Städtetrips
Erfurt – zwischen Mittelalter und Morgen
Erfurt wirkt mit Dom, Krämerbrücke und ganz viel Fachwerk auf den ersten Blick wie ein sorgfältig restauriertes, lebendiges Geschichtsbuch. Als Gast merkst Du jedoch schnell – hier ist eine ganze Menge los. Die Stadt bewahrt ihr Erbe, hat aber einen jungen, schnellen Takt. Alte Strukturen werden umgenutzt, Kultur wandert aus den klassischen Institutionen in Off-Spaces, und zwischen Atelier, Club und Stadtentwicklung entstehen neue Formen von Öffentlichkeit. Die Wege sind kurz, die Menschen meist offen – Erfurt lässt Nähe zu. Ein Städtetrip macht hier richtig Spaß, auch abseits der ganz klassischen Sehenswürdigkeiten. 10 besondere Tipps, mit denen Du Erfurt einmal anders entdecken kannst:
Erfurter Kultursommer
Stadt als Bühne
Der Erfurter Kultursommer verwandelt die Stadt jedes Jahr in ein offenes, vielstimmiges Festival. Plätze, Innenhöfe und Parks werden zu Bühnen für Konzerte, Theater, Lesungen und Performances. Viele Angebote sind dabei frei zugänglich. Besonders spannend ist die Mischung aus etablierten Künstlern und lokaler Szene – mit einem Programm, das sowohl Qualität als auch Vielfalt abbildet. Der öffentliche Raum wird dabei neu codiert: Er wird zum Ort für Begegnung und gemeinsames Erleben.
Augustinerkloster
Rückzugsort mitten in der Stadt
Nur wenige Schritte vom touristischen Trubel entfernt gibt es mit dem Augustinerkloster einen Ort, der Dich entschleunigt. Hier lebte einst Martin Luther als Mönch. Heute ist das Ensemble eine Tagungsstätte und ein offener Denk- und Erfahrungsraum. Neben klassischer kirchlicher Nutzung finden hier Diskussionen zu gesellschaftlichen Fragen, spirituelle Angebote und internationale Begegnungen statt. Das Kloster versteht sich als Plattform für Dialog über Verantwortung, Ethik und Wandel und schafft so einen spannenden Raum für Neues. Du kannst aber auch einfach vorbeikommen und im Innenhof kurz zur Ruhe kommen oder Dir bei einer Audioguide-Führung die historischen Räumlichkeiten ansehen. Dabei leitet Dich die Stimme von Theologin Margot Käßmann durch das Augustinerkloster. Auch Übernachtungen sind möglich – geschichtsträchtiger kannst Du wohl kaum schlafen gehen.
Petersberg
Geschichte mit Perspektivwechsel
Die Zitadelle Petersberg zählt zu den größten und am besten erhaltenen barocken Stadtfestungen Europas – und sie wird gerade neu erlebbar gemacht. Mit dem modernen Aufzug und dem spektakulären Glassteg ist ein Zugang entstanden, der nicht nur barrierearm ist, sondern auch symbolisch funktioniert: Erfurt öffnet seine Geschichte und wendet sich offen der Zukunft zu. Oben angekommen trifft Militärarchitektur auf weite Perspektiven über die Altstadt samt Dom und Severikirche – ein spannender Kontrast. Die Anlage selbst wird zunehmend kulturell belebt, etwa durch Ausstellungen, Events und gastronomische Betriebe. Der Petersberg steht damit exemplarisch für eine Stadt, die ihr Erbe nicht konserviert, sondern transformiert und zugänglich macht.
Zughafen
Kreativlabor auf alten Gleisen
Wo früher früher Güterzüge rangierten, entsteht heute einer der wichtigsten Freiräume für Kreativität in Thüringen. Der Zughafen ist kein durchgestyltes Quartier, sondern ein gewachsener Ort mit Ecken, Kanten und viel Eigeninitiative. Ateliers, Proberäume, Gastronomie, Werkstätten und Veranstaltungsflächen bilden ein dichtes Ökosystem, in dem Kunst, Musik, Handwerk und Start-up-Kultur ineinandergreifen. Der Zughafen zeigt, wie industrielle Brachen zu sozialen und kulturellen Experimentierfeldern werden können – ohne ihre Energie zu verlieren. Ein Muss für alle, die sich für urbane Transformation jenseits von Hochglanz interessieren.
Club Central
Nachtleben mit Haltung
Der Club Central ist mehr als ein Ort für elektronische Musik – er ist Teil einer Szene, die Clubkultur als gesellschaftlichen Raum versteht. Das Programm bewegt sich zwischen Techno, House und experimentellen Formaten, oft kuratiert mit Blick auf Diversität und Inklusion. Gleichzeitig setzt der Club klare Zeichen für ein respektvolles Miteinander. Das Central fungiert damit als Schnittstelle zwischen Nachtleben, politischer Haltung und Community-Building. Im Sommer kannst Du auch draußen unter freiem Himmel tanzen.
Kulturquartier Schauspielhaus
Zwischen Leerstand und Vision
Es regt sich wieder Leben in den alten Gemäuern: Lange Zeit stand das Schauspielhaus Erfurt leer. Doch nach und nach wächst hier mit dem KulturQuartier ein pulsierendes Zentrum für Theater, Film, Tanz und Musik. Die erste Kulturgenossenschaft Thüringens renoviert Schritt für Schritt das gesamte Gelände und füllt das Haus schon jetzt mit Ideen, Ausstellungen, mit Festivals und verschiedensten Events. Das Projekt lebt dabei von der Beteiligung und Begegnung von Kulturschaffenden und Bürgern der Stadt. Das Kulturquartier ist ein reales Labor für Stadtentwicklung – mit offenem Ausgang. Für Gäste bietet es die Gelegenheit, Transformationsprozesse unmittelbar mitzuerleben.
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Kunsthalle Erfurt
Gegenwart im Dialog
Die Kunsthalle Erfurt zählt zu den zentralen Orten zeitgenössischer Kunst in Thüringen. Untergebracht im historischen „Haus zum Roten Ochsen“ am Fischmarkt, einem Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert, verbindet sie architektonisches Erbe mit einem programmatisch offenen Ausstellungsbetrieb. Auf rund 750 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigt die Kunsthalle wechselnde Präsentationen von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart, ohne eigene Sammlung – ein Konzept, das ihr große kuratorische Flexibilität ermöglicht. Im Fokus steht nationale und internationale bildende Kunst, darunter Malerei, Fotografie, Installation und Videokunst. Zugleich versteht sich die Kunsthalle als Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler sowie für thematische Ausstellungen mit gesellschaftlichem Bezug.
Universal Drogerie
Raum für Gestaltung
Die Universal Drogerie ist ein kleines Kiez-Café mit Keramikatelier zwischen Fischmarkt und Klein Venedig: Hier kannst Du feinen Kaffee trinken und regionale Kleinigkeiten dazu essen. Den Betreibern Nina und Philipp war wichtig, dass der Name – Universal Drogerie – nicht auf den ersten Blick alles über den Ort verrät. In etwa ist es aber so: Die Universal Drogerie vereint Café, Workshop-Angebote, kulturelle Formate und gemeinschaftliche Aktivitäten von Töpfern bis Tanz. Außerdem kannst Du Barista und Keramikern Nina beim kreativen Arbeiten zuschauen und Produkte von ihr kaufen.
Café Füchsen
Frühstück mit Atmosphäre
In unmittelbarer Nähe zur Krämerbrücke gelegen, hat sich das kleine Café Füchsen mit klarem Konzept schnell einen Namen gemacht: reduziertes Design, hochwertige Zutaten und ein Fokus auf handwerklich zubereiteten Kaffee. Betrieben von einem jungen Team, steht das Füchsen für eine neue Generation urbaner Cafékultur in Thüringen. Im Mittelpunkt stehen Spezialitätenkaffees aus ausgewählten Röstereien, hausgemachtes Gebäck sowie ein bewusst kuratiertes, saisonales Angebot. Über den klassischen Cafébetrieb hinaus versteht sich das Füchsen als Teil einer sich wandelnden Stadtkultur: ein Treffpunkt für Kreative, Studierende und Reisende. Immer wieder finden kleinere Formate wie Pop-ups oder Kooperationen mit lokalen Produzenten statt.
Schöne Dinge
Nachhaltiger Konsum
Zu schade zum Wegwerfen: Der Erfurter Laden „Schöne Dinge“ liegt in der Johannesvorstadt und hat sich auf ausgewählte gebrauchte und besondere Alltagsgegenstände spezialisiert. Im Sortiment findest Du unter anderem Dekorationsartikel, Möbelstücke, Kleidung und verschiedene Fundstücke mit individuellem Charakter. Der Fokus liegt auf Wiederverwendung und nachhaltigem Konsum: Viele der angebotenen Produkte sind Second-Hand oder aufgearbeitet. „Schöne Dinge“ spricht damit vor allem Menschen an, die Wert auf Individualität und Ressourcenschonung legen.