Städtereisen
Unbekannt, wunderschön, unschlagbar günstig: 8 Gründe für einen Trip nach Oradea
Jugendstil-Architektur wie in Wien, Thermalbäder wie in Budapest und Preise wie nur noch selten in Europa — und trotzdem haben die meisten noch nie von Oradea gehört. Hier sind acht Gründe, warum Du die Stadt im Westen Rumäniens möglichst bald besuchen solltest. Achtung: Es besteht die Gefahr, dass Du Dich schockverliebst!
Jugendstil-Architektur
89 Prachtbauten aus der Belle Époque
Als die Stadt noch zum österreichisch-ungarischen Kaiserreich gehörte, bauten hier wohlhabende Kaufleute, Fabrikanten und Bankiers um die Wette — jeder wollte eine noch prächtigere Fassade errichten. 89 dieser Jugendstil-Gebäude stehen noch, die meisten entlang der Fußgängerzone Republicii und rund um den zentralen Piața Unirii.
Du biegst in die Passage des Schwarzen-Adler-Palastes ein, wo sich unter einem gläsernen Dach Cafés und Boutiquen zwischen floralen Ornamenten und bunten Kacheln reihen. Auf der Calea Republicii wartet der spektakulär blaue Palatul Moskovits. Und im Darvaș–La Roche-Haus von 1909, Rumäniens einzigem Jugendstilmuseum, siehst Du, wie die Bourgeoisie der Belle Époque hier das Leben genossen hat.
Mondkirche
Goldenes Meisterwerk
Technik, Glaube und Astronomie: Am Piața Unirii ragt die Biserica cu Luna, die Mondkirche, in den Himmel. Das Besondere an der orthodoxen Kathedrale ist ihr 55 Meter hoher Turm. Dort oben dreht sich unter dem Zifferblatt eine metergroße Kugel — halb schwarz, halb golden —, die in 28 Tagen alle Mondphasen durchläuft. Den Mechanismus baute der Uhrmacher Georg Rueppe im Jahr 1793 und er funktioniert bis heute.
Du kannst den Turm besteigen und das Uhrwerk aus der Nähe betrachten. Die Kathedrale ist im Stil des späten Barock erbaut – ein Kontrast zu den Jugendstilbauten ringsherum. Innen fasziniert sie mit goldverzierten Heiligenbildern und Fresken.
Festung Cetatea Oradea
Erst Fürstenpalast, dann Lagerhalle, jetzt Kulturzentrum
Fünf Bastionen, ein Wassergraben und fast tausend Jahre Geschichte — die Cetatea Oradea entstand Ende des elften Jahrhunderts auf einer Flussinsel. Seither wurde sie von Tataren, Osmanen und Habsburgern belagert, zerstört und immer wieder aufgebaut. Ab 1975 diente sie als Großhandelslager — bis die Stadt 21 Millionen Euro in die Restaurierung steckte und die Festung 2015 als Kulturzentrum wiedereröffnete.
In den Flügeln des Fürstenpalastes sind das Stadtmuseum, eine Kunstgalerie und ein Brotmuseum untergebracht. Im Sommer finden im Innenhof regelmäßig Konzerte, Street-Food-Festivals und Open-Air-Veranstaltungen statt. Der Eintritt ins Gelände ist frei.

Michaelas Tipp
Anfang Juli verwandelt sich die Festung drei Tage lang in eines der größten Mittelalter-Festivals Rumäniens — mit 800 Rittern und KämpferInnen aus ganz Europa, Turnieren, Handwerksvorführungen und Feuershows.
Thermalstadt mit Tradition
45 Grad heißes Heilwasser
Zehn Autominuten südlich der Stadt dampft Băile Felix. Die erste Erwähnung der heißen Quellen stammt aus einem Vatikandokument von 1221 – bis heute liefert sie 40 bis 49 Grad heißes Thermalwasser. Dieses ist als Heilwasser anerkannt und reich an Kalzium, Natrium und Silizium. Es soll bei Gelenkbeschwerden, rheumatischen Erkrankungen und zur Rehabilitation nach Operationen helfen.
Wellness kannst Du hier vom einfachen Freibecken bis zum Fünf-Sterne-Resort mit Aquapark haben: Im Strand Apollo-Felix, dem größten ganzjährig geöffneten Thermalbad Rumäniens, gibt es zehn unterschiedliche Becken. Auch mit Hydromassage-Düsen, die Deine Muskeln lockern. Oder lieber auf die Wasserrutsche? Wenn Du mit Kindern unterwegs bist, ist der Aquapark Nymphaea ein ideales Ziel: 15 Becken, darunter auch Wellenbecken, zehn Rutschen und ein eigener Kinderbereich.

Michaelas Tipp
Das Tagesticket fürs Apollo-Felix kostet rund zwölf Euro. Zum Vergleich: Im Budapester Széchenyi-Bad zahlst Du fast das Dreifache.
Drei-Kulturen-Gastronomie
Gulasch, Mici und Strudel
Die Geschichte der Stadt kannst Du auch kulinarisch entdecken. Denn auf jeder Speisekarte findest Du ungarisches Gulasch, das rumänische Nationalgericht Mici vom Grill (kleine, würzige Hackfleischröllchen) sowie Strudel und Torten, die an Wiener Kaffeehauskultur erinnern.
Der beste Lebensmittelmarkt ist die frisch modernisierte Piața Rogerius, täglich geöffnet, mit Obst und Gemüse von BäuerInnen aus der Umgebung. Unbedingt probieren musst Du auch ein Glas rumänischen Wein, zum Beispiel im ReWine Bistro auf der Strada Republicii, einer Weinbar mit rumänischen Weinen aus verschiedenen Anbauregionen. Oder das lokale Bier Bers Nova von einer kleinen Brauerei aus Oradea.
Flanieren am Fluss
Entspannung zwischen Grün und Blau
Der Crișul Repede – übersetzt der schnelle Criș – teilt die Altstadt in zwei Hälften. Im Gegensatz zum Namen des Flusses, ist die Atmosphäre hier entspannt, gelassen und einladend. Auf der frisch renovierten Uferpromenade flanierst Du an Restaurants mit Fluss-Terrassen vorbei, durch kleine Parks und über historische Brücken. An der Brücke der Intellektuellen geht es zum Liberty-Park. Dieser ist bekannt für sein öffentliches Klavier, das in einem Pavillon steht. Oradea ist eine grüne Stadt, sie verfügt über die höchste Grünflächen-Quote pro EinwohnerIn von Rumänien.

Michaelas Tipp
Vom Ciuperca Hill am Stadtrand überblickst Du den gesamten Flusslauf und die Dächer der Altstadt – am schönsten kurz vor Sonnenuntergang. Danach spiegeln sich die Lichter und Jugendstilfassaden im Wasser.
Tor zu Siebenbürgen
Berge, Höhlen und Party
Von der Stadt aus kannst Du spannende Ausflüge machen. Eineinhalb Autostunden südlich beginnen die Apuseni-Berge. Hier ist auch die berühmte Bärenhöhle, eine Tropfsteinhöhle, in der 140 uralte Skelette von Höhlenbären gefunden wurden. Geführte Touren durch die spektakuläre Höhle dauern 45 Minuten, der Eintritt liegt bei rund acht Euro.
Zwei Autostunden östlich findest Du ein ganz anderes Programm: die StudentInnen- und Partystadt Cluj-Napoca. Sie liegt im Herzen Siebenbürgens und gilt als eine der lebendigsten Städte in Osteuropa. Die Gründe: 200.000 Studenten und Studentinnen, Bars, Clubs, Cafés und das Untold-Festival. Zu dem Electronic-Musikfestival strömen jährlich mehrere hunderttausend Fans aus aller Welt. Hier treten Stars wie Sting, David Guetta, Robbie Williams und Swedish House Mafia auf.
Günstig, nah und noch nicht überlaufen
Perle in Osteuropa
Oradea ist gerade dabei, sich einen guten Ruf im internationalen Tourismus zu erarbeiten. Trotzdem sind die Straßen noch nicht überlaufen. In den Cafés sitzt Du neben Einheimischen statt Reisegruppen. Und abends bekommst Du einen Tisch ohne Reservierung. Ein weiterer Pluspunkt ist das ausgezeichnete Verhältnis von Preisen und Qualität: Ein Espresso kostet zwischen einem und zwei Euro, ein Bier vom Fass rund zwei Euro, ein gutes Abendessen zu zweit mit Wein unter 40 Euro. Unterkünfte im Zentrum starten bei 40 bis 60 Euro die Nacht – in frisch renovierten Häusern.
Auch die Anreise ist unkompliziert: Von München und Dortmund gibt es Direktflüge mit Wizz Air. Auf dem Landweg sind es von Budapest drei Autostunden. Oradea liegt im Westen Rumäniens, 13 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt.

Michaelas Tipp
Oradea eignet sich als erster Stopp auf einer Rumänien-Rundreise. Ein wunderschöner Einstieg ins Land.