Das Hotel verspricht mehr als es bietet. Die Werbung im TUI-Katalog "Wer Ruhe und Erholung sucht, ist hier genau richtig" trifft nicht zu.
Mit dem herrlichen Meerblick wäre es - wenn etwas größer - gut vier Sonnen wert. Die Ausstattung entspricht dem Katalog. Am Kleiderschrank machten die kaputten Führungsschienen die Schiebetüren fast unbeweglich, was sofort repariert wurde. Der Griff der Waschtischarmatur wackelte sehr stark, weshalb die Armatur am nächsten Tag ausgetauscht wurde. Nach dem hierzu das Wasser abgestellt worden war, schaffte man es nicht, das Kaltwasser wieder ganz zu öffnen. Es lief nur noch so abgeschwächt, dass beim Duschen das Mischen mit dem Heißwasser unangenehm schwierig wurde. Die deutschen TV-Programme hatten z. T. sehr schlechtes Bild. Die Begrenzung der Lautstärke ist gewiss sehr sinnvoll, doch sollte man noch ausreichend verstehen können. Nachdem ich die ersten zwei Nächte beinahe aus dem Bett gerollt war entdeckte ich erstaunt, dass der Zimmerboden Richtung Balkontür ein so beachtliches wie rätselhaftes Gefälle hat, weshalb ich die balkonseitigen Bettbeine gut 1 cm unterlegen musste. Die Matratzen sind zu hart, die Bettdecken sind zu dünn (ein Leintuch) oder zu dick (Daunendecke), nicht auf Sommer ausgerichtet.
Das Essen war nicht auf dem Niveau eines Vier-Sterne-Hotels. Frühstück: Die Wurstprodukte waren fast durchweg von billigster Qualität: Putenschinken ohne Geschmack, Formfleisch-Kochschinken ohne Geschmack. Bei allem Respekt vor den Essgewohnheiten des Landes sind spanische Versuche zu Wurst unserer Vorstellung einfach nicht gelungen. Und zwingen will man sich zu den "Embutidos" nach dem Probieren ja nicht unbedingt, auch nicht bei aller kulinarischen Neugier. Müsli sollte man sich nach eigenem Geschmack aus den klassischen vier oder fünf Zutaten mischen können. Doch es gibt nur schokolade- und/oder stark zuckerhaltige Fertiggemische, reinen einfachen Naturjoghurt gibt es nicht. Käse mit armseligen zwei Sorten, einer davon vom Billigsten. Die Käseauswahl vom Dessert des Abendessens würde hier eher passen. Hier könnte die spanische Welt des Käses großartig glänzen. Schön ist die Auswahl auch an dunklem Brot. Die Frischzubereitung von Eierspeisen ist sehr schön, bei gekochten Eiern und der Verwendung von Flüssig-Ei kommt jedoch weniger Freude auf. Abendessen: Die Suppen sind leider allzu offensichtlich aus den Resten der Vortage zusammengebaut. Die Vorspeisen und das Salatangebot sind sehr gut. Schön wäre eine Möglichkeit, sein Salatdressing selber zu mischen. Die Qualität der Fleischgerichte war allgemein schwach. Rindfleisch war durchweg zäh und trocken. Es dürfte in einem Vier-Sterne-Hotel wohl einmal in der Woche ein zartes saftiges Steak geben. Allein Geflügel und Schwein, insbesondere die Pata de Cerdo (Hinterschinken im Ofen gebacken) waren gut oder zufriedenstellend. Soßen überzeugten selten. Die Wok-Versuche erzeugten keine Freude. Das Angebot an Fisch war allgemein akzeptabel, wenn auch in der Vielfalt ziemlich begrenzt. Die Beilagen, auch Gemüse waren recht vielfältig, geschmacklich etwas flau. Nudeln jeder Art waren - nach spanischer Tradition - durchweg verkocht. Die Desserts waren weitgehend in Ordnung. Häufig das selbe Material in vielen Variationen von Farbe und Gestalt, insgesamt wohl für jeden etwas. Das Obstangebot war erfreulich. Die Atmosphäre im Speisesaal hätte diese Bezeichnung zu recht gehabt, wenn alle Gäste sich an die bekannte Anstandsregel angemessener Kleidung gehalten hätten. Was da sowohl beim Frühstück wie beim Abendessen dem normalen Benimm-Empfinden zugemutet wurde darf einem Oberkellner keinesfalls durchgehen. Dass Kleinkinder unter zwei Jahren am Tisch ungezogen und ungehemmt laut kreischen sowie regelmäßig im ganzen Saal kreischend herumrennen, stolz von den Eltern dazu animiert und vom Personal betulich unterstützt, ist eine Zumutung an die anderen Gäste. Unter den Kinderstühlen werden auf dem Boden Tischdecken ausgebreitet, damit die Kleinen fröhlich mit Speisen herumwerfen können. Die betreffenden Eltern benehmen sich als hätten sie Anspruch auf ihr Verhalten, ignorieren den Anspruch der anderen, im Urlaub entspannt und ungestört zu essen. Dabei kümmert es diese Eltern natürlich nicht, dass die starken Ermäßigungen der Kosten für ihre Kinder von den belästigten Gästen bezahlt werden. Dazu kommt die unglaubliche Unsitte, beim Frühstück offen, vor aller Augen, große Fresspakete samt Obst zusammenzustellen, bei manchen volleTagesrationen für die ganze Familie. Sogar Tupperschüsseln wurden gefüllt und/oder das Personal brachte freudig zuvorkommend bündelweise Servietten oder Folie. Der Aufsicht im Saal schien das gleichgültig zu sein, obwohl es klar dem Hausreglement widerspricht.
Die Leute vom Tisch-Service waren ausgesprochen nett, sehr zuvorkommend und wirklich hilfsbereit, wenn auch meistens fehlende Kellnerausbildung zu sehen war. Am Buffet passierte einem jedoch, dass man auf den Hinweis, dort sei etwas ausgegangen, von der Buffet-Dame (die Platten etc. aus der Küche zu besorgen hatte) gesagt bekam, man solle sich an den Tisch-Service wenden. Allein die "Oberkellnerin" wusste das stärkste Nagativbeispiel zu geben. Als sie etwa auf die Disco-Belästigungen angesprochen wurde sagte sie laut vernehmbar in den Frühstückssaal: "Diese Leute beschweren sich doch nur, weil sie zu Hause Geld zurückverlangen wollen. Die Jugend will doch hier mit ihren Partys nur ein bisschen Spaß haben." Die Tische im Speisesaal sind eindeutig zu klein. Beim Essen zu zweit weiß man wirklich nicht, wo man alle Teller, Flaschen und Gläser hinstellen soll. Die Rattan-Lehnstühle sind Terrassen-Möbel, sind als Sitzmöbel für einen Speisesaal rundweg ungeeignet.
Die landschaftliche Lage direkt am Meer ist traumhaft und entspricht ganz der Katalogbeschreibung. Sie ist für Ruhe und Erholung bestens geeignet. Daher benötigt man für Ausflüge ein Auto. Ziele gibt es auf Ibiza jede Menge. Die Busverbindungen sind allgemein jedoch eher armselig. Die Transferfahrt zum Hotel dauerte ca. eine Stunde. Es gibt in naher Umgebung nette Restaurants, gut aber nicht gerade billig, Bars, ein paar Geschäfte und "Supermärkte", alles nett überschaubar. Leider gibt es auch das direkt benachbarte Schwesterhotel Grupotel Imperio Playa, das der selben Hotelleitung untersteht. Es ist dauer-okkupiert von einem "Vera-Club" jugendlicher Italiener, dessen rücksichtslosen Disco-Betrieb man den ganzen Tag ertragen muss. Dies heißt ab ca. 10:00 Uhr bis ca. 19:00 Uhr und ab ca. 22:00 Uhr bis 2:30 Uhr oder 3:00 Uhr (schlafen??, ärgern!!) häufig und urplötzlich überlaut aus großen Bassboxen mit mächtigen Verstärkern dröhnendes Ansager-Gejaule und Musik, von deren Bassstößen und Trommelschlägen einem die Eingeweide vibrieren. Die Gäste des Grupotel Cala San Vicente sind zu 95 % aus dem Discoalter längst und weit heraus. Daher statt sechs Sonnen nur zwei.
Beliebte Aktivitäten
- Strand
Fitness und Wellness, wo? Der Pool war in Ordnung, wurde gepflegt, nur die Leute sind zu 98 % ohne zu duschen hinein gestiegen. Der Schwimm-Meister war sehr nett und aufmerksam. Die Liegen waren täglich vor der Frühstückszeit schon zu drei Vierteln "reserviert", obwohl drei mehrsprachige Aushänge am Pool und das Hausreglement das verbieten. Gekümmert hat das niemand, auch nicht die Rezeption, der ich das mitteilte und nicht die Reisleitung. Es fehlt ausreichend Schattenplatz. Würden die Markisen entlang des Speisesaales so weit ausladen wie jene an der Poolbar, nämlich doppelt so weit, gäbe es viel mehr Schatten. Es gilt ein Rauchverbot im Hotel, angeblich auch auf den Balkonen, doch auf denen wird offen gequalmt. Uns hat gelegentlich infolge nächtlich geöffneter Balkontür frühmorgens der Tabakgestank geweckt. Überhaupt schwebt den ganzen Tag eine Tabakswolke über dem Pool- und Barbereich, unüberriechbar gewürzt mit den bekannten Zusätzen. An beiden Enden des Strandes gibt es Verleiher verschiedener Boote mit und ohne Motor. Die abendliche Musikunterhaltung vor der Bar war meist recht gut und war immer zu akzeptabler Zeit zu Ende.


