Ich muss sagen: Dieses Hotel ist kein Hotel. Es ist eher ein All-Inclusive-Selbstversuch mit Dauergeräuschkulisse, Hindernisparcours und täglichem Überraschungsprogramm. Schon beim Reinkommen merkt man: Hier wurde nicht renoviert – hier wurde entschieden, dass Dinge einfach so bleiben dürfen, wie sie sind. Abblätternder Putz, Fliesen mit Geschichte und Zimmer, die aussehen, als hätten sie schon mehrere Urlaubsgenerationen überlebt. Sauberkeit? Ja… irgendwo zwischen „wurde mal gemacht“ und „passt schon“. Der Pool fügt sich nahtlos ein. Fliesen fehlen, das Wasser hat Charakter und man merkt schnell: Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um Erfahrung. Nach kurzer Zeit stellt man einfach keine Fragen mehr. Die Flure sind ein eigenes Kapitel. Geschirr, Gläser und Essensreste stehen herum – teilweise so lange, dass man sie fast wiedererkennt. Ich hatte wirklich kurz das Gefühl, ein Teller denkt sich: „Ach, du schon wieder.“ Der Weg zum Zimmer wird automatisch zum kleinen Hindernisparcours – ausweichen, balancieren, nicht ausrutschen. Die Zimmer selbst sind… offen gestaltet. So hellhörig, dass man seine Nachbarn nicht nur hört, sondern aktiv am Nachtprogramm teilnimmt. Quietschen, Rufe, rhythmische Geräusche – ich habe mich ernsthaft gefragt, ob ich hier richtig bin oder ob das ein Zusatzangebot ist. Privatsphäre wird hier eher flexibel gehandhabt. Dann kommt das Restaurant – oder wie ich es nennen würde: die Hauptbühne. Frühstück, Mittag- und Abendessen folgen alle dem gleichen Prinzip: Wer sich durchsetzt, wird satt. Die Atmosphäre erinnert an einen Bahnhof kurz vor dem Ausnahmezustand – nur ohne Plan, dafür mit vollem Einsatz. Es wird gedrängelt, geschoben, gerufen und kommentiert. Und alle wirken dabei erstaunlich routiniert. Der erste Schritt: Sitzplatz sichern. „Ist hier noch frei?“ ist keine Frage – das ist eine Ankündigung. Während man noch reagiert, sitzt schon jemand. Dann das Buffet. Oder besser gesagt: der nächste Hindernisparcours. Die Teller werden nicht gefüllt, sie werden aufgebaut. Teilweise so ambitioniert, dass man kurz denkt, das müsste statisch geprüft werden. Es wird geschnappt, gedrückt, seitlich reingearbeitet – Besteck verschwindet schneller, als man schauen kann. Das Essen selbst ist gar nicht schlecht – wirklich nicht. Aber komplett Convenience. Funktioniert, sättigt, überrascht nicht. Hat man es dann geschafft, sitzt man endlich: Essen da, Getränk da – ein kurzer Moment von Ruhe. Dann steht man auf. Kommt zurück. Und alles ist weg. Nicht aufgeräumt – einfach verschwunden. Getränke weg (auch halb voll), Besteck weg, Servietten weg. Der Tisch sieht aus, als hätte man nie existiert. Also wieder los, wieder anstellen, wieder von vorne. Ein System, das erstaunlich gut funktioniert – nur eben nicht für den Gast. Dazu kommt diese Geräuschkulisse. Teller knallen, Besteck scheppert, Gläser krachen – und ich bin mir sicher: Das ist kein Zufall. Das ist Konzept. Wahrscheinlich eine Art internes Programm: „Gäste in Bewegung halten – akustisch unterstützt.“ Das Personal passt perfekt dazu. Von Rezeption bis Reinigung: überfordert, genervt und mit einer Ausstrahlung, die sagt: „Bitte einfach nichts fragen.“ Man hat eher das Gefühl, man ist nicht Gast – man ist Teil des Ablaufs. Draußen am Pool geht das Ganze dann weiter. Alkohol fließt, die Lautstärke steigt und irgendwann merkt man: Jetzt läuft hier ein eigenes Programm. Im Hintergrund diese fröhliche Dauermusik, die einfach immer da ist. Im Pool stehen die Animateure und machen Wassergymnastik vor. Arme hoch, Arme runter, bisschen wippen – und die Gäste machen das mit. Ernsthaft. Engagiert. Und ich stehe da, schaue rein und denke: „Soll ich da jetzt mitmachen…?“ Und im nächsten Moment musste ich innerlich so lachen, dass ich mich wirklich kurz kneifen musste. „Bin ich hier gerade wirklich richtig?“ Und dann kommt es. Der Animateur ruft: „Uha uha uha!“ Und alle schreien zurück: „UHA UHA UHA!!!“ Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Menschen im Pool, am Rand – alle schreien, alle planschen, alle machen mit. Und ich schwöre: In diesem Moment hatte ich wirklich das Gefühl, die Animateure schauen sich an und denken sich innerlich: „Das funktioniert wirklich.“ Ich war fest davon überzeugt, die verarschen die Gäste – und gleichzeitig machen alle begeistert mit. Und ich stehe da mit meinem Kaffee und denke: „Ich bin hier komplett falsch… aber irgendwie bleibe ich.“ Abends wird es dann… anders ruhig. Elvis Presley läuft in Dauerschleife auf einer Leinwand, davor sitzen Gäste, trinken weiter und schauen zu – irgendwo zwischen nachdenklich und einfach noch da. Am Ende bleibt ein klares Fazit: Top Lage, aber komplett runtergewirtschaftet. Überfordertes, genervtes Personal, laute Gäste und ein Erlebnis, das man so nicht buchen kann – aber definitiv bekommt. Und ein kleiner Gruß an das Hotelmanagement: Wenn das alles genau so geplant ist – dann muss ich sagen: Respekt. Das Konzept ist wirklich bis ins Detail durchgezogen. Und wenn nicht… dann haben Sie etwas geschaffen, das man garantiert nicht vergisst. Ich gehe jetzt zu meinem nächstem Urlaubsziel
- ZimmergrößeEher gut
- SchlafqualitätSchlecht
- SauberkeitSehr schlecht
- EssensauswahlEher schlecht
- GeschmackEher schlecht
Ambiente beim Essen
- Shorts & T-Shirt
Bester Service
- Nirgends


