Skifahren im Himalaya
Gulmarg in Indien: Eines der außergewöhnlichsten Skigebiete der Welt
Der Name Gulmarg lässt sich mit Blumenwiese übersetzen. In den Sommermonaten zeigt sich das weitläufige Hochtal im westlichen Himalaya von seiner grünen Seite. Sobald jedoch der Winter einzieht, verwandelt sich Gulmarg im indisch kontrollierten Gebiet von Jammu und Kashmir in eines der ungewöhnlichsten Wintersportreviere weltweit – ein Ziel, das besonders versierte FreeriderInnen magisch anzieht.
Indien jenseits der bekannten Bilder
Das Bild von Indien ist im Westen häufig von Klischees geprägt: Tempelanlagen, exotische Gewürze, überfüllte Metropolen und spirituelle Selbstfindung. Abseits dieser stereotypen Vorstellungen wartet das Land jedoch mit einer beeindruckenden landschaftlichen Bandbreite auf. Vor allem der Himalaya hat sich längst nicht mehr ausschließlich AlpinistInnen und Expeditionsteams vorbehalten. In einigen wenigen Gegenden, allen voran in Gulmarg, hat sich auch der Wintersport einen festen Platz erobert, wenn auch als echtes Nischenangebot.
Skifahren auf fast 4.000 Metern Höhe
Gulmarg erstreckt sich auf einer Höhe zwischen etwa 2.650 und 2.700 Metern und gehört damit zu den höchstgelegenen Skigebieten überhaupt. Das Herzstück der Infrastruktur bildet die Gulmarg Gondola – eine der höchstgelegenen Seilbahnen weltweit. Sie transportiert Dich von der Talstation über die Zwischenstation Kongdoori hinauf auf knapp 3.950 Meter zum Mount Apharwat. Von dort eröffnet sich ein weitreichendes Hochgebirgsgelände mit tiefem Pulverschnee, steilen Hängen und nahezu grenzenlosen Abfahrtsmöglichkeiten.
Ein Paradies für FreeriderInnen
International hat sich Gulmarg vor allem als Freeride-Destination einen Namen gemacht. Das Terrain rund um den Apharwat Peak, dessen höchste Gipfel über 4.300 Meter aufragen, zählt zu den größten ungesicherten Skiarealen weltweit. Markierte Strecken, Absperrungen oder einen flächendeckenden Lawinenschutz wie in den Alpen suchst Du hier vergebens. Die Gefahr von Lawinen, abrupte Wetterwechsel und Orientierungsverlust bei Whiteout-Situationen stellen reale Risiken dar.
Lokale Guides sind daher anzuraten – nicht nur aus Sicherheitsaspekten, sondern auch wegen der schieren Ausdehnung des Geländes. Die medizinische Versorgung vor Ort ist eingeschränkt, Rettungsaktionen können sich aufgrund von Wetterlage, Höhenbedingungen und militärischen Freigaben verzögern.
Überschaubares Pistenangebot
Neben dem offenen Gelände bietet Gulmarg lediglich wenige und relativ kurze präparierte Abfahrten von maximal drei Kilometern Länge am Stück. Insgesamt stehen circa 7,5 Kilometer leichte, 16,5 Kilometer mittelschwere sowie sechs Kilometer anspruchsvolle Pisten zur Verfügung. Sie alle ermöglichen zwar vergleichsweise kontrollierte Verhältnisse, doch auch die mittleren und schweren Abfahrten befinden sich in großer Höhe und lassen sich nicht mit alpinen Großskigebieten vergleichen. Auch hier gilt: Die Höhenlage, das Wetter und die begrenzte Infrastruktur verlangen Erfahrung und Vorsicht.
Kein klassisches Urlaubsziel
Gulmarg eignet sich nicht als typische Destination für EinsteigerInnen oder Familien. Militärische Präsenz, spontane Straßensperrungen und politische Spannungen gehören in dieser Region zum Alltag, auch wenn der Skiort selbst zumeist friedlich und erreichbar bleibt. Wenn Du die Reise unternimmst, solltest Du auf jeden Fall aktuelle Reisewarnungen im Blick haben. Fährst Du allerdings schließlich die Pisten hinunter, bewegst Du Dich in einem weltweit einzigartigen Spannungsfeld aus grandioser Landschaft, sportlicher Freiheit und echten Gefahren.
Für erfahrene SkifahrerInnen und SnowboarderInnen, die sich dieser Gegebenheiten bewusst sind, kann Gulmarg ein unvergessliches Erlebnis bieten: Wintersport im Hochgebirge des Himalaya – ursprünglich, wild und weit entfernt von der Komfortzone europäischer Skiresorts.
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