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Lavendelfeld im Sommer in Provence, Frankreich © Mlenny via Getty Images
© Mlenny via Getty Images

Lila bis zum Horizont

Roadtrip durch die Provence: Erlebe die Lavendelblüte zur besten Zeit

Die Luft riecht nach Seife, nach Sommer, nach irgendwas, das kein Parfüm der Welt wirklich nachahmt. Im Ohr das gedämpfte Summen von zehntausend Bienen. Das ist die Provence im Juni und wer sie einmal so erlebt hat, kommt immer wieder.

Dieser Roadtrip führt durch drei der schönsten Lavendelregionen Südfrankreichs: die Hochebene von Valensole, den Luberon und das Hochplateau rund um Sault. Wer eine Woche einplant, erlebt nicht nur die Blüte in ihrer vollen Pracht, sondern auch mittelalterliche Dörfer, tiefe Schluchten, den Duft von Olivenöl und Rosmarin und begreift, warum van Gogh und Cézanne nie wirklich weggehen wollten.

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Luftblick auf eine Landstraße umgeben von violetten Feldern im Sommer (c) 2023 nblx/Shutterstock
Luftblick auf eine Landstraße umgeben von violetten Feldern im Sommer (c) 2023 nblx/Shutterstock

Das richtige Timing: So erwischst Du die Blüte

Die Lavendelblüte ist kein fester Termin im Kalender, sie ist ein Naturereignis, das sich jedes Jahr ein wenig anders verhält. Die zuverlässigste Reisezeit liegt zwischen Mitte Juni und Ende Juli, wobei die ersten Juliwochen meist den Höhepunkt markieren. Wer vor den französischen Sommerferien anreist, die Anfang Juli beginnen, hat die Straßen noch deutlich für sich.

Dabei lohnt es sich, die unterschiedlichen Anbaugebiete zu kennen: Der Lavandin, die weitverbreitete Kultursorte, blüht in tieferen Lagen ab Mitte Juni. Der echte Lavendel (Lavandula angustifolia), der in den Bergregionen ab 600 Metern Höhe wächst, ist seltener, wertvoller und hält länger. Rund um Sault, auf über 800 Metern, blühen die Felder oft noch bis Mitte August, wenn im Valensole die Ernte längst läuft.

Die berühmten Lavendelfelder auf der Insel Hvar, Kroatien ©Stipe Surac/HUBER IMAGES
Praktischer Tipp

Auf der Webseite der Routes de la Lavande gibt es eine interaktive Karte mit aktuellen Blüteständen. Ein kurzer Blick vor der Abreise kann den Unterschied machen zwischen lila Feldern und braunen Stoppeln.

Ein Lavendelfeld vor einer alten Kirche in Vaucluse, Luberon, Provence, Frankreich
Die Region im Luberon wird von kleinen Dörfern mit alten Abteien oder zerfallenen Burgen geprägt. © Getty Images / Manfred Gottschalk

Die Route: Sieben Tage durch Luberon, Valensole und Sault

Tag 1–2: Ankunft in Avignon und erster Vorgeschmack

Avignon ist ein idealer Startpunkt. Gut erreichbar per Zug aus Paris oder per Flug nach Marseille, von wo es 80 Kilometer nach Norden geht. Die Stadt selbst ist ein Stück Geschichte: Der Palais des Papes, der größte gotische Palast Europas und die berühmte Pont Saint-Bénézet gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Für den zweiten Morgen empfiehlt sich ein früher Aufbruch in Richtung Gordes. Das Dorf thront auf einem Kalksteinhügel des Luberon und gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Nicht umsonst ist es ein gemaltes Postkartenklischee, das aber live nichts von seiner Wirkung verliert. Von hier aus sind es nur wenige Kilometer zur Abbaye de Sénanque, dem vielleicht fotografiertesten Motiv der gesamten Provence: ein romanisches Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert, das im Sommer von einem Lavendelfeld umgeben wird.

Die Abtei ist mittlerweile eines der meistbesuchten Fotomotive Südfrankreichs. Wer das volle Postkartenerlebnis ohne Selfie-Sticks will, sollte kurz nach Sonnenaufgang erscheinen, um sieben Uhr ist noch Stille.

Panoramasicht auf das mittelalterliche Dorf Bonnieux in der Provence, Frankreich (c) 2022 Majonit/Shutterstock
Panoramasicht auf das mittelalterliche Dorf Bonnieux in der Provence, Frankreich (c) 2022 Majonit/Shutterstock

Tag 3: Das Luberon – Ochre, Lavendel und Dorfidylle

Die Landschaft des Luberon ist ein Farbexperiment. In Roussillon stoßen die violetten Lavendelfelder auf glutrote Ockerfelsen, ein Kontrast, der surreal wirkt und dennoch natürlich ist. Die Abbaugruben rund ums Dorf wurden in einen Wanderweg verwandelt, den Sentier des Ocres, der durch bizarre Felsformationen in allen Rottönen führt.

Weiter geht es nach Bonnieux, auf einem Hügel gelegen mit Blick über die gesamte Ebene und an klaren Tagen bis zum Mont Ventoux. Abends empfiehlt sich ein Stopp am Lavendelmuseum in Coustellet, dem Musée de la Lavande im Luberon, das in einem alten provenzalischen Steinhaus untergebracht ist und mit historischen Destillationsapparaten erklärt, warum der Lavendelanbau hier nicht nur Folklore ist, sondern jahrhundertealtes Handwerk.

Eine Maschine in der Provence, die die Lavandin-Pflanze erntet (c) 2024 Voyagerix/Shutterstock
Eine Maschine in der Provence, die die Lavandin-Pflanze erntet (c) 2024 Voyagerix/Shutterstock

Tag 4: Valensole – das violette Herz der Provence

Die Hochebene von Valensole, etwa 80 Kilometer östlich von Avignon, ist die bekannteste Lavendelregion Frankreichs und das aus gutem Grund. Die Felder hier sind weitläufig, fast endlos und der Lavandin gedeiht in Reihen, die wie Pinselstriche über die Hügelkuppen gezogen wirken.

Das Dorf Valensole selbst ist angenehm unaufgeregt: ein provenzalischer Hauptplatz mit Platanen, einem Brunnen und Café. Wer die Felder nicht nur aus dem Auto genießen möchte, sollte einen Spaziergang entlang der unbefestigten Wirtschaftswege einplanen. Die meisten LandwirtInnen tolerieren SpaziergängerInnen auf den Feldrändern, solange die Pflanzen nicht betreten werden.

Wer Glück hat, erlebt hier die Lavendelernte aus nächster Nähe. In kleineren Betrieben wird noch mit der Sense gearbeitet; auf großen Feldern rattern Erntemaschinen durch die Reihen und pressen den frisch geernteten Lavendel direkt in die fahrbaren Destillierapparate. Destillerie Bleu d'Argens in der Nähe von Valensole bietet Rundgänge an und erklärt den Weg vom Feld zum ätherischen Öl.

Die große Schlucht der Gorges du Verdon in Frankreich (c) 2024 dra_photos/Shutterstock
Die große Schlucht der Gorges du Verdon in Frankreich (c) 2024 dra_photos/Shutterstock

Tag 5: Die Verdonschlucht – ein Abstecher ins Dramatische

Wer glaubt, die Provence sei ausschließlich sanfte Hügel und violette Felder, hat die Gorges du Verdon noch nicht gesehen. Die bis zu 700 Meter tiefe Schlucht ist eine der spektakulärsten Natursehenswürdigkeiten Europas. Das Wasser des Verdon leuchtet in einem unwirklichen Türkis, die Felswände fallen senkrecht ab und die Route des Crêtes schlängelt sich an den Abbruchkanten entlang.

Am Ende der Schlucht liegt der Lac de Sainte-Croix, ein Stausee mit Badestränden, an dem die Provence kurzfristig eine andere, entspanntere Seite zeigt. Hier sind viele Kajak- und SchlauchbootfahrerInnen unterwegs, die sich durch durch den unteren Teil der Schlucht treiben lassen.

Blick auf Sault, ein Bergdorf in der Provence, hinter blühenden Lavendelreihen (c) 2021 JeniFoto/Shutterstock
Blick auf Sault, ein Bergdorf in der Provence, hinter blühenden Lavendelreihen (c) 2021 JeniFoto/Shutterstock

Tag 6: Sault – Lavendel auf Zeit

Das Hochplateau rund um Sault ist das Geheimnis der Langblüher. Auf 812 Metern Höhe wächst hier der echte Lavendel, der die Felder oft noch bis in den August hinein lila hält. Der Ort selbst – mit einem wöchentlichen Markt und einer Kooperative, die Lavendelprodukte direkt von den Produzenten verkauft – ist der am wenigsten touristische der ganzen Route.

Von Sault aus führt ein 4-Kilometer-Lehrpfad durch die umliegenden Felder, mit Informationstafeln zu Botanik, Ernte und Anbau. Wer früh genug da ist, sieht den Morgen über einem lila Teppich aufgehen.

Jedes Jahr am 15. August feiert Sault sein Lavendelfest mit Umzügen, Trachtengruppen und Musik. Für Reisende mit flexiblem Timing ist das ein Event, das sich lohnt.

Altstadt Aix-en-Provence, Provence
Altstadt Aix-en-Provence, Provence © Shutterstock - RossHelen

Tag 7: Aix-en-Provence und Rückblick

Aix ist der elegante Abschluss dieser Route. Die Cézanne-Stadt mit ihren Boulevards, Brunnen und dem samstäglichen Markt auf dem Cours Mirabeau zeigt, dass die Provence auch eine urbane Seite hat. Cafés mit frisch gepressten Aprikosensirup, Buchhandlungen mit Auslagen auf der Gasse und überall der Duft von Lavendel, den die MarktverkäuferInnen in kleinen Bündeln für ein paar Euro anbieten.

Wer noch einen Tag hat, fährt nach Manosque zur Fabrik von L'Occitane en Provence, die täglich Führungen auf Englisch und Französisch anbietet. Die Kosmetikmarke wurde 1976 in einem provenzalischen Dorf gegründet und ist bis heute eng mit der Lavendellandschaft der Region verknüpft. Im angeschlossenen Garten kann man zwischen Lavendel, Rosmarin und Immortelle spazieren.

Praktisches für die Roadtrip-Planung

Unterkunft: Frühzeitig buchen – der Juni und frühe Juli ist Hochsaison in der Provence. Als Base eignen sich besonders gut Avignon (urbane Infrastruktur, gute Lage), Gordes (mitten in der Lavendelregion) und Sault (für Berglavendel und Ruhe).

Beste Fotomöglichkeiten: Das Licht in der Provence hat seinen besten Moment kurz nach Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang, wenn die Felder in warmem Orange-Violett leuchten. Drohnenflüge sind über Feldern und in Ortsnähe in Frankreich oft verboten, die lokalen Hinweisschilder sollten ernst genommen werden.

Gastronomie: Die Lavendelblüte ist Marktzeit. Auf jedem Wochenmarkt der Region gibt es Lavendelhonig, Lavendelsirup, Lavendelkekse und Lavendel-Crème brûlée, aber auch Tapenade, frischen Ziegenkäse, Rosé aus der Côtes du Rhône und provenzalische Oliven. Wer auf Märkten isst, isst besser und günstiger.

Temperaturen: Der Juni bringt meist angenehme 25 Grad; im Juli können die Temperaturen über 35 Grad klettern, mit möglichen Nachmittagsgewittern. Morgentouren sind nicht nur fotografisch, sondern auch klimatisch die klügere Wahl. In den Höhenlagen rund um Sault ist es auch im Hochsommer merklich kühler.

Ein Duft, der bleibt

Am Ende dieser Route bleibt vor allem eine Erkenntnis: Eine Woche reicht nicht. Nicht weil die Provence überwältigt oder überfordert, sondern weil man irgendwo auf der Strecke anfängt, langsamer zu werden. Wer einmal durch die Provence zur Lavendelblüte gefahren ist, nimmt etwas mit, das schwer zu beschreiben ist. Man muss nicht jedes Dorf gesehen haben, um diese Reise als vollständig zu empfinden. Manchmal reicht es, einmal anzuhalten, auszusteigen und eine Minute lang nichts zu tun, als da zu stehen zwischen lila Reihen.

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