Nach nicht gerade positiven Erfahrungen mit der Hotelerie in Prerow im Jahre 1999 haben wir eine Gelegenheit genutzt, diesen Ort auf dem wunderschönen Draß nochmals mit größerem Abstand zur Wendezeit zu besuchen. Verschwunden sind die alten DDR-Hütten, gewichen noblen, sich stilvoll in die grünen Kiefernwälder duckenden Villen, von denen wohl die meisten mietbare Ferienwohnungen sein dürften. Einzig das Travel Charme Bernstein besitzt noch den zweifelhaften kleinbürgerlichen Charme der DDR-Zeit. Das Entree wurde jedoch mediterran aufgewertet. Auch das Gartenrestaurant dürfte aus der Nach-Wende-Zeit stammen. Unser Fazit ist äußerst gemischt; es gibt Aspekte, die äußerst positiv sind, aber auch einige die äußerst negativ zu bewerten sind. Insgesamt ist insbesondere das Preisleistungsverhältnis wegen der kleinen unkomfortablen Zimmer nicht angemessen. Das Publikum stellte zumeist die ältere Generation - darunter auffallend viele unfreundliche Menschen. Das Hotel ist aber sicherlich auch für Familien mit kleinen Kindern geeignet; größeren dürfte es schnell langweilig werden. Unglaublich: In unserem Zimmer gab es keine Handy-Erreichbarkeit; auch ein anderer Gast beklagte sich darüber Dafür gab es aber kostenloses Internet über den eigenen PC mittels Kabel und Passwortzugang von der Rezeption. Mit einer generellen Empfehlung habe ich mich schwergetan. Ich selbst würde bei einem erneuten Besuch Prerows - ein wunderbarer Ort in Deutschland, wenn der Sommer wunderbar ist - auch für nur wenige Tage eines der vielen wunderschönen Ferienhäuser mieten und nicht wieder das Travel Charme Bernstein wählen. Die Bewertungen der anderen Hotels Prerows sind ja auch nicht gerade durchwegs sehr gut. Ich schließe daraus, dass man meint, es in Prerow nicht nötig zu haben, sich um den Gast zu bemühen. In diesem Sinne haben sich leider unsere Erfahrungen aus dem Jahre 1999 bestätigt. Auch die nicht gerade freundliche Art der Menschen dort wirkt eher abstoßend, ja wenn nicht die Schönheit dieses Fleckchen Erdes wäre.
Unser Komfortzimmer bot zwar einen kleinen Balkon und einen schönen Blick in den Garten, war aber ziemlich klein, das Duschbad sogar winzig. Das Mobiliar inkl. Safe war in Ordnung und gut gepflegt, der Teppichboden aber ziemlich abgetreten und fleckig. Das Raumklima war muffig. Größter Schwachpunkt war die fehlende Klimaanlage, denn wegen der Mückenplage konnte man nur ein relativ kleines Fenster mit Mückennetz öffnen. An der Rezeption sagte man uns: Ja, dieses Problem wurde uns schon von vielen Gästen gesagt, die auf ein fehlendes Mückennetz an der Balkontür hingewiesen hatten. Ignoranz! Denn Mücken gibt in Prerow immer, vielleicht nicht gerade so viele wie in diesem Jahr. Vorhanden sind ein alter Röhrenfernseher, Minibar, Safe, Föhn, Bademäntel und Badetücher.
Das Frühstücksbuffet war das variantenreichste aller Hotels meiner Bewertungen. Von Räucherfisch bis Schauküche für individuell zubereitete Omeletts, aber auch fettreduzierte Angebote bzw. besonders leichte Kost oder regionaltypische Speisen gab es und alles sonst noch, was man im europäisch-amerikanisch-australischen Frühstücksraum zum Frühstück zu sich nimmt. Einfach Spitze! Das Hotel bietet zudem noch ein nach Augenschein ähnlich imposantes Abendbuffet an, neben einem Restaurant mit einem festen Menue, wo man bedient wird. Wer keine Gewichtsprobleme hat, sich auch 'mal zurückhalten kann und keine All-You-Can-Eat-Mentalität besitzt, wird alleine schon deswegen mit dem Travel Charme Bernstein gut zurecht kommen. Leider gehört der Rezensent nicht zu dieser Gattung, so dass er hier nur vom Augenschein berichten kann.
Sehr gemischt: Im Restaurant ohne Kritik, an der Rezeption eher unterkühlt geschäftsmäßig. Was mich gestört hat: Nach den sinnflutartigen Regenfällen und der nachfolgenden Mückenplage wurden weder Zustandsberichte von der Gängigkeit der Fahrradwege eingeholt - dies sähe ich auch als Aufgabe der Gemeinde an, die immerhin Kurtaxe erhebt -, noch für Mückenspray in den Zimmern gesorgt. Gegen die Natur kann keiner etwas machen, aber man kann die Folgen mildern. Irgendwie hatte ich 10 Jahre nach dem ersten Besuch von Prerow immer noch das Gefühl, dass die Tatsache, dass Tourismus insbesondere auch Dienstleistung bedeutet, noch nicht im hohen Norden des um einen wunderschönen Flecken bereichertes neues größeres Deutschland angekommen ist.
Das Travel Charme Bernstein liegt unmittelbar am Kiefernwald. Direkt vom Hotel geht der sogenannte Mittelweg zum nicht so überlaufenen Weststrand. Dorthin wird man wegen der Entfernung von knapp 5 km radeln. Dann erreicht man aber den wohl schönsten Strand Deutschland, endlos lang, nicht kommerzialisiert, eingefasst von windflüchtenden Kiefern (siehe Fotos). Dafür muss man aber in den Ort etwa 15-20 Minuten gehen oder wenige Minuten mit dem Fahrrad fahren. Viele Ortswege sind abends nicht beleuchtet, bei noch immer schlechten Straßen- und Wege-Verhältnissen. Fahrräder kann man sich an vielen Stellen im Ort (günstier als beim Hotel) mieten; für 4 EUR pro Tag gibt's ein ordentliches Drei-Gang-Rad mit Ballon-Reifen, der auch für maschige oder sandige Böden gängig ist. Weiter bieten sich Radfahrten auf dem Damm nach Zingst oder zum Künstlerdorf Ahrenshop an. Ich würde als Standort jedoch wegen des Weststrandes - es gibt auch noch einen Nordstrand mit dem Regenbogen-Camping-Platz - immer Prerow wählen.
Beliebte Aktivitäten
- Wellness
- Sport
Der Gartenpool ist zwar beheizt, aber ziemlich klein. Zudem mutet man als Morgenbader den Früh-Frühstückern vielleicht keinen so guten Anblick zu. Bei schlechtem Wetter, was ja in Deutschland bekanntlich auch im Sommer eintreten kann, vermisst man bei dieser Preisklasse ein überdachtes Schwimbad, zumal das Hotel massiv mit Wellness- und Spa-Angeboten wirbt.
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Paar |
| Dauer: | 1-3 Tage im August 2011 |
| Reisegrund: | Wandern und Wellness |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | Hans Josef |
| Alter: | 61-65 |
| Bewertungen: | 163 |

