Ich habe meine erste Kreuzfahrt 1994 mit einem (damals) durchaus großen Schiff gemacht, der Regent Sun (25.000 BRT, 800 Passagiere, 500 Besatzung). Die Regent Sun hatte einen Outdoor- und einen Indoor-Pool, ein Theater, ein separates Kino, eine verglaste Promenade usw.
Wir haben es genossen, unsere feste Tischzeit zu haben, einen festen Kellner, einen festen Hilfskellner und den Getränkekellner. Auf die Gespräche mit unseren Tischnachbarn haben wir uns regelrecht gefreut. Auch auf das Captainsdinner.
Etwa drei Jahre später haben wir eine traditionelle Schiffsreise auf einem italienischen Schiff gemacht, diesmal aber mit einem Kleinkind. Das Ergebnis war schrecklich. Mit kleinem Kind ging eine traditionelle Schiffsreise kaum.
2012 und 2013 haben wir es dann (mit einem nun fast erwachsenen Kind) noch mal versucht, diesmal mit dem Freestyle-Konzept von NCL (Norwegian Sky und Pride of America). Und es war toll! Ich brauche kein Captainsdinner mehr und auch keinen dunklen Anzug. Meine Familie hat Buffet-Essen bevorzugt, das hat mich betrübt. Aber jeder hat bei dem Freestyle-Konzept die Möglichkeit, gediegen zu speisen und auch Tischnachbarn zu haben, um einen netten Smalltalk zu halten. Man kann, aber man muss nicht. Das gefällt mir.
Was ich damit sagen möchte, ist letztlich nur, dass sich die Zeiten ändern. Vieles wird anders, aber nicht unbedingt schlechter. Die (damals wunderschöne und herrliche) Regent Sun ruht längst vor Südafrika in ihrem nassen Grab in rund 2000 m Tiefe. Und ich suche nach der nächsten Kreuzfahrt, auf der ich keinen dunklen Anzug benötige...