen Beitrages zur konzertierten Hilfe der UN, 45 Mio sind seitens Deutschlands aus der Tsunami-Hilfe in das Projekt geflossen.
Kritiker glauben dennoch, dass trotz Frühwarnhilfe eine Verhinderung der katastrophalen Ausmaße 2004 nicht möglich gewesen wäre, allenfalls eine bessere weil frühere Koordinierung der ersten Hilfsmassnahmen, immerhin sind die ersten Gebiete bereits 10 min nach Seebeben von der Welle erfasst worden.
Grüsse
Heiko
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Heiko,
noch schlimmer! So viel Geld für ein untaugliches Frühwarnsystem!
Hat der Staat Indonesien eigentlich kein Eigeninteresse an der Installierung eines tauglichen Systems? Indonesien ist kein notleidendes Land. Warum muß also die UN die Kosten übernehmen? Mir drängt sich der Verdacht auf, daß das Frühwarnsystem Indonesien regelrecht aufgezwungen wurde.
bernhardt707 wählt in Khao Lak verständlicherweise immer Hotels, die am Hang liegen. Er verfährt so, wie die reichen Indonesier an den Küsten, sie bauen ihre Villen grundsätzlich auf Hügeln, um der Gefahr von Überschwemmungen zu entgehen. Hat der Staat eigentlich Interesse, dem tiefer wohnenden Prekariat zu helfen? Oder steht man auf dem Standpunkt: Hauptsache, der Elite auf ihren Hügeln kann nichts passieren?
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Ich denke jedes Jahr am 26.12. daran. Es war unser Abreisetag auf den Malediven. Wir sind dann mit einen Tag Verspätung in Deutschland gelandet... Erst hier ist es uns so richtig bewußt geworden, was der Tsunami angerichtet hat.
Ich saß vor dem Fernseher und habe nur geheult.
Auch wir haben damals über ein Maledivenforum gespendet.
Ein dreiviertel Jahr später sind wir wieder Richtung Malediven gestartet, Angst vor einen Tsunami hatte ich eigentlich nicht. Nur als dann Vollmond war, hatte ich ein mulmiges Gefühl. -
Auch für uns war es eine schreckliche Zeit als ständig diese Horrorbilder im TV kursierten.
Wir konnten oder wollten gar nicht richtig glauben was dort eigentlich passiert ist.
Im darauffolgenden September sind wir dann nach Sri Lanka geflogen. Unser Hotel hatte gerade erst wiedereröffnet. Was aber um das Hotel herum los war konnte keiner glauben. Alles lag in Trümmern und auch landeinwärts konnte man die ganze Zerstörung noch sehen.
Wir sind auch sehr schnell mit Einheimischen in Kontakt gekommen, welcher heute noch besteht. Diese haben uns dann berichtet, daß von den vielen Spendengeldern bei ihnen fast nichts angekommen ist. Lediglich die Gelder welche von Privatpersonen gebracht wurden konnten helfen.
Es war einfach nur grausam. Wir können alle nur hoffen, daß die neuen Warnsysteme im Ernstfall auch funktionieren und somit vielen Menschen das Leben retten werden.LG riedel
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@maximax: Ich bin selbst Tsunami Betroffener(Du kennst ja die Geschichte im Detail) - wurde gemeinsam mit meiner Frau, ganz kurz vor dem endgültigen Aus, verletzt - von einem Russen und zwei Briten unter Einsatz ihres eigenen Lebens gerettet.
Ich habe auch heute noch mit den Folgen des erlebten Grauens, unseres eigenen Schicksals und des leidvollen massenhaften Sterbens ringsum gelegentlich zu kämpfen.
Ein guter Freund von uns hat es an gleicher Stelle nicht geschafft.
Daher finde ich jedes Mittel, das helfen k ö n n t e, also auch die Subventionierung eines Tsunami Warnsystems für wichtig. Egal was es kostet, egal wer es bezahlt.
Und wenn auch nur einige zukünftig- davor geschützt werden könnten, hat es sich mehr als gelohnt, zu investieren....Wer die Flutwellen wie ich selbst erlebt hat, und völlig überraschend davon erfasst wurde, sieht die Dinge sicher aus einem anderen Winkel!
Tut mir leid ich kann Deine Kritik so nicht verstehen! -
Auch ich kann mich an diesen Tag noch genau erinnern. Wir waren zu der Zeit gerade auf Urlaub in Kenya. Ich wollte schnorcheln gehen und mein Mann (Kenyaner, an der Küste aufgewachsen) schaut sorgenvoll aufs Meer und sagt zu mir: "Paß aber gut auf, das Meer ist heute nicht normal!"
Am Abend haben wir im TV gesehen, warum das Meer nicht normal war.
LG TamuTatu
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Hallo Günter,
ich weiß, welches Grauen Du damals erlebt hast. Du hast unmittelbar nach Deiner Rückkehr in eindrucksvoller Weise darüber berichtet. Deine Gefühle kann ich, so glaube ich, nachempfinden. Ein solches Erleben bleibt nicht in den Knochen hängen. Jede unmittelbare Konfrontation mit dem Tod prägt einen nachhaltig.
Ich weiß, wovon ich rede!Um das klar zu stellen, wenn es möglicherweise falsch rübergekommen sein sollte: Ich wende mich nicht gegen die Entwicklung eines Frühwarnsystem. Wie könnte ich?! Und Du hast auch Recht, daß es im Grunde egal ist, wer für die Entwicklungs- und Installationskosten aufkommt. Danach fragt niemand, der in eine solche Gefahr gekommen ist.
Ich wende mich nur gegen die offensichtliche Gleichgültigkeit, ja geradezu Lethargie, die die Regierungen der damals betroffenen Länder davon abhielt, sich selber um die Realisierung von Schutzmaßnahmen zu kümmern. Und jetzt, nachdem andere, u.a. wir Deutsche, ein Frühwarnsystem konzipiert haben, lassen sie sich das von uns auch noch bezahlen, obschon ein Land wie Indonesien durchaus in der Lage wäre, das System zum Schutz der eigenen Bürger und der Touristen, die das Land besuchen, selber zu bezahlen. Ich frage mich, welche Überlegungen dahinter stecken und bleibe bei meinem Verdacht: Wenn es um den Schutz von elitären Bevölkerungsschichten ginge, würde man den Geldsack wie selbstverständlich aufmachen und die Kosten regulieren. Bei Problemen der prekären Klasse bleibt der selbe Geldsack zu....
Gruß Wolfgang