Nationalfeiertag
Schweizer Traditionen am 1. August: Diese Bräuche solltest Du einmal erlebt haben
Vor über 700 Jahren schlossen die lokalen Eliten verschiedener Täler rund um die Schweizer Gebiete Schwyz, Uri und Unterwalden ein Schutzbündnis, das sie im Schweizer Bundesbrief von 1291 festhielten. Dieses Ereignis gilt als Ursprung der Schweizer Eidgenossenschaft und wird jedes Jahr am ersten August, dem Nationalfeiertag, mit vielen Bräuchen und Traditionen gefeiert. Wir zeigen Dir, wo und wie Du diesen besonderen Tag selbst erleben kannst.
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Alle anzeigenHöhenfeuer auf den Bergen
Wenn alte Signalzeichen wieder aufleuchten
Lange bevor es Telefone oder Telegraphen gab, kommunizierten die Menschen in den Alpen mit Feuer. Entzündete Höhenfeuer dienten als Warnsignal, als Botschaft von Gipfel zu Gipfel. Heute sind die weithin sichtbaren Flammen ein starkes Symbol für Zusammenhalt und regionale Identität geworden. Besonders eindrucksvoll lassen sich diese Feuer auf bekannten Aussichtsbergen wie der Rigi, dem Pilatus, dem Säntis oder dem Niesen beobachten. Die Berge wirken in dieser Nacht, als läge eine Kette aus Sternen darüber. Wenn Du das Spektakel aus der Nähe betrachten möchtest, solltest Du vorher einen Blick auf die Fahrpläne der Bergbahnen werfen, um gut auf und wieder vom Berg herunterzukommen. Eine warme Jacke und eine zuverlässige Stirnlampe für den sicheren Rückweg im Dunkeln gehören ebenfalls ins Gepäck.
Lampionumzüge
Kleine Lichter mit langer Tradition
Wenn die Sonne untergeht, ziehen vielerorts Kinder mit bunten Lampions durch die Straßen. Die papiernen Laternen sind oft von Hand gefertigt und zeigen klassische Schweizer Motive wie das Schweizer Kreuz, Kühe oder Almhütten. Dieser Brauch wird seit Generationen gepflegt und gibt den Feierlichkeiten eine ruhige, familiäre Stimmung. Für BesucherInnen bietet sich ein schöner Einblick in das lokale Gemeinschaftsleben, abseits der großen Events. Wer mit der eigenen Familie reist, kann in den Tagen vor dem Fest in vielen Supermärkten passende Lampions erwerben, sodass die eigenen Kinder an den Umzügen teilnehmen und diese Tradition hautnah miterleben können.

Mathis' Tipp
Nationalfeier in Basel
In Basel beginnt der Schweizer Nationalfeiertag traditionell bereits am Abend des 31. Juli mit der Bundesfeier am Rhein. Entlang beider Rheinufer verwandelt sich die Innenstadt in ein großes Stadtfest. Rund 100 Verkaufsstände, Livemusik und verschiedene Programmpunkte ziehen dabei jedes Jahr etwa 100.000 Besucherinnen und Besucher an.
Höhepunkt des Abends ist das Feuerwerk um 23 Uhr, das von zwei Schiffen auf dem Rhein aus gezündet wird. Besonders gute Sicht hast Du am Kleinbasler Rheinufer zwischen Johanniter- und Wettsteinbrücke. Am eigentlichen Nationalfeiertag folgt dann die offizielle Bundesfeier auf dem Bruderholz mit Festrede, Nationalhymne, Lampionumzug und Höhenfeuer.
Alphornkonzerte
Der Klang der Alpen
Das Alphorn gehört wie kaum ein anderes Instrument zur Schweiz. Ursprünglich nutzten Hirten die langen Holzhörner, um über große Entfernungen hinweg Signale auszutauschen. Heute ist ihr tiefer, tragender Klang ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten am 1. August. Besonders im Berner Oberland, in Appenzell oder der Innerschweiz kann man an diesem Tag Alphornbläser erleben, die mit ihren Instrumenten die Landschaft zum Klingen bringen. Einfach die Ohren offenhalten – meist hört man die Hörner schon von Weitem.
Fahnenschwingen
Wenn Stoffbahnen durch die Luft kreisen
Das Fahnenschwingen gehört zu den ältesten Ausdrucksformen des Schweizer Brauchtums. Seine Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück, als Fahnen eine wichtige Rolle bei Zünften, Milizen und Söldnerverbänden spielten. Aus den einstigen militärischen Symbolen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine kunstvolle Tradition.
Heute zeigen geübte FahnenschwingerInnen beeindruckende Choreographien, bei denen große Fahnen durch die Luft wirbeln und präzise wieder aufgefangen werden. Rund um den Nationalfeiertag sind solche Vorführungen in vielen Orten Teil des offiziellen Programms.
Die Bundesfeier auf dem Rütli
Am symbolischen Ursprung der Schweiz
Kein Ort in der Schweiz trägt so viel symbolisches Gewicht wie die Rütliwiese am Vierwaldstättersee. Der Legende nach schworen hier die Vertreter der Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden ihren Bund. Ob das tatsächlich so war oder nicht, spielt heute eine untergeordnete Rolle. Die Rütliwiese ist zum Erinnerungsort einer ganzen Nation geworden, und die offizielle Bundesfeier, die hier am 1. August begangen wird, zieht Menschen aus der ganzen Schweiz an. Die Teilnahme erfordert eine Anmeldung, da die Wiese nur eine begrenzte Zahl an BesucherInnen fasst.
Alternativ lohnt sich eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Viele Veranstalter bieten am Nationalfeiertag besondere Fahrten mit Gastronomie und Abendprogramm an. Von Deck kannst Du dann beobachten, wie an den Ufern nach und nach die Höhenfeuer aufflammen und Feuerwerke den Nachthimmel erleuchten.

Mathis' Tipp
Fire on the Rocks am Rheinfall
Der Rheinfall zählt zu den bekanntesten Naturattraktionen der Schweiz. Rund um den Nationalfeiertag verwandelt sich der Wasserfall in eine spektakuläre Bühne für Licht- und Feuerinszenierungen. Besonders bekannt ist die Veranstaltung Fire on the Rocks. Dabei werden die Felsen und das tanzende Wasser des Rheins in farbiges Licht getaucht, während Feuerwerke den Himmel über dem Rheinfall erhellen.
Gute Aussichtspunkte befinden sich unter anderem rund um Schloss Laufen sowie auf verschiedenen Aussichtsterrassen entlang des Rheinufers. Da die Veranstaltung jedes Jahr viele Besucher anzieht, lohnt sich eine frühe Anreise. Wer genügend Zeit mitbringt, kann den Tag zudem nutzen, um die Stadt Schaffhausen näher kennenzulernen.
Festreden und Nationalhymne
Kulinarik
Was am 1. August auf den Tisch kommt
Zum Schweizer Nationalfeiertag gehören auch besondere kulinarische Traditionen. Besonders bekannt ist der 1.-August-Weggen, ein kleines Milchbrötchen mit eingebackenem Schweizer Kreuz. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Bäckereien als festliches Gebäck zum Nationalfeiertag eingeführt und gehört heute in vielen Familien zum Frühstück am 1. August.
Beliebt sind auch Grillabende im Familien- und Freundeskreis mit regionalen Spezialitäten. In der Innerschweiz und im Berner Oberland kommen meist Käse aus den Alpen sowie Würste und Trockenfleisch auf den Tisch, während im Wallis häufig Raclettekäse und lokale Weine serviert werden. Besonders authentisch lässt sich diese Tradition beim 1.-August-Brunch auf einem Bauernhof erleben.
Brunch auf dem Bauernhof
So beginnt der Feiertag in vielen Regionen
Eine vergleichsweise junge Tradition ist der 1.-August-Brunch auf Schweizer Bauernhöfen. Seit den frühen 1990er-Jahren öffnen landesweit zahlreiche Betriebe ihre Türen und laden Gäste zum gemeinsamen Frühstück ein. Inzwischen beteiligen sich jedes Jahr rund 270 Höfe an der Aktion.
Auf den Tischen stehen regionale Produkte wie frischer Zopf, verschiedene Käsesorten, Rösti, hausgemachte Konfitüren und andere Spezialitäten aus der jeweiligen Region. Gleichzeitig erhalten Besucher Einblicke in den landwirtschaftlichen Alltag und lernen Produzenten direkt kennen.
Für Reisende ist dieser Brauch eine angenehme Möglichkeit, den Feiertag entspannt zu beginnen. Viele Höfe liegen in ländlichen Regionen mit schönen Ausflugsmöglichkeiten für den restlichen Tag. Da die Nachfrage hoch ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung, besonders in beliebten Feriengebieten.
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