Für die 27 verbliebenen, operativen Flugzeuge der Lufthansa Cityline ist Schluss: Der Lufthansa-Konzern hat am 16. April 2026 die sofortige Einstellung seiner Regionaltochter bekannt gegeben. Bereits am Samstag sollen die Maschinen vom Typ Canadair CRJ endgültig aus dem Flugplan verschwinden.
Komplett überraschend kommt das Ende der Cityline nicht. Lufthansa-Finanzvorstand Till Streichert betont in einer Pressemitteilung, man habe "die perspektivische Herausnahme der CityLine aus unserem Programm bereits unabhängig von der aktuellen geopolitischen Krise seit längerem als Teil unserer strategischen Weiterentwicklung gesehen. Die aktuelle Krise zwingt uns, diese Maßnahme nun früher umzusetzen."
Die Flugzeuge stünden ohnehin kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und verursachten vergleichsweise hohe Betriebskosten.
Cityline-Aus war bereits geplant
Eigentlich war die Stilllegung der Cityline erst für 2028 vorgesehen. Die Streikwelle bei Piloten und Kabinenpersonal, kombiniert mit gestiegenen Kerosinpreisen, verursache nach Angaben des Konzerns Handlungsbedarf. "Das Paket zur beschleunigten Umsetzung von Flotten- und Kapazitätsmaßnahmen ist angesichts der stark gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität unumgänglich", sagt Streichert.
Hintergrund der Eskalation ist der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus. Die Kerosinpreise haben sich laut Lufthansa seit Ausbruch des Konflikts mehr als verdoppelt. Zwar ist der Konzern bei rund 80 Prozent seines Treibstoffbedarfs über den Rohölpreis abgesichert – die restlichen 20 Prozent müssen jedoch zu aktuellen Marktpreisen eingekauft werden. Genau diesen Anteil will die Lufthansa nun um etwa zehn Prozent reduzieren.
Die Cityline war bislang vor allem für Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München zuständig und sorgte dafür, dass Langstreckenmaschinen ausgelastet waren. Ein Teil dieser Aufgaben soll künftig von der neuen Schwestergesellschaft Lufthansa City Airlines übernommen werden – ein vollständiger Übergang dürfte allerdings nur schrittweise erfolgen.
Gewerkschaft UFO spricht von "offenem Krieg"
Für die Beschäftigten hat die Entscheidung drastische Folgen. Des Konzerns zufolge seien allen Beschäftigungsgruppen Anschlussbeschäftigungen innerhalb des Konzerns angeboten worden. Mit den Betriebspartnern der Cityline sollen nun Gespräche über Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen werden.
Die Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) reagierte entsetzt. "Wir sind erschüttert und schockiert über so viel Skrupellosigkeit", sagt der Leiter der UFO-Tarifpolitik, Harry Jäger, laut "tagesschau" gegenüber Reuters. Die Maßnahme sei ein "offener Krieg gegen die eigenen Leute". Die UFO hatte vor der Lufthansa-Mitteilung zu einer weiteren Runde im Arbeitskampf bei der Cityline aufgerufen.
Auf ihrer Homepage wendet sich die Gewerkschaft direkt an ihre Mitglieder und schreibt etwa: "Ihr habt gekämpft, das war mutig. Ihr habt Gesicht und Flagge gezeigt, habt den Konzern an seine Verantwortung erinnert. Daran, dass in der Lufthansa CityLine echte Menschen arbeiten – aus Fleisch und Blut. Dass am Folgetag die Stilllegung verkündet wird, ist perfide. Dass die Pläne dafür schon lange fertig in der Schublade liegen, sieht man schon daran, dass das gesamte Geschäft noch am gleichen Tag auf eine der günstigeren Töchter umgeklappt wird."
Parallel zur Cityline-Einstellung hat der Konzern weitere Einschnitte angekündigt. Mit Ablauf des Sommerflugplans verabschiedet sich die Lufthansa von ihren letzten vier A340-600, außerdem werden zwei Boeing 747-400 über den Winter stillgelegt. Im Winterflugplan 2026/27 folgt dann eine zusätzliche Reduzierung der Kurz- und Mittelstrecke der Kernmarke um fünf Flugzeuge. Im Gegenzug soll die günstiger arbeitende Tochter Discover Airlines neun weitere Airbus A350-900 erhalten. Zusätzlich gebe es neue Sparvorgaben "für Stellenbesetzungen, interne Veranstaltungen und externe Beratungsleistungen" – zusätzlich zum bereits bestehenden Vorhaben, konzernweit bis 2030 rund 4.000 Verwaltungsstellen abzubauen.
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