Urlaub in der Diktatur ?
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Nach einem Streitgespräch im Freundeskreis würde ich gerne mal wissen, wie ihr das seht:
Kann / soll / möchte man Urlaub in einem Land machen, von dessen Regierenden man weiß, dass sie keine korrekten Wahlen zulassen oder durch einen Putsch an die Macht gekommen sind, diktatorisch regieren und Menschenrechte verletzen, usw. usw.?
Geht mich das als Urlauber nichts an ? Oder boykottiere ich ?
Zur Erläuterung: Es ging bei diesem Streitgespräch um Griechenland unter der Militär-Junta in den späten 60ern und dem heutigen Nordkorea. -
hallo
ich bin hier ziemlich neu. hoffentlich mach ich nichts falsch wenn ich sage das ich die frage dxxx finde. ich will urlaub machen keine politik. -
@ curiosus
Danke. Hab mir ein paar Seiten davon gerade mal angeschaut.
@ Rainer (und Erik)
Ja, und gerade darum kam es ja zu einem Streitgespräch... Worüber kann ich mich hinwegsetzen, worüber nicht.
Z.B.: Ich fliege in die USA trotz Guantanamo, Todesstrafe, usw. Spanien unter Franco boomte....
Aber - immer vorausgesetzt, es wäre für Touristen ungefährlich - würde ich (vor allem als Frau) z.B. in den Iran reisen ?
Ist ja alles nur hypothetisch. Geht allein um die Frage: Wo fängt für mich das "NO GO" an. -
Hallo Anne, ich finde es gut, dass du dich damit auseinandersetzt.
Ich finde es wichtig, sich vorher über das Urlaubsziel zu informieren und dazu gehört nun mal auch etwas Politik.
Gerade bei politisch instabilen Ländern, Diktaturen usw. ist es meiner Meinung nach wichtig sich vorher zu informieren, wie man reist, wo man sein Geld ausgibt usw. (private Transportmittel nutzen, in privaten Guesthouses übernachten...)
Allerdings sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass man es als Tourist nicht ganz vermeiden kann, die Regierung zu unterstützen (das geht u. U. schon mit der Visagebühr los). -
anne49 wrote:
Aber - immer vorausgesetzt, es wäre für Touristen ungefährlich - würde ich (vor allem als Frau) z.B. in den Iran reisen ?Iran ist ein wunderschönes, sehr sehr (gast)freundliches Reiseland, reich an schönen Landschaften, prächtigern Städten und wunderbaren Sehenswürdigkeiten. Die Kleidervorschriften sind lästig, haben aber zumindest den Vorteil, dass man quasi per Zwang mit den einheimischen Frauen solidarisiert wird und ganz schnell mit den Leuten ins Gespräch kommt.
Zum Thema: Es ist typisch, dass natürlich gleich wieder nur an den "Schurkenstaat Iran" oder "Spanien unter Franco" gedacht wird.
Aber dieselben Leute fahren fröhlich zum Badeurlaub ins sonnige Ägypten. Und Ägypten ist eine der verkrustetsten Diktaturen überhaupt, mit einem greisen Staatsoberhaupt, das sich seit nun bald 30 Jahren an die Macht klammert. Das Land ist seit 1983 im Ausnahmezustand, Folter und willkürlicher Verhaftung von Oppositionellen sind an der Tagesordnung, die Situation der Frauen wird durch den Islam-Backlash immer schlechter.
Ähnlich ist es mit anderen beliebten Badezielen wie Kuba, Kenia oder Thailand.
Ich sehe das so: Iraner sehen jeden Touristen als Chance, ein anderes Iranbild mitzugeben, als das Zerrbild in den westlichen Medien. Sie wollen diskutieren und sich austauschen, fragen nach unserer Meinung. Solcher Austausch und der Abbau von Vorurteilen auf beiden Seiten rechtfertigt das Reisen (damit sind nicht zwei Wochen Strandurlaub gemeint). -
Ich sag bei dieser Frage immer: Ich mach Urlaub im Land und bei den Menschen und nicht beim Herrn Diktator. Helfe ich den Menschen in Kuba, China oder Myanmar dadurch, dass ich fern bleibe?! Kann ich mir nicht vorstellen.
Zum Thema Nordkorea: Dort würde ich nicht Urlaub machen. Aber nur deshalb, weil mir da wichtige Dinge fehlen würden. In Nordkorea darf man sich als Tourist nicht frei bewegen, sein Hotel nicht frei wählen, der Kontakt zur Bevölkerung ist verboten, man bekommt einen "Reiseführer" (Aufpasser) zugewiesen,...
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Bei solchen Diskussionen/Streitgesprächen sollte man sich erst mal an die eigene Nase fassen....
Denn dann dürfte man ja nach DE jetzt auch nicht reisen.....
Beispiel: Das ein Staat einer Kirche das Recht anerkennt, sich Körperschaft des öffentlichen Rechtes zu nennen, die jahrelang in ihren Statuten hatte, eigene Arbeitnehmer die straffällig geworden sind, nicht der Staatsanwaltschaft/Polizei zu übergeben....
Deswegen halte ich es so, ich fahr in ein Land, was für mich "als urlaubssicher" gilt, d. h. wo eigentlich davon ausgehen kann, wieder "heil" nach Hause zu kommen. Da würden mich kritische, politische Verhältnisse nicht stören, nur -wenn jetzt wie in Thailand- Unruhen aufkommen, fahre ich dorthin nicht....weil mir das Risiko zu groß ist..... -
@ Sibirier
Ist die Sache mit der Kirche wirklich nur ein deutsches Problem ?
Wir haben aber in der Tat auch über Deutschland gesprochen, aber über ein Ereignis, dass schon sehr lange zurück liegt und von niemandem von uns miterlebt wurde - nämlich über die Olympischen Spiele während der Hitler-Zeit in Deutschland... und über all die Staatsgrößen, Sportgrößen, die halt passiv durch ihren Besuch teilnahmen und... "akzeptieren".
Na ja, ist eine andere Geschichte.
Es ging bei der Diskussion aber nicht um die Sicherheit der Touristen - die setzten wir einfach mal so als gegeben voraus.
Das Thema war: Touristen riskieren nichts, aber die politische Situation im Land empfinde ich als untragbar.
Und da war die Schmerzgrenze bezüglich "untragbar" bei den Leuten halt sehr unterschiedlich. -
@anne49: Ja, die Sache mit der Kirche ist ein deutsches Problem, weil unsere Regierungen es zugelassen haben, ihr den Status "Körperschaft des öffentlichen Rechtes" zu geben.
Und diesen Antrag hat die Kirche nun einmal in DE zu stellen und der sollte genau geprüft werden....
Ob jemand die politische Situation "untragbar" empfindet, muss jemand selbst wissen und erfahren.
Ich lebe in Russland, das nunmehr seit 7 Jahren. Ich weiß, wie oft die Presse in DE negativ schreibt. Schlimmstes Beispiel im November/Dezember 2008. Eine überregionale Tageszeitung (nicht Blödzeitung) schreibt, Finanzkrise in Moskau sind die Regale in den Geschäften schon leer.... Mein Chef und ich -beide leben in Moskau- haben höchstens mal leere Regale gesehen, wenn die leergeräumt waren, weil man sie sauber wischt.... -
Ich mache dort Urlaub wo es mir gefällt und wo ich als Landesgast willkommen bin.
Welche Regierungsform das jeweilige Land vorweist interessiert mich nur beiläufig und nicht primär.Wer dieses mit seinem politischen oder Humanen Gewissen nicht vereinbaren kann, sollte überlegen, welche Länder politisch so unbefleckt sind, dass man dort „keine *** durchs Dorf treiben könnte“.
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"Ob jemand die politische Situation "untragbar" empfindet, muss jemand selbst wissen und erfahren."
Ja, aber darum geht's doch hier...
Demzufolge: Wenn denn jemand aus einem anderen Land die Kirchensituation hier in Deutschland untragbar findet und nicht damit leben kann, macht er eben keinen Urlaub mehr hier.
Ich hatte mich - um das Ganze nicht ausufern zu lassen - allerdings hier auf den Staat beschränkt, das heißt, z.B. ein Land, wo keine korrekten Wahlen stattfinden , Diktatur herrscht... -
anne49 wrote:
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Ich hatte mich - um das Ganze nicht ausufern zu lassen - allerdings hier auf den Staat beschränkt, das heißt, z.B. ein Land, wo keine korrekten Wahlen stattfinden , Diktatur herrscht...Oder Länder in denen der Wähler keine Alternativen hat, wie z.B. in deutschlands NRW wo die Wahlbeteiligung bei knapp 50% lag.

Sind es korrekte Wahlen wenn 50% der Bürger eines Landes keine politischen Alternativen vorfinden? -
@zereon161
Auch OT:
Die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in NRW 2010 lag bei 59,3 % - bitte also korrekt informieren.
Und jetzt zurück zum Thema, bitte!
LG
Sokrates
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Raeci wrote:
Gerade bei politisch instabilen Ländern, Diktaturen usw. ist es meiner Meinung nach wichtig sich vorher zu informieren, wie man reist, wo man sein Geld ausgibt usw...Allerdings sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass man es als Tourist nicht ganz vermeiden kann, die Regierung zu unterstützen (das geht u. U. schon mit der Visagebühr los).
Will man sie aber ganz und gar nicht unterstützen, schränkt das die Reisemöglichkeiten schon erheblich ein...

@ Alexa
Ich wollte das Land auf keinen Fall abwerten. Ich habe es als Beispiel zitiert und hätte - wie du schreibst - auch andere Länder benennen können.
