Neue Regelung für Italien-Urlauber
Italien: Mautrückerstattung bei Baustellen-Verzögerungen
In Italien tritt ab sofort eine neue Mautregelung in Kraft: Wer aufgrund von Baustellen erhebliche Verzögerungen erleidet, kann eine anteilige oder komplette Erstattung der entrichteten Autobahngebühr verlangen. Diese Bestimmung bildet den ersten wirksamen Bestandteil einer weitreichenden Reform des Mautsystems; die restlichen Elemente werden noch ausgearbeitet. Das sollten Italien-Urlauber jetzt wissen.
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Alle anzeigenBetreiber gebührenpflichtiger Autobahnen sind unter bestimmten Bedingungen zur Entschädigung verpflichtet, sobald Baustellen zu massiven Zeitverlusten führen. Erstattungshöhe und Anspruchsberechtigung orientieren sich laut ADAC an der Verzögerungsdauer sowie der Länge des betroffenen Abschnitts; je nach Schwere erfolgt eine teilweise oder vollständige Rückzahlung der Maut. Als Rechenbeispiel führt die Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia eine 75-prozentige Erstattung bei 40 Minuten Verzögerung auf einem 90 Kilometer langen Abschnitt an.
Die von der italienischen Verkehrsregulierungsbehörde ART eingeführte Bestimmung greift ab dem 1. Juni 2026 zunächst für Streckenabschnitte, die von einem einzelnen Autobahnbetreiber betrieben werden. Ab dem 1. Dezember 2026 soll die Regelung dann auch für Fahrten über mehrere Betreiber hinweg gelten.
Keine Erstattung bei Unfällen und Notfällen
Ausgeschlossen vom Erstattungsanspruch sind Notfallbaustellen, die beispielsweise nach Unfällen, extremen Wetter- oder Naturereignissen sowie Rettungs- und Instandsetzungsarbeiten entstehen. In der ersten Phase bleiben zudem mobile Baustellen außen vor. Anders verhält es sich bei vollständigen Verkehrsblockaden: Hier sieht die ART je nach Zeitdauer ebenfalls abgestufte Erstattungen vor.
Regelungen für ausländische Urlauber
Laut ADAC steht der Cashback-Service prinzipiell auch UrlauberInnen aus dem Ausland zur Verfügung. Die Antragstellung erfolgt digital, beispielsweise durch Beleg-Upload über die Muovy-Cashback-App oder das Cashback-Portal von Autostrade per l'Italia.
Eine wesentliche Hürde bleibt jedoch bestehen: Die Registrierung in der App erfordert eine italienische Steuernummer. Diese wird von der italienischen Steuerbehörde Agenzia delle Entrate ausgestellt; Reisende aus Deutschland können sich an die zuständige italienische Auslandsvertretung wenden. Der automatische "Kennzeichen-Cashback", bei dem das Fahrzeug an der Mautstelle per Kamera erfasst wird, bleibt hingegen Fahrzeugen mit italienischem Kennzeichen vorbehalten.
Bestandteil einer weitreichenden Reform
Die Erstattung bei Baustellenverzögerungen stellt lediglich einen Baustein einer umfassenden Neuordnung des Mautsystems dar. Die ART entwickelt ein einheitliches Berechnungsverfahren, das die Gebühren stärker an die tatsächlichen Investitionen der Betreiber bindet. Zukünftig sollen Mauterhöhungen nur noch möglich sein, wenn sich die Leistung für Nutzerinnen und Nutzer konkret verbessert. Ziel sei es, die Maut zu senken und die Kostenstruktur transparenter zu machen. Spürbare Entlastungen für Autofahrer dürften allerdings erst 2027 oder 2028 eintreten, so die Einschätzung der ART.
Italien zählt seit Jahren zu den Ländern mit den höchsten Autobahngebühren in Europa. Eine Vignette wie in Österreich oder der Schweiz existiert dort nicht. KritikerInnen monieren zudem die Komplexität des Systems, da verschiedene Betreiber unterschiedliche Tarifmodelle anwenden.
Variable Preisgestaltung in Planung
Zu den erörterten Zukunftsmodellen zählt eine dynamische Preisgestaltung. Künftig könnten die Mautgebühren von der Tageszeit, dem Verkehrsaufkommen oder der Umweltklasse des Fahrzeugs abhängig gemacht werden. Während Fahrten zu Stoßzeiten teurer würden, kämen Reisende außerhalb der Hauptverkehrszeiten oder mit emissionsärmeren Fahrzeugen günstiger weg. Damit will die ART Verkehrsströme effizienter steuern und Staus reduzieren. Parallel dazu sollen Reisende umfassender über die Verkehrslage, Baustellen, Fahrzeiten und die Ladeinfrastruktur informiert werden.
Relevanz für Urlauber und offene Fragen
Besonders auf den Reiserouten Richtung Gardasee, Toskana, Adria oder Süditalien kommt es in den Ferienmonaten regelmäßig zu Staus und Baustellen. Die Neuregelung ist daher für UrlauberInnen aus Deutschland und Österreich von Interesse. Ob sie in der Praxis hält, was sie verspricht, ist allerdings umstritten. Während Verkehrsminister Matteo Salvini den Beschluss als Wendepunkt für die Rechte der Autofahrer einstuft, bezweifeln italienische VerbraucherschützerInnen, dass das System zuverlässig funktioniert.
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