Astro-Tourismus
Astro-Tourismus: An diesen Reisezielen blickst Du in die schönsten Sternenhimmel
Ich seh' den Sternenhimmel, Sternenhimmel, Sternenhimmel, oh-oh! Was der Neue-Deutsche-Welle-Star Hubert Kah in den 1980er-Jahren besang, klappt heute wegen der Lichtverschmutzung nur noch an wenigen Orten. Wir führen Dich zu acht Reisezielen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol, wo der Nachthimmel richtig dunkel ist – von Sternenparks und Inseln bis zu Hochplateaus mit Sternwarte. Dazu haben wir auch noch ein paar Tipps und Hotels mit Astro-Ausrüstung für Dich.
Naturpark Westhavelland, Brandenburg
Deutschlands erster Sternenpark
80 Kilometer westlich von Berlin liegt einer der dunkelsten Flecken der Republik: das 160-Einwohner-Dorf Gülpe. Hier im dünn besiedelten Westhavelland in Brandenburg wurde im Jahr 2014 der erste Sternenpark Deutschlands ausgezeichnet – von der Organisation DarkSky International, der globalen Fachinstanz für den Kampf gegen Lichtverschmutzung. Der Grund: Es gab und gibt hier nur wenig künstliche Beleuchtung, sodass die Nächte schwärzer sind als anderswo.
Im Sternenpark Westhavelland kannst Du neben der Milchstraße auch das sogenannte Airglow, das Nachthimmelsleuchten, beobachten. Das sind streifenförmige, diffuse Aufhellungen in zwei verschiedenen Atmosphärenschichten, die als rote, grüne, blaue oder gelbe Bänder zu sehen sind. Der Park ist übrigens ein frei zugängliches Nachtschutzgebiet. Es gibt weder Öffnungszeiten und Eintrittsgebühr noch einen Eingang.
Nationalpark Eifel, Nordrhein-Westfalen
Mittelgebirge mit Mega-Nachthimmel
Höhenzüge, Waldflächen und Stauseen: Im nördlichen Teil des Nationalparks Eifel erstreckt sich der Internationale Sternenpark, der 2019 das Zertifikat zum International Dark Sky Park erhielt. Das Schutzgebiet liegt rund 65 Kilometer südwestlich von Köln und erstreckt sich auf einer Fläche so groß wie 17.000 Fußballfelder. Hier gibt es zwischen Buchenwäldern, offenen Bergrücken sowie Rursee und Urftsee so wenig künstliches Licht, dass Du die Milchstraße mit bloßem Auge siehst.
Einige Unterkünfte tragen das Label SternenGastgeber, denn sie sind auf lange Nächte eingestellt: mit Langschläferfrühstück und spätem Check-out. Der Ferienpark Gemünd beispielsweise verleiht einen Sternenrucksack (Decke, Sternenkarte, Infomaterial und Rotlichtlampe) an seine Gäste. Auf der Website des Nationalparks Eifel kannst Du auch Führungen mit ausgebildeten Guides buchen, Dich für Workshops in der Astronomie-Werkstatt anmelden und die Standorte der zehn sogenannten SternenBlicke erfahren. Letztere sind besonders auf den Nachthimmel eingerichtete Beobachtungspunkte.

Michaelas Tipp
Die Augen brauchen gut zehn Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen – erst dann haben sie auf den Nachtsicht-Modus umgeschaltet. Während des Sterneguckens nicht in helle Lichter schauen, auch nicht aufs Handy. Rotes Licht, das auch viele Stirn- oder Taschenlampen haben, stört jedoch nicht.
Pellworm & Spiekeroog, Nordsee
Sterneninseln im Wattenmeer
Was für eine Kombination: von DarkSky International ausgezeichnete Inseln im UNESCO-Welterbe Wattenmeer. Die beiden deutschen Nordsee-Inseln Pellworm im schleswig-holsteinischen Wattenmeer und Nordsee im niedersächsischen Wattenmeer haben ihre Lichtemissionen so drastisch reduziert, dass sie sich seit 2021 offiziell Sterneninseln nennen dürfen. Durch diese Maßnahmen wurden auch Energieeffizienz, Nachhaltigkeit sowie Insekten- und Vogelschutz gesteigert.
Tagsüber kannst Du Wattführungen machen, zu Fuß oder mit dem Rad am Deich entlangcruisen, den Pellwormer Leuchtturm oder das Inselmuseum Spiekeroog besichtigen und im Sommer natürlich baden. Wenn es dunkel wird, heißt es raus an den Strand oder an die Deichkante: Dort öffnet sich der Horizont und der Sternenhimmel wirkt über der Nordsee besonders weit.
Auf beiden Inseln findest Du ausgewiesene Beobachtungsplätze und kannst Dich einer Sternführung anschließen, bei denen Guides Sternbilder erklären und Dir zeigen, wo Du am besten hinschaust.
Winklmoos-Alm, Bayern
Sternenpark in den Alpen
Tief im Süden der Republik liegt die Winklmoos-Alm. Ein Hochplateau auf 1.200 Metern Höhe in den Chiemgauer Alpen, in der Gemeinde Reit im Winkl. Seit 2018 ist das weitläufige Almengebiet zertifizierter Sternenpark. In klaren, mondfreien Nächten siehst Du mit bloßem Auge mehr als 5.000 Sterne am Nachthimmel funkeln. Und Dir ist sofort klar, warum die Milchstraße so heißt.
Besonders ist hier nicht nur die Höhenlage, sondern auch, dass es im Sternenpark eine Kirche, einen Rundweg, Sternenbänke zum Liegen und auch Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten wie im Hotel Winklmoos-Sonnenalm gibt.

Michaelas Tipp
Von Mai bis Oktober werden Sternführungen angeboten, bei denen Du Interessantes von einem Profi erfährst: Was ist ein Stern, wie entsteht er, warum leuchtet er, warum und wie stirbt er? Oder ist das ein Planet? Was sind Galaxien und wie viele kann man sehen? Und: Wo befindet sich Dein Sternzeichen am Nachthimmel?
Tessin, Schweiz
Mediterraner Nachthimmel und Sternwarte
Unten Palmen, oben der Blick in den mediterranen Sternenhimmel: Im Tessin, dem italienischsprachigen Kanton im Süden der Schweiz an der Grenze zu Italien, kannst Du den Nachthimmel auf andere Art erleben. Westlich von Lugano liegt der 1.624 Meter hohe Monte Lema, auf dem ein Observatorium thront – ein achteckiges Gebäude mit einer Art Riesengolfball auf dem Dach.
Du schwebst ab Miglieglia mit der Seilbahn hinauf und kannst an einer geführten Sternwarten-Nacht teilnehmen, solltest jedoch vorher reservieren. Ab 21 Uhr öffnet das Observatorium für eine Besichtigung. Herzstück ist ein hochmodernes Reflektor-Teleskop, mit dem Du laut Betreiber Sterne, Nebel und Galaxien vom Alpenrand bis zum Apennin erkennen kannst. Weil die Himmelsbeobachtung dort so faszinierend ist, gibt es das Programm Million Stars. Dabei handelt es sich um Unterkünfte, die Schlafen unter Sternen anbieten. Der Himmel ist dabei immer Teil des Betts – ob im hängenden Zelt mitten im Wald, im Bett im Freien oder auf Hütten auf Berggipfeln bis hin zu Birdboxes und Bubbles.
Eggental, Südtirol
Sternendorf in den Dolomiten
20 Minuten von Bozen entfernt liegen die beiden Dörfer Steinegg und Gummer auf einer Höhe von rund 1.000 Metern. Sie gehören zum Rosengarten-Latemar-Gebiet und wurden 2012 zum ersten europäischen Sternendorf ernannt. Die Infrastruktur für Astro-Fans ist auf sterneträchtigem Niveau: In Steinegg gibt es die einzige Sternwarte in Südtirol mit modernsten Teleskopen, die bis zu 10.000 Mal lichtempfindlicher als das menschliche Auge sind.
Tagsüber kannst Du gleich nebenan das Sonnenobservatorium besuchen oder begibst Dich im Planetarium Gummer auf eine virtuelle Reise durch die Tiefen des Universums. Wie wäre es mit einer Wanderung auf dem Planetenweg, der extra für Familien konzipiert ist? Magisch sind auch die geführten Nachtwanderungen durch die kleinste Dolomitenregion nahe Bozen, die sich dem Slow Tourism verschrieben hat.

Michaelas Tipp
Übernachte in dem maßstabsgetreuen Nachbau der Raumkapsel Apollo 11 im Hotel Oberwirt in Steinegg.
Naturpark Weissensee, Kärnten
Tour zwischen Himmel und Erde
Ob wegen der wunderschönen Landschaft, oder der spektakulären Eislaufevents: Du hast sicherlich schon mal vom Weissensee gehört. Der Naturpark in Oberkärnten hat auch nachts viel zu bieten, denn er zählt zu den lichtärmsten Regionen in Kärnten. Darauf baut auch die Führung namens Deep Sky auf, bei der Du mit einem Naturpark-Ranger und dem örtlichen Astronomie-Verein unterwegs bist. Mit dabei: professionelle Teleskope und Swarovski-Ferngläser. So rücken Sterne, Planeten und ferne Galaxien näher und eröffnen faszinierende Einblicke in die Tiefen des Alls.
Abgerundet wird das Erlebnis von Einblicken in die Tierwelt bei Nacht. Denn zur Geisterstunde ist dort einiges los: fliegende Fledermäuse, Eulen rufen und Du lauscht dem feinen Rascheln im Unterholz. Wenn Du noch mehr Lust auf besondere Nächte hast: Rund 100 Kilometer entfernt liegt das Alpinhotel Pacheiner mit eigener Sternwarte, ganz oben auf der Gerlitzen Alpe. Die Hotel-Sternwarte ist laut Familie Pacheiner Österreichs größte private Sternwarte mit großem, öffentlich zugänglichem Teleskop. Im Winter bist Du hier direkt an der Skipiste, im Sommer im Wanderparadies.
Nationalpark Hohe Tauern, Osttirol
Sternschnuppern rund um den Großglockner
Sie sind die Stars der Nacht und zu jeder Jahreszeit unterwegs: Sternschnuppen, astronomisch ausgedrückt Meteore. Wenn Du nach Osttirol in den Nationalpark Hohe Tauern reist, musst Du viele Wünsche im Gepäck haben. Denn dort in der Gegend rund um Österreichs höchsten Berg, den Großglockner, sind die Nächte noch so finster, dass Du eine Leuchterscheinung nach der anderen entdecken kannst.
Die Nationalparkverwaltung hat mit Partnerbetrieben spezielle Pakete aufgelegt, die sich Sternschnuppern im Nationalpark Hohe Tauern nennen. Bei den Übernachtungen sind geführte Nachtwanderungen mit Rangern dabei und auch Stirnlampen mit Rotlicht, wenn Du auf eigene Faust zur Himmelsbeobachtung losziehen willst. Ein empfehlenswerter Ausgangspunkt ist der Parkplatz Glocknerwinkel beim Lucknerhaus in Kals am Großglockner. In dem Alpengasthof kannst Du übrigens auch übernachten.