Ranking für Auswanderer
Wohin auswandern? Die Top Ten im weltweiten Vergleich
Wer den Schritt wagt, dauerhaft im Ausland zu leben, stellt sich früher oder später drei zentrale Fragen: Reicht das Budget? Ist die Sicherheitslage akzeptabel? Funktioniert der Alltag – sprachlich, medizinisch, praktisch? Eine aktuelle internationale Analyse hat genau diese Aspekte für 35 Metropolen auf sechs Kontinenten untersucht. Das Ergebnis: eine Rangliste der zehn attraktivsten Ziele.
Die kürzlich von der Beratungsfirma Global Citizen Solutions (GCS) präsentierte Untersuchung ist deren erste Publikation in diesem Bereich. Bewertet werden sieben Kriterien: Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Luftqualität, Gesundheitsversorgung, Integrationsfreundlichkeit, Englischkenntnisse sowie die Reisefreiheit durch den jeweiligen Reisepass. Sicherheit und Gesundheit fließen dabei am stärksten in die Bewertung ein, danach folgen die Kosten.
Ein wesentlicher Kontext
Beim Interpretieren der Ergebnisse lohnt der Blick auf die Quelle: Global Citizen Solutions ist eine Beratungsfirma, die unter anderem Portugals Golden Visa sowie das portugiesische Digital Nomad Visa bewirbt. In der Untersuchung selbst verlinkt GCS direkt im Kapitel über Lissabon auf die eigenen Beratungsleistungen.
Die ersten zehn Plätze belegen Lissabon, Amsterdam, Melbourne, Wien, Barcelona, Singapur, Auckland, Tokio, Kopenhagen und Seoul. Fünf dieser Städte befinden sich in Europa, drei in Asien und zwei in Ozeanien.
Lissabon: konstant, ohne gravierende Schwachstellen
Lissabon führt in keiner einzelnen Kategorie, schneidet aber überall ordentlich ab. Die portugiesische Hauptstadt ist preiswerter als Wien, Amsterdam oder Kopenhagen, verfügt über saubere Luft und gilt laut Untersuchung als sicherer denn Barcelona, Paris oder Rom. Hinzu kommen verschiedene etablierte Aufenthaltstitel wie das Golden Visa und das Digital Nomad Visa – wobei genau diese Programme zum Geschäftsmodell des Herausgebers zählen.
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Amsterdam und Melbourne: zwei deutlich unterschiedliche Ansätze
Amsterdam (Platz 2) punktet mit hoher Sicherheit, guter Gesundheitsversorgung und sauberer Luft. Außerdem: Nirgendwo in Europa kommt man mit Englisch so problemlos zurecht wie hier. Nachteile sind das hohe Preisniveau und ein eher schwacher Wert in puncto soziale Integration.
Melbourne (Platz 3) ist die bestplatzierte Stadt außerhalb Europas. Englisch und Luftqualität sind hervorragend, die Sicherheit liegt allerdings deutlich unter dem Niveau der europäischen Spitzenreiter.
Wien: medizinisch herausragend, sozial schwierig
Wien (Platz 4) bietet die beste Gesundheitsversorgung aller europäischen Städte in der Analyse; weltweit rangiert nur Seoul davor. Dazu vergleichsweise moderate Preise (nach nordeuropäischen Maßstäben), guter ÖPNV, viel Grün. Was weniger gut funktioniert: Neuankömmlinge fühlen sich laut Untersuchung nirgendwo in den Top 10 so schwer willkommen wie in Wien.
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Plätze 5 bis 10
Barcelona (5) punktet bei der sozialen Integration: Rund 26 Prozent der Stadtbevölkerung sind laut Stadtverwaltung Ausländer. Weniger positiv fällt dafür die Sicherheit aus.
Singapur (6) führt das Ranking bei der Reisefreiheit per Pass an und teilt sich den Englisch-Spitzenwert mit drei weiteren Städten. Allerdings ist sie auch die teuerste Stadt der Top 10.
Auckland (7) glänzt mit Luftqualität und Englisch, schwächelt aber – wie Melbourne – bei der Sicherheit.
Tokio (8) ist sicher und medizinisch sehr gut versorgt. Größte Hürde: Englisch hilft im Alltag wenig.
Kopenhagen (9) hat Sicherheit, Gesundheit, Luft und Mobilität auf hohem Niveau, wird aber durch hohe Kosten ausgebremst. Nach Singapur ist sie die zweitteuerste Stadt der Top 10.
Seoul (10) bietet die beste Gesundheitsversorgung im gesamten Ranking. Dafür hapert es bei Luftqualität, Englisch und Integration.
Was die Untersuchung offenlegt
Die AutorInnen beschreiben drei wiederkehrende Spannungsfelder: Günstige Städte wie Ho-Chi-Minh-Stadt, Nairobi, Bali oder Tiflis schwächeln häufig bei Gesundheitsversorgung oder Sicherheit. Strukturell starke Städte wie Wien, Kopenhagen und Amsterdam sind dagegen nicht automatisch die, in denen man sich schnell zuhause fühlt. Und wer in einer Einzelkategorie weltweit führt – Dubai bei Sicherheit, Panama-Stadt bei Luftqualität, Seoul bei Gesundheit -, ist deshalb noch lange nicht oben im Gesamtranking.
Das Ranking reiht sich neben bekannte Vergleiche wie den Mercer Quality of Living City Ranking, den EIU Global Liveability Index oder InterNations Expat Insider ein, setzt aber andere Schwerpunkte. Während etwa Mercer vor allem für die Personalentsendung großer Unternehmen entwickelt wurde, richtet sich diese Studie ausdrücklich an Einzelpersonen, die selbst über einen Umzug entscheiden. Am Ende ist es weniger eine objektive Bestenliste als eine Landkarte: Welche Stadt zu wem passt, hängt davon ab, was einem persönlich wichtig ist.