"emdebo" wrote:
Dieses Denken - Verträge, um Kunden abzuschrecken ... - ist genau der Punkt: Man muß Kunden gewinnen, überzeugen und an sich binden, um erfolgreich im schwierigen Zukunftsmarkt Urlaub zu bestehen.
Da gebe ich dir schon recht. Trotzdem weiß ich aus der Praxis, dass Kunden jedes - gratis - Schlupfloch bis zum Abwinken ausnützen (würden).
Letzlich müssten es dann die tatsächlich Reisenden mit höheren Preisen bezahlen.
Ich glaube auch, dass die Bindung von Konsumenten an ein Produkt oder Verkaufslokal schwächer geworden ist. Mögen vor 10 Jahren noch moralische Aspekte den einen oder anderen an einem Wechsel oder ständigen Wechsel gehindert haben, so gibt es diese heute nicht mehr.
Und somit würden zwar Konsumenten Arrangements mit null Stornogebühren mit Freuden buchen, aber letztlich wohl auch viele wieder stornieren.
Wie oft haben wir es bei unseren Seniorengruppen, bei denen wir nicht ganz so streng mit Buchungsbestätigungen und Anzahlungen sind, dass dann einer kommt und meint, er hätte sich nie angemeldet. Und ohne Unterschrift oder zuminest einer Anzahlung ist es aus rechtlicher Sicht sinnlos und aus der Sicht der Kundenbindung und -zufriedenheit sowieso.
Oder noch so ein praktisches Beispiel von jetzt. Bei einer kulinarischen Reise ins Friaul haben wir von zwei guten Kunden, sprich Freunden, die Zusage für insgesamt 18 Personen. Mit dieser Zahl führte ich die Reise kostendeckend ohne Gewinn durch. Da aber keiner dieser Personen unterschrieben hat, weil es bei den beiden Auftraggebern so üblich ist, kann es mir passieren, dass dann kurzfristig zwei oder mehrere Personen absagen. Bei Buskosten pro Person jenseits der hundert Euro muss ich diese Fahrt absagen. Keiner will mir die Garantie geben und ich kann nicht Beträge von 200, 300 oder 400 Euro selbst tragen, wo eh schon kein Deckungsbeitrag zu verdienen wäre.
Somit "sterben" 14 - 15 oder mehr Willige um eine schöne Fahrt.
Das wäre dann der Auswuchs von keinen Stornogebühren (obiger Fall ist sicherlich eine Ausnahme und speziell-Peter-Fall, aber einer aus der Realität!).
In unserem Busbetriebsbereich verlangen wir keine Stornogebühren. Müssen aber in der Tat damit leben, dass Gruppen am Nachmittag anrufen, um die Transfers am Abend oder den Tagesausflug am nächsten Tag absagen. Jetzt, im Winter, wo wir an Wochenenden alle unsere 30 Busse im Einsatz haben, bedeutet eine Absage Freitag um 16 Uhr einen echten Verlust. Denn den Wagen hätten wir am Donnerstag noch vermietet können und steht jetzt am Samstag im Stall.
Nun sind wir aber nur ein Mittelbetrieb. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es wirtschaftlich auf Dauer zum Überleben wäre, im Pauschalreisesektor gar keine Stornogebühren mehr zu verlangen oder nur pauschale geringe(re) Entschädigungen.
Die eine Seite - der Konsument:
er wünscht sich klarerweise günstig, keine Verpflichtungen, Wahlmöglichkeit bis zum letzten Punkt
Die Frage, die wir hier zu Dritt hin und her wälzen ist, wird es Realität werden oder träumen wir hier wirtschaftlichen Unsinn??
meint
Peter
wenn ich solche Beiträge lese...